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Der
Sonne entgegen
Eine
Reise durch China von Peking bis Lhasa
Reisebericht
08.09.02 – 20.09.02
©
Klaus Töpfer
HIMATREK
Gelsenkirchen, Oktober 2002
www.himatrek.de
www.tibet4u.himatrek.de
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www.foto.himatrek.de
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Vorwort
Nach den ersten Kontakten zu chinesischen
Reiseagenturen, stand im März auf der ITB unser Entschluss fest, das
„Reich der Mitte“ zu besuchen und diesen Aufenthalt mit unserer fast
nun schon jährlich stattfindenden Nepalreise zu kombinieren.
Wichtig für unsere Entscheidung war, dass wir zu zweit individuell
reisen konnten. Als diese Voraussetzung gegeben war, fiel uns nur noch die
Entscheidung schwer, welche der vielen Städte und kulturellen Sehenswürdigkeiten
wir uns vornehmen sollten. Getreu
nach dem Motto: Lieber auf einen Tempel oder einen Ort verzichten und dafür
auch mal auf eigene Faust unterwegs zu sein, stand schließlich nach
Studium der Reiseführer unsere Route fest:
Peking, Datong, Xian, Lhasa und von dort weiter nach Kathmandu.
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1./2.
Tag – 08./09.09.02
Mit dem Jumbo „City of
Beijing“ der Sonne entgegen. Nachdem unser „City-Hopper“ ca. 40
Minuten Verspätung hatte, sitzen wir nun zum ersten Mal in diesem Riesen.
Zuerst sind wir enttäuscht, dass wir nicht unsere Wunschplätze C und D
(Mittelgang) bekommen, sitzen nun aber recht bequem auf F und M vorne im
Flugzeug, denn der Reihenabstand ist größer und die Sitze breiter (?)
als beim Charter TRANSAVIA.
Über Amsterdam tobt sich ein
Gewitter aus. Bis zum „take off“ dauert es eine gute Stunde. Den
Sonnenuntergang erleben wir über den Wolken gegen 20 Uhr und bereits um
0:30 Uhr unserer Zeit verfärbt sich der Himmel dunkelrot. Guten Morgen.
Das Frühstück lässt nicht lange auf sich warten.
Nach 8 ½ Stunden sind wir in
Peking. Alles Weitere verläuft wie
am Schnürchen. Passkontrolle, Gepäck bereits auf dem Band und unser Führer
Duan wartet schon. Sofort geht es weiter durch das dichte Verkehrsgewühl
der Pekinger Autobahnen. Stop und Go wie auf der A40. Über eine Sunde benötigen
wir, um unser Hotel JIANGUO zu erreichen. 4 Sterne, einfach super. Nur
Schalter und Hebel im Bad sind gewöhnungsbedürftig. 6 Stunden Schlaf
fehlen uns und die Müdigkeit fängt uns ein. Es ist sehr angenehm im
klimatisierten Innern des Hotels, während draußen die Temperatur
bei etwa 30 °C liegt und das bei recht hoher Luftfeuchtigkeit.
Zum
Abend hin wagen wir uns gleich in ein chinesisches Restaurant. Vegetarisch
mit Stäbchen? Ja, aber mit Gabel bitte, die wir auch in der Größe einer
Kuchengabel erhalten. Man benötigt nur etwas Geduld. Anschließend
schlendern wir gemütlich im Stadtteil Quinmen herum. Finden weitere
einladende Restaurants, beobachten das Treiben der einheimischen Bevölkerung.
Leute hocken herum und spielen Karten. Andere tanzen zu rhythmischer Musik
auf der Straße. Wir leben uns ein und fühlen uns wohl. Zurück im Hotel,
beobachten wir die ersten Gruppenreisenden. Wie schön, dass wir auf
niemanden Rücksicht nehmen müssen. Von der Hotelbar flüchten wir vor
der Klaviermusik noch einmal kurz nach nebenan, zum ersten chinesischen
Bier. |
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3.
