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Himalaya - Frühjahr-Trilogie
2010
1. Teil
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Ihr vermisst sicherlich meinen Reisebericht vom Herbst 2009. Ich war wie immer auch zu dieser Jahreszeit in Nepal. Geplant waren ein Trekking nach Gokyo im Khumbu und nach Nar Phu im Annapurna. Doch ein „Ausrutscher“ beim Verlassen der Dusche in Namche Basar beendete all meine Pläne. Mit dem Helikopter musste ich zurück nach Kathmandu. Dort hatte der gute Doktor nichts besseres zu tun, als meinem gestauchten/geprellten linken Arm eine Gipsschiene zu verpassen. Nicht nur das! Er verbot mir bei der Nachuntersuchung, 14 Tage später, für die kommenden 6 Wochen jegliche Bewegung des Armes.
Was blieb mir anderes übrig, als vorzeitig nach Hause zu fliegen. Mein Frust wurde 3 Tage später noch größer, als mir mein Chirurg hier in Deutschland erklärte, dass der Gips der größte Unsinn gewesen sei und ich umgehend mit Bewegung und Krafttraining beginnen solle.
Da Govinda und ich nun endlich der Einladung von Gopal aus Sikkim folgen wollten, plante ich einen 2-monatigen Aufenthalt, um in dieser Zeit den „verunglückten“ Gokyo-Trek nach zu holen und um zum ersten mal ein Camping-Trek in die hohen Berge Bhutans, zum heiligen Berg Jhomolhari, unternehmen zu können. Beginnen wir mit dem 1. Teil dieser Reise.
HIMATRTEK
01. Tag - 28.02.2010
Ausnahmen bestätigen die Regel. Der erste Reisetag endet heute in Bahrain. Von Frankfurt start die GULF in der Vorsaison nur vormittags um 11:20. Dies bedeutet für einen Rentner, zu ungewohnten Zeit bereits um 5 Uhr in der Frühe aufstehen zu müssen. So fand die Verabschiedung von der Familie schon einen Tag vorher statt und ich begebe mich in der Dunkelheit und feucht-kalten Wetter allein zum Bahnhof. Warum mich der Fahrplan der DB mit dem RRX (Rhein-Ruhr-Express) bis zur Großbaustelle nach Düsseldorf schickt, weiß wohl auch die Bahn nicht. Bereits in Duisburg hätte ich in den ICE nach Frankfurt umsteigen können. Hätte dort gute 5 Minuten mehr Zeit für das Umsteigen gehabt, statt wie einige weitere Reisende sputen zu müssen. Der Zug läuft nicht auf Gleis 15 sondern auf Gleis 10 ein ertönt es aus den Lautsprechern 3 Minuten vor der Abfahrt.
Über den knapp 6-stündigen Flug nach
Bahrain gibt es nicht viel zu berichten. Zum Schlafen ist es zu früh, also
vertiefe ich mich in den spannenden Thriller „Kind 44“. In Bahrain
angekommen, steht fest, dass nur wenige Passagiere an Bord sind, die nach
Kathmandu weiter reisen. Problemlos erhalte ich am Schalter der GULF
zwischen „Arrival“ und „Transit“ den Gutschein für das reservierte Hotel und
den Transfer. Auch das Abendessen wird von GULF spendiert. Vom mit WiFi
ausgestattetem Zimmer melde ich mich per Email daheim und in Kathmandu.
Tanja, meine Tochter und HIMATREK Office Managerin, die mich während meiner
Abwesenheit vertritt, antwortet prompt. Zu Hause ist alles ok.
02. Tag – 01.03.2010
Die Nacht ist kurz. 6 Stunden im Bett schlafen, sind aber erholsamer, als diese Zeit im Flughafen herum zu hängen. Um 03:30 erfolgt der bestellte Weckruf. Bereits eine Stunde später bin ich wieder im Transitbereich des Flughafens. Gönne mir dort noch einen großen Pott Kaffee, bevor der Aufruf zum Boarding ertönt. Pünktlich hebt der A 330 um 6 Uhr ab. Kathmandu wartet.
