LADAKH

 Erlebnisse und Erfahrungen in
„Klein Tibet“ im Norden Indiens

  • tibetische Kultur und Klöster

  • Jeep Safari in das Nubra-Tal

  • Homestay-Trekking

 

Leh mit Palast
Puja in Tirske, Ladak
Homestay Trekking, Ladakh

 

 

Reisebericht 17.09.07 – 06.10.07

 

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© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Januar 2008

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1./2. Tag - 17./18.09.2007

 

So schnell vergeht die Zeit. 6 Wochen sind vorüber die Govinda, mein nepalischer Sohn und HIMATREK-Partner bei uns in Deutschland verweilte. Nun befinden wir uns im Anflug auf Doha.

 

Gestern war der Tag des Abschiedes gekommen. Meine Frau Dorlis, Tanja und Carina hatten uns mit den Enkeln Lara und Nick zum Bahnhof in Gelsenkirchen gebracht. Ein Schnuller des gerade 6 Monate alten Nicks hängt an meinem Rucksack und wird mich in den kommenden Wochen durch das Land der Yeti begleiten. Lara, 18 Monate alt, wird Flugzeuge und Züge mit ihrem Opa in Verbindung bringen. In Frankfurt angekommen, wünschen uns auch Rudra und Dev eine gute Reise, die hier bei Kunden zu Gast sind und fleißig deutsch lernen. In 3 Tagen werden die beiden ebenfalls nach Kathmandu fliegen und dort ihre Tätigkeit als Trekking-Guides wieder aufnehmen

 

Beim Verlassen des Airbus der QATAR in Doha trifft uns der Hitzschlag. Daheim in Deutschland hatten wir uns an kaltes, nasses Wetter und auf unserer Alpentour auch an Schnee gewöhnt. Zum Glück ist der Flughafen angenehm klimatisiert um die 3 Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Delhi zu überleben. Gegen 9 Uhr haben wir unsere Plätze im Airbus nach Delhi eingenommen. Die Klimaanlage kämpft gegen die Hitze an Bord und bewältigt diese brutal mit eisigem Dunst aus den Lüftungsschlitzen. Es wird bitter kalt und hier hilft nur der dicke Pullover, der zum Glück im Handgepäck steckt. Warten wir ab, was uns in Delhi blüht.

 

Ein Dampfkessel erschlägt uns beim Verlassen des Flughafens: Indische Hitze und eine gehörige Portion Luftfeuchtigkeit. Der Schweiß rinnt freiwillig, ohne eigene körperliche Anstrengung, von der Stirn. Das T-Shirt klebt bestens auf der Haut. Kunga, unser Betreuer von Overland Escape sorgt dafür, dass wir nach etwa 30-minütiger Fahrt durch chaotischen Verkehr unser Hotel „Swati Delux“ erreichen. Dort erwarten uns bereits meine Mitreisenden Beate, Gundula, Thea, Jürgen und Volker, die ich teilweise schon von unserem Nepaltag in Berlin kenne. Nach kurzer Begrüßung suchen Govinda und ich eine Erfrischung unter der lauwarmen Dusche. Das frische Hemd ist aber nach wenigen Metern zum naheliegendem Restaurant wieder nass. Dort betreten wir einen Kühlschrank. Zum Glück finden wir eine Ecke, wo nicht noch zusätzlich ein Ventilator in den Nacken bläst. Auf jeden Fall wird der Pullover benötigt. Nach einem schmackhaften indischen Essen, dessen Zusammenstellung wir teilweise Govinda überließen, zieht sich einer nach dem anderen auf sein Zimmer zurück. Morgen früh müssen wir bereits um 2:30 Uhr wieder aus den Federn, zum Flug nach Leh.

 

3. Tag - 19.09.2007

 

Dem Dampfkessel Delhi sind wir entkommen. Am Inlandflughafen von Delhi ist Dorothee aus Bremen zu uns gestoßen. Damit ist das HIMATREK-Team komplett. Govinda hat sich bereits gestern verabschiedet und wird morgen nach Kathmandu fliegen. Mit der guten alten Boing 737, welche von der Ausstattung her zu urteilen eine ehemalige LH-Maschine ist, heben wir pünktlich um 6 Uhr ab. Erinnerung: In diesem Flugzeugtyp musste ich 1972 meine erste Dienstreise von Düsseldorf nach Nürnberg antreten. Damals in Angstschweiß gebadet.

 

Eine Stunde später landen wir in Leh, der Hauptstadt von Ladakh. Beim Landeanflug genießen wir den herrlichen Blick auf das gewaltige, karge von hohen Bergen durchsetzte tibetische Hochplateau. Auch von ursprünglichen Ladakh haben sich die Chinesen einige Landstriche genommen. Jedoch ist das heutige Ladakh als Teil von Indien tatsächlich autonom und verdient den Namen „Klein Tibet“ zu Recht. Hier leben fast ausschließlich Ladakhi. Bereits auf der kurzen Fahrt zum Hotel „Holiday Ladakh“ begrüßen uns Gebetsfahnen und Stupas. Aus dem Autoradio erklingt das bekannte meditative Om Mani Padme Hum. Wir befinden uns mit einem Schlag in 3.500 m Höhe. Nach kurzer Begrüßung und Tee ziehen wir uns zwecks Ruhe und Akklimatisierung auf die Zimmer zurück. Ein mir bislang unbekannter aber m.E. wichtiger Tipp wird uns noch mitgegeben: Heute noch keine Dusche benutzen, um den Kreislauf nicht unnötig zu belasten.

 

Die Zeit ist auf 11 Uhr vorgerückt. Zwei Stunden Schlaf taten gut. Ich informiere Dorlis, dass ich gut angekommen bin. Auf der Terrasse treffe ich zu meiner Überraschung Helga und Hans-Jürgen, deren bei uns gebuchte Reise schon langsam zu Ende geht. Im August hatten wir uns anlässlich des Nepaltages in Essen persönlich kennengelernt. Dies war die Gelegenheit, die gemachten Erlebnisse und Erfahrungen zu hinterfragen.

 

 

Nach dem Mittagessen entscheiden Thea, Jürgen und ich einen kleinen Spaziergang in das Zentrum von Leh mit seinen Basaren zu unternehmen. Da ich/wir den vom Hotelier auf der Karte erläuterten Weg vom Hotel zur Altstadt falsch interpretiere(n), werden aus 15 Minuten Fußweg  knapp 2 Stunden. So wären wir schon fast wieder am Flughafen, wenn uns nicht ein hilfreicher Polizist den richtigen Weg gewiesen hätte. Nach einer gemütlichen Rast in einem schattigen Gartenrestaurant erreichen wir schließlich doch die Innenstadt von Leh. Dort erklimmen wir das Leh-View-Restaurant und genießen die Aussicht bis die Abendsonne den alten Königpalast erstrahlen lässt. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir gerade noch unser Hotel.

