BHUTAN

eine Erlebnisreise zu
den Urbewohnern Bhutans (Nabji Trek)
stillen Klöster und einsame Landschaften
mächtigen Dzongs und Klosterfesten

 

Paro Dzong, Bhutan Totentanz Dzong Wangdue Phodrang, Bhutan Bhumthang
Pferde-Treiber Nabji Trek, Bhutan Urbewohner in Bhutan - Nabji-Trek Masken im Kloster, Bhutan
Kinder in Paro, Bhutan Wasserfall Nabji Trail, Bhutan Tigernest, Bhutan

 

Reisebericht 13.10. – 31.10.2007

 

zurück zum Gesamtbericht HIMALAYA HOCH DREI

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Januar 2008

www.himatrek.de

www.bhutan.himatrek.de

www.berichte.himatrek.de

www.foto.himatrek.de

info@himatrek.de

 

 

Vorwort

 

Da ich einen Teil dieser Reise bereits im Februar 2007, also jetzt zum 2. mal an einigen Orten bin, lohnt es sich für den Leser zu erst meinen Reisebericht „Kulturen im Himalaya“ ab den 11. Tag (19.02.2007) zu lesen. 

 

 

21. - 26. Tag - 07.10. - 12.10.2007

Nach meiner Ankunft hier in Kathmandu vergehen die Tage wie im Fluge. Ich lerne einige meiner Kunden persönlich kennen, mit denen man daheim nur per Email korrespondiert, ggf. auch mal telefoniert hatte. Da ist dann auch noch die Büroarbeit zu erledigen und zur Abwechslung begleitete ich Govinda, den nebenberuflichen Moviestar, ins Filmstudio, wo er schließlich den Filmtod durch das Messer seiner Frau einige male (Szenen) sterben muss.

 

In einer kleinen Fabrik in der Nähe von Bhagtapur finden wir nach langer Suche die für mein Büro passenden tibetischen Möbel. Diese werden hier in den kommenden Wochen in Handarbeit maßgefertigt.

 

27. Tage - 13.10.2007

Die 4. Woche meiner Reise durch das Himalaya geht dem Ende entgegen und der 2. Teil „Bhutan“ steht unmittelbar bevor. Die Flugtickets mit der Druk Air und die Einreisevisa nach Bhutan liegen seit einigen Tagen hier im Büro.

Den ganzen Vormittag regnet es, was zu dieser Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist. Seit 2 Tagen waren keine Flüge nach/von Lukla möglich. Die meisten Hotels sind ausgebucht, da niemand mehr ins Khumbu raus kommt. Zu allen Übel, bricht dann auch noch die anfällige Stromversorgung Kathmandus zusammen. Erst am späten Nachmittag können wir das Netzwerk im Büro wieder hochfahren, müssen aber gleich zum Flughafen, um meine 3 Mitreisenden in das Land des Donnerdrachens vom Flughafen abzuholen.

 

Pünktlich treffen Margret, ihr Mann Hans und Hans Joachim ein. Als 4. folgt noch Ute, die mit unseren Kunden Eva und Dieter aus Hennickendorf in ein paar Tagen zur Umrundung der Annapurna starten wird. Margret und Hans haben es rätselhafter Weise geschafft, ohne Visum durch die Einreisekontrollen zu schlüpfen. Das kann hier in Nepal zu großen Problemen führen! Eine Polizistin führt mich schließlich mit den beiden sozusagen rückwärts zum Einreiseschalter, wo das kostenlose Transitvisum zügig erteilt wird. Nur ich muss aufpassen, dass ich nicht ohne Reisepass, der im Büro deponiert ist, hinter die Schranken gerate.

 

28. Tag - 14.10.2007

 

Das Brummen der Flugzeugmotoren weckt mich bereits am frühen Morgen. Klares, wolkenloses Wetter, der Flugverkehr nach Lukla ist wieder aufgenommen. Der Frühstücksraum im Hotel Manang, in welchem ich hier in Kathmandu meist übernachte, ist verwaist. Nach dem Frühstück treffe ich mich mit meinen Bhutan-Kunden zum geplanten Sightseeing, dem sich auch Ute anschließt.

 

Govinda hat einen „deutsch“ sprechenden Cityguide besorgt, angeblich mit 10-jähriger Erfahrung. Sein Wortschatz stammt höchstens aus einem 10-stündigen Kurs, an welchem er vielleicht vor 10 Jahren teilgenommen hat. Mehr als ein paar holprige Brocken wie „Stupa seit 1700 Jahre alt“ bringt er nichts zustande. Gemeint ist damit die Stupa von Swyambunath, die wir als erstes Ziel ansteuern. Jedenfalls habe ich mehr Wissen und kann so einiges erläutern, obwohl mir viele Kenntnisse über Details und Zusammenhänge fehlen. Unseren guten Guide, der zum Christentum konvertierte, um viele Leben zu haben, überleben  wir auch noch auf dem Königplatz. Wir finden dies alles nur lustig. Vor dem Haus der Kindgöttin Kumari treffe ich Ram, den DAV-Wanderführer aus Panauti. Auch er ist mit einer Reisegruppe unterwegs und wie der Zufall es will, sehen wir uns zum Lunch auf der Dachterrasse oberhalb des Basantapur Square wieder.

