Kulturerlebnis Nepal

im Kathmandu-Tal und Pokhara
Tihar Festival
& Newar New Year

Chitwan Nationalpark

Stupa von Swyambunath, Kathmandu Patan, Durbar Square Sargankot, Pokhara, Annapurna
Elefanten reiten, Chitwan, Nepal Tihar-Lichterfest, Kathmandu Newar New Year, Kirtipur, Nepal

 Reisebericht 11.10.03 – 01.11.03

© Klaus Töpfer
HIMATREK
Gelsenkirchen, November 2003

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1. und 2. Tag – 11./12.10.2003

Abu Dhabi, der 12.10.2003, 11:30. Wir sind bereits wieder an Bord, zur letzten Etappe unserer Fluges nach Kathmandu und warten darauf, dass wir nun endlich starten, um der Hitze von über 30 °C mit hoher Luftfeuchtigkeit zu entkommen.  Die Schweißperlen sind von der Stirn gewischt, nicht nur wegen der geschilderten Hitze, sondern auch wegen des zurückliegenden recht anstrengenden Tages.

Unsere Abreise verlief recht zügig und sogar der ICE, der uns zum Frankfurter Flughafen brachte war, oh Wunder, pünktlich. Gut dass wir uns ein Taxi nach Essen nahmen, denn im Nahverkehr der DB  funktionierte mal wieder nichts, wie wir von Monique, einer unserer Mitreisenden erfuhren, die in Düsseldorf zustieg.  Am „check in“-Schalter der GULF AIR trafen wir auch, mit Ausnahme von Mechthild, unsere weiteren Mitreisenden. Mit 3 Bordkarten  in der Hand (Frankfurt – Bahrain – Abu Dhabi – Kathmandu) starteten wir zur ersten 6-stündigen Flugetappe nach Bahrain. Die Zeit verging auf bequemen Sitzen und mit lobenswertem Service wahrlich „wie im Fluge“. Wünschte ich mir kurze Zeit nach dem Mittagsmenü Kaffee und Kuchen, so wurde dieser tatsächlich ganz automatisch serviert. Der Kaffee war etwas dünn aber der Kuchen dafür fast so gut wie Carinas (Freundin unseres Sohnes Tim)  Mohnkuchen.

Von Bahrain „hüpften“ wir in einer knappen Stunde nach Abu Dhabi hinüber. Unsere vermisste Mechthild ist inzwischen ebenfalls mit Ihrer nepalesischen Mitreisenden, Nirmala, zu uns gestoßen. Wir kennen Nirmala bereits von den jährlich in Bad Godesberg stattfindenden Nepaltagen.

Ja, und da stehen wir alle recht hilflos in der großen Gewölbehalle des Transferbereiches in Abu Dhabi. Wie geht es nun weiter? Wo ist der Schalter der GULF,  damit wir unsere Transitvisum erhalten und zum Hotel kommen? Ganz einfach, geradeaus und rechts herum und hinein in das dichte Gedrängel vor dem Schalter. Plötzlich werde ich Reiseleiter mit 13 deutschen Pässen und Tickets in der Hand. Endlich ist es geschafft!  Bei der einzigen Bedienung, die zwischendurch auch noch per Handy mit Ihrer Bekannten quasselt, die Tickets los zu werden. Mir bleibt ein scheckkartengroßer Zettel, um morgen  alle Tickets wieder zu bekommen und ein Papier für den Transfer zum Hotel. „Bitte folgen Sie mir“ und schon lotst uns ein netter Mensch in das Flughafenhotel. Das war wohl nichts. Nach weiteren Fragen und Suchen finden wir schließlich den richtigen Weg und stranden gegen Mitternacht im „Officer Club“. In dieser modernen, sauberen aber kalt wirkenden Kaserne sind wir nun gefangen, denn neben den Tickets sind wir nun auch noch unsere Reisepässe los.

Wir haben es überstanden. Landung in Kathmandu: Aufsetzen, Triebwerke auf Gegenschub, kräftig bremsen, denn die Landebahn des Tribhuwan Airports ist nicht all zu lang. Die Menschenschlange vor dem Einreiseschalter „Ohne Visum“ wird von Jahr zu Jahr länger, zumal man nun auch das Visum in EUR bezahlen kann. So dauert es halt etwas länger und man kann die Wartezeit zum Geld wechseln nutzen und das Gepäck steht bereits in der Ankunftshalle. Vom Ausgang her winkt uns bereits unser „Sohn“ Govinda entgegen. Sein Schwager Prasanta ist ebenfalls anwesend. Durch das bereits dunkle Kathmandu erreichen wir das neu ausgewählte Hotel „Gang Yong“. Wir sind angenehm überrascht. Beim gemeinsamen Abendessen rückt Govinda damit heraus, dass er hier nur auf Urlaub sei. Er arbeitet seit 3 Monaten in Chicago als Koch, um das große Geld zu verdienen. Habe so etwas schon vermutet.


3. Tag – 13.10.2003

Ein Missverständnis ist aufgeklärt. Govinda ist nicht nach Amerika ausgewandert und derzeitig nur auf Urlaub in Nepal. Richtig ist, dass er nur im Sommer, außerhalb der Trekking-Saison, nach Chicago geht, um das nötige Kleingeld zur Finanzierung der neuen Wohnung in Bodnath und für die Privatschule für seine Kinder zu verdienen.

Zum Frühstück erwartet uns ein reichhaltiges Buffett. Unsere Guides treffen ein. Es dauert einige Zeit, bis die mitgereisten „Trekker“ über die bevorstehende Tour informiert und  deren persönliche Ausrüstung  auf Vollständigkeit überprüft worden ist. So starten wir Kulturreisenden erst gegen 11 Uhr zur ersten Sightseeing-Tour nach Swyambunath.

