Zanskar

Auf weniger bekannten (Pferde-)Pfaden
von Padum nach Rangdum

 
Reisebericht 07.09. - 29.09.2011

 

 

 

 

Vorwort

 

Die Reportage „Zanskar, der gefrorene Fluss“ ist sicherlich jedem am Himalaya Interessierten bekannt. So war es auch mein Traum, dieses Gebiet in Nordindien einmal zu besuchen. Da es mir im Winter zu kalt ist, wurde die Reise für den Sommer geplant. Das erste Konzept, auf einen alternativen Weg von Chilling nach Padum zu wandern, fiel nicht nur wörtlich genommen ins Wasser. Aufgrund des verheerenden Unwetters im Sommer vergangenen Jahres sind weiterhin einige Brücken zerstört und Teiletappen nicht passierbar. So wurde mit Nana (Ladakh Travel) eine neue Tour ausgearbeitet.

 

Mit dabei sind Kristina und Harry. Da auch Govinda (Himatrek Nepal) an dieser „kleinen Expedition“ teilnimmt, beginnt die Reise wie üblich mit dem Flug nach Kathmandu.

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Dezember 2011

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01. Tag - 07.09.2011

 

Die Anreise mit der Bahn nach Frankfurt und mit der GULF via Bahrain nach Kathmandu verläuft wie bekannt und schon oft berichtet. Dies möchte ich aber dennoch erzählen: Der Sicherheitscheck in Frankfurt war äußerst gewissenhaft. Hemd und Hose fühlten sich nach mehrmaligem Abtasten wie frisch gebügelt an. Die neuen „Gehörverstärker“, gut verborgen hinter den Ohren und meinen langen Haaren, hat aber niemand bemerkt.

 

02. Tag - 08.09.2011

 

Govinda, seine Frau Radhika und die Kinder Sachi und Surja empfangen mich morgens am Flughafen. Es ist bereits schwülwarm. Statt ins Büro oder zum Hotel in Thamel, geht die Fahrt direkt zu Govinda nach Hause in Sitapaila. Im kürzlich fertig gestelltem Haus, kann ich mein Gästezimmer beziehen, komplett eingerichtet und mit Schreibtisch, Internetanschluss und Telefon ausgestattet. Hier fühle ich mich sofort heimisch, zumal auch der Kühlschrank gut sortiert gefüllt ist. Govinda, danke, dass hast du perfekt gemacht.

 

Im Laufe des Tages steigt die Temperatur auf über 30 °C. Der Schweiß perlt ohne etwas zu tun von der Stirn. Der kurze Besuch mit dem lokalen Bus zum Büro ist anstrengend, zumal mir die Müdigkeit des langen Fluges noch in den Knochen steckt. Statt Trubel, Lärm und Smoke in Thamel genieße ich schließlich Ruhe und frische Luft auf der Terrasse mit Blick auf die Stupa von Swyambunath bis Radhika zum Abendessen ruft. Dhaal Bhaat, lecker und würzig zubereitet steht auf dem Küchentisch. Wir lassen es uns gemeinsam schmecken.

 

Vor ein paar Stunden habe ich meine Sachen ausgepackt und eingeräumt. Nun heißt es wieder packen, denn morgen fliegen wir nach Delhi. Schlafsack, Wanderstiefel, usw., Dinge die ich hier deponiere, und all die sonst notwendigen Utensilien werden in die große Trekkingtasche verstaut. Todmüde lasse ich mich in das riesige Bett fallen.

 

03. Tag - 09.09.2011

 

Govinda und ich warten auf den Aufruf zum Boarding. Der „Gewürz-Jet“ (SPICEJET), wird uns in das noch heißere Delhi fliegen. Aufruf! Da Krishna gestern meine Funkuhr vorausschauend auf indische Zeit umgestellt hat, ist es eine viertel Stunde später und der Aufruf der „Final Call“. Mit ein paar weiteren Leuten, gehören wir zu den Letzten. Bevor wir die Boing 737 besteigen dürfen, müssen wir uns einer weiteren speziellen indischen Sicherheitskontrolle unterwerfen. Die Maschine ist bis zum letzten Platz ausgebucht. Wo kommen all die Passagiere her. Im Abflugbereich war so gut wie niemand. Des Rätsels Lösung: Inder und Nepali gehen gewöhnlich sofort durch die Sicherheitskontrolle und warten am Gate.

 

Delhi, heiß, schwül und Regen. Es ist mittags. Was unternehmen wir bis zur Ankunft von Kristina und Harry, die kurz nach Mitternacht mit Lufthansa eintreffen werden? Eine Sightseeing-Tour? Bei diesem Wetter wohl nicht das Wahre. Nahe des Airports gibt es einige Hotels. So entfliehen wir mit dem Taxi und finden für einen halben Tag Unterkunft in einem klimatisierten Zimmer. Von hier könnte man ggf. einen kleinen Spaziergang unternehmen, den wir aber wegen Hitze, Lärm, Schmutz und Bettelei schnellstens abbrechen. Die Zeit rinnt schrecklich langsam dahin. Karten (Mau Mau) spielen, etwas dösen. Endlich rückt der Abend näher. Das nächste Mal, buchen wir auf jeden Fall einen späteren Flug, auch wenn dieser ein paar Dollar teurer sein sollte.

 

Zurück zum Flughafen. Schauen wir mal, ob es hier ein gemütliches Restaurant gibt, wo wir zu Abend essen und uns sonst wie die Zeit vertreiben können. Pustekuchen, der Zugang ist bei Inlandflügen erst 2 Stunden vor Abflug erlaubt. Nach längerer Diskussion mit dem Wachpersonal, gelingt wenigstens der Zutritt in die Ankunftshalle. Dort gibt es zumindest eine Bar und ein paar Fast Food Restaurants. Noch sind es 5 Stunden bis zur Ankunft von Kristina und Harry, 10 Stunden bis zum Abflug nach Leh.