 

4. Tag - 20.09.2007

 

Morgens um 7 Uhr erschallt 3-mal das große Horn vom Dach des Kloster Thikse über das weite Tal. Es ist der Weckruf an die Mönche pünktlich zur Versammlung in der Gebetshalle zu erscheinen. Als letzte Mahnung erklingen zum Abschluss die kleinen Muschelhörner und auch wir begeben uns nun zur Puja, der Morgenandacht, in die Versammlungshalle. Dem monotonen Singsang der Mantras, dem zwischenzeitlichen Schlagen der Trommeln und dem tiefen Klang der Hörner lauschend, versinken auch wir ebenfalls in eine Art Meditation. Während der Zeremonie huschen geschwind die Klosterschüler (Novizen) durch die Halle und versorgen die Anwesenden mit Buttertee und einem einfachen Frühstück, Tsampa, zubereitet aus Mehl und Wasser. Auch wir frühstücken etwas später in einem dem Kloster zugehörigen Restaurant, nachdem Lobsang, unser Guide uns noch einige Sehenswürdigkeiten gezeigt hat.

 

Das Kloster Thikse steht auf einem Bergrücken oberhalb des sich an der Straße von Leh am Indus entlangziehenden gleichnamigen Dorfes. Es gleicht einer Miniaturausgabe des Potala in Lhasa, umsäumt von unzähligen Chörten und den einfachen Quartieren der Mönche. Gegründet vom Orden der Gelbmützen, orakelte bereits dessen Gründer Tsongkhapa in Tibet, dass seine Lehren auf der rechten Seite des Flusses (Indus) gedeihen. Er hat recht behalten. Obwohl Thikse mit 35 % moslemischen Bevölkerungsanteil zu den islamischen Hochburgen in Ladakh zählt, leben hier Moslems und Buddhisten in friedlicher und harmonischer Gesinnung miteinander.

 

Das nächste Ziel ist die örtliche Dorfschule. Bereits im Kindergartenalter von 4 Jahren werden die Jüngsten spielerisch in die englische Sprache eingewiesen. Gelehrt werden neben der Landessprachen Indisch und Lakaki auch Tibetisch. Hinzu kommt noch die lokale Muttersprache. So wachsen die Kinder 5-sprachig auf. In den höheren Klassen wird meist in englisch unterrichtet. Bleiben wir bei den Kleinsten. Unserem Wunsch folgend werden uns einige Lieder und Tänze vorgeführt, nachdem wir versprochen hatten, auch ein Ständchen aus unserer Heimat zum Besten zu geben. Mit viel Beifall erledigten Beate, Dorothee und Gundula dies mit dem Kinderlied „Hänschen klein“.

 

 

Durch das weite grüne Tal, durch welches sich der Indus schlängelt und sich die Gipfel des Stok-Gebirges mit dem markanten pyramidenförmigen 6.120 m hohen Stok Kangri erheben, wandern wir in Richtung des alten Palastes von Shey. Shey war die erste Hauptstadt von Ladakh, bis dann im 15. Jahrhundert der Regierungssitz nach Leh verlegt wurde

 

Den Barbier von Leh habe ich schließlich auch gefunden. Klar doch, dort neben der Moschee in der Altstadt haben sie sich alle niedergelassen, um den Bart des Propheten in Form zu halten. Während ich mir die nötige Rasur und Gesichtspflege gönne, lasse ich den gestrigen Tag Revue passieren. So einfach und leicht zu finden ist der Weg vom Hotel in die Stadt. Einfach nur links nach der Hotelzufahrt und dann immer gerade aus. Da waren wir wohl gestern doch Höhenkrank. Bis zum Sonnenuntergang bummle ich noch etwas durch Leh und versuche irgendwo eine gescheite Karte über Ladakh zu finden. Erfolglos, das Material ist katastrophal und die spärlichen Höhenangaben jenseits von Gut und Böse. Harry Potters neuester Roman liegt hingegen bereits in der kleinsten Buchhandlung aus. In einen kleinen Juweliergeschäft entdecke ich das lang gesuchte tibetische Halsband. Wenn die Steine tatsächlich Koralle und Türkis sind, scheint mir der von 40  auf 15 EUR herunter gehandelte Preis akzeptabel. Den Kauf verschiebe ich auf morgen, werde Lobsang um Rat bitten und zumindest eine Nacht darüber schlafen.

 

5. Tag - 21.09.2007

 

Nur Dorothee, Thea und ich begeben uns auf den Weg zum Kloster Hemis. All die anderen haben die Akklimatisierungsphase nicht so recht überstanden bzw. sich irgendeinen Virus (aus Delhi?) eingefangen. Nach kontinentalem Frühstück mit Toast, Marmelade und Ei fahren wir mit Lobsang, diesmal in einem Fahrzeug, wieder entlang des Indus flussaufwärts in Richtung tibetischer Grenze. Beidseitig des Tales erheben sich die kargen Berge die vor Urzeiten aus dem Meer empor gestemmt wurden. Deutlich sind die Segmente der Ablagerungen erkennbar, soweit nicht die über Millionen Jahre stattgefundene Erosion durch Wind, Regen, Kälte und Hitze die Gesteinsmassen nicht zur zu Geröll und Sand zerkleinert hat sondern auch so manche bizarre Formationen entstehen ließ. Wir zweigen in ein Seitental ab und nach einigen Kehren erstrecken sich vor uns schier unendliche Manimauern an dessen oberen Ende einige kleinere Chörten (Stupa) stehen. Grund genug ein paar Meter zu Fuß zu gehen, um die wunderbare Landschaft zu genießen und die unzähligen mit Mantras versehenen Steine entlang der Manimauern zu betrachten. Zwischen schroffen Felswänden stehen wir schließlich vor dem Kloster.

 

Mit 500 Mönchen ist Hemis das größte und wohl auch reichste Kloster von Ladakh. Vor 350 Jahren von Tagtsang Repa gegründet, entging es Dank seiner versteckten Lage den Plünderungen feindlicher Armeen und konnte so seine Schätze wahren.

 

Das Lunchpaket ist im Rucksack verstaut und damit beginnt unser „Spaziergang“ zur Einsiedelei. Der Weg führt leicht ansteigend entlang eines plätschernden Baches durch schattigen, in der Sonne goldig leuchtenden, Herbstwald. Es ist bereits Mittag und ich frage Lobsang wann er das Picknick geplant habe. Es wird noch etwas dauern und so tanken wir zumindest etwas Flüssigkeit nach. Kurz darauf zweigt der Weg in ein Seitental ab und führt unerwartet steil hinauf wo das Kloster Gothsang, die Einsiedelei thront. Langsam und bedächtig führt uns Lobsang hinauf und legt zur rechten Zeit kleine Verschnaufpausen ein. Mein Gefühl sagt mir, dass wir 4.000 m überschritten haben müssen. Etwas außer Atem schaffen wir die letzen Meter bis zum Picknick-Platz, dem Gastraum der beschaulichen Klosteranlage. Wie hoch wir denn nun sind wissen weder Lobsang noch unsere Reiseführer. Wir gönnen uns das wohlverdiente Mittagessen, zu welchen uns ein freundlicher Mönch mit Milchtee versorgt.