 

Ohne Guide bummeln wir durch die lokalen Märkte mit ihren bunten und vielfältigen Angeboten von Textilien, Eisenwaren, Gewürzen, Obst und Gemüse zurück in das Touristenzentrum Thamel. Dort wartet unser Cityguide am Kathmandu Guesthouse. Ich verabschiede mich schleunigst, denn Karma, der beste Koch Nepals, wartet schon auf mich und bittet mich schnellstens ins Büro zu kommen. Er erzählt mir freudig, dass er und seine Brüder uns im November auf der Tour zum Rara See begleiten werden.

 

29. Tag - 15.10.2007

 

Knatternd springen morgens früh um 5 Uhr die Notstromaggregate im Hotel an. Der Weckruf zur richtigen Zeit. Pünktlich erreichen wir den Flughafen. Hier ist Hochbetrieb. Kurz nach 8 Uhr starten GULF und QATAR und wir mit DRUK Air gleich danach in Richtung Paro. Check-in und die Erledigung der Ausreiseformalitäten gehen zügig von statten. Doch bei der letzten Sicherheitskontrolle bleibt Margret hängen. Hat sie doch zu viele Akkus für ihren Fotoapparat mit im Handgepäck. Nachdem wir die Menge der Akkus rein statistisch auf uns vier als Gruppe verteilen können, ist auch der Sicherheitschef der DRUK Air zufrieden. Margret darf nun mit all ihren Batterien an Bord.

 

Entlang der Himalaya-Kette, vorbei am Everest und Kanchanjunga, beginnt nach etwa einer Stunde eine kurvenreiche, spektakuläre Landung im längsten Tal Bhutans. Sicher setz der kleine Airbus A319 im wohl kleinsten und malerischsten internationalen Flughafen der Welt in Paro auf. Die Piloten haben den Beifall der Passagiere verdient. Nach meiner Reise im Februar bin ich zum zweiten Mal in diesem Jahr in Paro gelandet.

 

Nach einer etwas umständlichen Einreisekontrolle, bei welcher die Beamten ständig die jeweiligen Visa-Bestätigungen suchen müssen, begrüßt uns Dorji. Dorji, Beates Ehemann, von Laya Tours und Treks wird uns in den kommenden Tagen als Guide begleiten. Beate ist z. Z. mit einer Gruppe im Süden Bhutans auf dem neu freigegebenen Nabji-Trek unterwegs, den wir in ein paar Tagen ebenfalls erwandern wollen. Vorbei an der mächtigen im 15 Jahrhundert erbauten Dzong (Klosterfestung) von Paro, deren Name Rinpung Dzong, übersetzt „Festung des Juwelenhaufens“ lautet, fahren wir zum Hotel, welches am Berghang liegt und eine großartigen Blick über das Tal gewährt.

 

Am Nachmittag starten wir zu einem Bummel durch die Geschäftsstraße von Paro. Obwohl diese städtische Siedlung erst 1985 mit dem Bau des Flughafens entstand, sind alle Häuser im traditionellen Stiel erbaut und liebevoll mit bunten Mustern bemalt. Beidseitig der schnurrgraden Straße laden die landestypischen Geschäfte, in denen die Einheimischen die wichtigsten Waren von Butter, Mehl und Zucker über Konserven bis zu Pfannen und Töpfen kaufen können, zur Besichtigung ein. Dazwischen befinden sich einige kleine Restaurants und Läden mit Handarbeiten. Wir lassen uns Zeit und genießen diese Atmosphäre, beobachten die Leute bei ihren Einkäufen. Es ist Herbst und auf fast jeder freien Platz hängen oder liegen die feuerroten Chilischoten zum Trocknen. Chili, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Eine Spezialität ist ein feurig, scharfer Kartoffelauflauf mit Käse-Chili-Sauce, den wir während unseres Aufenthaltes in Bhutan des öfteren speisen werden. Blickt man die Einkaufsmeile nach Westen hinunter, beherrscht die majestätisch am Berghang liegende Dzong die Szene.

 

 

Unverhofft treffe ich am Abend im Hotel zwei unserer Kundinnen, deren erlebnisreiche Reise durch Bhutan zu Ende geht, die morgen noch das berühmte Tigernest besuchen und dann nach Kathmandu zurück fliegen werden.

 

30. Tag - 16.10.2008

 

Wir verlassen Paro in Richtung Bhutans Hauptstadt Thimphu. Oberhalb des Flughafens, der von hier gesehen ideal in die Landschaft einer Modelleisenbahn passen würde, halten wir zur richtigen Zeit an. Kurz darauf dröhnen Triebwerke auf, nachdem der kleine Airbus am Ende der Piste in Startposition gegangen ist. Die Maschine beschleunigt, hebt ab, steigt steil nach oben und legt sich gleich darauf in eine Linkskurve und entschwindet unseren Blicken.

 

Entlang des Paro Chu, der silbern durch das herbstliche Tal daher fließt, sind die Bauern fleißig bei der Reisernte. In mühsamer Handarbeit werden die goldgelben Ährenbüschel geschnitten, zum Trocknen ausgelegt und danach teils halbmaschinell mit einer rotierenden mit Haken versehenen Trommel, teils noch von Hand gedroschen. In ein paar Tagen wird der Reis auf jedem nur verfügbaren Platz zum Trocknen ausgelegt sein. Es gibt so viele verschiedene Sorten Reis. Besonders beliebt ist ein roter Reis. Von vielen der Dächer der weit verstreuten Bauernhöfe leuchten grell rote Flecken: Wie bereits in Paro gesehen, wird allerorts der lebenswichtige Chili in der Sonne getrocknet. Beim nächsten Halt ist es Wachholder und geraspeltes Zedernholz. Ein kleiner Handwerksbetrieb, der Räucherstäbchen herstellt, wird besichtigt. In hölzernen Bottichen wird aus den Rohstoffen eine breiige Masse gestampft. Neben den o.g. Materialen kommen noch ein paar geheime, teilweise auch chemische hinzu, um den gewünschten Duft beim Abbrand zu erzeugen. Diese Masse wird schließlich in geriffelte Platten gepresst, getrocknet und daraus schließlich die einzelnen Stäbchen geschnitten. Die beste Qualität lasse ich hin und wieder zu Hause abbrennen und genieße den betörenden Duft.