Warten und Geduld haben heißt es wieder am Gepäckband. Eine Stunde dauert es, bis mein Koffer ausgespuckt wird. Die Nervosität, dass doch mal mein aufgegebenes Gepäck verloren gegangen sein könnte, ist vorbei. Vor dem Flughafen erwarten mich wie immer Govinda mit seiner Frau Radhika, Sohn Suraj und Prasanta: Willkommen in deiner 2. Heimat, Papa. Auf direktem Weg fahren wir ins Büro, wo das fast komplette HIMATREK-Team, Hari, Dev, Dipendra, Chabi warten. Neu im Team ist Krishna, Govindas jüngster Bruder, der nach einigen Jahren Aufenthalt in Korea zurück gekommen ist und seine Ausbildung zum Guide begonnen hat.
Wo anders, als sonst verbringen wir den gemeinsamen Abend? Im Delima Garden. Ich order mein „Start up“-Menü: Hot & Sour Soup, anschließend „Fried Vegetable Momos“. Gerade sind die Bestellungen aufgegeben, entlädt sich ein heftiges Gewitter. Taubeneigroße Hagelkörner prasseln herab. Die in Kathmandu nur zeitweise zur Verfügung stehende Stromversorgung fällt gänzlich aus. 10 Minuten später ist der Spuk vorbei, doch der Garten steht gut 10 cm unter Wasser. Mit unseren Kunden Elisabeth und Hannes aus Potsdamm sind wir rechtzeitig unter die Veranda geflüchtet, schon öffnen sich die Himmelsschleusen erneut. Es ist ungemütlich kalt geworden. War das Wetter vor einigen Jahren nicht schon einmal so? Statt angenehmen Temperaturen erwartete uns solch ein Sauwetter. Einen Tag darauf folgten 3 Wochen ausschließlich Sonnenschein. Es kann also nur besser werden.
03. Tag - 02.03.2010
Fast 10 Stunden habe ich in „meinem“ Zimmer 501 im Hotel Manang durchgeschlafen. Da Kathmandu zeitweise ohne Strom ist, begann für mich bereits das Training für die kommenden Tage. Zu Fuß hinauf in die 5. Etage, selbstverständlich auch hinunter, wenn der Aufzug außer Betrieb ist. Um draußen zu frühstücken ist es weiterhin zu kalt. So genieße ich das nach meinen Anweisungen gut gewürzte Masalla-Omelette halt im Restaurant, bevor ich zum Büro aufbreche.
Am späten Vormittag durchbricht die Sonne die Wolken und vertreibt den Dunst aus dem Kathmandutal. Sonnenschein, strahlend blauer Himmel. Geschwind flattern all meine hier deponierten Trekking-Sachen im lauen Wind auf der Leine im Hof. Govinda 2 trifft mit seinem inzwischen 3-jährigen Sohn ein. Herzliches Wiedersehen. Gestern konnte er nicht kommen, da das Unwetter in Bodnath wohl noch heftiger als hier war.
04. Tag – 03.03.2010
Liebe Tanja, herzliche Glückwunsch zu deinem 31. Geburtstag. Nach diesem Email wird das Büro für die kommenden Tage geschlossen. Auf nach Sikkim! Es gilt den letzten weißen Flecken auf meiner Himalaya Karte zu eliminieren.
Pünktlich um 10:50 heben Govinda und ich
mit Buddha Air nach Chandragadi (Bhadrapur) im Osten Nepals ab. Nach etwa 50
Minuten Flugzeit empfängt uns dort nicht nur die große Hitze sondern auch
Gopal, Govindas Freund aus Gangtok in Sikkim.
Der nepalische Rennfahrer
(Taxi-Fahrer) schafft es in nur 30 Minuten bis zur Grenze: Hupen, Gas geben
und vorbei! Im Grenzort Kakarbitha findet die Horrorfahrt ihr Ende. Für
einen einsamen Beamten in Raniganj, bereits in Indien, muss ich 2
verschiedene Formulare mit jeweils gleichen Inhalt ausfüllen. Nun geht die
Fahrt gemächlich mit Laxman, Bruder Gopals, weiter. Durch Westbengalen, dem
Land der Gorka, verläuft die Straße durch schier endlose Teeplantagen. Wie
auf solchen Fahrten üblich, schlummere ich ein, während Govinda und Gopal
ohne Unterbrechung in ihren Heimatsprachen Nepali schwatzen (etwa 80 % der
Bevölkerung Sikkims sind Nepali). Steil hinauf geht es weiter über unzählige
Serpentinen in das ehemalige Königreich Sikkim. Die gewaltige Tiger-Brücke
überspannt den tief im Tal rauschenden Fluss Tista. Dies ist die Straße, die
von Bhutan über den Grenzort Phuentsholing nach Sikkim bzw. Darjeeling
führt.