 

 

Plötzlich erschallt das dumpfe Dröhnen einer Pauke. Kommt dort etwa eine Prozession des Weges? Nichts ist zu sehen, denn wir stehen auf dem Dach der Gebetshalle, in welcher gerade die mittägliche Puja beginnt. Eine steile Steintreppe hinunter nehmen wir die Chance wahr, gemeinsam mit den anwesenden 6 Mönchen an der Zeremonie teilzunehmen. Anschließend führt uns der Abt durch die gesamte Anlage bis wir schließlich in der Küche landen und dort zum gemeinsamen Essen eingeladen werden. Wir zwängen uns auf die niedrige Bank und falten so gut es geht unsere Beine. Eine kleine Portion Reis mit Linsen und Gemüse (Dhaal Bhaat kennen wir aus Nepal) lassen wir uns schmecken, gekrönt mit einem guten, frisch zubereiteten, Buttertee. Hier in dieser gemütlichen Küche finden wir dann, an einen Schrank geheftet, die Höhenangabe: 4.250 m! Übrigens, Helga und Hans-Jürgen sind inzwischen auch hier oben angekommen mit denen ich mich heute Abend zum indischen Essen verabrede.

 

Noch ein paar Worte zur Einsiedelei. Diese wird in den Sommermonaten nur von wenigen Mönchen bewohnt. Die meisten Mönche (auch der Klöster) kommen z.B. zur Erntezeit zu ihren Familien ins Dorf, um dort zu helfen. Ist die Arbeit getan, kehren die Mönche wieder ins Kloster zurück und bringen teilweise wie hier zur Einsiedelei auch ihre Verwandten mit, um die eisigen Tage der Monate Dezember bis Februar gemeinsam zu verbringen.

 

6. Tag - 22.09.2007

 

Der Vormittag steht zur freien Verfügung. Zum Frühstück ist unser Team wieder vollständig. Alle sind so weit genesen, nur Gundula wird wohl einen Arzt konsultieren müssen. Das tibetische Halsband habe ich inzwischen gekauft, sogar etwas Wäsche gewaschen und genieße Sonnenschein und Aussicht von der Terrasse des Hotels.

 

Oberhalb der 15.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Ladakhs erhebt sich auf einem Felsrücken der Königspalast . Der Löwenkönig Sennge Namgyla lies diesen neunstöckigen Palast mit seinen 100 Zimmern im Stil des Potala anlegen. Derzeitig ist er eine Baustelle und würde von jedem europäischen Sicherheitsbeauftragten sofort geschlossen werden. Unter Leitung schweizer Architekten wird der baufällige Palast, als auch das zu seinen Füßen liegende alte Leh im ursprünglichen Stil restauriert. Über etwas unsichere Leitern und Stufen durchstreifen wir die Baustelle und lernen dabei die mittelalterliche Bautechnik kennen. Tief drunten betreten wir schließlich die königliche Gebetshalle. Gespenstig, wie in Frankensteins Gruselkammer, blicken uns finstere und verstaubte Dämonen entgegen.

 

 

Den Abschluss des Tages krönt der herrliche Blick von der neu erbauten Shanti Stupa über die fruchtbare, weitläufige Oase im Seitental des Indus. Von dort führt die Straße über den höchsten befahrbaren Pass (5.606 m) der Welt in das Nubra Tal.

 

7. Tag - 23.09.2007

 

Das Abenteuer Nubra Tal nimmt seinen Lauf. Die beiden Toyota mit unseren Fahrern Sonam und Stansin sind bepackt und alle Mann an Bord. Auf geht es zum 5.606 m hohen Khardong La. Weiteres durch unseren mitreisenden Korrespondenten Volker:

 

Am Sonntag, den 23. September 2007 meldete die Bildzeitung auf ihrer Titelseite:

 

  Deutsches Himatrek-Team scheiterte zweimal am Tuckcha-Point!

 

Was steckt dahinter, fragt sich der interessierte Leser? Musste der deutsche Außenminister intervenieren? Oder ist die Frage nur von Reinhold Messner zu beantworten? Wahr ist, das ein gut vorbereitetes deutsches Team nach vielfältigen Gesundheitskomplikationen sich an jenem Sonntag anschickte, den höchsten Pass der Welt zu überqueren – 5.600 m -, um dann im reizvollen Nubra-Tal die leckeren Lunchpakete zu konsumieren.

 

Diese hochhinausfliegenden Pläne wurden durch höhere Gewalt zunichte gemacht. An den deutschen Jungs und Mädels hat es nicht gelegen. Heraufziehende Wolken, Nebel und der erste starke Schneefall zwangen das Himatrek-Team am Tuckcha-Point zum Aufgeben und zur Rückkehr ins Basislager. Der ladakhische Bergführer Lobsang entschied nach zwei Stunden und nach aufgehender Sonne eine zweite Berganfahrt, die jedoch an einem Stammesfürsten der Sikh scheiterte, der dort für die „govt of india“ die Zufahrt zum Nubra-Tal mit seinen Mannen bewacht. In heiß umkämpfte Grenzgebiete und in schöne Naturtäler reist man eben nur mit korrekter Personenanzahl und mit korrekten Personen angaben ein! Ein deutscher Reisepass und ein Visum der „govt of india“  reichen eben nicht. Diese Erfahrung musste nun auch dass Himatrek-Team machen, welches sich zuvor schon erfolgreich durch die deutsche Bürokratie kämpfte.

 

Aber nichtsdestotrotz schickte sich das Team am nächsten Tag wieder an, die beiden Goliathe Wetter und „Sesam-öffne-dich“ zu überwinden. Diese ereignete sich, und nicht wie manche spitze Zungen behaupteten, es hätte an der fehlenden Kondition des Teams oder am fehlenden Gipfelwillen gelegen. Und es stimmt auch nicht, dass Frank Walter und Angela diesmal Lösegeldforderungen ausschlagen wollten. Ach ja, und Reinhold hat gerade auf dem Nanga Parbat den Yeti mit dem Yak gekreuzt und hatte für das Himatrek-Team in ca. viertausendsiebenhundert Meter Höhe eben keine Zeit.