Wir ersparen uns den langen Aufstieg über die östliche Treppe und fahren hinauf. Bunte Gebetsfahnen und unzählige Tempelaffen begrüßen uns auf der kleinen Bergkuppe mit der buddhistischen Stupa, Kloster und hinduistischen Tempeln. Einst war das Kathmandutal ein großer See und dieser Hügel eine Insel. Der Legende zu folge hat Manjushri mit einem Hieb seines Schwertes den Rand des Sees aufgeschlagen (die heutige Chobar-Schlucht). So ist das Kathmandutal entstanden. Am höchstem Punkt mit der großen hoch aufragenden Stupa blicken Buddhas Augen weit über das Kathmandutal hinaus bis hin zu den im Sonnenlicht erstrahlenden Gipfel des Himalaya. Hier endet die östliche steile Treppe. Mönche schmücken die Stupa mit weiteren Gebetsfahnen, deren aufgedruckte Mantras der Wind bei jeder Bewegung mitnimmt. Der große Blitz (Dorje), der die männliche Kraft symbolisiert  und die Glocke für die weibliche Klugheit, glitzern im Sonnenlicht. Der rechte im indischen Shikhara-Stil erbaute Tempel ist eingestürzt. Schwindelerregende Bambusgerüste sind bereits aufgebaut und die Reparaturarbeiten haben begonnen. Bevor wir nach Thamel zum wohlverdienten Imbiss aufbrechen, suchen wir noch den Fuß der östlichen Treppe auf, die von Ghanesh und Kumar auf ihren Tieren bewacht wird. Auch hier stehen Buddhismus und Hinduismus eng beieinander. So soll der riesige steinerne Fußabdruck entweder von Buddha oder Manjushri stammen.

Prasanta übernimmt nun die Führung von Mechthild und Monique durch Thamel zum Dhurbar Square. Wir begeben uns zu Govindas neuem Heim, wo Govindas Frau Radhika,  seine Töchter Shova, Sila, Shachi und der erst 1 ½ Jahre alte Sohn Sujan bereits sehnsüchtig auf uns warten. Namaste, herzlich willkommen. Die Kinder freuen sich über die kleinen Geschenke und sind stolz Ihre deutschen „Großeltern“ wieder zu sehen. Wie schön wieder bei unserer nepalesischen Familie zu sein.

Es ist bereits später Abend, als wir uns auf den Rückweg machen müssen. In der Dunkelheit stolpere ich über einen mitten auf dem Wege schlafenden Hund. Ihm hat mein unbeabsichtigter Tritt wohl sehr weh getan. Aua, der arme Hund. Mit der Motorrikscha lassen wir  uns schließlich nach Thamel zum Abendessen fahren. Wie im vergangenem Jahr ist nicht all zu viel Betrieb und wieder hat sich in einem Jahr einiges geändert. Einige Geschäfte sind geschlossen oder neuen gewichen. Bereits um 21 Uhr ist Ladenschluss.


4. Tag – 14.10.2003

Der Start zum Ausflug in die 3. Königstadt nach Bhagtapur verzögert sich um gut eine Stunde, nachdem der „deutsche“ Guide, den Govinda vorsorglich für Mechthild organisiert hatte, nicht eintrifft. Auf diesen werden wir verzichten und brechen durch den dichten „stop and go“-Verkehr auf. Das Freilichtmuseum Bhagtapur zieht uns wie in den Jahren zuvor in seinen Bann: Königsplatz, goldenes Tor und unzähligen Tempeln und Pagoden. Auch hier sind nur vereinzelt Touristen unterwegs und einige Geschäfte geschlossen. So auch unser beliebtes Aussichtsrestaurant am Dattatraya-Tempel. Zum Lunch weichen wir zum Taumahdi-Platz mit der größten 5-stöckigen Nyatapola-Pagode in Nepal und dem Bhairava-Tempel aus. Ein Besuch der Holzschnitzerei ist obligatorisch und eine große Ghanesh-Figur wäre beinahe mein Eigenturm geworden. Wie immer muss ich bei „schwierigen“ Entscheidungen erst einmal darüber schlafen. Wahrscheinlich steht Ghanesh noch immer  an gleicher Stelle, da ich mich später für etwas anderes entscheide. Der Bummel führt uns weiter zum Töpfermarkt. Da die Reisernte im vollem Gange ist, sind zwischen den fleißigen Handwerkern Frauen dabei, Reis zu trocknen und Spreu vom Korn mit einfachsten Mitteln, dem Wind, zu trennen. So türmen sich zwischen frisch gedrehten Töpfen und fertiger Ware riesige Hafen Reis auf. Obwohl es auf dem ersten Blick recht chaotisch aussieht, hat doch alles seine Ordnung.

Nördlich von Bhagtapur liegt der Tempelbezirk  Changu Nayaran.  Auf der Fahrt durch die fruchtbare Ebene können wir die Bauern bei der Ernte beobachten. Überall auf den Feldern wird gemäht und gedroschen, alles per Hand. Der Weg hinauf zum Tempel führt durch das malerische Dörfchen Changu hinauf. Auch hier sind alle Familienmitglieder mit der Ernte beschäftigt. Der gedroschene Reis wird in der Sonne getrocknet. Auf vielfältiger Art wird der Spreu entfernt, z.B. indem man diesen vom Dach herunter rieseln lässt und mit großen Basttellern den nötigen Luftzug erzeugt oder man nutzt den natürlichen Durchzug, alle Türen auf.

Der im 17. Jahrhundert wieder neu aufgebaute Tempel ist Wischnu und seiner  Inkarnation als Narayan gewidmet. Die vergoldeten Türen werden von steinernen Löwen bewacht. Faszinierend auch die fein gearbeiteten Dachstreben, die Göttinnen mit vielen Armen darstellen. Wie in Nepal üblich, ist der Hof des Tempels ein idealer Kinderspielplatz. Diese tollen zwischen unzähligen Skulpturen und Schreinen herum und beobachten uns neugierig.

Am Abend befinde ich mich dann in der Gewalt dreier Damen, deren Plauderei nicht zu unterbrechen ist. Ich bin zum stillen Zuhörer verurteilt.  Die Zeit verrinnt und als der Taxifahrer zu viel des Guten für die Rückfahrt zum Hotel verlangen will, entscheiden wir uns für die etwas teuere Fahrt per Muskelkraft.


5. Tag – 15.10.2003

Kathmandu zur freien Verfügung! Wie all die Jahre zuvor beginnen wir den Stadtbummel in Thamel und schlendern durch die lebhaften Basarstraßen hinunter zum Königsplatz. Wiedersehen mit meinem göttlichem Freund,  dem schwarzen Bhairawa (Schutzgott des Kathmandutal) sowie Shiva und Pavati, die aus dem Fenster des Narayogini-Tempels auf uns hinunter schauen.  Mechthild hat aller Warnungen zum Trotz eine Flöte bei einem fliegendem Händler erstanden. Schon ist sie von 5 – 6 weiteren Händlern umringt, die nun leichte Beute wittern. Am Haus der Kindgöttin Kumari vorbei, überqueren wir den großen Basantapur Square als ein langer, von einem geschmückten Elefanten angeführter, Menschenzug mit Musikanten und Folkloregruppen an uns vorbei zieht. Den Anlass bringen wir nicht in Erfahrung. Inzwischen sind wir wieder zu viert, d.h. ich habe wieder 3 Mädels im Schlepptau. Zwangsläufig geht es nun weiter mit Shopping und so kaufe ich mir 2 maßgeschneiderte Hemden. Dann begebe ich mich zu Govinda Büro.