Es dunkelt bereits, als wir die Grenze zum ehemaligen Königsreich Sikkim in Rhenock erreichen. 1975 erklärte Sikkim angeblich seinen Beitritt zu Indien als dessen 22. Bundesstaat. Hier erhalten wir unsere speziellen Permits, gültig für 2 Wochen. Nach insgesamt 6-stündiger Fahrt ist Gangtok, die Hauptstadt Sikkims erreicht.
05. Tag - 04.03.2010
Auf dem Höhenrücken von Gangtok gelegen, besuchen wir die Tempel von Hanumann und Ganesh. Trotz unseren Bitten, schafft es die Sonne nicht, die dichten Wolken über den Kangchenjunga zu vertreiben. Auch Kangchendzönga und in Kurzform Kanch genannt, ist er mit 8.586 m der dritthöchste Berg der Welt. Bis 1852 glaubte man, dass er sogar der höchste Berg sei.
Die 50.000 Einwohner zählende Metropole Gangtok klebt quasi am steilen Berghang. Die Straßen winden sich in engen Serpentinen zwischen den hoch aufragenden Häusern. Zu den einzelnen Ebenen führen steile Treppen, teilweise auch innerhalb der Gebäude. Inmitten dieses unübersichtlichen Gewirrs überrascht die wunderschön angelegte und verkehrsfreie Geschäftsstraße. Diese mit Bänken und Blumen geschmückte Einkaufsmeile mit seinen kleinen landestypischen Läden, veranlasst zum gemütlichen Bummel. Wie in Ladakh verlaufen auch hier unsere Bemühungen im Sande, einigermaßen vernünftiges Kartenmaterial über Sikkim zu bekommen. Wir werden uns mit den einfachen, sehr ungenauen Skizzen zu Frieden geben müssen. Schließlich wandern wir hinunter zum Stadtteil Deorali. Ein kurzer Weg führt hinauf zum Institut für Tibetologie, dessen Gebäude einer Festung, ähnlich einem Dzong in Bhutan, gleicht. Nur ein paar Schritte weiter, erhebt sich der Dodrul Chörten Diese Stupa wurde 1945 von Trulshi Rimpoche, dem Oberhaupt des Nyingma-Ordens, errichtet. Zurück vertrauen wir der „Ropeway“, der recht altertümlich wirkenden Seilbahn, die uns in 7 Minuten zum höchsten Punkt Gangtoks bringt. Obwohl die Sonne vom Himmel lacht, verhindern dicke Quellwolken weiterhin den Panorama-Rundblick.
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06. Tag – 05.03.2010
Bis zum Tsomgo Lake in 3.750 m Höhe benötigen wir für 38 km fast 3 Stunden. Über Schotterpiste und durch einige Großbaustellen rumpeln wir mit Gopal und Laxman 2.000 m zum See hinauf. Der als heilig geltende See ist ein beliebter Ausflugsort der indischen Bevölkerung. An seinen linken Ufer befindet sich ein Shiva geweihter Tempel, der mit unzähligen Gebetsfahnen geschmückt ist. Man darf sich hier nicht über die vielen Souvenir-Geschäfte wundern. Auch alle Einladung zum Ritt auf einen Yak lehnen wir dankend ab. Ab Mai beginnt die beste Jahreszeit, diesen See zu besuchen. Dann erfaltet sich die Farbenpracht der wilden Blumen und Rhododendren. Von hier sind es nur noch 15 km bis zur tibetischen Grenze, dem Nathula Pass. Dieses Gebiet ist für Touristen gesperrt und der Übergang geschlossen.
07. Tag - 06.03.2010
Wer sagt es denn. Die Statistik belegt,
dass es im März zu 75 % klares Wetter gibt. Heute ist es so weit. Der
Himalaya zeigt sich im morgendlichem Schein. Auf dem Weg zum Kloster Rumtek
halten wir an einer Orchideen-Gärtnerei. In den Gewächshäusern sind wir von
einem Meer herrlich blühender Pflanzen umgeben.