 

8. Tag - 24.09.2008   (Bericht zum Khardong La von Dorothee Westermann)

 

Wir nehmen den 3. Anlauf ins Nubra Tal. Das Permit ist nun ordnungsgemäß ausgestellt. Vier Engländer sind nun durch 4 Deutsche unseres Teams ersetzt. Das Wetter zeigt sich leider nicht von der besten Seite. Dunkle Schneewolken hängen über den Gipfeln. Wir starten trotzdem und überwinden nach den üblichen Formalitäten die indische Kontrollstelle. Inzwischen hat es zu schneien begonnen. Mit sicherem Geschick steuern Sonam und Stansin die Fahrzeuge die kurvenreiche schmale Straße zum Pass hinauf. Doch etwa 150 Höhenmeter unterhalb des Passes behindert eine dicke Schneedecke die Weiterfahrt. Eine ganze Kolonne Fahrzeuge steckt fest. Was nun? Gehen wir halt zu Fuß zum Pass und schauen, was weiter passiert. Mit Lobsang stiefle ich los. Die Fahrzeuge und alle anderen werden langsam folgen. Als wir den Pass erreichen, empfängt uns ein eisiger Orkan. Die unzähligen Gebetsfahnen sind im Schneetreiben kaum auszumachen. Ein Mönch knüpft seine Gebetsfahnen zwischen die knatternden Reihen. So finden auch meine einen Platz in dieser luftigen Höhe, damit die aufgedruckten Gebete und Mantras Faden für Faden in die Unendlichkeit befördert und erhört werden mögen. Mit klammen Fingern suchen wir Schutz in der kleinen Unterstandhütte und erwärmen uns mit süßen, dampfenden Milchtee. Schließlich sind wir hier alle versammelt. Weiterhin schneit es leicht. Der Parkplatz ist gerammelt voll, meist Armeefahrzeuge und Einheimische.  Touristen sind nicht ausfindig zu machen. Sollen wir die Weiterfahrt wagen oder umkehren? Problematisch sind beide Richtungen. Also vertrauen wir unseren beiden Fahrern. Nubra Tal wir kommen. 

 

Die Rutschpartie beginnt. Die ersten 200 Höhenmeter schliddern wir auf festgefahrener, stellenweise vereister Schneedecke hinunter. Es erscheint sicherer bis zur Schneefallgrenze auf etwa 5.400 m zu Fuß zu gehen. Unsere Fahrzeuge folgen. Glatte Stellen werden mit vom Wegesrand per Schaufel gekratztem Schotter entschärft. Entgegenkommende Fahrzeuge müssen angeschoben werden. Diese winterliche Situation scheint hier nicht ungewöhnlich zu sein und wird von den Einheimischen beherrscht.

 

In engen Serpentinen verläuft das schwarze Band des Asphalts hinunter in das Nubra Tal. Rechts und links erheben sich in allen Gelb- und Brauntönen gefärbte Felswände. Drunten schlängelt sich der Sheyok durch einen tiefen Canyon bis er bei Khalsar in den Nubra mündet. Hier angekommen, gönnen wir uns die redlich verdiente Teepause. Kompliment an die beiden Rallyefahrer.

 

 

Gegen 18 Uhr erreichen wir endlich unser Camp in Tyrhit, eine wunderschöne im grünen gelegene Zeltanlage mit komfortabler sanitärer Einrichtung und einem gemütlichen Gastraum.

 

9. Tag - 25.09.2007

 

Der Blumengarten, wie Nubra übersetzt heißt, liegt klimatisch geschützt zwischen der Karakoram und der Ladakh Gebirgskette und hat eine wesentlich üppigere Vegetation als Zentralladakh. Heute morgen ist es weiterhin wolkig und in den Höhenlagen hat es in der Nacht wieder geschneit. Wir begeben uns zum Kloster Diskit. Mit einem Alter von fast 600 Jahren ist es das älteste Kloster Nubras und beherbergt etwa 80 Mönche. Es klebt an einem steilen Berghang zu dem ein schmaler Fahrweg entlang zahlreicher Stupas und Manimauern führt. Die Rückseite beherbergt einen schwindelerregenden Pfad durch eine Steilwand hinab zum Wildbach, der bis vor kurzem die einzige Wasserquelle des Klosters war.

 

 

Nach ausgiebiger Besichtigung und Teilnahme an der Puja wandern wir durch das gleichnamige Dorf, welches auch Verwaltungszentrum dieser Region ist. Die Sonne lacht vom Himmel, als wir das Zentrum des Ortes mit seinen kleinen malerischen Lädchen erreichen. Weiter geht es in Richtung Hundar mit seiner weiten Sanddünenlandschaft. Der passende Ort, um zum Picknick zu rasten. Zu dieser Jahreszeit sind wir allein hier. Zählt man all die aufgestellten Abfalleimer, so herrscht hier zur Saison Massentourismus.

 

Wer ist mutig sich vom Wüstenschiff durch die Dünen schaukeln zu lassen? Der bestellte Kameltreiber naht mit seinen mongolischen 2-höckrigen Tieren, die etwas kleiner als die afrikanischen sein sollen. In der mittäglichen, zur Wüste passenden Hitze, lassen sich die Damen unseres Teams und meine Wenigkeit durch die Dünen führen.

 

Den anschließenden Ausflug zu den heißen Quellen bei Panamik hätten wir uns sparen können. Es gibt dort zwar ein Badehaus, aber nur für max. 2 Personen auf Vorbestellung.  Kein Vergleich zu den heißen Quellen in Nepal und Tibet. Gundula und ich hätten so gerne ein Bad genommen. Zurück im Camp nutzen wir dann die Duschen.

 

Zum Abendessen werden wir von der ladakhischen Familie in deren Küche zum landestypischen Mahl eingeladen. Mit frisch zubereitetem Buttertee, getrocknetem Käse mit Feigen und weiteren Köstlichkeiten lassen wir uns verwöhnen.

10. Tag - 26.09.2007

 

Ein strahlend blauer Himmel. Alle Wolken sind verschwunden. Was will man mehr. Daher war es in der Nacht auch recht kalt. Erst als die Strahlen der Morgensonne über die Gebirgskette blitzen, schwindet langsam die morgendliche Kühle. Es heißt Abschied zu nehmen von dieser grünen Oase, dem frischen Duft von Gras und Blumen, die schon bei der Ankunft unsere Geruchssinne betörten. Die Kraft der Herbstsonne erweicht schnell den Schnee in den Höhenlagen und auf der Straße schmilzt er schnell dahin. Trotz später Abfahrt erreichen wir bereits gegen 11 Uhr den Checkpoint in Khardong mit seiner Kaserne. Diese militärisch strategisch wichtigen Stützpunkte findet man allerorts im Grenzgebiet zu China und Pakistan. An diesem „schönen“ Fleck müssen wir leider gut 2 Stunden ausharren. Zunächst vermuten wir, dass der Grund für die Wartezeit die Asphaltierung der Einfahrt zur Kaserne ist. Dann heißt es, die Polizei gibt die Straße zum Pass nur abwechselnd hinauf und hinunter frei.  Dies ließ sich aber während der Fahrt hinauf zum Pass nicht nachvollziehen, da der Gegenverkehr recht heftig war. So beobachten wir aus sicherer Entfernung vor den stinkenden und schwarz qualmenden Bitumenfässern eine Weile die Arbeiter, die diese schwarze Brühe ohne jegliche Schutzmassnahmen verarbeiten müssen.