 

Im Schneckentempo kommen wir durch die holprigen Baustellen voran. Hunderte indische Wanderarbeiter sind hier tätig. Der Einsatz von Menschenkraft braucht keinen Vergleich mit Chinas Straßenbaustellen zu scheuen. Die ewige Baustelle der „Autobahn“ Paro - Thimphu soll im kommenden Jahr zum 100-jährigen Jubiläum Bhutans und den Krönungsfeierlichkeiten fertig gestellt sein. Kurz vor Chuzom, der Straßengabel nach Indien, besuchen wir, wie im Frühjahr 2007, das kleine Kloster Tachogang Lhakhang.

 

Reichlich durchgerüttelt treffen wir in Thimphu ein. Es ist der Welt einzige Hauptstadt ohne Verkehrsampel. In einer kleinen überdachten Verkehrsinsel auf der Kreuzung im Zentrum Thimphus regelt ein Polizist mit unermüdlichen Handbewegungen den Verkehr. Dieser Job als „lebende Ampel“ ist recht anstrengend, so dass jede Stunde eine Abwechslung erfolgt. Hier an der Kreuzung befindet sich das bekannte Restaurant „Plumps Cafe“. Wegen seiner hervorragenden Küche kehren wir hier zum Mittagessen ein.

 

Völlig unerwartet beginnt es am Nachmittag zu regnen. Nach dem Besuch einer Papierfertigung, unterhalb unserem Hotel gelegen, neigt sich dieser Tag dem Ende zu. Unter uns erstrahlen die Lichter Thimphus.

 

31. Tag - 17.10.2008

 

In der Frühe sieht es noch regnerisch aus. Doch Dorji behält recht, dass es spätestens um 9 Uhr sonnig wird. Zum zweiten Mal in diesem Jahr starte ich zum lohnenswerten Ausflug nach Tago, dem oberhalb eines abgelegenen Tals in 2.800 m Höhe gelegenen Kloster. Nach Abschluss unserer Rundwanderung überqueren wir die alte schindelbedeckte Holzbrücke und genießen das zünftige Picknick am dafür vorgesehenen Platz. Die hier heimischen Hunde schauen brav mit treuherzigen Augen zu. Die Tiere warten geduldig, bis wir unseren Lunch beendet und die Reste gerecht an sie verteilen. Nach buddhistischen Glauben, werden Hunde im nächsten Leben als Menschen wieder geboren.

 

Wieder zurück in Thimphu unternehmen wir eine kleine Stadtrundfahrt. Der Erinnerungs-Chörten, errichtet 1974  in Gedenken an den 1972 verstorbenen König Jigme Dorji Wangchuck, wird restauriert. Nur wenige ältere Leute umkreisen, ihre Gebetsmühlen drehend, die Baustelle. Für Margret und Hans, deren Vater Schreiner ist,  ist die Besichtigung der Baustellen-Schreinerei von besonderem Interesse mit welchem handwerklichen Geschick die zur Renovierung benötigten Balken, Träger, Türen und Fenster gezimmert werden. Den abschließenden Besuch der Dzong von Thimphu erspare ich mir.

 

32. Tag - 18.10.2008

 

Bis nach Trongsa steht uns eine recht Lange Fahrt bevor. Es verspricht ein sonniger Tag zu werden, als wir zum 3.050 m hohen Dochu La mit seinen 109 Chörten erreichen. Bei strahlend blauem Himmel erlebe ich diesen Ort erstmals ohne Schnee. Es bläst ein frischer, kalter Wind, der die unzähligen bunten Gebetsfahnen knattern lässt. Vor den heiligen Bergen Bhutans schwebt ein Wolkenband, so dass die 7.000er Terigang, Jejegangphgang, Masang Gang und schließlich der Gangkar, mit 7.497 m der höchste, sich nur kurzzeitig blicken lassen.

 

 

Weiter geht die Reise hinunter ins Tal des Puna Tsang Chu. In nur 1.400 m Höhe liegt Lobeysa. Hier gabelt die Straße gen Norden nach Punakha und gen Süden nach Wangdue Phodrang. Hier unten ist es angenehm warm und die lachende Sonne trägt das übrige dazu bei, um in kurzer Hose, Shirt und Sandalen einen Spaziergang entlang der Straße zu unternehmen. Ein kleiner Markt lädt zum Einkauf von frischen Obst und Gemüse ein. Am Wegesrand blühen Blumen in voller Pracht. Kurz vor Wangdue begrüßen mich dann auch meine alten Freunde, die Kakteen. Jetzt in teilweise herrlicher Blüte und nicht wie im Februar mit ekeligen, winzigen Stacheln, deren Widerhaken sich büschelweise in meine Hand verankerten. Diese wild wuchernden Kaktusgewächse begleiten uns bis hinauf in den kleinen Ort Wangdue mit seinen kleinen Läden.