 

04. Tag - 10.09.2011

 

Endlich, die Anzeige verkündet, dass die LH 760 aus Frankfurt pünktlich gelandet ist. Wenig später können wir die beiden begrüßen. Geteiltes Leid, halbes Leid. Zu Viert verrinnt die Zeit etwas schneller.

 

Unser Flug ist zum Glück der erste in den Morgenstunden. Nach einer Stunde Flugzeit schwebt die Boing 737 von Kingfisher bei beginnenden Sonnenaufgang auf Leh zu. Unter uns wird die Landebahn zwischen den hoch aufragenden Bergen sichtbar. Eine große Kurve und wir setzen in 3.500 m Höhe auf.

 

Eine halbe Stunde später schmeckt das Frühstück im Hotel „Holiday Ladakh“. Anschließend sind 3 Stunden Schlaf unerlässlich. Den Höhensprung auf 3.500 m muss der Körper verarbeiten. Daher ist in den kommenden 48 Stunden Ruhe zur Akklimatisierung programmiert. Mittags begeben wir uns in die Altstadt von Leh. Herrlicher Sonnenschein und angenehme Temperatur, welch ein Unterschied zu Delhi. Über der Stadt thront auf einem Felsrücken der gewaltige Palast. Die Restaurierungsarbeiten an diesem 9-stöckigem im Stil des Potala vom Löwenkönig Sennge Namgyla errichten Bauwerk werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Touristisch ist Leh hinsichtlich Geschäften und Restaurant mit Thamel in Kathmandu vergleichbar. Souvenirs werden aus Nepal importiert. In den Lokalen kochen und bedienen Saisonarbeiter aus Nepal. So stehen Köstlichkeiten sowohl aus der ladakhschen als auch tibetischen und nepalischen Küche zur Auswahl. Meine Lieblingsspeisen sind Hot and Souer Soup, Papad Masala, Fried Momos, …

 

Im Hotel funktioniert das Internet hervorragend, vorausgesetzt, dass die Stromlieferung nicht unterbrochen wird. Stand vor 3 Jahren nur ein lahmer PC in der Rezeption zur Verfügung, so besteht Verbindung per WiFi mit dem eigenen Notebook im ganzen Hause. Nachdem ich abends noch ein paar Emails beantwortet habe, bin ich froh, ins Bett kriechen zu können.

 

05. Tag - 11.09.2011

 

Der geruhsame Tag beginnt mit einem Bummel durch die Basare von Leh. Unser Rundgang führt durch den Gemüsemarkt, vorbei an der „deutschen“ Bäckerei Pumpernickel zur breiten Hauptstraße. Auf den Bürgersteigen bieten Einheimische Ost und Gemüse feil. Je nach Stand der Sonne, immer auf der im Schatten liegenden Seite. Schließlich erreicht man den lokalen Markt, der sich bis hinunter zum Leh Gate zieht. Imposant ist immer wieder der Blick auf die schroffen, kargen aus Geröll und Sand bestehenden Berge, die dieses fruchtbare grüne Seitental mit der Hauptstadt von Ladakh umschließen.

 

 

Im Rahmen der Festivaltage vom 01.-15.09. werden heute im Tempel Chamba Lhakhang Maskentänze aufgeführt. Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Monoton dröhnen die Hörner zu denen Dämonen und Schutzgottheiten sich über den Platz bewegen. Letztendlich siegt immer das Gute über das Böse.

 

Govinda und Harry steigen am Nachmittag noch zum Königpalast hinauf. Kristina und ich, kennen den Palast bereits von unseren zurückliegenden Reisen. Die zum Hotel führende Straße wird asphaltiert. Ein triftiger Grund, von der nicht gesicherten Baustelle für meinen 4-jährigen Enkel Nick ein paar Bilder zu schießen. Er ist schon der perfekte Bauarbeiter. Ein etwas riskantes Unternehmen, denn die Straße ist schmal und die große Walze schrammt im cm-Abstand an unseren Füßen vorbei.

 


06. Tag - 12.09.2011

Entlang des Indus, der sich durch das wüstenhafte Hochland schlängelt, befinden sich etliche buddhistische Klöster. Bei der Anfahrt gleicht das einsam auf einem Geröllhügel liegende Kloster Matho einer Burg. Dahinter verbirgt sich eine weitläufige Oase mit einigen Häusern, deren Wälder und Felder sich bis hinunter zum Indus erstrecken.

 

Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Kloster ist das einzige, welches zum Saskya Orden gehört. Die Saskya-Mönche prognostizieren mit Hilfe der Schutzgottheit Rongtsan jährlich im Februar das Staatsorakel. Das Kloster wird momentan erweitert und wir nutzen die Möglichkeit den geschickten Handwerkern über die Schulter zu schauen.

 

Noch gewaltiger erhebt sich das Kloster Stakna am Ufer des Indus auf einer Felskuppe, die im Volksmund Tigernase genannt wird. Anfang des 17. Jahrhundert wurde die Gompa von den in Bhutan gegründeten Drukpa-Orden erbaut. Einmalig ist von hier der Blick entlang des schmalen Bandes von Wäldern und Feldern am Ufer des Indus bis hinüber zum Kloster Thikse. Gleich dahinter türmen sich nackte bis zu 5.000 m hohen Stein- und Sandhügel auf. Welche Kräfte müssen hier gewirkt haben, die den Meeresboden vor aber Millionen Jahre empor gehoben haben. Das tibetsche Hochplateau ist die fünftgrößte Wüste der Erde. Trotz der Höhe ist es recht heiß geworden. Erbarmungslos knallt die Sonne herab. Ein guter Grund, auf der Terrasse des Hotels einen schattigen Platz aufzusuchen.