 

Oben auf 5.600 m angekommen, machen wir noch ein paar Fotos von den Gebetsfahnen, die nun im Sonnenschein daher flattern. Am Nachmittag treffen wir im Hotel Holiday ein. Dort bereiten wir uns auf die morgen beginnende Trekking-Tour vor.

11. Tag - 27.09.2007

 

Heute übernimmt Stenzing, unser Trekking-Guide, das Kommando. Den tief in die Landschaft eingeschnittenen Lauf des Indus folgend, geht die Fahrt nun flussabwärts nach Westen. Wir schauen hinunter auf die Einmündung des Zanskar, bekannt durch Dieter Glogowskis Dokumentarfilm „Der gefrorene Fluss“. Wir versuchen uns auszumahlen, wie es hier im Winter bei eisigen Temperaturen aussieht. Eine etwa 6 km lange Stichstraße führt in weit ausholenden Kurven an Dutzenden Chörten vorbei, bis man auf einer kleinen Anhöhe das Kloster Likir erreicht. Neben dem Tempelkomplex erhebt sich majestätisch die gewaltige Statue von Buddha Maitreya. Diesem, 1998 vollendeten Werk, hat auch der Dalai Lama seinen persönlichen Segen gegeben. Ansonsten gehört die zum Komplex gehörende Lu-Khyil-Gompa zu den ältesten Ladakhs, erbaut im Jahre 1065. Heute leben hier noch etwa 100 Gelbmützen-Mönche.

 

 

Zufall? Wieder treffen wir zur richtigen Zeit ein, als 5 Mönche draußen auf dem Dach ihre mittägliche Puja halten. Weit über das karge Tal hinaus erschallt das Dröhnen der Hörner und das Schlagen der dumpf klingenden Trommeln zu den monoton, aber wie im Kanon, gemurmelten Gebeten. Es bleibt genügend Zeit die alten Räumlichkeiten zu besichtigen und die Sammlung der uralten Kunstschätze zu bewundern.

 

Unweit des Klosters beziehen wir am Nachmittag Quartier bei unseren ladakhischen Gastgebern. Während der kommenden Tage unseres Homestay Trekking werden wir bei einheimischen Familien untergebracht, um deren Leben und Kultur aus nächster Nähe kennen zu lernen. Da wir 7 Personen sind, reichen die verfügbaren Schlafplätze bei einer Familie nicht aus. In jedem Haus stehen maximal 2 Schlaf-/Gasträume zur Verfügung. So ziehen Thea, Jürgen und ich ins Nachbarhaus. Dort wird mir das Zimmer des Sohnes zugewiesen. Von der Decke baumelt eine einsame Glühbirne, jedoch finde ich keinen Lichtschalter. Macht nichts, ich habe ja meine Stirnlampe dabei. Die ökologisch bedeutendste Errungenschaft ist in allen Häusern das Klo. Da Wasser hier ein unbezahlbares Gut ist, wird die Wasserspülung durch eine Reinigung mittels Sand erledigt.

 

Zum Abendessen hocken wir gemeinsam in der Küche, wo die Mutter das Kommando hat. Irgendwie machen wir uns gegenseitig bekannt. Vater, Mutter, 4 Kinder, Schwiegertochter, Schwiegersohn leben hier unter einem Dach. Sehr hilfreich ist mein kleines Fotoalbum, eine Idee meiner Tochter Tanja. So ist es recht leicht meine Familie vorzustellen und schon bringt der Sohn ebenfalls ein paar Fotoalben. Die Zubereitung des Essens beginnt so gegen 18 Uhr. Jedes Familienmitglied übernimmt seinen Teil der Arbeit. Nur der Vater, der etwas später eintrifft, nimmt gleich auf der Bank Platz, dreht die Gebetsmühle und murmelt seine Mantras. Gegen 20 Uhr sind köstliche, mit frischem Gemüse gefüllte Momos zubereitet, die wir uns gemeinsam zu Tee und Chang schmecken lassen. So wie das Abendmahl endet, dass Geschirr beiseite geräumt ist, endet der Tag. Man begibt sich zu Bett.

 

12. Tag - 28.09.2007

 

Diskomusik wummert aus einem der Zimmer. In der Küche murmelt der Vater sein morgendliches Gebet und schwingt die Gebetsmühle. Die jüngste Tochter erledigt noch schnell ihre Hausaufgaben für die Schule. Die Schwiegertochter bereitet das Frühstück, üblicherweise Chapati (dünnes, knuspriges Fladenbrot) zu welchem Konfitüre, Honig und unterschiedlichst zubereitete Variationen aus Eiern gereicht werden.

 

Unser Trekking-Gepäck wird auf zwei kleinen Eselchen verladen, mit denen Dorji, der „Pferdemann“, noch vor uns aufbricht. Mit Verlassen der Siedlung befinden wir uns in einer unendlich erscheinenden Weite einer Steinwüste. Umsäumt von kargen Anhöhen zieht sich der Pfad zum ersten kleine Pobe-Pass auf 3.570 m hinauf. Von dort geht es hinab zu einer kleinen grünen Oase, durch die ein Bach plätschert. Nach einer kurzen Pause folgt der Gegenanstieg. Der Weg schlängelt sich durch beidseitig auftürmende Geröll- und Steinformationen zum Charatse La (3.670 m). Wie auf jedem Pass flattern die buddhistischen Gebetsfähnchen im lauen Sommerwind. Trotz der Höhe ist es im Sonnenschein angenehm warm. Doch wehe die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden und der Talgrund liegt im Schatten. Dann stürzt die Temperatur schnell in die Nähe des Gefrierpunktes.

 

 

Mit Überschreiten des Charatse La liegt Yangtang, unser heutiges Ziel, bereits vor uns. Teilweise müssen wir der Straße folgen, auf der sich jedoch kein einziges Fahrzeug blicken lässt. Nur ein einsamer Straßenarbeiter ist damit beschäftigt, die Straße von herabgefallenen Gestein zu säubern. Ein steiler Hang führt letztendlich zum Quartier hinunter, wo wir bei unserer Wirtin Juli einziehen. Am Nachmittag unternehmen Stenzing und ich noch einen kleinen Spaziergang. Steigen zum kleinen Kloster hinauf, das von einigen Gasthäusern umsäumt ist. Doch diese haben bereits alle geschlossen. Die Saison ist seit dem 1. September vorbei. Da keine Möglichkeit zum Tee einzukehren besteht und zwischenzeitlich Wolken vor die Sonne gezogen sind, machen wir uns schleunigst auf den Rückweg.