 

Von hier stehen uns noch 5 Stunden Fahrt über den 3.390 m hohen Pele La bevor. Die Fahrt zieht sich, insbesondere nach Einbruch der Dämmerung schier in die Länge. Kompliment an unseren Fahrer, der sowohl die kurvenreiche schmale Straße als auch das Fahrzeug perfekt beherrscht. Ich höre „meine“ Musik als plötzlich die Bremsen kreischen. Vor uns im Scheinwerferlicht windet sich eine Kobra über die Straße. Ach du Sch…, worauf hab ich mich da nur eingelassen? Morgen beginnt unser 6-tägiges Camping-Trekking im (schlangenverseuchten?) Black Mountain Nationalpark. Jetzt gibt es kein zurück mehr! Spät abends kehren wir wieder im Angkhil Ressort ein. Den Blick auf den gewaltigen Dzong von Trongsa werden wir erst morgen früh erleben.

 

33. Tag - 19.10.2008

 

Bereits um 7 Uhr brechen wir auf und erreichen gegen 9:30 Uhr unseren Trekking-Ausgangspunkt am Fluss Mangde Chu. Dort erwartet uns bereits das komplette Team. Beate ist gestern hier mit ihrer Gruppe angekommen, so dass wir den Trek umgekehrt gehen werden. Unser Koch ist Goembo mit seinen beiden Helfern Tashi und Pemba. Träger, Pferdeführer und der Wanderführer werden von Einheimischen gestellt und wechseln von Dorf zu Dorf. Dorji hat seinen traditionellen Anzug, den Gho, den er ansonsten als Guide immer tragen muss, gegen zünftige Ooutdoor-Bekleidung gewechselt. Sobald auch unser persönliches Trekkinggepäck „verladen“ ist, steigen wir zum rauschenden Mangde Chu hinunter, den wir über eine schwankende Hängebrücke überqueren. Langsam ansteigend kommen wir an den ersten einsam gelegenen Hütten der hier lebenden Mompas vorbei. Stolz zeigt uns einer der Besitzer sein Haus, bestehend aus einem Multifunktionsraum mit Küche, Schlafstelle und Vorratslager unter der Decke. Hinzu kommt noch eine kleine überdachte Veranda. Das spartanische Anwesen umgeben ein paar kleine Terrassenfelder auf welchen im Frühjahr Reis, später Mais angebaut wird. Mehr und mehr wird der Wald dichter und urwäldlicher. Schließlich erreichen wir nach ca. 3 Stunden Gehzeit eine Lichtung, unserem heutigen Lagerplatz.

 

Dieser besteht neben dem Zeltplatz aus einem überdachten Rondell, einem Küchenhaus und einem Toilettenhaus. In letzteren befinden sich zwei Kabinen, eine mit asiatischer Hockschüssel, eine mit europäischer Sitzschüssel, die jedoch etwas tief in den Boden versenkt wurde. Nachdem unsere Zelte aufgebaut sind, werden auch schon Kekse, Kaffee und Tee in einer Sitzplatzecke des Rondells von  Tashi serviert. Die aus Kathmandu mitgebrachten Gebetsfahnen flattern unter dem Dach, bitten um einen erfolgreichen Start des Trekking. Wir machen es uns gemütlich. Später trifft noch eine große Gruppe aus Amerika ein, die auch hier übernachten und morgen ihre Tour beenden wird.

 

Mit Einbruch der Dunkelheit verabschieden sich unsere fleißigen einheimischen Helfer und Helferinnen. Als Willkommen-Geschenk überreicht man uns eine große Schale mit Bananen, Eiern und eine dicke braune Gurke (ähnlich unserer Schlangengurke). Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die bestellte Flasche Reisschnaps Marke „Hausbrand“ nachgeliefert wird.

34. Tag - 20.10.2007

 

Bevor wir uns auf den Weg nach Kudra machen, besuchen wir die Dorfschule. 54 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren werden hier von 4 Lehrkräften ganztägig betreut und unterrichtet. Ein Gong erklingt und die Kinder treten diszipliniert zum Frühstück an. Brav in Reih und Glied zur Essensausgabe und dann an den langen Frühstückbänken. Für Margret und Hans ist es die Gelegenheit, die mitgebrachten Buntstifte und Kugelschreiber an die Kinder zu verteilen. Unter Aufsicht des Lehrpersonals vollzieht sich dies ohne jegliches Gerangel. Anschließend gönnen wir uns etwas Zeit, um dem Morgengebet und dem Beginn des Unterrichts beizuwohnen. Da heute Samstag ist, wird nach dem Hissen der Nationalflagge, der Unterricht aus lockeren Frage- und Antwortspielen bestehen.

 

 

Die Leitung hat der Wanderführer mit seinem Team übernommen, das gestern die Amerikaner betreute. Durch hohe Kiefernwälder führt der Pfad zunächst steil hinunter. Wie in den Bergen üblich, geht es  nach Überquerung eines Baches wieder steil hinauf. Jetzt befinden wir uns inmitten eines subtropischen Urwaldes. Hin und wieder durchbricht eine kleine Lichtung mit ein oder zwei einsamen Hütten den dichten Wald. Wir befinden uns inmitten der Heimat der Mompas. Dieser Stamm, Ureinwohner des Südens Bhutans, zählt etwa 600 Personen. Diese Gemeinschaft lebt und bleibt kulturell unter sich. Einmal pro Jahr findet ein Heiratsmarkt statt, um den eigenen Fortbestand zu sichern. Als Träger verdienen sich meist Mädchen und Frauen ihr Zubrot. Die jüngste ist 15 und die älteste zählt 55 Jahre. Sobald die Möglichkeit besteht, in eine Hütte der Nachbarschaft einzukehren, hockt man geschwind auf der Veranda beisammen. Man trinkt Buttertee und kann von der Volksdroge „Betelnuss“, die Finger nicht lassen. Übrigens, wilde Mariana- und Haschisch-Pflanzen gedeihen zu genüge am Wegesrand.