 

07. Tag - 13.09.2011

 

Das Abenteuer Zanskar beginnt. Nach einer Vollmondnacht empfängt uns der Tag schon in den frühen Morgenstunden mit strahlend blauen Himmel. Mit Jigmat, unser Guide der uns während der kommenden Tage betreuen wird, verlassen wir Leh in Richtung Norden. Wir folgen dem schwarzen Band einer schier endlos in die Wüste führenden Straße. An der Einmündung des Zanskar in den Indus wird selbstverständlich angehalten. In 2 Tagen werden wir den Ursprung (Zusammenfluss des Stod und Tsarap) im Tal von Padum erreichen. Die Fahrt zieht sich dahin. Unterwegs sind viele Inder und Nepali dabei, die durch die Unwetterkatastrophe zerstörten Straßen wieder befahrbar zu machen. Oftmals führen lediglich Behelfsbrücken über ein tiefes Tal oder einen Zufluss. Die Spuren der Unwetterkatastrophe sind bei weiterem noch nicht beseitigt.

 

Trotzdem erreichen wir, wie geplant, zur Mittagszeit Lamayuru. Einige neue Straßenabschnitte sind ausgebaut und fertig. So die vom Indus-Tal abzweigende Straße hinauf in das Moonvalley. Durch Erosion ist hier eine zauberhafte Landschaft entstanden. Ockergelb treten frei gewaschene Kreidesegmente, stellenweise wie urgewaltiger Zahnreihen, zu Tage. Gleich einem einsamen Wachposten erhebt sich in dieser endlosen Bergwildnis am Talende das Kloster Lamayuru. Die Geschichte dieses Klosters beginnt bereits im 11. Jahrhundert mit Yogi Naropa, der hier in einer Höhle meditierte. Zum Großkloster entwickelte es sich aufgrund des Wirkens Rinchen Zangpo. Obwohl ich dieses Kloster schon 2 mal besichtigte, lohnt ein Rundgang durch diese Anlage immer wieder.

 

Nach der Mittagspause im Klostergasthaus liegt der Fatu La vor uns. In langen Kehren windet sich die Straße zum Pass auf 4.094 m hinauf. Trotz Sonnenschein, pfeift ein eisiger Wind, der die unzählbaren Gebetsfahnen knattern lässt.

 

Aus luftiger Höhe geht es zwangsläufig bergab. Doch nun folgt Baustelle auf Baustelle. Die Strecke bis Kargil wird ausgebaut. Jeweils in Teilstücken. An einigen Stellen wird die Straße noch verbreitert. Schwere Bagger brechen Felsen aus den Wänden und blockieren die Strecke. Stopp, erst wenn die Brocken beiseite geräumt sind dürfen wir weiter. Dann ist ein Stück komplett fertig und wir kommen schnell voran, bis eine Asphaltmaschine und/oder Walze das Weiterkommen verhindert. Jedenfalls treffen wir bei einbrechender Dunkelheit gegen 18:30 in Kargil ein.

 

Im besten Hotel „Siachen“, dieses islamisch geprägte Grenzortes zu Pakistan, sind für uns Zimmer reserviert. Die Fassade täuscht, die Zimmer na ja so eben. Da Mohamed Alkohol verboten hat, ist diese Stadt „trocken“. Auf ein verdientes Bier zum Abendessen müssen wir verzichten. Da Kristina und Harry einen guten Whiskey dabei haben, gönnen wir uns zum Abschluss dieser recht strapaziösen Fahrt ein Prosit im Zimmer. Das diese Stadt wanzenverseucht ist, bestätigt schon der Geruch des Insektenvernichtungsmittel. Eine Lüftung ist unbedingt erforderlich. Doch dann hat das Ungeziefer von draußen wieder freie Bahn, wie wir in der Nacht bemerken. Also Licht aus und Fenster auf oder umgekehrt.

 

08. Tag - 14.09.2011

 

Nichts wie raus aus Kargil. Da hier ein neuer Claim der Taxi-Organisation beginnt, wechseln zwangsläufig Fahrzeug und Fahrer. Durch das fruchtbare Surutal, entlang des gleichnamigen Flusses holpern wir auf staubiger Trasse dahin. Irgendwo befindet sich ein Checkpoint, bevor sich vor uns die gewaltigen Zwillingsberge Nun (7.135 m) und Kun (7.077 m) erheben. Unser recht mürrische Fahrer drängt, keine Zeit zum fotografieren. Der Schotterweg steigt mehr und mehr an. Das Tal wird enger, umsäumt von hohen Felswänden. Dann öffnet sich die weite Hochebene von Rangdum. Gebetsfahnen, Manimauern und Chörten zeugen vom Übergang auf buddhistisches Gebiet.

 

Mittagspause. Im Gasthaus „Nunkun“ (Yüldo) wird ein hervorragendes Dhaal Bhaat serviert. Unser moslemische Fahrer bevorzugt Mohameds Restaurant, schräg gegenüber.

Einige Kilometer weiter befindet sich auf einer kleinen Anhöhe das Rangdum-Kloster (4.000 m). Hier wird in 11 Tagen unsere Trekking-Tour enden. In dieser grandiosen Berglandschaft steigt die „Strasse“ beständig bergan. Durch schmale Seitentäler versorgen kristallklare Gletscherbäche die saftigen Sommerweiden mit dem notwendigen Nass. Der Penzi La (4.410 m) ist sozusagen der Höhepunkt dieses Tages.