 

13. Tag - 29.09.2008

 

Die morgendlichen Sonnenstrahlen brechen durch das kleine Fenster. Über 10 Stunden habe ich sehr gut geschlafen, nachdem ich mir noch eine zweite Matratze als Unterlage besorgt hatte. Es folgt die sogenannte morgendliche Katzenwäsche vor dem Haus. Das klare, eiskalte Wasser vertreibt dann auch die letzte Müdigkeit. Obwohl weit abgelegen, hat die Solartechnik in den meisten Häusern bereits Einzug gefunden. Diese reicht für eine karge Beleuchtung und den zeitweiligen Betrieb des Fernsehers. Die warme Dusche, wie in Nepal, wird man nicht finden. Warmwasser-Kollektoren sind hier noch unbekannt.

 

Die heutige recht kurze Etappe führt über den 3.750 m hohen Sermanchen Pass nach Hemis Schukpachen. Heute weht ein kräftiger, kalter Wind. Zur Mittagszeit sind wir bereits am Ortseingang von Schukpachen, wo ein kleines Gasthaus mit Gartenstühlen unter einem riesigen Sonnensegel (ausrangierter Fallschirm der Armee) zur Rast lädt. Dummerweise müssen wir weiter, da wir zu Mittag bei unserer Gastfamilie erwartet werden. Und wie es halt so ist, deren Haus liegt am anderen Ortsende und bis dort hin dauert es gut eine halbe Stunde. Dorji, unser Pferde-(Esel-)mann wartet dort bereits. Wie die Tage zuvor werden wir herzlichst von unseren Gastgebern empfangen.

 

 

Nach Reis und Gemüse zum Mittagessen ist der Tag noch recht lang. So kehren wir zum Gasthaus zurück. Doch jetzt ist niemand mehr anwesend. Auch all die anderen im Ort liegenden Gasthäuser haben geschlossen. Alles für die Katz? Keine Fanta, keine Cola und kein Bier? Zum Glück haben wir Dorji, der irgendwie den Besitzer ausfindig macht. Die Warterei nehmen wir gern in Kauf und genießen bis zum Sonnenuntergang die schäumenden Erfrischungen, ergänzt mit ein paar scharfen Chips aus der Tüte. Dann sinkt die Temperatur drastisch und ein kalter Wind kommt auf. Wir machen uns schnell auf den Heimweg. Wie bereits gestern, sind Jürgen und Thea bei Nachbarn untergebracht. Beate, Dorothee und Gundula haben es sich im großen Wintergarten bequem gemacht. Volker und ich beziehen das Zimmer nebenan. Gerne würden wir mal eine Dusche nehmen, aber diese ist halt nicht vorhanden. Problematischer ist hier die Öko-Toilette, die sich auf dem Dach befindet, auf das eine steile Leiter hinauf führt. Der Verschlag ist etwa 1,20 m hoch. Im Stehen geht also gar nichts. Ab in die Hocke und hinein in die Mitte des Raumes wo zur Orientierung ein Seil von der Decke baumelt. An diesem hält man sich gut fest bis der Allerwerteste über dem Loch ausbalanciert ist. Nach Erledigung des Geschäftes sich auf keinen Fall in gewohnter Weise erheben. Also möglicht in der eingenommenen Stellung wieder zurück zur Tür. Trotz aller Vorsicht, hat mein an diesem Ort ein paar Bums verkraften müssen.

Den Abend verbringen wir in der geräumigen Küche innerhalb der Großfamilie. Die Jüngsten sind gerade 2 und 4 Monate alte Babys. Der Älteste ist der Urgroßvater. Wieder bewährt sich mein familiäres Bilderbuch als Hilfsmittel zur Kommunikation. Wie üblich dauert die Zubereitung des Abendessens gut 2 Stunden und gegen 21 Uhr sagt man sich gute Nacht.

14. Tag - 30.09.2007

 

Vor dem Haus plätschert ein Bächlein dahin und dort befindet sich eine Waschstelle. Die Gelegenheit, trotz der Kälte, eine etwas umfangreichere Morgenwäsche vorzunehmen und auch die strapazierten Füße zu erfrischen.

 

Vorbei am alten Kloster und dem berühmten Wachholderwäldchen, eine Rarität in Ladakh, begeben wir uns in eine eigenartige Sandberg-Landschaft. Diese Hügel sind von allen erdenklichen Sandfarben durchzogen: Vom tristen grau bis ziegelrot. Von der ersten Passhöhe geht es steil hinab. Entlang gewaltiger sich hoch auftürmender Moränenblöcke durchqueren wir den Talkessel und steigen zum letzen Mal steil hinauf auf knapp 3.800 m. Dieser abschließende Höhepunkt ist Grund genug, den mitgebrachten Schinkenspeck aufzuschneiden. Nach diesem wohl allen mundenden Schmaus folgt ein staubiger Abstieg, der sich zwischen zwei Hügelketten windet. Man hat den Eindruck in einem überdimensionalen Sandkasten zu wandern. Nur vereinzelt steht ein einsamer Baum oder Strauch in der Landschaft.

 

 

Frühzeitig sind wir in Ang angekommen. Erstmals sind wir zusammen untergebracht, da das Haus über genügend Zimmer verfügt. Auf der Terrasse haben wir die Möglichkeit in der Sonne zu relaxen. Stenzing hat in der Nähe noch einen kleinen Laden ausfindig gemacht, wo wir am Nachmittag noch ein wohlverdientes Bier zum Abschluss der Tour genießen können. Die untergehende Sonne zaubert bis zur Dunkelheit ein malerisches Schattenspiel auf die unserem Quartier gegenüberliegenden Sandberge.

 

Heute wird zum Abendessen ein schmackhafter Gemüseeintopf zubereitet. Wie üblich sind die Nächte lang, etwas zu lang. Zudem ist die heutige Schlafstelle trotz zusätzlich aufgelegter dünner Matratze recht hart und mein Zimmergenosse Volker übt des Nachts auch noch den Teddybär.

15. Tag - 01.10.2007

 

Es war eine schrecklich lange Nacht, die ich irgendwie überlebt habe. So wie es hell wurde, habe ich das kleine Bad mit eiskalter Dusche genutzt, um wach zu werden und zu bleiben. Alles schläft und schnarcht noch vor sich hin, während ich hier auf der Terrasse sitze und jetzt das morgendliche Spiel der Schatten beobachte.