Tag – 10.09.02
In China beginnt das Leben früh
am Morgen bei Sonnenaufgang. Um 6:30 Uhr heißt es aufstehen, denn bereits
um 8 Uhr wird uns Herr Duan abholen. Es ist bewölkt, aber weiterhin
angenehm warm. Vor dem Hotel warten die Reisebusse, um ihre Touristen
einzuladen. In unserem klimatisiertem Van machen wir uns, jeder für sich,
auf einer Bank bequem. Wieder geht es durch den Wahnsinnsverkehr in
Richtung Autobahn. Überall Baustellen. Neue Wohnsiedlungen und ganze
Stadtteile werden aus dem Boden gestampft. Unterwegs besichtigen wir eine
Süßwasser-Perlenfabrik. Ein Kettchen mit 2 schwarzen Perlen bleibt an
Dorlis Hals hängen, bevor es hinein in die Gebirgslandschaft geht. Schon
von weitem erblicken wir die sich über die Hügel, wie eine unendliche
Schlange auf und ab schwingende Große Mauer.
Am Eingang finden sich, wie überall
auf der Welt an Orten mit
Touristenattraktionen, Souvenirläden in Reih und Glied, die wir einfach
links liegen lassen. Es beginnt zu regnen, als wir die Mauer erklimmen. So
bleibt uns die Sonnenhitze erspart, als wir über teilweise recht steile
Stufen von Turm zu Turm der ehemals insgesamt 7.600 km langen im 15.
Jahrhundert erbauten Verteidigungsanlage auf und ab steigen.
Peking war einst Grenzstadt und dieses Bauwerk führt durch 4
Provinzen Chinas. Mit uns unterwegs sind unzählige Touristen, meist
Chinesen und Japaner. Dorlis blondes Haar fällt in der Menge der
Schwarzhaarigen ganz besonders auf. Es bleibt genügend Zeit, die
herrliche Aussicht zu genießen, zumal auch die Sonne sich wieder blicken
läßt.
Nach einer kurzen Teepause, und
man sollte doch Tee, Teppiche etc. kaufen (unser Guide ist ein perfekter
Geschäftsmann), geht die Fahrt zurück nach Peking. Unterwegs wird das
Mittagessen in einem Restaurant mit „Friendship
Store“ gereicht. So gibt es viel interessantes chinesisches Handwerk zu
bestaunen. Die Auswahl ist so groß wie China, so dass wir das Shopping
erst einmal verschieben, denn alle Entscheidungen fallen schwer.
 Da für heute Abend Regen angesagt
ist, verschieben wir den Besuch der Imbißstraße auf morgen und suchen
ein Restaurant in der Nähe unseres Hotel auf. Dorlis blickt ständig hinüber
zum gegenüberliegendem Friseurladen. Sie hat es zu Hause nicht mehr
geschafft und so läßt sie sich halt in China stylen und auch noch
massieren. Man muss eben mal nach Peking reisen, um Zeit für den Friseur
zu haben. Über eine Stunde sitze ich dabei, werde mit Jasmintee verwöhnt
und schaue zu. Dies ist mir im ganzen Leben noch nicht passiert.
Ordentlich frisiert, bemüht Dorlis sind anschließend auch mit Stäbchen
zu essen. Der Beifall der Bedienung, Daumen hoch, bleibt nicht aus. |
4.