Rumtek ist das größte Kloster in Sikkim. Ursprünglich wurde das Kloster vom 9. Karmapa errichtet, verfiel aber mit der Zeit zu einer Ruine. Als 1959 der 16. Karmapa mit einem Gefolge von über 160 Lamas, Mönchen und Laien von Tibet über Bhutan nach Sikkim floh, um die Lehren des tibetischen Buddhismus vor der Zerstörung zu retten baute er das Kloster neu auf. Die goldene Stupa enthält seine Überreste. Gegenüber dem Kloster befindet sich das Karma Shri Nalanda Institut für buddhistische Studien.
Vom Kloster starten wir zu einer
gemütlichen Kulturwanderung. Neben Nepali wohnen hier etwa 10 % Lepta, die
Ureinwohner Sikkims. Der Weg führt durch Wald, Wiesen und Felder, vorbei an
Siedlungen und Gehöften die in farbenfrohen fachwerklicher Leichtbauweise
aus recht dünnen Holz und Lehmwänden erbaut sind.
Eine Tante Gopals lädt uns
unterwegs in ihr recht kleines, aber gemütlich eingerichtete Wohnzimmer ein.
Den gereichten Begrüßungstrunk bestehend aus mit Wasser verdünnter
Buttermilch dürfen wir nicht ausschlagen. Zum Abschied wird mit
einheimischen Rum angestoßen. Bevor wir Gopals Haus erreichen, werden wir
von einer befreundeten Familie eingeladen.
Am Abend ist das Wohnzimmer in Gopals Haus gefüllt. Sämtliche Brüder, Schwestern, Kinder und natürlich auch die Großeltern sind anwesend. Es wird ein recht feucht-fröhlicher Abend, der irgendwann gegen Mitternacht endet. Zu diesem Zeitpunkt bin ich vom zukünftigen Abgeordneten des Parlaments von Sikkim, einem Bruder Gopals, feierlich zum Ehrenbürger des hiesigen Dorfes ernannt worden.
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08. Tag - 07.03.2010
Den Vormittag nutzen wir zu einen
weiteren Rundgang durchs Dorf.
Mittags trifft Gopal mit Peter aus Belgien
ein, der uns auf der bevorstehenden Tour als „zweiter“ Tourist begleiten
wird, denn ein Permit wird in Sikkim erst ab 2 Personen erteilt. 5 Stunden
dauert die Fahrt nach West-Sikkim. Ständig auf und ab windet sich die
schmale Straße an steilen Berghängen entlang. Über eine leicht schwankende
Hängebrücke überqueren wir den Rongdong Chu (Fluss). Es ist bereits dunkel,
als wir Yuksom, unseren Trekking-Ausgangspunkt in 1.850 m Höhe erreichen.
09. Tag - 08.03.2010
Entlang des Ranjit River führt der gut ausgebaute Weg durch subtropischen Urwald. Die rot blühenden Rhododendren stehen bereits in voller Blüte. Wie an den vorherigen Tagen, hängen auch heute die Wolken wieder tief herab. Balum, einer unserer Küchenjungen kommt uns mit Teekessel und Tassen entgegen. Das unerwartete Erfrischungsgetränk nehmen wir gerne an, denn bis zum Rastplatz geht es weiterhin noch ein Weilchen auf und ab. Endlich, in Sachen (2.300 m) erwartet uns das Küchenteam u.a. mit einer frisch zubereiteten Nudel-Gemüsesuppe. Da wir erst um 9 Uhr aufgebrochen sind, bleibt nicht viel Zeit zur Rast. Bis nach Tsokha sind noch 700 Höhenmeter zu bewältigen.
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Es geht nun steiler hinauf, aber darauf folgt wieder ein längerer Abstieg. Tief in einer Schlucht liegt das zu überquerende Seitental. Der Höhenmesser zeigt nur 2.350 m an. Den etwas müde gewordenen Muskeln wird nun die letzten Reserven abverlangt. Erst mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Tsokha (2.990 m). Die Zelte sind bereits aufgebaut. Die Trekker-Hütte, nicht vergleichbar mit den Lodges in Nepal, bietet zum Abendessen Zuflucht vor den böigen und kalten Wind.