Pünktlich um 10 Uhr treffen unsere Fahrer ein. Hinunter geht es zum Ufer des Indus. Nach einigen Kilometern zweigen wir in eine wahre Bergwildnis ab. Steil windet sich die Straße schroffe Felswände hinauf. Tief drunten tost das Wasser Richtung Indus. Die ursprünglich nur dunkelbraun erscheinenden Felswände werden plötzlich mehr und mehr von gelben Streifen durchzogen. Gewaltige, urzeitliche Kreideablagerungen treten zum Vorschein. Wir sind im Moon-Valley mit seinen bizarren Auswaschungen. Jahrtausende währende Erosion zwischen den unterschiedlich harten Gesteinsarten haben die seltsamsten Formen wie ganze Zahnreihen und Schornsteine entstehen lassen. All diese nur erdenklichen Formen und Farben verleihen dieser Landschaft diesen mondähnlichen Charakter. Wir verlassen die Fahrzeuge und wandern die Straße entlang, bis wir ein gemütliches Plätzchen zum Rasten  auf einem kleinen Kreidehügel finden. Schließlich folgen wir der Straße weiter zum Fatu-Pass, wo sich inmitten dieser schier endlosen Bergwildnis das Kloster Lamajuru oberhalb des kleinen gleichnamigen Dorfes erhebt.

 

 

Hier im klösterlichen Gasthaus erwartet uns wieder ein richtiges Bett und was noch viel wichtiger ist, eine warme Dusche. Der fehlende Schlaf der letzten Nacht fordert sein Tribut. Todmüde falle ich auf die Matratze und versinke sofort in einen tiefen Schlaf aus den mich Gundula auf meine Bitte hin gegen 3 Uhr herausreist, da die Besichtigung der Klosteranlage bevorsteht. Die belegte Geschichte des Klosters beginnt im Zuge der Verbreitungswelle der buddhistischen Lehre im 11. Jahrhundert. Ich schaffe es soeben noch bis in die große Versammlungshalle und dem darüber liegenden Gonghang, den Raum der zornvollen Schutzgottheiten. Mein Schädel brummt, die Augenlider sind schwer und kurz darauf schwebe ich wieder auf Wolke 7.

 

Es ist bereits dunkel, aber ich habe endlich ausgeschlafen. Nun unter die warme Dusche und dann zum Abendessen. Doch Vorsicht. Ein Betonboden kann mit nassen Füssen glatt wie eine Eisfläche sein. So knalle ich unversehens auf den Hintern. Au, das tat weh! Humpelnd erreiche ich die Zimmertür, bin aber nicht in der Lage das Vorhängeschloss zu öffnen. Auch alle Mühen meiner Mitreisenden bleiben erfolglos. Der Wirt schafft es im Handumdrehen, nachdem ich ihn aus der Küche holen musste.

 

16. Tag - 02.10.2007

 

Die lange Rückfahrt nach Leh beginnt. In Khalse finden wir endlich einen Barbier, der sich meiner inzwischen recht langen Bartstoppeln annimmt. Nach einigen weiteren Kilometern zweigen wir von der Hauptstraße auf eine schmale Piste ab, die sich durch ein enges Tal hinauf schlängelt. An dessen Ende liegt in einem Talkessel die imposante Klosteranlage Rizong. Diese einsame Lage kommt der Grundphilosophie dieses von 40 Mönchen bewohnten Kloster sehr gelegen: Die Dschangtschub-(Erleuchtungs-)Gompa ist das Kloster mit den strengsten Regeln in ganz Ladakh. Das Essen beschränkt sich auf Nudelsuppe am Morgen und Tsampa (Mehlbrei) zu Mittag. Nach 12 Uhr ist Essen untersagt. Auch Radio, geschweige denn Fernsehen, sind tabu. Das Leben der überwiegend recht jungen Mönche scheint nach unseren Vorstellung äußerst hart zu sein. Dennoch hat man den Eindruck einer lockeren, leichten und gut gelaunten Atmosphäre.

 

Unweit des Rizong Kloster liegt eines der in Ladakh ständig bewohnten Nonnenkloster Chulichan Chomoling. Bis vor kurzen beherbergte es lediglich vier alte Nonnen, die mehr oder weniger nur Dienstmädchen der Mönche im Kloster Rizong waren. Mit internationaler Unterstützung wurden neue Unterkünfte und ein Tempelraum geschaffen. Inzwischen sind einige junge Nonnen hier eingezogen, nachdem es wohl auch nach ISO 9000 zertifiziert wurde, wie der Aufdruck auf einer der Türen verkündet.

 

 

Der nächste Halt ist Alchi, ein Juwel unter den Klöstern Ladakhs. Die 1000 Jahre alte Tempelanlage ist Weltkulturerbe der UNESCO. Alchi beherbergt einige der wertvollsten Kunstschätze des westlichen Himalaya, wie z.B. die Wandmalereien aus der Kultur des Königreiches von Kaschmir. Die meist bunt bemalten Fresken, Skulpturen, Holzgiebelchen und -portale sind beeindruckend. Beim Betreten der engen niedrigen Hallen sollte man den Kopf gleich zwei mal einziehen. Trotz aller Vorsicht hat es öfter mal gebumst. In den Hallen, fotografieren strikt verboten, beeindrucken die Wandmalereien, die Nischen mit Götter- und Tierskulpturen. Um all die Kostbarkeiten vor drohendem Verfall zu retten, konservieren seit 1991 Studenten der Fachhochschule Köln die Wände des größten Chörten.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir Leh. Es ist Oktober und merklich kühler, als noch vor 2 Wochen.

 

17. Tag - 03.10.2007

 

Der letzte Tag in Leh. Im Büro von Overland Escape treffe ich Nana von Ladakh Travel aus Hamburg. Sie wird heute Abend ins Hotel kommen. Noch einmal schlendere ich durch Leh. Weitere Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Auch die Tibeter mit ihrem umfangreichen Schmuckangebot zieht es in wärmere Gebiete, angeblich nach Goa. In ein paar Wochen wird Ladakh in einen tief weißen und eisigen Winterschlaf verfallen sein. Mein weiterer Weg führt mich durch die engen, verwinkelten Gassen und Katakomben der Altstadt. Man fühlt sich ins Mittelalter versetzt. Schließlich endet der Rundgang auf dem lokalen Markt, wo Obst, Gemüse, Bekleidung, einfach Alles feil geboten wird.