Am späten Nachmittag bringt mich Govinda zum Hotel zurück, wo ich von meinen 3 Damen bereits sehnsüchtig erwartet werde. Da wir alle keine Lust verspüren, heute noch zu laufen, entscheiden wir uns hier zu speisen. So freue ich mich nach einiger Zeit sehr über das reichhaltige Menü, als mein Reisgericht noch mit einer weiteren duftenden Köstlichkeit umlegt wird. Nachdem Mechthild und Monique auch Ihre Speisen erhalten haben, schwant uns Arges. Dorlis sitzt immer noch vor Ihrem leeren Teller. Hat man die Arme vergessen? Nein, ich habe auch Ihr Gericht auf dem Teller. Ist das nicht lustig? In unserer Runde auf jeden Fall. So teilen Dorlis und ich dann redlich die Speisen. Es war ja auch so geplant.


6. Tag – 16.10.2003

Um 5 Uhr früh klingelt das Telefon, der Weckruf. Unser Bus nach Chitwan fährt um 7 Uhr ab. Govinda und Govinda 2 werden uns begleiten. Dabei sind ebenfalls Govindas Töchter Shila und Shachi sowie seine Schwiegermutter, die in Narayangath einen Bruder besuchen wollen. Unsere Plätze sind vorne im Bus reserviert und nachdem das Gepäck auf dem Dach verstaut ist, geht die Reise pünktlich los. Gegen Mittag werden wir in Chitwan sein, wenn nicht unvorhergesehene Verkehrsbehinderungen eintreten.

Kurz vor Charaudi beginnt der unendliche Stau Nr. 1. Steil führt die kurvige Straße hinunter zur einspurig befahrbaren Brücke, als ein Hinterreifen eines vor uns fahrenden Busses zu brennen beginnt. Quer in der Einfahrt der Brücke kommt er zum Stehen. Die Passagiere können gerade noch den Bus verlassen. Unser Fahrer setzt sofort zurück, um der schwarz aufsteigenden Wolke und einer möglichen Explosion zu entgehen. Nun heißt es abzuwarten,  so wie wir es öfters auch auf unseren heimischen Autobahnen gewohnt sind. Unsere Busmannschaft hat es sich bereits im Schatten bequem gemacht. Die kleinen Shops am Wegesrand machen ihr gutes Geschäft. Vor der Hütte gegenüber wird Teewasser aufgesetzt und ein paar Meter weiter sind Mineralwasser und Cola innerhalb der nächsten Stunden ausverkauft. Da  Feuerlöscher in Nepal unbekannt zu sein scheinen und auch kein Wasser in ausgiebiger Menge vorhanden ist, lässt man den Bus komplett ausbrennen. Erst als auch der letzte Reifen keine Nahrung mehr für das Feuer bietet, versuchen die Nepali mit vereinter Muskelkraft den Bus von der Brücke zu bewegen und an die Seite zu schieben. Dieses gelingt nur zum Teil. Aber nach etwa 4 Stunden ist die Lücke gerade so groß, dass Busse und LKW in Maßarbeit an der Unfallstelle vorbei rangiert werden können.

Es geht wieder vorwärts. In Fischen verlässt eine Gruppe den Bus, die von ihrem Raftingteam bereits sehnsüchtig erwartet werden. Mugling wird noch zügig durchquert. Doch als wir auf die Reste der noch vorhandenen Straße nach Chitwan abbiegen, erwarten uns weitere nicht zählbare Staus. Der diesjährige Monsun hat die im vergangenem Jahr noch sehr gut befahrbare Straße in eine Schotterpiste mit unzähligen tiefen Schlaglöchern verwandelt. Stellenweise haben die Fluten die Straße in den Trisuli gespült. Viele Stellen sind nur einspurig passierbar. Abgesehen von Stop und Go stehen immer wieder alle Räder still - nichts scheint mehr zu gehen. Doch irgendwie schafft man es in Nepal,  Bewegung in die sich teilweise gegenseitig blockierenden Fahrzeugschlangen zu bringen. An einem sehr tiefen Wasserloch, durch das selbst schwere LKWs Mühe haben durchzukommen, entdecken wir das einzige  schwere Gerät, eine Planierraupe. Verzweifelt versucht man das Loch zu füllen. Doch die durchdrehenden Räder der LKWs schleudern den gerade hinein geschobenen Schotter wieder hinaus.

Müde und durchgeschaukelt treffen wir bei Dunkelheit in Sauhara ein. Das „Park Side“-Hotel wird in den nächsten Tagen unsere Unterkunft sein.


7. Tag – 17.10.2003

Zur Einstimmung besuchen wir am ersten Tag die Elefanten. Hier warten die kleinen „Riesen“,  nach der Geburt nur 45 kg schwer, aber nach 14 Tagen bereits mit einem Gewicht von 8o kg, auf uns. Im schwankendem Kahn überqueren wir einen flachen Flussausläufer, den ein Hirte mit seiner Kuhherde problemlos zu Fuß durchwatet . In der „Babyklinik“ begrüßen uns die Kleinen mit  Ihren Müttern und freuen sich über jede gereichte Banane. Den Kleinsten unter ihnen, noch etwas wackelig auf den Beinen, muss man einfach in den Arm nehmen. Lieb und zutraulich legt er seinen Rüssel auf meine Schulter. Im Alter von einem Jahr beginnt die Ausbildung der Tiere. Namaste heißt einer der Jungtiere, der sich nach jeder Begrüßung mit dem Wort „namaste“ und einer Banane dankend tief verbeugt.

Es ist heiß geworden und so freuen wir uns nach dem Bummel durch die Felder und der Besichtigung des Tharu-Dorfes uns am Ufer des Rapti Madi erst einmal entspannen zu können. Zur Mittagszeit führen die Elefantenreiter, Phanit  genannt, Ihre Tiere zum Baden in den Fluss. Nach anfänglichem Zögern wage ich mich in die Flut und schon bald sitze ich mit Hilfe des Phanit auf Jumbos Rücken. Ein herrlicher Spaß mit einer erfrischenden Dusche aus dem Rüssel  übergossen zu werden oder in die Strömung zu plumpsen. Brav legt sich Jumbo wieder auf die Seite oder hockt sich nieder, um einen erneuten Aufstieg zu erleichtern. Es stört ihn auch nicht, sich dabei an seinen Ohren hoch zu ziehen. Erst ein gehöriger Schluck Wasser beim Sturz in die Strömung, veranlasst mich hustend das Badevergnügen abzubrechen. Hoffentlich verträgt es mein Magen, denn das Wasser sieht nicht gerade appetitlich aus.