10. Tag - 09.03.2010
Nach langer Zeit mit Govinda in einem Zelt zu schlafen, ist ungewohnt. Es ist halt etwas enger als in einer Lodge und es dauerte eine Weile, die richtige Schlafposition zu finden. Die ersten Sonnenstrahlen wecken mich aus den erholsamen Schlaf. Zu dieser frühen Morgenstunde erhebt sich der schneeweiße Panding (6.991 m) in den klaren hellblauen Himmel. Aber bereits nach dem Frühstück hat sich die Sonne wieder hinter einer grauen Wolkendecke versteckt. Weiter geht es bergan. 1000 Höhenmeter liegen vor uns. Durch vermoosten Urwald, in denen der Nebel hängt, führt der Pfad mal leicht ansteigend, dann wieder steiler im Zickzack über ausgesetzte Steinstufen hinauf. In einer Höhe von über 3.000 m ist jede kleine Verschnaufpause willkommen, wenn uns die eine oder andere Muli- oder Yak-Karawane entgegen kommt oder überholt. Der Gepäcktransport ist in Sikkim mit Tragtieren, statt mit Trägern wie in Nepal, üblich. Obwohl man im Sprachgebrauch den Begriff Yak benutzt, handelt es sich um eine Kreuzung von Yaks und Buffs, in Sikkim Jo, in Nepal Jakpa genannt.
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Der Rastplatz in Phetang (3.700 m)
bietet normalerweise eine phantastischen Rundblick, doch wir stecken im
Nebel. In den Dunstschwaden tauchen einige Gebetsfahnen auf, als wir einen
knapp über 4.000 m hohen Pass erreichen. Der weitere Weg zieht sich dahin
bis wir wie aus dem Nichts heraus unter uns einige Hütten erkennen. Dzongri
(3.950 m) ist erreicht. Ein Stück „harte Arbeit“, wie mein Freund Gregor in
solchen Situationen zu sagen pflegt, ist geschafft. Im Küchenzelt ist der
Tisch gedeckt. Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit. Zum Abend erfreut uns
Koch Mangraj und sein Team mit einem umfassenden 3-Gänge Menü. Recht zeitig verkriechen wir uns in die
Schafsäcke. Die Wolken haben sich aufgelöst. Über uns erstrahlt der
Sternenhimmel.
11. Tag - 10.03.2010
Sonnenaufgang, kaum ein Wölkchen am
Firmament. Govinda ist bereits zum höchsten Aussichtspunkt unterwegs. Wenig
später folge ich mit Dicky (Dhan Kumar), unserem Guide. Peter bleibt zurück.
Er hat leichte Kopfschmerzen. Anpassungsprobleme mit der von ihn vollkommen
ungewohnter Höhe waren eigentlich zu erwarten. In nur 2 Tagen auf 4.000 m
hinauf, sollte man unbedingt vermeiden. In Zukunft werden wir den Verlauf
der Tour zwecks besserer Akklimatisierung ändern. Obwohl ich mich wohl
fühle, begnüge ich mich vor dem Frühstück mit dem leichter zu erreichenden
„Viewpoint“. Da steht er erstmals vor mir, der dritthöchste Berg der Welt.
Das gewaltige Massiv des Kanchanjunga (8.545 m) und die daran anschließenden
7.000er der Kaburu Gruppe.
Nach Toast, Marmelade und Ei, einen Pott Milchkaffe, also gut gesättigt begeben wir uns auf den Weg zum Dzongri La (4.300 m). Noch brennt die Sonne erbarmungslos herab, doch ein eisiger Wind bläst aus Osten Wolken heran. Der schnelle Aufstieg auf 4.000 m fordert nun auch von mir sein Tribut. Mir fehlt die Kraft, finde keinen Gehrhythmus, so dass mein Puls zu sehr in die Höhe geht. Da auch Peter über zunehmende Kopfschmerzen klagt, steigen wir zum Camp ab. Gerade zur richtigen Zeit sind wir zurück, denn der Wind entwickelt sich zum heftigen Sturm. Eine Bö schafft es, das Küchenzelt nieder zu reißen. Unser Team kann keine Chance das Zelt wieder aufzubauen. In einem kleinen, dunklen Raum der Trekker-Hütte wird die Notküche eingerichtet. Die ganze Nacht lang pfeift der Sturm ums Zelt. Es wird lausig kalt. Hätte ich doch nach dem Abendessen eine Wärmeflasche mit in den Schafsack genommen.