 

 

Nach der Mittagspause schlängelt sich der Pfad im ständigen auf und ab den Hang entlang. Er scheint kein Ende nehmen zu wollen. Unmittelbar stehen wir auf einmal vor unserem Campingplatz. Einrichtung und Ausstattung entsprechen der von gestern. Goembo sorgt für unser leibliches Wohl und Tashi deckt den Tisch und sorgt für sauberes, glänzendes Geschirr. Dorji spendet noch ein paar gute Flaschen Rotwein zum Abendessen. Was braucht man mehr inmitten der Wildnis?

35. Tag - 21.10.2007

 

Erst gegen 9 Uhr vermag es die Sonne den in den Bergen hängenden Morgennebel aufzulösen. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns wahrlich im tiefsten Urwald. Es grünt vom Boden bis hoch hinauf in die Wipfel der langstämmigen Eichen. Zumindest ist es eine Eichenart, wie Dorji erklärt und an den kleinen runden Früchten, den Eicheln beweist. Inmitten diese Garten Eden gedeihen viele uns bekannte Früchte in wilder Form: Bananen, Limonen, Feigen, Pflaumen, ebenso wilder Spinat. Auch frische Farntriebe sollen sehr lecker sein.  Die Mompas sind Sammler und ergänzen somit die einfache Kost, die der Ackerbau bringt. Die Umhängtasche unseres Wanderführers füllt sich mit allerlei Früchten des Waldes. Dorji reicht mir eine dicke Banane, die auch danach schmeckt, die Kerne sind beinahe so groß wie Bohnen.

 

Eine steile grün verwucherte Wand stürzt ein gewaltiger Wasserfall hinab. Glitschige und vermooste Bachläufe, morastige Stellen sind zu überqueren. Gefangen im Regenwald, jedoch im Herbst verschont von den sich ergießenden Wassermassen zur Monsunzeit im Sommer. Und plötzlich steht man wieder in einer kleinen Lichtung, in deren Mitte sich eine einfache Hütte befindet, die zu einen der Streudörfer der Mompas gehört, deren Zentrum meist auf einem Bergsattel liegt.

 

Heute Morgen hätte ich vorsichtiger sein sollen. In der Wildnis lässt man keine Schuhe vor dem Zelt bzw. unter dem Vordach stehen. So manches Getier fühlt sich in einer solch warmen Höhle recht wohl. Es hätte ja sogar eine Schlange sein können! Jedenfalls vermute ich nach den ersten 100 Metern einen Stein im rechten Schuh. Nichts von dem, als ich diesen ausschütten will. Statt dessen hat irgend ein Insekt im Todeskampf drei mal kräftig in meinen Fuß gestochen. Diese Bisse entdecke ich erst, als wir einen tiefen Bach barfuss durchqueren müssen. Mein Fuß ist angeschwollen und ich hoffe, dass alles gut geht.

 

 

Das Gebiet der Mompas haben wir mit erreichen von Nabji verlassen. Mit Tanz und Gesang nehmen wir am Abend Abschied. Hans versucht aus Reisschnaps und Früchten aus der Konserve etwas Trinkbares herzustellen. Das einheimische Bier (Chang) schmeckt zu sauer und gärt zu sehr im Magen weiter. Ein gutes Bier ist hier leider nicht zu bekommen. Wahrscheinlich müssen wir darauf noch 2 weitere Tage verzichten.

36. Tag - 22.10.2007

 

Heute dürfen wir etwas länger ausschlafen. An das Schlafen im Zelt habe ich mich inzwischen gewöhnt. Mir fehlt eigentlich nur ein Kopfkissen. Als Ersatz dient eine Plastiktüte mit der Ersatzwäsche, Kopf und Nacken müssen weich gebettet sein. An meinem rechten Fuß haben sich jedoch 3 prächtige dicke Blasen entwickelt, die wir nach dem Frühstück erst einmal mit Blasenpflaster überkleben.

 

Den Weg nach Korphu weist uns ein neuer Wanderführer aus Nabji. Die Luftfeuchtigkeit ist recht hoch und wir sind froh, dass die Sonne nicht vom Firmament brennt. Zunächst durch Buchweizen- dann durch Reisfelder, die hier noch nicht abgeerntet sind, schlängelt sich der Pfad nach Überquerung eines Baches aufwärts. Droben auf dem Bergsattel erwartet uns das malerische Dorf Korphu. Tourismus ist hier fast noch unbekannt. Gerade mal 50 Personen haben in diesem Jahr diese Region besucht.

 

Kinder sind neugierig und Erwachsene nicht weniger. Man befindet sich inmitten fröhlicher und, lachender Menschen. Die sprachliche Verständigung scheitert leider, aber die menschliche funktioniert bestens, z.B. mit einem gegenseitigen freundlichen Lächeln. Hilfreich ist hierzu immer ein kleines Fotoalbum mit Bildern aus der Heimat und der Familie. Diese kleinen Dinge sind so einfach zu erklären und anschließend ist so mancher Handel viel lockerer abzuschließen.