Nach der Siesta auf der Terrasse des neu erbauten Küchen- und Restauranthauses direkt neben unserem Hotel starten wir zur Safari zu den sogenannten 20.000 Seen. Unser Fahrzeug, ein nicht mehr ganz junger Suzuki, stottert auf schmalem Wege durch den Dschungel. Nachdem bei der Abfahrt der Tank leer als auch Benzinpumpe und/oder Anlasser nicht einwandfrei zu funktionieren scheinen, heißt es öfters „Anschieben“, bevor wir die Seen erreichen. Zu dieser Jahreszeit sind diese jedoch unter hohem Gras verborgen, so dass sich unsere Beobachtungen auf die vielfältige Vogelwelt mit schwarzen Störchen  und Adlern beschränkten.

8. Tag – 18.10.2003

Die Sonne hat noch nicht die über dem Rapti River liegenden Nebelbänke durchbrochen, als wir zur Kanufahrt mit anschließender Wanderung aufbrechen. Am Ufer begrüßt uns ein ausgewachsenes Nashorn. Bitte beiseite treten! Nashörner haben Vorfahrt! Gemütlich trottet der 2-Tonner vorüber. Im leicht schwankendem „Einbaum“ lassen wir uns in der morgendlichen Stille flussabwärts treiben. Nur das Rauschen des Flusses sowie hin und wieder das Platschen der Paddel ist zu vernehmen. Noch immer liegen Nebelschwaden über dem Fluss.  In der Sonne silbern glitzernd, entdecken wir ein etwa 2 Meter langes Krokodil am Ufer. Vorsichtig steuern die Kanuführer das Boot nun gegen die Strömung auf das anscheinend noch schlafende Tier zu. Gerade in der richtigen Entfernung, um ein Foto zu schießen ist es flutsch weg in den Fluten untergetaucht.

Am gegenüberliegendem Ufer beginnt unsere etwa 10 km lange Wanderung durch mannshohes Gras und tropischem Wald. Zuvor werden wir in die Verhaltensregeln unterwiesen, falls wir einem der ca. 100 hier lebenden Tiger, einem Nashorn oder gar einem Bären, dem Balu, begegnen sollten. Vor dem Tiger Auge in Auge langsam zurückweichen, vor dem Nashorn, falls es angreifen sollte im Zickzack fort rennen, da es sehr schlecht sieht und vor einem Bär auf einen Baum flüchten. Na dann, viel Spaß. Etwas mulmig im Magen folgen wir unserem Führer. Wie kann man auf diesem schmalem, beidseitig mit dichtem hohem Gras im Zickzack einem Nashorn entkommen? Diese Begegnungen bleiben uns auf dem weiteren Wege erspart, lediglich Fährten finden sich am Wegesrand und im Gebüsch. Dafür erfreuen wir uns an den in den hohen Baumkronen hausenden Langue-Affen, die kreischend von Ast zu Ast springen. Eine ganze Horde zieht durch das Unterholz an uns vorbei. Nach gut 2 Stunden durch ständig wechselnde Vegetation, mal im dichtem Wald, dann durch hohes Steppengras, sind wir wieder am  Flussufer und wechseln im Kanu zum „Elefanten-Beach“ hinüber. In der Nähe liegen 2 Krokodile auf Beute lauernd im flachem Wasser. Nur ein Teil des Kopfes mit den dicken Kulleraugen ist sichtbar.

Auch heute ist es mittags wieder sehr heiß, die richtige Zeit für eine ausgiebige Ruhepause. Auf der Terrasse spendet nur der Ventilator etwas Kühlung. Im gegenüberliegenden Haus wird fleißig Reis gedroschen. Auf der Straße ziehen Elefanten mit ihren Passagieren, die auf einer quadratischen Plattform mit Geländer sitzen, zur Safari vorüber. Diese steht uns am späterem Nachmittag bevor. So befinden wir uns als bald auf Elefantens Rücken und stapfen mit diesem schaukelnd durch Wald, Wiesen und Flussläufe. Diese nimmersatten Tiere mit einem Tagesbedarf bis etwa 300 kg futtern auch ständig unterwegs, indem sie dünne, junge Äste mit ihren Rüsseln von den Bäumen abreißen. Tief geht es in den dichten Wald hinein. Wir treffen auf die gesuchten Nashörner. Unsere Elefantenführer versuchen so nah wie möglich an die Tiere zu gelangen und so entdecken wir auch noch ein Jungtier, welches sich tief im Gebüsch verkrochen hat.

Ehe wir bei Kerzenschein das ausgiebige nepalesische Abendessen vor „Muttis Hütte“, die direkt hinter dem Hotel liegt, genießen können, werden wir zur Folklore eingeladen. Die einheimischen Tharu begeistern mit ihrem artistischen Stocktanz.


9. Tag – 19.10.2003

Bereits gestern erfuhren wir, dass heute in ganz Chitwan gestreikt wird. In solch einem Fall ruht alles. Die Geschäfte sind geschlossen und es besteht auch keinerlei Möglichkeit Chitwan zu verlassen. So genießen wir diesen zusätzlichen Tag am „Elefanten-Beach“. Ich wage mich noch einmal ins Wasser zu den Elefanten, da es sicher ist, dass die gestern beobachteten Krokodile hier nicht auftauchen werden. Ein Rundgang durch das Dorf, wo wir die Einheimischen bei der in ganz Nepal stattfindenden  Reisernte beobachten, schließt diesen Tag ab. Das Wetter ist heute so klar, dass uns bis zum Sonnenuntergang ein herrlichen Blick auf das etwa 100 km entfernte, nun rötlich leuchtende Massiv des Himalaya mit dem Manaslu gegönnt ist. Wieder begeben wir uns zur Hütte von „Mutti“, um noch einmal ihre nepalesischen Kochkünste zu probieren.