 

Von nun an geht es auf steil gewundener Strecke bergab. Gewaltige Eismassen schieben sich zwischen Sickle Moon (6.557 m) und Brahmah (6.416 m) über 7 km zu Tale. Durung Drung, einer der größten Gletscher im Himalaya. Das Tal weitet sich. Parallel zum tosenden Stod-Fluss reihen sich kleine Bauernsiedlungen. Es ist dunkel, als wir nach 11 Stunden Fahrt in Padum (3.570 m) eintreffen.

 

Übrigens, wer ein Hörgerät tragen muss/soll: Diese Dinger sind für Schotterpisten nicht tauglich! Durch die ständige Vibration fallen diese zwangsläufig aus/vom Ohr.

 

09. Tag - 15.09.2011

 

Ausschlafen, warm duschen mit der Schöpfkelle aus dem Eimer. Die neu installierten sanitären Einrichtungen funktionieren noch nicht. Der Speiseraum ist einladend und gemütlich, das Essen hervorragend. Der Barbier ein paar Meter weiter, vollendet die heutige Körperpflege. Da sich die Saison dem Ende neigt, haben einige Geschäfte bereits geschlossen. Die meisten Bewohner und Gastarbeiter werden mit ihren Familien rechtzeitig in ihre Heimat zurück kehren, bevor spätestens im November der Winter beginnt und Zanskar bis etwa Mai von der Außenwelt abgeschnitten ist.

 

Unser heutiges Programm ist der Besuch der Klöster Sani und Stongde. Beginnen wir in Sani. Man fühlt sich 100 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Vor etwa 50 Jahren wurden dem Dorfgott Shönnu noch Blutopfer gebracht. Am Dorfeingang steht die Sagen umwobene und heiligste Gompa des westlichen Himalaya. König Kanshka aus Kaschmir soll mit magischen Kräften in einer Nacht Millionen religiöser Bauwerke errichtet haben. Hierzu gehört der alte Chörten von Sani. Vielleicht auch der heilige See, den wir nach den Rundgang durch das Dorf erreichen.

 

 

Das Kloster Stongde. Eine grandiose Bergkulisse umrahmt dieses zweitgrößte buddhistische Heiligtum in Zanskar, gegründet im 11. Jahrhundert. Hat man die Anhöhe per Fahrzeug erklommen, eröffnet sich ein weiter Blick in das Tal von Padum. Wie gemalt liegen die Felder und das weite Tal mit dem Zusammenfluss von Stod und Tsarap zum Zanskar zu Füßen. Doch über den Berggipfeln naht ein Unwetter. Die ersten Regentropfen fallen, als der Mönch in das Muschelhorn bläst, um zur nachmittäglichen Gebetsstunde (Puja) aufzurufen.

 

 

Zurück im Gasthaus. Kristina liest uns wie bereits unterwegs in den Klöstern, das Wichtigste aus ihrem Reiseführer vor. Oh Schreck, wo ist mein rechtes Hörgerät. Spurlos verschwunden. Was passieren musste, ist passiert! Trotz intensiven gemeinschaftlichen Suchens, bleibt es unauffindbar. Fazit: Diese Dinger sind für derartige Reisen untauglich! Das linke wird sofort sicher verstaut, bevor es auch noch verloren geht.

 

10. Tag - 16.09.2011

 

Durch Feldraine beginnt die kurze Wanderung zum Kloster Karsha. An dieser Wegstrecke befindet sich die Schule. Somit sind mit uns zahlreiche Kinder unterwegs. Wegen der starken Sonnenstrahlung sind Sonnenbrille und Schirmmütze obligatorisch. Ebenso, wie in aller Welt, der Kiosk oder Laden mit Süßigkeiten, wo sich die Schüler mit dem anscheinend dringend Notwendigen zum Überleben des Schultages eindecken.

 

Weiter geht es durch die weite steinerne Ebene entlang der steilen Böschung des Stod. Vorsicht nicht zu nahe an die Kante, warnt Jigmat. Absturzgefahr in das reißende Wasser. Gegenüber klebt das Kloster quasi an der steil aufragenden Felswand. Karsha ist nicht nur das größte sondern auch reichste Kloster in Zanskar. Etwa 120 Mönche der Gelbmützen leben hier. Es untersteht dem Kloster in Likir dessen Abt ein Bruder des Dalai Lama ist.

 

Da es zu regnen beginnt, sind wir froh, dass die Zelte aufgebaut sind. Schließlich bleibt es bei einem kurzen Spaziergang durch die kleine Siedlung über der sich imposant die gewaltige Kloster-Anlage erhebt. Der Regen nimmt einfach die Motivation, den recht steilen Weg dorthin aufzusteigen. Stattdessen erhalten wir Besuch von den stets emsigen Tibeterinnen, die ihre Waren wie Schmuck, Mützen, Schal usw. vor uns präsentieren und auf ein Geschäft hoffen. Für den Fall, dass es in den kommenden Tagen frostig werden sollte, erhandle ich ein Paar Socken aus Yakwolle.