Tag – 11.09.02
Es regnet, leider. Aber auch unter
diesen Umständen besichtigen wir den mitten in Pekings gelegenen
Kaiserpalast. Die einstige verbotene Stadt wird von einer mächtigen Mauer
und einen breiten Wassergraben abgeschirmt. Erbaut in den Jahren 1400 bis
1420 ist der Palast der größte
der Welt. Unter kaisergelb glasierten Dächern herrschte hier der
Himmelssohn mit Kaiserin, Konkubinen, Zofen und Eunuchen. 24 Kaiser der
Ming- und Quing-Dynastie regierten hier in Saus und Braus. Verständlich,
dass es zur Kultur-Revolution kommen musste. Bei strömendem Regen
gelangen wir durch das südliche Haupttor zu den gewaltigen Thron-
und Audienzhallen dem baulichen Zentrum. Der Drache, Symbol des
Kaisers, verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Duan informiert uns umfassend
über das einstige Leben. Vom Kindkaiser bis zur täglichen Residenzzeit
von 2 Stunden, Ruhepause inbegriffen. Über die Wohn- und Gartenanlage
gelangen wir zum Nordausgang, wo uns unser Fahrer Liu von der
Bushaltestelle abholt. Auf meine Frage: „Sind wir nicht schneller wenn
wir laufen?“, protestiert Dorlis mit dem Spruch: „Lieber trocken
gefahren als nass gelaufen“. |
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 Der Platz des „Himmlischen
Friedens“ verdient am Nachmittag eher den Namen „Platz des
Platzregens“, der unermüdlich auf uns nieder prasselt. So brechen wir
den Rundgang ab und werden morgen auf eigene Faust hier neu starten.
Was
unternimmt man an einem regnerischen Abend? Man geht ins Theater. Nach
einer Fahrt mit dem Taxi ins neue Herz von Peking mit World-Center 1 + 2,
einer neu erbauten Geschäftsstadt, vergleichbar
mit dem Potsdamer Platz, erreichen wir das Beijing Chao Yang Theater und
lassen uns 1 ½ Stunden von chinesischer Artistik begeistern. |
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5.
Tag – 12.09.02
Unser Tag zur freien Verfügung.
Mit dem Taxi lassen wir uns in die historische Innenstadt Pekings zum
Tian’anmen-Platz fahren. Dies geht recht einfach, indem man sich das
Ziel in chinesischer Schrift aufschreiben läßt und dies dem Taxifahrer
zeigt. Der gemütliche Rundgang bei beginnt bei Sonnenschein am Stadttor.
Von dort bummeln wir nun trockenen Fußes, vorbei am Mao-Masoleum, der großen
Halle des Volkes bis zum Tor des „Himmlischen Friedens“ aus dem Jahre
1417. Ein nahegelegener Park lädt zur Ruhepause und Rundgang ein. Nach
einem Würstchen am Stiel vom Imbißstand begeben wir uns entlang der
westlichen Mauer des Kaiserpalastes zum Jingshan Park. Ein Blick hinter
die Kulissen des kulturellen, historischen Pekings. Dunkelgraue, kleine
Siedlungshäuser säumen den Straßenrand, vergleichbar mit den
Zechensiedlungen der 50er Jahre unserer Heimat. Ein heller Anstrich täte
den Häusern gut. Leider steht einigen dieser Häuser bereits der Abriß
bevor. Der Bauboom ist nicht zu stoppen.
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Gegen Mittag erreichen wir die große,
auf einer künstlichen Anhöhe stehende Holzpagode im Jingshan Park, eine
kaiserliche Gartenanlage aus der Ming- und Quing-Zeit. Es bietet sich ein
herrlicher Ausblick auf den gewaltigen Kaiserpalast und die Skyline von
Peking. Hier treffen wir wieder auf Massentourismus. Unzählige Guides führen
Fähnchen schwenkend Ihre Reisegruppen durch die gepflegte Parkanlage, die
für den 1. Oktober herausgeputzt wird.
Erst am späten Nachmittag kehren
wir ins Hotel zurück. Die Koffer sind bereits gepackt und stehen für die
Bahnfahrt in das Kohlenrevier nach Datong bereit. Bis zur Abholung
vertreiben wir uns die Zeit, indem wir noch einmal kreuz und quer durch
Straßen und Gassen bummeln, das hiesige Leben beobachten und uns noch mit
etwas Proviant versorgen. Sprüche seitens Dorlis bleiben natürlich nicht
aus: „Kurzbesuch in Peking und dann ins Kohlebergwerk“ oder „Warum
nicht fliegen? Hab keine Flugangst nur Zugangst“.