12. Tag - 11.03.2010
Die Sonne lacht, kein Lüftchen, Windstille, so als hätte sich auch das Wetter verausgabt. Schwitzend stapfen wir über Sommerweiden, die zu dieser Jahreszeit karg und braun daher liegen, aufwärts. Das eisig glitzernde Panorama von Kabrudome (7.338 m) bis hinüber zum Pandim (6.991 m), im Mittelpunkt natürlich der Kanch, grüßt am Horizont.
Recht steil führt der Pfad vom
Hochplateau in das tiefe Tal des Ranjit River auf 3.700 m hinunter. Der
Rastplatz Kokdurung lädt zur kleinen Pause ein.
Dicky versorgt uns mit
Keksen und Äpfeln. Nachdem der Ranjit überquert ist, ist es nicht mehr all
zu weit bis nach Thangsing (3.950 m). Doch der Weg zieht sich durch dichten
Wald dahin. Als wir diesen schließlich hinter uns lassen und den weiten
Talgrund betreten, haben wieder dicke Regenwolken das Landschaftsbild
getrübt. Bevor der Wind an Kälte und Heftigkeit zunehmen wird, nutzen wir
den Nachmittag für ein ausgiebiges Bad.
Wie erwartet, wird es mit Einbruch der Dämmerung kalt und stürmisch. Das lange tiefe Tal saugt die Luft wie ein Kamin an. Die Wärmeflasche ist heute mit dabei. Oh wie mollig warm, den Schlafsack bis zur Nasenspitze zugezogen. Noch etwas Musik hören und der Schlaf übernimmt die Macht.
13. Tag - 12.03.2010
Während zwei junge Pärchen aus der Schweiz und aus Köln zum Goeche La (4.600 m) aufsteigen, holen wir quasi den notwendigen Akklimatisierungstag nach. Im Laufe des Tages verlagern wir unser Lager auf etwa 4.150 m, um den morgigen Aufstieg etwas zu verkürzen. Das Camp noch höher aufzuschlagen ist nach Ansicht Dickys nicht sinnvoll, da es dort noch kälter und stürmiger wird. Als sich am Nachmittag wieder dicke Wolken vor die vergletscherten Gipfel ziehen und der Wind an Heftigkeit zunimmt suchen wir im warmen, Küchenzelt Schutz. Neben dem Gasherd und mit heißem Tee versorgt, lernen auch die Leute unseres Teams sehr schnell das berühmte Kartenspiel Mau-Mau.
Mit der Wärmeflasche unter dem Arm
verkriechen wir uns alle frühzeitig in die Heia. Draußen ist es bitter kalt.
Die Zeltplanen flattern im eisigen Wind. Nicht daran denken, heute Nacht
irgendwann zur Toilette zu müssen.
14. Tag - 13.03.2010
Mit Anbruch der morgendlichen Dämmerung wird das Massiv des Kanchanjunga von der noch unsichtbaren Sonne golden angestrahlt. Ich hingegen benötige dringend wärmende Strahlen, denn ich habe sehr schlecht geschlafen, fand nicht die richtige Schlafposition, da vom unebenen Untergrund ständig etwas drückte und sich mein Schlafsack ständig verhedderte. Meine Füße sind eiskalt, obwohl ich die abgekühlte Wärmeflasche noch in der Nacht aus Schlafsack und Zelt entfernt habe. Als ich dann auch noch in meine „gefrorenen“ Bergstiefel steige, habe ich tatsächlich Eisklumpen an den Beinen. Wie konnte ich nur die Schuhe des nachts draußen unter Überzelt stehen lassen?
15. Tag - 14.03.2010
Im ständigen Auf und Ab zieht sich der
schmale Pfad recht unwegsam durch dichte, urwäldliche Rodedendron Wälder.
Dieser Weg ist für Mulis und Jos nicht geeignet. Diese nehmen mit ihren
Treibern den Hauptweg über Dzongri hinunter nach Phetang und weiter nach
Tsokha. Da es in der Nacht geregnet hat, kämpfen wir uns stellenweise über
stark vereiste Passagen. Bin ich froh, als wir endlich Phetang erreichen.
Von hier ist es dann nur noch eine Kleinigkeit bis nach Tsokha.
Erstmals
kommt uns auf dieser Strecke eine größere Gruppe entgegen.