 

11. Tag - 17.09.2011

 

In der Nacht hat es auf den umliegende Gipfel geschneit, die nun von der aufgehenden Sonne im goldenem Licht erstrahlen. Ein herrlicher, sonniger Tag beginnt. Weiter geht es zu Fuß die Fahrpiste entlang, die lange Manimauern und Chörten säumen. Ein Blick zurück auf das weite Tal, dem gewaltigen Gebirgspanorama und der monumentalen Klosteranlage Karsha. Wir erreichen den Geburtspunkt des Zanskar, wo Stod und Tsarap zusammen fließen. Gegenüber erbebt sich das gestern besuchte Kloster Stongde im gleißendem Gegenlicht der morgendlichen Sonne. Das Tal wird enger. Beidseitig erheben sich steile bizarre Felswände. Dazwischen windet sich der Zanskar durch die Moränenablagerungen der Gletscher längst vergangener Eiszeiten. Ein leichtes Lüftchen weht und macht die Hitze der erbarmungslos brennenden Sonne einigermaßen erträglich.

 

Das Fahrzeug mit Koch Nanda und seinem Helfer Punthog hat uns längst überholt. Doch jetzt stecken sie vor uns fest. Baustelle, einige dicke Felsbrocken versperren den Weg. Die Arbeiter haben gerade Mittagspause. Na nun auf ihr Leute, wir packen mit an. Gesagt, getan. Mit vereinten Kräften schieben wir die Felsbrocken an die Seite. Es geht weiter. Eine Staubwolke und wir trotten hinterher.

 

So wie der uns entgegen blasende Wind zur Mittagzeit heftiger wird, wird auch die Landschaft imposanter, gewaltiger, einfach unbeschreibbar. Da hat sich ein Fluss über Jahrtausende einen Weg durch dieses Wüstengebirge gegraben. Ein Naturwunder! Als wir die Siedlung Pishu erreichen, ist der Gegenwind noch heftiger geworden. Vieles erinnert mich an das Tal des Kali Ghandaki im Annapurna. Die tibetsche Hochebene, das Transhimalaya, heizt sich im Laufe des Tages auf. Die Luft steigt auf und zieht die Luft aus dem Süden an. In den Tälern verstärkt der Kamineffekt die Wirkung gewaltig.

 

 

In Pishu ist die letzte Ernte bereits eingebracht. Govinda und Jigmat drehen kräftig die große Gebetsmühle des Dorfes und kurz dahinter erstreckt sich eine grüne Wiese, durchsetzt mit einigen Weiden am Ufer des Zanskar. Die Zelte sind bereits aufgebaut. Der Kaffee ist zum Nachmittag vorbereitet. Auch die Pferdemänner sind mit ihren Vierbeinern eingetroffen. Morgen werden wir endgültig die Zivilisation verlassen. Genießen wir diesen Nachmittag.

 

12. Tag - 18.09.2011

 

Erbarmungslos knallt die Sonne vom Firmament. Von 3 °C in der Frühe klettert das Thermometer auf 34 °C. Wer mich daheim kennt, wird mich für verrückt halten. Meide ich zu Hause die Sonne und bevorzuge den Schatten, wie kann man sich hier in über 3.500 m Höhe rösten lassen? Stellenweise Dornengestrüpp. Die Himalaya-Rosen sind längst verblüht. Gleich roten Farbtupfern hängen die Hagebutten in den vereinzelten Büschen. Dann endlich eine kleine Oase. Unter einem großen schattenspendendem Baum finden wir nach etwa 2 1/2 Stunden Zuflucht. Der ideale Rastplatz!

 

Die einmalige Landschaft, durch welche sich der Zanskar zwängt, lässt alle die Anstrengungen schnell vergessen. Wir durchqueren die kleine Oase Pidmo. Die Ernte der Gerste wird eingebracht und die kargen Felder für das kommende Frühjahr vorbereitet. Eine harte Arbeit für den Bauer und sein Gespann mit hölzernem Pflug. Die Erntetechnik hat sich die letzten 500 Jahre nicht verändert.

 

Ein breiter, grauer Sandstrand lädt zum Baden am Ufer des Zanskar ein. Wer ist mutig seine Füße in das eiskalte Wasser zu tauchen? Während Harry und Kristina schon im Gletscherwasser stehen, bin ich zögerlich und somit der Letzte. Welch eine Wohltat die heiß gelaufen Füße in das kalte, erfrischende Nass zu tauchen.

Wie der aufmerksame Leser feststellen wird, folgen wir dem Zanskar flussabwärts. Zwischen Weiden stehen die Zelte in Hanumil (3.380 m). Ein Ort mit 2 landestypischen steinernen Hütten, Getränkeangebot, kleinem Vorbau (Terrasse) für Touristen und dem zugehörigem Campingplatz. Bei unserer Ankunft ist der Kaffee-Tisch bereits von unserem Team gedeckt. Das Abendessen können auf der Terrasse des „Restaurants“ auf bequemen Gartenstühlen genießen.

 

13. Tag - 19.09.2011

 

6 Uhr. So gut habe ich lange nicht mehr im Zelt geschlafen. Die morgendlichen Sonnenstrahlen haben, wie in den Tagen zuvor, endlich den Talgrund mit dem Campingplatz erreicht. Nanda hat mit Punthog abermals ein deftiges Frühstück zubereitet. Ebenso ein Lunchpaket für die heutige Etappe. Die nepalischen Meister der Küche, beide sind nur zur Saison in Ladakh, scheuen auch keine Mühe beim Auf- und Abbau der Zelte zu helfen.

Wir folgen dem Verlauf des Zanskar, der sich ständig tiefer in den schmaler werdenden Canyon gegraben hat. Dort wo er zwischen schroff aufragenden Felswänden in einen weiten Bogen nach Osten abzweigt, beginnt der Aufstieg zum Parfi La (3.950 m). In recht steilen Kehren geht des mühsam aufwärts. Geschafft, Gebetsfahnen flattern im Winde. Im Norden und Süden ragen zerklüftete namenlose Gipfel in den strahlend blauen Himmel. Bis unsere 11 Gepäckpferde mit den beiden Treibern den Pass erreichen, gönnen wir uns eine ausgiebige Pause und genießen das wunderbare Panorama.