 

Ein Höhepunkt des heutigen Tages ist die Besichtigung des kleinen Tempels, in welchem Reliquien des großen buddhistischen Meisters Pema Lingpa aufbewahrt werden. Alte gebrauchte Masken und Trommeln zieren Decken und Wände. Ich bin gespannt, welche Trommel mir Beate beschafft hat.

 

 

Nach dem Besuch der Dorfschule führt der Rückweg an der örtlichen Krankenstation vorbei. Dies ist die Möglichkeit, meine Blasen am Fuß als auch einen weiteren entzündeten Insektenstich am Zeigefinger meiner linken Hand fachmedizinisch behandeln zu lassen. Ärztliche Behandlungen sind für die Bevölkerung Bhutans als auch für Touristen kostenlos. Frisch verbunden/verpflastert muss ich leider am Abend auf das ersehnte Bad im Holzbottich verzichten.

 

Abends erhalten wir unerwarteten Besuch aus dem Dorf. Eine Gruppe junger Mädchen führt heimische Tänze mit Gesang vor. Die jungen Männer unseres Teams lassen sich nicht lange bitten und schließen sich dem Reigen an. Erst zu später Stunde klingt dieser gemütliche Heimatabend aus.

37. Tag - 23.10.2007

 

Tropf, tropf, tropf meldet sich das Zeltdach. Tief hängen die Wolken über den Regenwald bis ins Tal hinein. Trotzdem ist es angenehm warm. Kein Lüftchen bewegt sich. Der feuchte Dschungel verschluckt uns in seinem ewigen Grün. Nebelschwaden wabern durch die Baumwipfel. Beständig rauscht der Regen in das Blätterdach. Anfangs fällt ab und zu ein dicker Tropfen auf uns hinab. Später kommt dann erstmals der Anorak zum Einsatz.

 

Zur Mittagzeit spukt uns das grüne, nasse Ungeheuer sozusagen aus. Vor uns erstrecken sich Reisfelder und die Sonne kommt zum Vorschein. Wenig später erreichen wir den Ortseingang von Jangbi. 4 Stunden sind wir durchmarschiert und haben uns das Mittagessen im Schatten einer kleinen Stupa redlich verdient. Ein altes Ehepaar gesellt sich zu uns. Wir versorgen beide mit Speis und Trank. Heftig gestikulierend erzählt er uns seine Geschichte: Den Kampf mit dem Messer gegen Balu dem Bär.

 

Am Hang eines stillgelegten Terrassenfeldes liegt oberhalb des beschaulichen Dorfes Jangbi der Campingplatz. Die Zelte sind bereits aufgebaut. Kurz darauf kann auch die Bierbar, bestehend aus einem Eimer mit kaltem Wasser und einigen Flaschen Bier, eröffnet werden. Nach dem Abendessen wird wie die Tage zuvor das Lagerfeuer entzündet. Nach und nach gesellt sich das ganze Dorf zu uns. Bis spät abends wird getanzt, gesungen, gefeiert. Bei dieser Gelegenheit stellt sich auch unsere Reiseleiterin für morgen vor, eine junge Frau im Alter von 20 Jahren wird die Führung der Abschlussetappe übernehmen.

 

 

Während wir Menschen müde werden und uns irgendwo, irgendwie zum Schlafen legen, drehen heute die Hunde durch, sie werden munter. Jeder Köter meint sein Revier verteidigen zu müssen. Aus allen Winkeln erschallt Knurren, Kläffen, Jaulen, Bellen, obwohl heute weder Voll- noch Neumond ist. Besonders nervt mich der „Werwolf“ auf dem Blechdach neben meinem Zelt, der seine Krallen auf dem Blech zu wetzen scheint. Am liebsten würde ich mir einen Knüppel schnappen und ihn erschlagen, auch mit dem Risiko irgendwann als Hund wieder geboren zu werden. Plötzlich sind die Machtverhältnisse geklärt. Unheimliche Stille, gute Nacht.

 

38. Tag - 24.10.2007

 

… und da liegen alle Hunde friedlich in der noch warmen Asche des gestrigen Lagerfeuers beisammen. Zum Abschluss des Trekking erwartet uns wieder ein sonniger und heißer Tag. Zunächst geht es einen recht steilen und schmalen, vom gestrigen Regen teilweise noch glitschigen, Pfad hinunter. Oh wie hasse ich diese Wege! Drunten im Tal angekommen, überspannt eine lange Hängebrücke den hier mächtig tosenden Mangde Chu. Das Band buddhistischer Gebetsfahnen wird in die Mitte der Brücke als Dank für diese erfolgreiche Tour geknüpft. Danach folgt ein schweißtreibender Aufstieg zur Straße hinauf.

 

Der Abschluss einer Trekkingtour ist Grund für alle Beteiligten, ausgiebig zu feiern. Doch zuerst raus aus den verschwitzten Sachen und hinein in die frischen, die ich im Auto deponiert habe. Mit einem frischen Bier warte ich auf Margret, Hans und Joachim, die alsbald eintreffen. Dann wird die gute Torte angeschnitten. Abschied zu nehmen ist schwer und es dauert, bis der letzte Tropfen geflossen ist.

 

Zurück in Trongsa gilt als erstes: Ab unter die Dusche. Dann die letzten noch sauberen Sachen ausfindig machen und schon ruft das Abendessen.