10. Tag – 20.10.2003

Um heute möglichst schnell nach Pokhara zu gelangen, hat sich der Fahrer unseres Hotels bereit erklärt, uns mit dem Wagen, den wir später auf den Namen „Knatterton“ taufen,  selbst hin zu fahren. So nehmen wir bereits bei Sonnenaufgang Abschied von der Mannschaft des „Park Side“-Hotels und eine Abenteuerfahrt nimmt seinen Lauf. Erst öffnet sich die Heckklappe bei der steilen Auffahrt zur Brücke und ein Teil unseres Gepäcks liegt im staubigem Sand. Dann endet die Fahrt kurz hinter Bharatpur.  Das Militär hat die Straße nach Mugling abgeriegelt, nachdem es einen Anschlag der Maoisten auf eine Militär Patrouille gegeben hat. Was tun? Abwarten, ob es irgendwann weiter geht oder den Umweg über Butwal (Lumbini) nehmen? Statt knapp 150 km wären es dann ca. 300 km. Da wir nicht wissen ob die Strecke nach Pokhara heute noch freigegeben wird, entscheiden wir uns für den längeren Weg. Unser „Knatterton“ beginnt immer lauter zu schnaufen und nach einer kurzen Rast heißt es immer öfter anschieben, da der Motor je nach Lust und Laune aussetzt. Auch die Motorkraft lässt weiter nach. So tuckern wir die Landstraße entlang. In einem kleinen Städtchen findet sich eine Werkstatt. Drei Nepali begutachten den Motor von oben und unten. Nichts kann unternommen bzw. repariert werden. Erneut anschieben, nachdem der Anlasser seinen Geist komplett  aufgegeben hat. Bevor gar nichts mehr geht, erreichen wir so eben noch die Bezirksstadt Butwal. Es bleibt nichts anderes übrig, hier ein Taxi für ca. 65 EUR zu mieten.

Nun geht es zügig voran. Bis Pokhara sind es aber immer noch etwa 180 km. Unsere letztjährige Reise nach Chitwan spult sich nun wie ein rückwärts laufender Film ab. Unendlich lang sind die Kehren in den steil aufragenden Bergen. Zum Greifen nahe liegt auf der gegenüber liegenden Seite eines jeden Tales die weitere Fahrstrecke und doch dauert es schier unendlich bis das Talende erreicht ist und wir auf die Gegenseite einschwenken. Kurve für Kurve nähern wir uns Pokhara, dessen nächtliches Licht uns zu später Stunde tief unten im Tal entgegen flimmert. Endlich liegt der letzte Kontrollposten hinter uns. Wir schwenken zum Hotel „Lake Side“ am Phewa-See ein und werden dort mit nepalischer Folklore begrüßt. Hier erfahren wir, dass heute noch niemand aus Chitwan eingetroffen ist. Trotz aller Anstrengungen und steifen Gliedern hat sich der Umweg gelohnt.


11. Tag – 21.10.2003

Im morgendlichem Sonnenschein begrüßen uns die Gipfel des Annapurna. Heute ist Ruhetag, einmal einen ganzen Tag nichts tun. Die Promenade entlang des Phewa-See genießen. Bummeln und in einen der vielen Gartenrestaurants Kaffe trinken und schließlich eine Bootsfahrt zur Insel mit dem Varaha-Tempel unternehmen.


 12. Tag – 22.10.2003

Früh aus den Federn raus, um den Sonnenaufgang über dem Annapurna in Sarangkot erleben zu können. Pünktlich um kurz vor 6 Uhr stehen wir auf dem Aussichtspunkt in 1500 m Höhe. Noch ist es stockfinster, sternenklar und recht kalt . Govinda versorgt uns mit heißem Tee. Der Himmel im Osten färbt sich rot. Warten, warten auf den Augenblick. Wann geht die Sonne auf? Urplötzlich erhaschen die ersten Sonnenstrahlen die Spitzen der ewig vereisten Gipfel, so als wenn die Gipfel nach und nach entzündet werden. Die Massive selbst sind nur als dunkle Silhouette erkennbar. Dann geht es rasend schnell und das  gewaltige Bergmassiv ist in gleißendes Licht getaucht. Dieses Naturschauspiel lässt sich kaum auf einem Foto wiedergeben. Man muss es persönlich erlebt haben!

Nach einem kurzen Aufstieg durch das nun zum Leben erwachende Dorf holen wir das Frühstück nach. Auf dem Rückweg genießen wir die herrliche Aussicht, vom Dhaulagiri, über Annapurna I, Annapurna South, dem heiligem Berg Machapuchare, wegen seiner Doppelspitze auch Fischschwanz genannt, bis hinüber zum Lamjung Himal. Inzwischen hat das Treiben im Sarangkot begonnen. Die ersten Bauern sind bereits bei der Ernte, Frauen und Kinder schleppen das nötige Wasser heran und an einigen Ständen werden Souvenirs feilgeboten. Kurz darauf erreichen wir das tibetische Lager in Tashi Palkhel. Emsige Tibeterinnen empfehlen an langen Verkaufsständen ihr Kunstgewerbe. Da wir diesen Ort, wie bei jedem unserer Aufenthalte in Pokhara, für den Kauf eines Teppichs und weiter Kleineinkäufe nutzen, wechselt nach einigem Feilschen so manches Andenken seinen Besitzer. Schließlich können wir auch einen neuen Teppich unser  Eigen nennen, der uns frei Haus ins Hotel geliefert wird. Nach der Besichtigung der Klosteranlage und einigen besinnlichen Minuten bei Buddha im Tempel fahren wir in die Innenstadt zum lokalen Markt. Das 5-tägige Tihar-Festival beginnt morgen. Zum Fest stehen bereits seit Tagen überall Blumengirlanden, Kerzen, Pulverfarben für das übliche Tikar am 5. Familientag und die Geschenke zum Verkauf bereit. Am Nachmittag verführt die deutsche Bäckerei am Ufer des Phewa-See wieder zum Kaffee. Da die gestrige Tasse etwas klein und die Bedienung recht langsam war, ordere ich sofort einen „big pot“ zum Kuchen. Dies hat die Konsequenz, dass ich nun einige Tassen verputzen muss. Da Dorlis sich eine Erkältung zugezogen hat und sich im Hotel ausruht, fehlt mir jegliche Hilfe, die Menge restlos zu vernichten.

Am Abend hütet Dorlis, gut versorgt mit Medizin, vorsorglich immer noch das Bett. Während Mechthild und Monique sich auf den Weg zum Dinner machen, bleiben Govinda und ich zurück im Hotel und genießen einmal ganz allein die nepalesische Folklore-Vorstellung.