 

Durch Geröll folgt der steile Abstieg zum Oma Chu an dessen Ufer sich das Camp Zingchan Bridge befindet, welches wir am frühen Nachmittag nach etwa 6 ½ Stunden erreichen. Hier zweigt der Weg über den Hanuma La (4.720 m) nach Lingshi (3.900 m) ab, der weiter nach Lamayuru verläuft.

 

14. Tag - 20.09.2011

 

Das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Von der Zingchan Brücke auf dem „Pferdepfad“ nach Samdo. Ein neuer Weg, den nur die beiden Pferdeleute kennen und den bisher wohl noch kein Tourist beschritten hat. Jimat verkündet, dass es heute eine kurze Etappe von nur 4 bis 5 Stunden ist, die er aber kurz darauf korrigiert. Es werden 5 bis 6 Stunden, da der Weg nicht komplett entlang des Oma Chu verläuft, sondern erst ein kleiner Pass zu überqueren sei.

 

Auf geht es, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Pfad führt in einen steilen Hang hinein. Stellenweise ist er nur aufgrund der Hufspuren zu erahnen. Durch das rutschige und feine Geröll ist höchste Vorsicht geboten, Trittsicherheit erforderlich. Zum Glück ist neben Jimat auch Govinda zur Stelle, um an exponierten Stellen zu helfen. Schließlich erreichen wir Zingchan im engen Tal. Ein Bauerngehöft, umgeben von einigen Feldern und etwas ausgetrocknete Weidelandschaft, auf welcher eine Herde Schafe und Ziegen grast. Die Bäuerin drischt die Wintergerste, ihr Mann schaut zu und ein großer schwarzer Hund bewacht bellend das Heim.

 

 

Geht es nun am Fluss entlang? Nein, was jetzt folgt, ist der kleine Pass. Weiterhin durch feinen rutschigen Schotter folgen wir der Fährte unserer Pferdekarawane zum Sattel auf 4.000 m ohne Namen und Gebetsfahnen. Das wird umgehend geändert. Getauft auf den Namen „Himatrek La“ und dort oben flattert nun ein Band bunter Gebetsfahnen.

 

Nach der Mittagspause sollte es eigentlich wieder hinunter zum Fluss gehen. Pustekuchen, der Weg setzt sich im ständigen auf und ab auf diesem Höhenrücken fort. Die Pferdeleute und das Küchenteam sind inzwischen voraus. Der heutige Campingplatz wird sicherlich bald sichtbar werden. Die Zeit verrinnt. Kein Abstieg in Sicht. Vielleicht hinter dem nächsten Sattel mit seiner steil aufragenden Felsennase, dessen Felswand fast senkrecht in die Klamm des nicht sichtbaren Oma Chu abstürzt.

 

Klein Lager, kein Abstieg. Vor uns erstreckt sich eine typische Sommerweide, die zu dieser Zeit verlassen ist. Eine tiefe Schlucht, dahinter eine düstere schwarze Felswand und danach fällt eine Geröllwand steil abwärts, durch welche sich gerade unsere Pferde langsam zum nächsten nicht sichtbaren Pass vortasten. Was folgt dahinter? Niemand weiß es. Die Abenddämmerung setzt ein. Noch weiter zu gehen erscheint sehr riskant. Wir treffen die Entscheidung, die Nacht hier zu verbringen. Govinda und Jigmat werden so schnell wie möglich versuchen, das vorauseilende Team einzuholen und zumindest Zelt, Schlafsäcke und etwas Proviant hierher zurück bringen.

 

Kristina, Harry und ich schauen den beiden mit gemischten Gefühlen nach. Wann werden sie zurückkommen? Wir müssen uns nach einen etwas windgeschützten Platz umzusehen. Dort ist eine runde in sich geschlossene Steinmauer am Hang. Ein typischer Platz, wo die Hirten im Sommer ihr Lager einrichten. Mit dem Verschwinden der Sonne hinter den westlichen Bergkamm wird es sofort kalt in 4.000 m Höhe. Zum Glück hat Harry ein Feuerzeug dabei. Los, getrockneten Yakdung und trockene Zweige sammeln, bevor uns die Dunkelheit umgibt. Einige Zeit später lodert ein sicherlich nicht ganz fachgerechtes Feuer. Es spendet aber zumindest Wärme und wird die hier lebenden Bären hoffentlich fern halten. Normalerweise habe ich grundsätzlich neben Anorak, Regenkep und Pullover immer Mütze, Schal und Handschuhe im Tagesgepäck. Heute sind diese im Hauptgepäck. Auch Kristina und Harry haben nur das Nötigste für die geplante kurze Gutwettertour dabei. Purer Leichtsinn, wenn man Outdoor unterwegs ist. Eng rücken wir zusammen. Wir teilen das restliche Proviant: Nüsse, 1 Apfel, 1 Ei und 2 Müsliriegel. Die Wasserflaschen sind leer. Über uns glitzern die Sterne und das Band der Milchstraße. Warten, ob man uns wohl finden wird?

 

Endlich. In der undurchdringlichen Schwärze flackern ein paar Lichter auf. Es sind die Stirnleuchten von Jimat, Nanda, Punthog und einen der Pferdemänner, die schwer beladen eintreffen. Glücklich, „überlebt“ zu haben, verschwinden wir geschwind in das umgehend aufgebaute Zelt und kriechen in die wohligen Schlafsäcke. Noch bevor wir die Chance haben einzuschlafen, wird ein deftiges Dhaal Bhaat als verspätetes Abendessen nachgereicht.