Auf die Abfahrt unseres Zuges nach
Datong dürfen wir als 1. Klasse Passagiere in der Lounge in tiefen, roten
Sesseln warten. Duan bringt uns zum Bahnsteig und in das reservierte
Abteil. Allein wären wir wohl vollkommen hilflos gewesen. Abschied von
Peking. Ratternd und quietschend setzt sich der Nachtzug in Bewegung. Wir
machen es uns auf den unteren frisch bezogenen Betten bequem. 2 Chinesen
turnen in die oberste Etage. Schlafen ist nicht so richtig möglich. Während
man sich an das Rattern und Quietschen gewöhnt, sind wir etwas nervös,
denn bereits kurz nach 4 Uhr in der Frühe werden wir Datong erreichen.
Wachen wir pünktlich auf? Steigen wir am richtigen Bahnhof aus? Unsere
Sorgen sind Dank Schaffnerin unbegründet. |
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6.
Tag – 13.09.02
Es ist stockfinster als der Zug in
die über 2000 Jahre alte Kulturstadt Datong einläuft. Den Chinesen
folgend, verlassen wir den Bahnsteig hinunter und wieder hinauf in die
Bahnhofshalle. Dort erwartet uns bereits Herr Li, der uns morgen, besser
gesagt heute, betreuen wird. Nach kurzer Fahrt ins Hotel, legen wir uns
erst noch einmal aufs Ohr, um etwas Schlaf nachzuholen. Zum Frühstück
erscheinen wir erst in letzter Minute. Für unseren europäischen
Geschmack nicht so passend wie in Peking. Wer möchte schon gleich am
Morgen seinen Magen mit Suppe, Reis und anderen chinesischen Köstlichkeiten
belasten? Uns reichen Toast, Butter, Marmelade und ein gekochtes Ei.
I In der Region Datong sind ca. 2000
Bergwerke angesiedelt. Etwa 2/3 der Bevölkerung finden hier ihre Arbeit.
Mancherorts tritt die Kohle bis an die Oberfläche, so dass auch Abbau über
Tage möglich ist. Entlang von Kohlenlagern, -halden und schwarz
rauchenden Schloten führt die Fahrt aus dem Revier hinaus zu den „Hängenden
Klöstern“ am Hengsthan Berg. Schwere mit dicken Kohlebrocken beladene
LKWs als auch kleine Transportfahrzeuge brummen mit dicken Abgaswolken auf
der Straße. Das Ruhrgebiet
der 50er Jahre. Das Zentrum Datongs lassen wir hinter uns und durchqueren
ein eigenartig geformtes Lehmgebirge. Wir nutzen die Möglichkeit einen
Einblick in die Lebensverhältnisse der Landbevölkerung zu nehmen.
Wie an die Felswand geklebt
erheben sich auf Stelzen gebaut die „Hängenden Klöster“ am
Hengshan-Berg. Auf steilen, schmalen Treppen steigen wir hinauf und winden
uns auf engen Stiegen durch die winzigen Hallen und Schreine an der überhängenden
Wand, des im Jahre 1400 erbauten Klosters. Es fehlen nur die Mönche, um
diese einmalige buddhistische Stätte mit Leben zu erfüllen.
Auf dem Rückweg halten wir in
einem Dorf zum Mittagessen. Überall wohin man blickt: Kohle, Kohle,
Kohle. Kurz darauf machen wir Station in Yingxian. Chinas höchste und älteste
Holzpagode steht inmitten einer gepflegten Gartenanlage mit vielen
bunten Blumen und wurde während der Liao-Dynastie erbaut . Das Umfeld
erinnert mich irgendwie an das buddhistische Zentrum in Bodnath. Die 7-stöckige
und 67 m hohe Pagode entpuppt sich als buddhistische Stupa. In der
obersten Etage blicken 4 steinerne Buddhafiguren in die 4
Himmelsrichtungen. 