In Tsokha eingetroffen, haben wir das große Glück, im 3-Bett-Zimmer einer nahe gelegenen Lodge Quartier beziehen zu können. Der Campingplatz ist fast überfüllt, denn die Saison hat nun begonnen. Mit Rückblick auf unsere Tour ist festzustellen, dass die 1. Märzhälfte hierfür noch zu früh ist. In der Nacht tobt ein Schneesturm mit heftigem Gewitter über uns hinweg. Sind wir froh, nicht im Zelt schlafen zu müssen.
16. Tag - 15.03.2010
17. Tag - 16.03.2010
Von der kurvenreichen Straße nach Pelling zweigen wir zum Khecheopalri See ab. Der im dichtem Wald liegende „Wunsch-See“ ist ein gleichermaßen von Hindus und von Buddhisten verehrter Pilgerort. Der Sage nach gehen alle Wünsche in Erfüllung, die man in Reinheit und Andacht dem kristallklaren See anvertraut.
Oberhalb Pelling (2.120 m) liegen auf einer steilen Anhöhe die Ruinen von Rabdentse, der ersten Hauptstadt des alten Königreichs. Bis zum Jahre 1814 wurde das Königreich Sikkim von hier aus regiert. Normalerweise hat man einen wunderbaren Blick auf die Schönheit der umgebenden Natur vor der Kulisse des schneebedeckten Kanchanjunga, aber heute ist es wolkig und regnerisch.
In Pelling finde ich ein Internet Cafe. Grüße nach Hause und insbes. Glückwunsch an meinen Enkel Nick zum 3. Geburtstag. Erfreulich ist auch, das mein Verein Schalke 04 gegen Stuttgart gewonnen hat und jetzt sogar Zweiter der Tabelle ist.
18. Tag - 17.03.2010
Weitere sehenswerte Besichtigungen in und um Pelling lässt unser Terminplan leider nicht zu. Da morgen zum Generalstreik in Westbengalen (Gorkha-Land) aufgerufen ist, müssen wir sputen, um noch heute die Grenze nach Nepal zu erreichen. Mit Sonnenaufgang verabschiedet sich zumindest der Kanch von uns.
Durch schier unendliche Teeplantagen
windet sich die schmale Straße hinauf nach Darjeeling, das bis zum 18
Jahrhundert zu Sikkim gehörte. Vom blühenden Handel zwischen Indien und
Tibet zeugt noch heute die „Darjeeling Himalayan
Railway“, auch „Toy Train“ genannt. Diese winzige Schmalspurbahn verkehrt
noch heute zwischen Shiliguri und Darjeeling.
Jedem Reisenden ist zu raten, mindestens einen Tag hier zu verbringen, doch
wir müssen weiter. Die vor uns liegende Strecke ist lang und holperig. Um
keine Zeit zu verlieren verzichten wir auf die übliche Mittagpause und
futtern unterwegs Chips und Erdnüssen, die mit Cola, Fanta, Sprite hinunter
gespült werden.
Endlich am Ziel. Bei der Ausreise aus Indien muss ich in der Grenzstation Raniganj wieder 2 Formulare ausfüllen. Dabei erfahre ich, das ich mit meinem 6-Monat-Multiply Visum erst in 2 Monaten wieder nach Indien einreisen darf. Wer hat denn so etwas erfunden? Angeblich gibt es jetzt ein Doppel-Entry Visum für Indien. Möchte also jemand 2 mal über Indien z.B. nach Nepal oder Bhutan einreisen und in Delhi nicht nur im Transit auf den Weiterflug warten, sollte er sich über die aktuelle Situation kundig machen. Die Einreise nach Nepal verläuft einfach und problemlos. Am Abend organisiert Govinda noch einen Fahrer, der uns morgen über Janakpur nach Chitwan fahren soll.
19. Tag - 18.03.2010
Im Terai wird es bereits kurz nach Sonnenaufgang sehr heiß. Die fast schnurrgrade Straße verläuft zunächst weiterhin durch Teeplantagen, dessen Tee angeblich besser als der aus Darjeeling sei. Indien kauft diesen gerne auf und zeichnet ihn als eigenen Darjeeling Tee aus. In der weiten Ebene folgen Felder mit Weizen, Gemüse und Reis, der erst später gepflanzt wird, wenn der Monsun langsam einsetzt. Unser junger Fahrer will sein Können beweisen: Unermüdlich tönt die Hupe. Bremsen und Gas geben. Neben Fahrzeugen, ob motorisiert oder mittels Kraft von Tieren fortbewegt, gilt es Hunden, Schafen, Ziegen und … auszuweichen.