 

15. Tag - 21.09.2011

 

Der Kerosinkocher rauscht. Kurz darauf wird der Good Morning Tea ins Zelt gereicht. Das Frühstück werden wir später nachholen. Ein paar Kekse reichen fürs erste. Mit Sonnenaufgang ziehen wir los. Irgendwo verläuft der Weg, den jetzt erstmals auch Jimat, Nanda und Punthog im hellen Tageslicht erleben. Steiler und rutschiger als gestern. In der Dunkelheit hat man den Abgrund nicht wahrgenommen, so war es einfacher zu euch zurück zu kehren, gibt Jimat zu. Puh, nur nicht schwindelig werden. Hier gibt es kein Drahtseil wie in den Alpen. Jeder hat seinen Bergführer. Ich voran, bin mit Schal (Gürtel zu Gürtel) nur psychologisch beim Pferdemann gesichert. Wichtig ist seine Hand an kritischen Stellen. Kristina und Harry folgen mit Jimat und Nanda. Den größten Teil des Gepäcks schleppt Punthog. Weiter geht es gut 2 Stunden hinauf/hinunter.

 

Govinda kommt uns entgegen. Abwärts geht es zum Zeltlager auf einer niedrigeren Anhöhe. Ich bin völlig down. Verschwinde sofort ins Zelt, zumal die gleißende Sonne ihre heißen Strahlen auf uns herab schießt.

 

Was können/sollen wir heute noch unternehmen? Nach den Strapazen wäre ein Ruhetag angebracht. Jimat und Govinda brechen als Kundschafter auf. Ist heute noch ein Abstieg ins Tal möglich? Einheimische, wie unsere Pferdetreiber, habe da ein vollkommen anderes, ggf. sogar falsches Zeitgefühl. Vom nächsten Sattel kommt per Handzeichen die Information, dass wir folgen sollen.

 

Noch einmal hinauf auf 4.000 m. Dann fällt das Gelände endlich in das lang ersehnte Tal. In einem Weidenhain stehen die Zelte am Flussufer des Oma Chu, übersetzt Milchfluss. Wo wir nun genau sind und wie weit der Weg bis Samdo ist, werden wir morgen erfahren.

 

16. Tag - 22.09.2011

 

Entlang des Milchflusses zwängen wir uns durch die Weidenhaine. Wo geht es weiter, links oder rechts vom Ufer? Wo ist die beste Stelle den Oma Chu zu überqueren? Da hilft nur das geübte Auge der erfahrenen Guides. Jedes Jahr ändert sich der Verlauf des Fluss ein wenig. Wie ist der Wasserstand? Die eiskalten Fluten sind einige male zu durchwaten. Wir haben Mühe uns in der starken Strömung aufrecht zu halten. Samdo (3.650 m) erreichen wir nach etwa 4 Stunden zur Mittagszeit. Dies ist kein Ort, sondern lediglich die Bezeichnung für ein Zusammentreffen zweier Flüsse. Der Weg von Lingshi trifft hier auf den unsrigen. Nach weiteren 3 Stunden Gehzeit werden die Zelte irgendwo aufgeschlagen.

 

Mit Beginn der Dämmerung ziehen aus den gegenüber liegenden Höhe hunderte Yaks herab. Der Sommer ist vorbei. Die Tiere sind durstig, schlürfen das eisige Nass bevor sie hinunter in wärmere Gefilde zum überwintern ziehen.

 

17. Tag - 23.09.2011

 

Immer am rechten Flussufer durch Felsen und Geröll entlang, kommen wir in die Zivilisation zurück. Dibling (3.900 m) eine Siedlung mit etwa 20 Häusern befindet sich am Ende eines weiten Tales. Yaks suchen nach den letzten spärlichen Halmen auf den ausgedorrten Weiden. Die Ernte ist eingebracht und die Äcker sind für den herannahenden Winter präpariert. Die Bevölkerung ist auf den langen und eisigen Winter vorbereitet. Im Notfall gibt es im Dorf ein Satellitentelefon. Die einzige Möglichkeit vor Rangdum mit dem Büro von Overland in Leh Kontakt aufzunehmen. Aufgrund der eingetretenen Verzögerungen organisiert Jigmat die Abholung und Rückfahrt von Rangdum neu. Abwarten, was passiert.

 

 

Nach der üblichen Lunch-Pause verlassen wir die Zivilisation. Schon bald sind wir wieder allein in der kargen Wüstenlandschaft umrahmt von einer steinernen Bergwelt. Beständig, aber nicht steil, folgen wir dem schattenlosen Weg und zweigen in das westliche Seitental des Oma Topko, einen Zufluss zum Oma Chu ab. Auf der nächsten Sommeralm weist uns auf Frage von Govinda ein Hirte den Weg zum nächsten Rastplatz in Larse. Dorthin ist es noch 1 Uhr, was wohl eine Stunde bedeutet. Unser Team hat schon vorher einen gemütlichen Platz bezogen. Die Pferde grasen auf der weitläufigen Fläche. Wir kühlen unsere heiß gelaufenen Füße im plätscherndem Bachlauf.
 

18. Tag - 24.09.2011

 

Knapp 900 Höhenmeter sind heute zu bewältigen. Nach etwa einer Stunde ist das Base Camp in Larse erreicht. Eine kleine Oase. Weidefläche und ein paar Bäume. Kurz darauf beginnt der steile und anstrengende Aufstieg. Durch eine schier unendliche Geröllhalde führt der Weg im Zickzack zum Pidzong La (5.020 m). Tritt für Tritt, langsam, langsam. Die Luft ist dünn und vom Himmel macht die brennende Sonne den Aufstieg keinesfalls leichter. Vermeintlich das Ziel vor Augen folgt hinter jedem Höhenrücken der nächste. Die Kraftreserven sind fast erschöpft, als der Pass mit wehenden Gebetsfahnen in Sicht kommt.