13. Tag – 23.10.2003

Mit der „Cosmic Air“ fliegen wir in 30 Minuten zurück nach Kathmandu. Hier holt uns Prasanta ab. Der erste Tag des Tihar-Festes ist den Krähen gewidmet. Es beginnt mit Reisopfern für den Gott des Todes, Yama, der die Krähen als seine Todesboten schickt. Die Menschen beginnen damit, die Häuser mit Blumen-Girlanden und Lichterketten zu schmücken. Es kommt ähnlich wie bei uns in der Adventszeit Vorfreude zum bevorstehendem Fest auf.

In der Zwischenzeit sind weitere Kunden eingetroffen. So Uta und Gerhard, die Govinda und ich am Abend besuchen. Dort treffen wir auch Agnes und Thomas, die wohlbehalten von ihrer Expedition zum Chulu Far West zurück gekehrt sind. In unserem Hotel können wir dann auch noch die Gruppe „Janoscheck“ willkommen heißen. Bernhard ist wie ich ebenfalls mit drei Frauen unterwegs. Viel Spaß beim morgen beginnenden Trekking. Es wir sicherlich nicht langweilig.


14. Tag – 24.10.2003

Heute, am 2. Tag des Festivals wird den Hunden mit Girlanden und Tikar gehuldigt. Sie sind diejenigen, die die Seelen durch den Fluss des Todes begleiten. So begeben wir uns nach Pashupatinath am Ufer des Bagmati. An diesem heiligen Fluss finden die Verbrennungen der Verstorbenen statt. Direkt oberhalb liegt der bedeutendste hinduistische Tempel, der Shiva, dem Zerstörer und Erneuerer gewidmet ist. Seine fürchterlichste Erscheinungsform ist die des Bhairawa. Als Hirte von Mensch und Tier zeigt er sich in Gestalt von Pashupati mit dem Dreizack. Nach Zahlung des mittlerweile auch hier erhobenen Eintritts besichtigen wir die weitläufige Anlage. Wir erfreuen uns an den herum tollenden Tempelaffen, treffen auf heilige meditierende Sadhus (indische Wandermönche) und nehmen zufälligerweise an der Bestattungszeremonie eines Offiziers teil.

Der Versuch mit dem lokalen Bus nach Patan zu fahren scheitert, da die Busse überfüllt sind. So organisiert Prasanta zwei Taxen, da wir heute insgesamt 7 Personen sind. Patan, im Süden Kathmandus gelegen, beherbergt eine der drei Königsstädte. Ziel ist zunächst der Durbarplatz,  erbaut von den Malla-Königen in der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, um hier mit herrlichen Blick auf die Tempel- und Palastanlagen eine kleine Pause einzulegen. Da wir Patan schon öfters besichtigt haben, bummeln wir einfach drauf los, um Neues zu entdecken. Auf den lokalen Märkten herrscht lebhaftes Treiben. Einkäufe für das sich immer festlicher wirkende Tihar werden getätigt. So finden wir den von hohen Häusern umgebenen steinernen, im indischen Stil erbauten Maghabouddha-Tempel - den Tempel der 1000 Buddhas. Im Hof wird ein großes, farbenprächtiges Mandala erstellt. Eine mühselige Feinarbeit, mit den verschiedenen Farbpulvern ein magisches Diagramm auf den Boden zu streuen. Irgendwann befinden wir uns in der Handwerkerstraße, wo ich nun ein  holzgeschnitztes buntes Relief mit meinem Freund Ghanesh, dem Sohn von Shiva und Pavati,  finde. Die Beine werden müde und auf dem Heimweg vertrauen wir uns der Motorrikscha an.


15. Tag – 25.10.2003

Früh am Morgen bringt uns der lokale Bus noch einmal nach Pashupatinath, um dem Tag der Kühe zu erleben. Hindus segnen ihre heiligen Kühe und schmücken diese mit Girlanden und Tikar. Der Weg von hier zur Stupa nach Bodnath führt gemütlich über grüne Wiesen, wo neben den dort verweilenden Nepali die Affen herum toben. In den lokalen Straßen erlebt man die Feierlichkeiten hautnah. Der Kopf einer jeden Kuh ist bunt bemalt und um den Hals tragen sie Girlanden aus gelben Tagetes. Unzählige brennende Lichter  empfangen uns dann um die Stupa von Bodnath herum, dem größten buddhistischen Zentrum. Während die Buddhisten ihre Gebetmühlen drehend die Stupa umkreisen, beginnen die hier lebenden Hindus mit den Vorbereitungen. Die Glücksgöttin Lakshmi muss heute Abend würdig empfangen werden. Vor den Häusern werden kleine Mandalas gemahlt und der Weg ins Haus durch eine Spur mit Kerzen gekennzeichnet, damit die Lakshmi in der Dunkelheit den richtigen Weg findet.

So treffe ich am späten Nachmittag im Büro ein, um mit Govinda und Prasanta Lakshmi, den Weg zu uns zu weisen. Nach einer besinnlichen Opfergabe vor dem Bürotempel zeichnen wir ihr von dort den Weg bis vor die Haustür. Damit der Teppichboden im Büro nicht mit Farbe verschmutzt wird, wird dieser mit Zeitungspapier abgedeckt. Während Govinda und Prasanta den Weg malen und segnen, übernehme ich die Aufgabe, die Kerzen aufzustellen und anzuzünden.  Es ist bereits dunkel, als meine „Söhne“ nach Hause zu Ihren Familien eilen. Damen erwarten mich bereits im Hotel. Gemeinsam schlendern wir nun in Richtung Thamel. Vor fast jeder Haustür befindet sich ein kleines auf dem Boden gemaltes Mandala in den vielfältigsten Formen in dessen Mitte eine Kerze flackert. Vor dort führt der für Lakshmi gezeichnete Weg durch die Haustür zu deren beiden Seiten brennende Lichter den Weg erhellen. Wohnen in einem Haus mehrere Familien, so befindet sich im Innenhof bzw. im Flur ein weiteres Mandela als Knotenpunkt. Von dort verzweigen die Spuren zu den einzelnen Wohnungen. Wir bestaunen die Kreativität vom einfachen braunem runden Flecken bis hin zum perfekt bunt ausgemalten Sternfiguren. Auch der gemalte Pfad ins Haus ist oftmals reichlich, z.B. mit Fußabdrücken verziert.