 

39. Tag - 25.10.2007

 

Gemütlich starten wir in den Tag. Erst gegen 9:30 Uhr begeben wir uns zur Dzong von Trongsa. Mit ihren verschachtelten Gebäuden, Wehrgängen und Innenhöfen ist sie immer wieder besuchenswert. Als wir eintreffen, verlässt bereits eine größere Gruppe nach nur 30 Minuten Besichtigungszeit (Öffnung ist um 9 Uhr) den Dzong und düst Richtung Bumthang. Wir lassen uns hingegen Zeit. Kehren noch einmal zum Hotel zurück wo Dorji kurzfristig eine Nudelsuppe für uns bestellt hat. Danach wird es höchste Eisenbahn endlich über den 3.400 m hohen Yotang La nach Bumthang zu starten.

 

In Jakar eingetroffen begeben wir uns sofort in die Innenstadt. Dort finde ich mit Hilfe unseres Fahrers im hinteren Teil eines landestypischen Shopping-Centers einen Barbier, der sich nach geduldigem Warten meines gut 10 Tage langen Bartes annimmt. Der junge Mann scheint schrecklich unter Zeitdruck zu stehen, keine Nachrasur wie sonst üblich. Dafür hat es aber auch nur 20 Rupien (ca. 40 Cent) gekostet.

 

 

Wenn man schon in Jakar weilt, ist es Pflicht, die Schweizer Alm zu besuchen. Ein guter Käse schmeckt zum Apfelbrand hervorragend.

 

40. Tag - 26.10.2007

 

Klosterfest in Jambay. Da wurden vom Touristenbüro falsche Daten veröffentlicht. Das 3-tägige Fest hat nicht gestern begonnen, sondern beginnt erst heute Abend. So starten wir, wie alle die anderen wartenden Touristen mit der üblichen Besichtigungstour. Erstmals sind wir nicht allein. Zu Hunderten haben alle internationalen Veranstalter ihre Kunden hierher gekarrt. In gleicher Menge stehen dementsprechend Schuhpaare vor den Eingängen zum Tempel. Drinnen herrscht Gedrängel und ein Guide übertönt den anderen. Ich habe kein Problem damit auf diesen Rummel zu verzichten, da ich schon hier war. Meine Mitreisenden besichtigen zumindest das Wichtigste und alle sind wir froh, als wir weiter nach Osten in ein malerisch gelegenes Nonnenkloster flüchten.

Abseits der Hauptstraße führt eine Schotterpiste in die Berge hinein. Man könnte meinen, sich auf einer Forststraße durch dichte Kiefernwälder in den Alpen auf dem Weg zu einer entlegenen Alm zu fahren. Dort oben auf einer einsamen Anhöhe mit weitem Blick über grüne Berge und Wälder richten Nonnen, ihr neues Kloster ein. Die etwa 50 jungen Mädchen im Alter zwischen 13 und 23 Jahren leben hier normalerweise für ein paar Jahre, lernen, wenden sich dem Buddhismus zu und kehren schließlich wieder zu ihren Familien zurück.

 

Jetzt im Herbst erleben wir den Almabtrieb. Bevor der Schnee kommt, kehren Rinder, Schafe und Ziegen von den hoch gelegenen Sommerweiden zurück in geschützten Täler und Stallungen.

 

Zurück in Jakar, besuchen wir den Dzong der Stadt. Ob das Fernsehzimmer tief drunten in den Katakomben noch existiert? Ist doch klar, dass dies mein erster Weg ist. Dort unten sitzen sie wieder, meine Kinder, vor der Flimmerkiste. Zwar kämpft heute kein Schwarzenegger aber Werbung schein genau so interessant zu sein. Als man mich schließlich wieder erkennt, ist die Freude groß und ich werde sofort zu mitschauen eingeladen.

 

Am Abend startet dann die Touristenattraktion. Ein amerikanisches Filmteam ist auch zugegen. Also hinein ins Gewühle des internationalen Massentourismus mit blitzenden Kameras. Wer das größte Objektiv hat, gewinnt. Nein Danke, nicht noch einmal! Hinzu kommt noch, dass meine Lesebrille wahrscheinlich immer noch dort liegt.

 

 

41. Tag - 27.10.2007

 

Schleunigst verlassen wir den Rummelplatz. Die Rückfahrt unterbrechen wir in Nangar, einen kleinen Örtchen am Wegesrand in dessen Kloster mit dem Namen „Weißer Affe“ heute ein Festival beginnen soll. Diese fängt jedoch frühestens gegen Mittag an. Zumindest erleben wir dort in aller Ruhe die Vorbereitungen. Bevor die Mönche zur morgendlichen Versammlung die Hörner blasen, haben wir die Möglichkeit den Tempel zu besichtigen. Anschließend beobachten wir den Aufbau der Verkaufsstände, die Ansprache des Bürgermeisters, die Anlieferung der ausgeliehenen Gewänder und Masken und die Zusammenkunft Mönche in der Versammlungshalle.

 

 

Unsere Reise geht wieder zurück bis wir am Abend im bekannten YT Guest House Hotel in Lobeysa Quartier beziehen.

 

42. Tag - 28.10.2007

 

Bevor wir mit der Besichtigung der Dzong von Wangdue beginnen, besuchen wir den lokalen Sonntagmarkt. Es herrscht geschäftiges Treiben. Alle uns bekannten Sorten von Obst und Gemüse werden feilgeboten. Hier in Bhutan gehört zwangsläufig auch die Betelnuss mit zum Angebot. Ansonsten gleichen sich die Märkte in allen mir bekannten Staaten des Himalaya. Nur die Menschen sehen halt anders aus. Die Männer im landestypischen Gho gekleidet und die Frauen tragen eine Kira.