 

 

Nach etwa 6 Stunden stehen wir glücklich in über 5.000 m Höhe. Welch ein Gefühl, welch ein Panorama. Hier präsentiert sich die Landschaft abermals in seiner vielfältigen Farbenpracht der Gesteine. Hervorgerufen durch die urzeitlichen Ablagerungen auf dem Meeresgrund von dunklem Rot über alle Brauntöne bis hin zum hellen Ockergelb. Jause, fast wie auf der Alm. Ein Stück Schinken habe ich zu solchen Highlights immer dabei. Wer hat das schärfste Messer? Aufschneiden und allen mundet das Geräucherte. Klar, das Schalke in diesen Höhenlagen immer mit dabei ist. Dafür sorgen zumindest die Yetis mit den Rückennummern 17.

 

 

Von nun an geht es bergab. Bis zum Kanji La Base Camp (4.270 m) kann es nicht mehr all zu weit sein. Jigmat schätzt die Zeit vorsorglich auf 3 Stunden. Während Kristina und Harry mit Jigmat abwärts gehen, bummeln Govinda und ich etwas hinterher. Noch ein paar Bilder usw. Wir haben ja Zeit, oder? Nach etwa 300 m zügigem Abstieg treffen wir auf das Flussbett des Kanji Nala. In den Gesteinsbrocken ist es schwierig eine Pfadspur auszumachen. Der Wasserlauf verläuft mal dort, mal dort. Stellenweise sind die Passagen vereist. Als endlich ein „normaler“ Weg aus der Schlucht vor uns liegt, zeigt mein Höhenmesser, dass wir lediglich 400 m abgestiegen sind. Nun zieht sich der Pfad mühselig entlang des Hanges in einigen Kehren, ständig hinauf und hinunter, dahin. Kein Ende ist in Sicht, geschweige denn das erwartete Base Camp. Es dämmert, als Govinda unser Lager am steinigem Ufer des Kanji Nala erblickt. Einen kurzen, aber steilen Geröllhang hinunter und wir sind am Ziel. Feierabend! Kaffee und Tee sind zubereitet. Wo wir uns genau befinden, wissen alle nicht. Ist ja auch egal. Hauptsache ein Dach über den Kopf und etwas Warmes im Magen. Morgen werden wir weiter sehen. Die Nacht am Fluss wird eisig.

 

19. Tag - 25.09.2011

 

Bis nach Rangdum sollte es nicht mehr all zu weit sein. Nur 5 bis 6 Stunden auf Basis der Schätzung unserer Pferdemänner. Guten Mutes brechen wir zur letzten Etappe dieser Tour auf. Doch der Weg zieht sich wie gestern am Berghang dahin, dahin, dahin … . Immer um 4.500 m hoch. Tief unten zwängt sich der Kanji Nala durch die über Jahrtausende entstandene Klamm. Ein Kanji La Base Camp (4.270 m) können wir nirgendwo entdecken.

 

Pferde und Küchenteam haben uns inzwischen überholt. Nanda versorgt uns derweil mit Saft und Schokoriegeln. Noch eine kleine Schlucht durchqueren, dann eine Anhöhe und des geht endlich abwärts. Das Tal weitet sich und irgendwo in weiter, noch nicht sichtbarer Ferne liegt Rangdum. Zwischen den sich im breiten Schotterbett verzweigenden Flusslauf taucht ein Fahrzeug auf. „Overland“ kann Govinda im gleißendem Sonnenlicht entziffern. Kurz darauf sind wir alle „gerettet“. Auf der Fahrt zum Kloster Rangdum überholen wir noch unser Pferdeteam.

 

Es bleibt nur kurze Zeit für eine kleine Abschiedsfeier in Nunkun. Unser Küchenteam serviert uns zum Abschied einen selbstgebackenen Kuchen. Der Abschied vom Team fällt uns schwer, denn ohne sie hätten wir diese Tour niemals geschafft. In 2 Geländewagen düsen wir nach Kargil. Es ging nicht anders. Jedenfalls bekommen wir bei unserer Ankunft um 21 Uhr ein vernünftiges Abendessen.

 

20. Tag - 26.09.2011

 

Die Rückfahrt nach Leh verläuft auf der gleichen Strecke mit all den schon beschriebenen Baustellen. Erwähnenswert ist nur der glücklich verlaufene Unfall auf den Kehren hinter Lamayuru.

 

22. Tag - 28.09.2011

 

Rückflug nach Delhi. Derartige Sicherheitskontrollen sind einmalig auf der Welt. Wir können von Glück reden, dass wir mit Jet Airways fliegen. Die einzige Gesellschaft, mit der es erlaubt ist, Handgepäck an Bord zu nehmen, da diese Gesellschaft kein Militär befördert. Nachdem auch meine letzte Batterie im Fotoapparat, Notebook und Mouse überprüft ist, darf ich den Abflugbereich. Über Delhi will ich nicht weiter berichten. Liebend gern hätten Govinda und ich noch am gleichen Tag den Weiterflug nach Kathmandu angetreten.

 

23. Tag - 29.09.2011

 

Abschied von Kristina und Harry, die noch einen Tag in Delhi erleben möchten. Govinda und ich werden zum Flughafen gebracht. Der Gewürzjet bringt uns sicher nach Kathmandu zurück.

 

In meiner 2. Heimat Nepal wartet das nächste Abenteuer. Die Fortsetzung im Bericht:

Nar Phu & Tilicho