Am
Abend folgt unser Erlebnis „Menükarte“. Wie die Tage zuvor, suchen
wir ein Restaurant außerhalb des Hotels auf. Die dicke, vielseitige
Speisekarte gibt nur Informationen in chinesischen Schriftzeichen. Da uns
hier niemand versteht, könnten die Abbildungen der Menüs helfen. Doch
beim Studium der Bilder bin ich chancenlos. Die gute Bedienung nimmt mir
die Karte immer wieder weg, blättert um und zeigt auf irgend etwas. Ich
schaffe es beim besten Willen nicht, Ihr beizubringen, dass ich die
angebotenen Speisen ein paar Minuten durchsehen möchte und sie in der
Zwischenzeit schon einmal die Getränke
besorgen möchte. Alle meine Bemühungen bleiben erfolglos, so dass
wir nach einer guten viertel Stunde das Restaurant verlassen.
Der Appetit ist uns erst einmal vergangen. Bei der weiteren Suche
„Jetzt brauchen wir erst einmal ein Bier“, läuft uns der 1. Hund, ein
Pekinese über den Weg. Jetzt erst fällt uns auf, dass wir bislang weder
Hund noch Katzen auf den Straßen in China gesehen haben. Der Grund: Die
Haltung von Haustiere ist in Mietwohnungen untersagt. Also keine Sorge,
Hunde wurden hier nicht zu schmackhaften Menüs verarbeitet. Leckerbissen
dieser Art sind nur in wenigen Regionen Chinas üblich. |
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7.
Tag - 14.09.02
„Nur
am Packen bin ich hier, ich will nicht weg. ... und dann noch 19 Stunden
mit dem Zug nach Xi’an fahren. Wo bleibt da der Urlaub?“ Dies ist der
„gute Morgengruß“ meiner lieben Dorlis. Bevor es jedoch so weit ist,
begeben wir uns zu den Buddha-Grotten. Diese gewaltige 1500 Jahre alte
Anlage erstreckt sich über einen km in einer Sandstein-Felswand, direkt
gegenüber einer Zechenanlage. Gegensätze, dort die hohen Fördertürme
und Schlote, hier in der größten Höhle der aus dem Fels gemeißelte 16
m hohe Buddha. Die Figur und die Höhlenwände sind reich mit Reliefen
verziert, welche die Lebensgeschichte Buddhas erzählen. Über 40 Grotten
befinden sich in der langen Felswand. Mit dem Bau der kleineren Grotten
hatten die Mönche vor Jahrhunderten zunächst dieses Handwerk erlernt,
bis man dieses Buddha-Monument in 60-jähriger Bauzeit erstellen konnte.
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 Bis zur Abfahrt nach Xi’an genießen
wir die Freizeit in der City Datongs. Herr Li hat sich bereits
verabschiedet und nun betreut uns Bellinda. Ein ausgiebiger Bummel führt
uns durch die moderne Geschäftsstraße mit Supermärkten, international
bekannten Boutiquen, Restaurants und Kaufhäusern. Emsige Mädchen halten
mit großen Fegern die blanken Steinböden der Kaufhäuser auf Hochglanz,
während streng aussehende, uniformierte Pförtner die Ein- und Ausgänge
bewachen. Auf der Straße bereits eine Mischung aus Promenade und Basar. Händler
und Handwerker an jeder Ecke und alle paar Meter eine 1-Mann
Fahrrad-Reparaturwerkstatt. Blickt
man in die Seitenstraßen, so zeigt sich hier die alte Welt Chinas.
Bellinda hat uns bis ins
reservierte Zugabteil begleitet und für unsere Schlafplätze gesorgt. Pünktlich
um 17:30 Uhr verlässt der „Nostalgiezug“ ratternd und quietschend den
Bahnhof. Das Baujahr ist schwer zu schätzen. Ich würde auf 1950 tippen.
Tatong tata, tatong tata, quietsch, quietsch und rumpel, rumpel beim
Queren der Weichen ist die ständige Begleitmusik während unserer 19-stündigen
Fahrt. Dazu gesellt sich das ruckartige Abbremsen und Anfahren des Zuges.