Schließlich stranden wir in einem der vielen Terrassen-Restaurants in Thamel. Zum Abendessen möchten wir nepalische Folklore genießen, die hier live vorgetragen wird. Als wir Speis und Trank geordert haben, dröhnt vom neben an befindlichen Restaurant Beatmusik der 60er und 70er Jahre hinüber. So als würden sich beide Kapellen gegenseitig Konkurrenz machen müssen, werden die Verstärker bis zum Anschlag aufgedreht. Gewinner ist die Beatband nebenan. Unsere Hörnerven müssen somit ein Gemisch aus Beat und Folklore im Dolby Sound hoch 2 erleiden. Auch das ist Nepal live.


16. Tag – 26.10.2003

Frohes Neues Jahr 1124. Gemeinsam mit den Newars, den Ureinwohnern des Kathmandutals  feiern wir in Kirtipur, einem kleinen Städtchen im Südwesten von Kathmandu gelegen. In einer bunten Prozession mit Musik und Tanz ziehen die Bewohner durch die Straßen, der wir uns prompt anschließen. Mandalas, Blumen und Girlanden schmücken die größeren Plätze. Hier, abseits des Tourismus, ist die Tradition noch  gewahrt. Zum am Wegesrand gereichten Speisen und Getränken sind wir herzlichst eingeladen.

Wir treffen einen jungen, sehr gut deutsch sprechenden Nepali (Studenten), der uns umfassend über die Historie und Bedeutung  Kirtipurs in der Vergangenheit aufklärt und uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten führt. Einst war Kirtipur ein eigenständiges Königreich. Erst durch die Eroberung durch die Gorka im Jahre 1770 verlor es seine Selbstständigkeit. Der Rundgang führt durch enge steile Gassen hinauf zum Maheshwar Tempel. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick über das ganze Kathmandutal. Der  Bagh Bhairava-Tempel, der wie viele Tempel in Nepal sowohl Buddhisten als auch Hindus heilig ist, ist mit Schwertern und Schildern, der durch die Gurka besiegten newarischen Truppen geschmückt. Hier nehmen wir Abschied von diesem malerischen und sehenswerten Städtchen, nachdem unser freundlicher Führer ein angemessenes Trinkgeld erhalten hat.

Wieder zurück in Thamel befinden wir uns im Trubel der hier feiernden Menge. Autokonvois mit singenden und musizierenden jungen Leuten, begleitet von tanzenden Newars zwängen sich durch die engen Gassen.


17. Tag – 27.10.2003

Am 5. Tag es Tihar-Festes treffen sich Brüder und Schwestern, um 7-farbige Tikar auf die Stirn des jeweils anderen zu malen und sich gegenseitig zu beschenken. Zu diesem zu Hause stattfindenden Fest sind wir bei Govinda eingeladen.  Die gesamte Familie mit Brüdern, Schwestern, Onkeln und Tanten trifft nach und nach ein. Karten- und Glückspiele vertreiben die Zeit bis alle versammelt  sind. Hierbei verliere ich 150 Rupien. Gewinner ist einer der vielen Onkel. Nun beginnt die Prozedur der Tikar-Bemalung mittels einer Schablone, die eine ganze Weile in Anspruch nimmt. Als auch die Jüngsten ihr Tikar auf der Stirn haben, wird der nepalische Festschmaus serviert.

Der weitere Tag wird mit Musik und Tanz gefeiert, bis sich bei Anbruch der Dunkelheit nach und nach die Gäste verabschieden. Für Dorlis und mich ist das Gästezimmer hergerichtet. So lassen wir den Abend mit einem gemütlichen Plausch im Familienkreis ausklingen.


18. Tag – 28.10.2003

Bei Sonnenaufgang wird es im Hause lebendig. Govinda bereitet speziell für uns ein Frühstück zu. In Nepal ist dies eigentlich unbekannt. Man isst täglich nur 2 mal, gegen 11 Uhr und am Abend, meistens Dhaal Bhaat (Reis und Linsen) in verschiedenen Variationen.

Ein 2-tägiger Ausflug steht bevor. Heute am Dienstag, ist Dakshinkali das Ziel. In einer engen, bewaldeten Schlucht findet sich der Tempel der Göttin Kali in Ihrer blutdürstigen Inkarnation. Auch an diesem Tage bringen Hindus ihre Opfer dar. Die ausschließlich männlichen Opfertiere werden im Tempel geschlachtet und anschließend beim naheliegendem Schlächter zerlegt. Entweder wird das Fleisch mit nach Hause genommen oder direkt vor Ort zu einem Festschmaus zubereitet. Auf den hinter den Tempel liegenden Wiesen findet dann ein ausgiebiges Picknick statt.  Wir bleiben nur stille Beobachter dieses Geschehens und auch unsere beiden Govindas verzichten auf ein Blutopfer und stellen mit einer Opfergabe aus Früchten Kali zufrieden.

Ein kurzer ansteigender Weg geht hinauf zum offenen Schrein der Mutter Kalis. Von hier oben genießen wir die Aussicht insbesondere hinüber zu im Geflecht von Gebetsfahnen liegenden Klosteranlagen. Bevor wir diesen Ort aufsuchen, beziehen wir erst einmal unser Quartier in einer hübschen und gepflegten Bungalow-Anlage.

Während Dorlis, Mechthild und Monique sich zu einer kleinen Mittagspause zurückziehen, begeben Govinda und ich uns auf einen Rundgang. Im weitläufigem Tal mit Blick bis hinüber zu den Bergen ist die Bevölkerung fleißig bei  der Reisernte. Büschel für Büschel wird der Reis abgeschnitten, anschließend gebunden und dann zum Trocknen aufgestellt. In harter Arbeit werden die einzelnen Büschel gedroschen. Ich versuche es. Den Büschel weit zurück über den Rücken und mit Schwung auf den Boden schlagen. Dieses 3 mal und man weiß, was man getan hat, wenn man damit den ganzen Tag beschäftigt ist. Durch die Felder schlendern wir nach Parping hinein. Hier wollen wir uns mit Govinda 2 und den zurückgebliebenen Frauen treffen. Wir verlieren uns im Gewirr der vielen Gassen und Plätzen, auf denen der gedroschene Reis auf Bastmatten zum Trocknen ausgelegt ist, aus den Augen. Irgendwie sind diese an uns vorbei gegangen und warten bereits am Eingang des Klosters auf uns. Das Dröhnen der Hörner klingt uns entgegen und wir wohnen einige Zeit der Zeremonie der Mönche bei.