 

 

Die Küche hat sich zum Abschiedsessen einiges einfallen lassen. Dazu gehören knusprig goldbraune Hühnchen. Ich bin nun gut 2 Wochen Vegetarier, was mir bekanntlich auch heute Abend nicht schwer fällt, da alle Flattertiere für mich grundsätzlich ungenießbar sind. Das Packen fällt mir anschließend recht leicht. Da Handgepäck in Leh nicht mit an Bord genommen werden darf, verschwinden alle Trekkingutensilien und die schmutzige Wäsche in der großen Trekkingtasche. Alles Andere, einschließlich meines Tagesrucksacks, im Koffer. Aber Achtung, den Reisepass, der im Tagesrucksack steckt, brauche ich morgen.

 

18. Tag - 04.10.2007

 

Eine innere Uhr sagt aufwachen! In der Finsternis und ohne Brille ist das Zifferblatt nicht erkennbar. Taste mich zum Lichtschalter, Licht an! Oh Schreck, es ist bereits 5:15, um 5 sollte der Weckruf erfolgen. Habe ich diesen überhört? Ruck zuck bin ich angezogen, auf das Zähne putzen wird verzichtet. Runter in die Hotelhalle. Thea und Jürgen sind schon da. Die Übrigen, außer Dorothee die noch ein paar Tage länger in Leh bleibt, folgen wenig später. Was ist passiert? Der Rezeptionschef hat verschlafen. Ende gut, alles gut. Um 5:30 erhalten wir wie verabredet den „Good morning“-Tee und 10 Minuten danach sind wir unterwegs zum Flughafen.

 

Das Check-in erfolgt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Selbst den MP3-Player muss ich vorspielen. Anschließend werden Brustbeutel, Fotoapparat und MP3-Player mit einem Anhänger zusammen geheftet und ich darf die Kontrolle passieren.

 

Mit etwas Verspätung setzt die etwas ältere B 737 am Inlandflughafen Delhis auf. Wieder auf normaler Höhe schlägt nicht nur der höhere Luftdruck sondern auch die Hitze zu. Die Fahrt zum Hotel scheint schier unendlich. Stop und go im dichtesten und wohl auch verrücktesten Verkehr. Unser Kleinbus quält sich nicht nur zwischen PKWs, LKWs und Bussen daher, sondern auch Tucktucks, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger behindern das Vorwärtskommen. Nach einer kurzen Erfrischungspause im Hotel folgt die Fortsetzung des Verkehrschaos während der 7 Stunden dauernden Stadtrundfahrt. Davon verbringen wir die Hälfte der Zeit auf der Straße und nachdem wir für die Mittagspause auch noch eine Stunde benötigten, blieben für Besichtigungen nicht einmal 3 Stunden. Das Problem ist, Delhi hat kein Zentrum. Die Sehenswürdigkeiten liegen weit verstreut in dieser Millionenstadt. Jedenfalls können wir die moslemischen Humayuns Tombs, das Outab Minar besichtigen und am zentralen India Gates kurz aussteigen. Zum Abschluss geht es nach Alt Delhi zur größten Moschee Juma Masjid. Dort wird mir trotz meiner ¾-langen, kniebedeckenden Trekkinghose der Zutritt verwehrt, es sei denn, ich schlüpfe in ein buntes Röckchen. Nein Danke, ich hoffe Allah wird mir verzeihen, dass ich sein Heiligtum nicht besucht habe.

 

Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden und die Temperatur liegt immer noch bei 35 °C. Da unser Hotel am „Karol Bagh“ liegt, stürzen wir uns anschließend in die abendlichen Shopping- und Basarstraßen. Hier gibt es Alles: Von der exquisiten Boutique bis zur Plastiksandale vom Straßenhändler. Gewürzt wird dies alles mit Restaurants, Imbissständen, landestypischen Garküchen und Mc Donalds ist auch anwesend. Im Land der Versuchung kaufe ich ein paar „Bengal Sweets“ und vor Geschäftsschluss um 20 Uhr stehen wir in einem Laden mit unzähligen indischen/asiatischen Gewürzen.

 

Den immer noch recht warmen Abend möchten wir gerne bei einem kühlen Bier auf der Dachterrasse unseres Hotels ausklingen lassen. Unverständlich aber wahr, das Swati Delux besitzt keine Lizenz zum Alkoholausschank. So bleibt uns nichts anderes übrig,  als die um die Ecke liegende, sehr gut gekühlte Restaurant-Bar umzusiedeln, die wir noch vom Tag unserer Ankunft her kennen.

 

19. Tag - 05.10.07

 

Was unternimmt man in einer chaotischen (Verkehr) und heißen (Temperatur) Stadt? Erst mal so lange wie möglich ausschlafen, denn die Zimmer sind klimatisiert. Dann zum Frühstück im neben dem Hotel gelegenen Schnellimbiss. Erst einmal gesättigt startet man einen Bummel, aber immer schön auf der im Schatten liegenden Straßenseite. Ich lasse mich treiben, Menschen bei ihrer täglichen Arbeit beobachten, generell Eindrücke aufnehmen. Irgendwann stehe ich wieder vor dem berühmten „M“. Was bietet Mc Donalds hier an? Das bunte Angebot scheint dem in Gelsenkirchen gleich zu sein. Doch da sind die kleinen Unterschiede: Die Burger bestehen nicht aus zerkleinerten heiligen Kühen, sondern aus irgendeinem Sojagemisch.

 

 

Zwei Stunden des Tages verbringe ich in einer Ecke des Restaurants „Yade Garden“ (mit Bierlizenz!) in dessen Richtung zum Glück kein Ventilator bläst. Den Garten zum Restaurant wird man in Delhi verzweifelt suchen: Speisen und Ausschank im Freien sind verboten. Hier schaffe ich es mein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen und flüchte anschließend vor der flirrenden Hitze wieder ins Hotel zurück. Hier hat der gute Etagenchef nichts Besseres zu tun, als die Klimaanlage auf Hochtouren zu schalten (brrrrrrrrr) und die Flimmerkiste anzuschmeißen. Es kostet mich einige Mühe ihm begreiflich zu machen, dass ich nicht tiefgekühlt werden möchte und von Cricket gar nichts verstehe. Irgendwie überlebe ich diesen Tag bis zur guten Nacht.

 

20. Tag - 06.10.2007

 

Pünktlich um 7 Uhr werden wir zum Flughafen abgeholt. Hier trennen sich unsere Wege. Abschied nehmen von Beate, Gundula, Thea, Jürgen und Volker, die mit EMIRATES zurück in die Heimat fliegen. In 45 Minuten starte ich mit Yet Airways nach Kathmandu.

 

Gut eine Stunde später lande ich in meiner 2. Heimat. Govinda und Prasanta holen mich vom Flughafen ab. Im Büro ist mein Schreibtisch mit Notebook komplett eingerichtet. So könnte ich mich noch am Nachmittag in die Arbeit stürzen, doch dies verschiebe ich auf morgen.

 


Fortsetzung:

Nabji Trail im Süden Bhutans