Im Abteil kommuniziert Dorlis
bereits nach ein paar Minuten mit einem netten Chinesen. Mangels
Sprachkenntnissen helfen Reiseführer, Bilder und Landkarten. Kurzweilig
vergehen die Stunden bis zum Sonnenuntergang, die wir überwiegend am
offenen Fenster verbringen. Dörfer,
Sonnenblumen- und Maisfelder, Zechen, Kraftwerke mit schwarz
qualmenden Schloten ziehen vorbei. Die Sonne versinkt im dunklem Dunst.
Wir verpflegen uns vom eigenem mitgebrachtem
Proviant besser als im überfülltem Speisewagen. Zur „guten
Nacht“ gönnen wir uns noch ein Bier aus der Flasche. Das Quietschen und
Rumpeln des Zuges nehmen wir kaum noch wahr, als wir uns in die Softbetten
zur Ruh begeben. |
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8.
Tag – 15.09.02
Morgens um 8 Uhr überqueren
wir den größten Strom Chinas, den „Gelben Fluß“. Gelber Sand aus
der Wüste Gobi hat das Flußbett zugeschwemmt. Da zudem noch viele
Quellen und Zuläufe in der tibetischen Hochebene versiegt sind, schlängelt
sich nur noch flaches Wasser durch die Sandbänke.
Gut eine halbe Stunde eher als
geplant läuft der Zug in Xi’an ein, mit 3 Mio. Einwohnern das Zentrum
der Provinz Shaanxi. Mit den Reisenden treiben wir auf den
Bahnhofsvorplatz hinaus. Ein Schilderwald, aber alle mit chinesischen
Schriftzeichen, heißt uns willkommen. Augen sucht, doch nichts ist
lesbar. Da stehen wir nun ganz allein herum, während der Menschenstrom
bereits versiegt ist. Ruhe bewahren und schon spricht mich eine nette
junge Dame an: „Sind Sie aus Deutschland? Entschuldigung, dass ich zu spät
komme ... .“ Erika, so lautet ihr „europäischer“ Name hat uns
gefunden. Sie ist studiert Germanistik.
„Herzlichen Glückwunsch
zu Ihrem 30. Hochzeitstag“. Dorlis ist vollkommen überrascht. Woher weiß
Erika das? Ganz einfach, ich habe so einiges organisiert. Im Zimmer
unseres Hotels liegt wie vereinbart auf Dorlis Bett
mein hübsch verpacktes Geschenk. Die
erste Überraschung ist gelungen und der Jade-Armreifen war die
richtige Wahl. Die zweite
folgt am Abend. Ein Tisch ist in einem Spezialitätenrestaurant für uns
reserviert, welches wir nach einem ausgiebigen Bummel aufsuchen. Wir
lassen uns so richtig verwöhnen. Köstliche Maultaschen in den
verschiedensten Formen, Geschmacksrichtungen und Variationen genießen wir
in freundlicher Atmosphäre. So gut haben wir schon lange nicht mehr
gespeist.
Das Restaurant hat sich mit immer
mehr mit meist deutschen Reisegruppen gefüllt. Sitzt dort gegenüber
nicht ein bekanntes Gesicht? Nur die Frisur irritiert mich etwas. Und wie
der Zufall es will, es ist tatsächlich meine Arbeitskollegin Frau Kauker.
Vor 10 Tagen hatten wir noch miteinander telefoniert und über unsere
geplanten Chinareisen gesprochen. Trotz unterschiedlicher Reiseprogramme
hier ein wahrlich unerwartetes Zusammentreffen. Ein Tag voller Überraschungen
geht zu Ende. |
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9.
Tag – 16.09.02
Wie schon in Datong reisen wir im
klimatisiertem VW Santana bequem zur Ausgrabungsstätte der Terra Kotta
Armee. Erika informiert uns ausführlich über den zufälligen Fund vor 25
Jahren und dessen Geschichte. Aus panischer Todesangst erbaute der 1.