Sind wir in der Wüste? Was ist passiert?
Ein mehr als eineinhalb Kilometer großen Deichbruch hat im Sommer 2008 am
Oberlauf des Flusses
Bihar (Nepal) Kosi (Indien), einem der größten
Nebenflüsse des Ganges, zu verheerenden Überschwemmungen von hunderten
Quadratkilometern Land geführt.
Der Fluss führt während des Monsuns ein hohen Schlickanteil mit sich, unter
dem nun kilometerweit die einst fruchtbaren Felder begraben sind.
Wir erreichen Janakpur. Die Stadt gilt als antikes Mithila, Hauptstadt des historischen Königreiches Videha und Zentrum der Maithili-Kultur. Heute ist sie eine der bedeutenden Pilgerstätten für Hindus mit über 120 Tempel. Unser Besuch gilt dem Janaki Tempel, erbaut 1911 als Geschenk der Königin Brikha Bhanu Kuwari von Tikamagarh, Geburtsort der Göttin Sitas. Der Legende nach, fand hier ihre Vermählung mit Rama statt. Wie üblich, treffen wir zwei Verwandte (Onkel) Govindas mit denen er sich verabredet hat.
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Da Janakpur die einzige Stadt Nepals ist, die an eine Eisenbahnlinie angeschlossen ist, schwinge ich mich mutig auf das Mofa und Krishna (Govindas Onkel) kurvt mit mir Richtung Bahnhof. Die 1935 in Dienst gestellte Linie hat eine Länge von 51 km. Heute werden nur noch 29 Kilometer von der Nepal Railways bis zur indischen Grenze befahren. Diese altertümlichen, eigentlich schon ins Museum gehörenden Wagen, sind tatsächlich noch in Betrieb. Es gibt sogar 1. und 2. Klasse. Ein kleiner Güterwagen wird per Muskelkraft angehängt und die Kupplung vorsorglich mit Bindedraht gesichert. Für jeden Eisenbahn-Freund ein Muss, diesen Bahnhof, wie auch die Bahn in Darjeeling zu besuchen und wenn möglich eine Fahrt zu riskieren.
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Die Zeit zerrinnt, wir müssen aufbrechen. Aber Subedi, unser Fahrer hat falsch geparkt. Die Streife hat seinen Führerschein einbehalten. Was nun? Auf zur Polizeiwache. Die folgenden Geschehnisse kann ich nicht nachvollziehen. Govinda und sein Onkel Krishna verschwinden im Polizeigebäude. Subedi und ich warten derweil auf dem Gelände. Die Streife kehrt zurück. Kurz darauf tauchen Govinda, Krishna mit einem Polizisten (Freund von Govindas Bruder Dhurbar) wieder auf. Tee trinken. Die Strafe in Höhe von 200 Rupien muss Subedi an anderer Stelle bezahlen. Krishna fährt ihn hin. Nach mehr als 2 Stunden und bei beginnender Dämmerung können wir endlich die Fahrt nach Chitwan fortsetzen.
Die Scheinwerfer werden erst eingeschaltet, wenn man gar nichts mehr sieht. Dann aber gleich Fernlicht. Da dies alle Fahrer machen, muss man sehr gute Augen haben oder notfalls eine Sonnenbrille tragen. Dann stellt sich noch heraus, dass die Scheibenwischer nicht funktionieren und schon gar kein Wischwasser im Behälter ist. Die Lösung: Anhalten und mit dem Lappen die Windschutzscheibe putzen. Der Fahrstil unseres Fahrers hat sich in keiner Weise geändert. Kurz vor Mitternacht findet die Horrorfahrt in Chitwan im Unique Wild Resort ihr Ende.
20. Tag - 19.03.2010
Im modernem Touristenbus begeben wir uns auf die Rückfahrt nach Kathmandu. Da der Fahrer äußerst vorsichtig und gewissenhaft fährt, also so gut wie kein Überholmanöver wagt, treffen wir erst gegen 15 Uhr ein. Besser langsam und sicher das Ziel erreichen. Im Büro angekommen, erwarten uns Hari, Krishna (Govindas Bruder) und Govinda 2
Zur Fortsetzung mit dem