In dem weitläufigen buddhistischen Meditations- und Lehrzentrum führen die Stufen unter unzähligen Gebetsfahnen steil hinauf zu den höher gelegenen Gompas. Unterwegs vervollständigen auch wir zu Ehren Buddhas dieses Fahnenmeer vor der Höhle, die mit Padmasambhava in Verbindung gebracht wird. Dieser soll den Buddhismus bis nach Tibet gebracht haben. Der anstrengende Aufstieg wird durch einen phantastischen Rundblick über die bereits in der Abendsonne liegende Landschaft belohnt.

Zurück durch das Dorf erfahren wir, dass heute Abend ein newarischer Folkloreabend stattfindet. Vorsorglich mit Taschenlampe ausgerüstet machen wir uns ohne Damenbegleitung auf den Weg zum Marktplatz. Die Bühne liegt im hellen Scheinwerferlicht. Die Musikanten haben bereits ihre Plätze eingenommen, als wir plötzlich im Dunkeln stehen. Stromausfall und gleich beginnt das Improvisieren. Eine Petroleum Lampe muss her. Diese richtig in Betrieb zu nehmen dauert seine Zeit. Zwischendurch flackert die elektrische  Beleuchtung für Sekundenbruchteile auf und als die Petroleumlampe voll funktionsfähig ist, ist auch die Elektrizität wieder da. Die Bühne erstrahlt im hellen Licht und die Show kann beginnen. Die erste Gruppe, eine Frau mit 4 Kindern beginnt mit langsamen, rhythmischem Fußtanz. Ein alter traditioneller Newartanz, der sich mit wechselndem Gesang zwischen den Tanzenden und den Musikanten fast eine halbe Stunde dahin zieht. Die Abende werden auch in Nepal  recht frisch, so dass wir uns nach einiger Zeit in unser Quartier zurück ziehen.


19. Tag – 29.10.2003

Entlang des Bagmati-Flusses verläuft der Ausflug in Etappen zurück nach Kathmandu.  Unweit von Parping befindet sich der Sekh Narayan-Tempel. Hinter mehreren Wasserbecken gelegen wird der Haupttempel wird von einem überhängendem  Felsen geschützt. Direkt daneben wurde, wie oft in Nepal, ein kleines buddhistisches Kloster errichtet. Wir erreichen den Taudada-See, Heimat der Schlangengötter, die nach dem Auslaufen des Kathmandutals, nachdem Bodhisattva die Chobar-Schlucht schlug,  hierhin flüchteten. In dem flachen Wasser, des mehr als Teich zu bezeichnenden Sees spiegeln sich die umliegenden Häuser und die in der ferne liegenden Gipfel des Himalaya. Der nächste Halt ist die vorgenannte Chobar-Schlucht. Durch eine enge Felsenklamm rauscht das schäumende Wasser des Bagmati hindurch. Mechthild hat hier nun endlich die Möglichkeit, auf einer Hängbrücke zu stehen, die im Jahre 1903 in Aberdeen (Schottland) gefertigt wurde. Letztendlich steigen wir in dem kleinen Ort Chobar zum Lokeshwar-Tempel hinauf. Der Tempel ist mit unzähligen Töpfen, Pfannen und anderen Haushalsgegenständen bepflastert, die Jungvermählte hier spenden, um sich eine glückliche Ehe zu sichern.

Auf dem weiteren Rückweg finden wir kein gemütliches Restaurant vor Kathmandu, um der weithin sichtbaren Smokglocke zu entgehen. So sitzen wir zur späteren Mittagszeit wieder direkt in Thamel. Mit Govinda und seiner Frau Radhika starten wir zum abschließenden Großeinkauf. Am Abend trifft Prasanta mit seiner jungen Frau ein, um uns die Videoaufnahmen Ihrer diesjährigen Hochzeit zu zeigen. Im Chaos der vielen Kassetten und nach einigen hin- und herspulen ist das richtige Band gefunden. Nun lassen wir uns in Wort und Bild ausführlich in die nepalischen Hochzeitsgebräuche und Zeriomonien einführen. Es wird fast Mitternacht bevor wir uns im Gästezimmer zur Ruhe begeben.


20. Tag – 30.10.2003

Das Ende unserer diesjährigen Reise ist bedrohlich nahe. Govindas Kindern sagen wir bereits „Auf Wiedersehen“ bevor wir wieder ins Hotel zurück ziehen und von dort in die Innenstadt aufbrechen. Wie all die Jahre zuvor streifen wir kreuz und quer durch Straßen und Gassen, kaufen die noch fehlenden Mitbringsel ein und treffen erst am späten Nachmittag wieder im Hotel ein. Am Abend findet das gemeinsame Abschiedsessen mit unseren Gästen statt.


21. Tag – 31.10.2003

Die Koffer sind bereits gepackt und bis zum Mittag nutzen wir die Zeit zu einen abschließenden Bummel durch Kathmandu, um das Vergessene, wie z.B. den Gingertee einzukaufen. Im Büro treffen wir noch einmal Govindas Frau und Schwiegermutter. Auf Wiedersehen, Namaste, alles Gute bis zum nächsten Mal und eine herzliche Umarmung. Dann ist es Zeit, schnellstens zum Hotel zurück zu kehren.

Alsbald sitzen wir im Wartesaal des Flughafens und warten und warten. Bereits beim Einchecken wurde bekannt, dass unser Flug Verspätung hat. Müssen wir eventuell wieder in Abu Dhabi übernachten? Dies ist unsere größte Sorge. Endlich erscheint unser Flug schon einmal  auf dem Bildschirm: Abflug 21:00 statt 18:30. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Abflug, umsteigen in Abu Dhabi und in Bahrain. Bei jedem Wechsel  werden wir nach dem jeweiligen Sicherheitsscheck  sofort zum nächsten Gangway weitergeleitet, um in  die bereits wartende Maschine einzusteigen. Es bleibt kaum Zeit im Duty Free noch Zigaretten zu kaufen, geschweige denn eine zu rauchen. So wird die verlorene Zeit eingeholt und auf unserem Flug von Bahrain nach Frankfurt sind wir bereits wieder im Zeitplan.


22. Tag – 01.11.2003

Die lange Nacht ist vorüber. Pünktlich schweben wir in Frankfurt ein. Sogar die Koffer sind eingetroffen. Um 10 Uhr sind wir bereits wieder zu Hause.

Eine erlebnisreiche Reise ist zu Ende. Wir haben viel Neues entdeckt und erlebt, obwohl wir doch schon so oft in Nepal waren. Nepal, mit seinen Menschen und seiner Kultur sind uns wieder etwas näher gekommen.

Ein guter Grund bald wieder dort hin zu reisen.
Es gibt noch so viel zu entdecken.