 

Die Dzong Wangdue habe ich in meinem Reisebericht aus Februar beschrieben. Heute bietet sich uns die einmalige Möglichkeit bis in höchste Dachgeschoss aufzusteigen. Dort können wir den königlichen Tempel in Augenschein nehmen. Doch noch viel interessanter ist der Blick über die alten schindelgedeckten Dächer hinüber in das lange Tal des Puna Tsang Chu. Entlang diese Flusses geht die Fahrt schließlich weiter nach Punakha. Für mich ist es ein Wiedersehen mit der größten und m.E. auch schönsten Dzong, wo ich im Februar das fröhliche und farbenprächtige Klosterfest besuchen konnte. Leider ist die alte Hängebrücke wegen Baufälligkeit abgerissen worden und wird kurzfristig durch eine neue Betonbrücke ersetzt werden.

 

 

Den Volkssport Bhutans, den ich im Februar 2008 irgendwie verpasste, kann ich nun live miterlegen. Für den geübten Bhutaner scheint es eine Leichtigkeit, den Pfeil, zwar mit Hightech-Bogen, über 140 m in Ziel zu befördern. Bei jedem Treffer innerhalb des schmalen ca. 20 cm breiten Zielbalkens wird getanzt und gesungen. Bei solchen Veranstaltungen ist leider auch die Droge Betelnuss im Spiel und Sicherheitsvorkehrungen, falls doch einmal ein Pfeil vom Wege abkommt, gibt es nicht.

 

Am Abend treffen wir wieder in Thimphu ein. Es verbleibt noch Zeit einen Bummel entlang der Hauptgeschäftsstraße zu machen. Leider in Thimphu mit seinen vielen indischen Gastarbeitern (Straßenbau) übervölkert und hat damit einiges von seinen Flair verloren.

43. Tag - 29.10.2007

 

Meine Mitreisenden sind auf Shopping-Tour gegangen. Ich treffe endlich Beate im neu eingerichteten Büro, direkt über dem der DRUK Air. Auch heute ist wieder ein Chaos-Tag. Während die Ein- und Ausreisen nach Bhutan über Kathmandu und Bangkok hinsichtlich der Visa für Nepal und Thailand kein Problem sind, ist der Weg über Indien nur mit einem in der Heimat erteilten Visum für Indien  möglich. Dies wird oft vergessen. Wenn Leute gemäß Programm z.B. nur über Indien ausreisen möchten und kein Visum für Indien haben, ist die Rettung der Reise nur mit zeitaufwendigen und teuerem Weg möglich. Nur in Thimphu kann ein Visum für Indien noch beantragt werden.

 

Am Nachmittag treffen wir wieder in Paro ein.

44. Tag - 30.10.2007

 

Dorjis Vorschlag, bereits um 7 Uhr zum Tiger-Nest (Taktsang) aufzubrechen, erweist sich in zweifacher Hinsicht als richtig. An diesen herrlichen Sonnentag steigen wir noch im Schatten der gewaltigen Felswand, an der das Kloster zu kleben scheint, auf 3.050 m hinauf. Bevor der Massentourismus einsetzt, haben wir die Besichtigung ohne Gedrängel beendet. Im 8. Jahrhundert soll der Guru Ringpoche auf dem Rücken einer Tigerin hierher geflogen sein. Bewundernswert ist weiterhin, dass Taktsang im April 1998 bis auf die Grundmauern abbrannte und mit erheblichen Anstrengungen wieder vollständig rekonstruiert wurde.

 

Jede schöne erlebnisreiche Reise geht einmal zu Ende. Margret und Hans haben das eine und andere Erinnerungsstück gekauft. Joachim sogar eine riesige Maske. Im Nachhinein bedauere ich ein wenig, das Bild der „Grünen Tara“ in Paro nicht gekauft zu haben. Zum Abschluss treffen wir uns alle zum gemütlichen Abendessen.

 

45. Tag - 31.10.2007

 

Aufbruch zum Flughafen. Hans-Joachim schleppt seine riesige Maske. Dorji unternimmt alles im Rahmen seiner Möglichkeiten, dass die Maske als Handgepäck aufgegeben werden kann. Wir stehen recht früh bei der Sicherheitskontrolle an. Doch es dauert, zumal vor uns das Filmteam (siehe Bumthang) unendlich viel Gepäck aufzugeben hat. Schließlich haben auch wir es geschafft. Doch auf Hans-Joachim müssen wir noch einmal warten. In seinem Koffer befinden sich noch 2 riesige Donnerkeile, die vom Sicherheitspersonal identifiziert werden müssen.

 

Schließlich heben wir pünktlich in Paro ab. Nach einigen Kehren durch die engen Täler dreht die Maschine nach Westen. Das Himalaya zeigt sich bei prächtigem Wetter. Kurz vor der Landung in Kathmandu grüßen Kanchanjunga, Lotse und Everest.

 

Am Flughafen warten nicht nur Govinda, sondern auch Gregor, der bereits gestern hier gelandet ist. Ich freue mich über seine Grüße von meiner Familie, den Kindern, Enkeln und dem Küsschen von Dorlis.

 

Unsere Kunden sind zum Abschluss der Reise zunächst gut im Hotel Annapurna, tags darauf wunschgemäß im Hyatt in Bodnath untergebracht. Für mich beginnen bereits morgen, gemeinsam mit Govinda,  die Vorbereitungen für die nächste Tour in den fernen Westen Nepals nach Jumla und zum Rara See.

 

Fortsetzung:

Jumla - Rara See & Bardia Nationalpark