Kaiser Chinas Ying Zheng im Jahre 221 v. Chr. diese gewaltige Grabanlage,
zu der mehr als 700.000 Arbeiter beschäftigt wurden. 8000 überlebensgroße
aus Ton gebrannte Krieger und Wagengespanne bewachen die kaiserliche
Ruhestädte, um diese vor bösen Mächten des Jenseits zu schützen. Unabhängig
von den zahlreichen Touristengruppen, die ihren fähnchenschwingenden Führern
folgen, lassen uns ausgiebig Zeit, das 8. Weltwunder zu bestaunen.
Fotografieren ist inzwischen erlaubt, doch mit meinem schwachen Blitzlicht
gelingen keine zufriedenstellenden Aufnahmen.
Die Rückfahrt führt uns in ein
Teehaus. Dort lassen wir uns in die chinesische Teekunde einweisen.
Verschiedene Sorten Tee und ein zierliches Teeservice haben unser Gepäck
mit Erinnerungen ergänzt, als wir
nachmittags wieder im Hotel eintreffen.
Nun ist Freizeit angesagt. Erika hat uns mit Informationen über weitere
Sehenswürdigkeiten in chinesischer Schrift versorgt. So sind wir für den
morgigen Besuch der Altstadt von Xi’an gut vorbereitet.
Der weitere Tag vergeht wie im Fluge. Bummeln, schauen, staunen bis
wir zum Abendessen in einer Imbißbude stranden. Die Auswahl ist einfach.
Man sieht ja alles und hat Finger zum Zeigen. Um auch noch eine Schale
Reis zu den gegrillten, kräftig gewürzten Fleischspießen zu bekommen,
geht man mit der Bedienung einfach in die Küche |
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10
Tag – 10.09.02
Wir starten am gewaltigem,
mittelalterlichem Südtor, der die gesamte Innenstadt umschließenden, 12
km langen Stadtmauer des 14. Jahrhunderts. Schwitz, ein warmer, recht schwüler
Tag. Die Sonne vermag es nicht, Dunst und Wolkenschleier zu durchbrechen.
Moderne und Altertum treffen hier geballt aufeinander. Xi’an, einst
Metropole des chinesischen Reiches und Ausgangspunkt der Seidenstraße
nach Europa ist gefüllt mit Geschäftsstraßen und Hochhäusern, gewürzt
mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie der Glocken- und Trommelturm,
sowie die lange, lebhafte und bunte Basarstraße gleich hinter dem Südtor,
die zum Gucken, Feilschen und Einkaufen verführt.
 Nach einem großen
Erfrischungstee, serviert im Bierglas begeben wir uns entlang der
Hauptstraße zum Glockenturm. Da sich zur Mittagszeit der Appetit meldet,
kehren wir ein. Wo? Bei McDonalds! Ich muss nach China reisen, um erstmals
in meinem Leben einen Big Mac mit Pommes und Cola genießen zu können. Es
beginnt bereits zu dämmern, als wir voll beladen mit Souvenirs den Rückweg
im Taxi zum Hotel antreten. Beim
dichten Verkehr in den Großstädten Chinas, haben wir es immer geschafft
die Straßen lebend zu überqueren. Augen zu und durch, lautet die
einfache Devise oder gehe mit oder in einer Gruppe Chinesen als
Schutzschild. Trotz Ampeln ist die Verkehrsregelung für uns schon etwas
verwirrend. Nur nicht erschrecken, ruhig weiter gehen, auch wenn einmal
ein Fahrzeug in die Gegenrichtung einbiegt, um sich irgendwie auf die
richtige Fahrbahn einzudrängeln.
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11.
Tag – 18.09.02
Tibet, das andere China, eine
andere Welt und Kultur.
In
Lhasa trifft uns in 3.600 m Höhe direkt nach Verlassen des Flugzeuges der
Hitzschlag und Höhenschock. Nach einer kurzen Zwischenlandung in Xinin
(regnerisch und kalt) sind wir nach 4 Stunden pünktlich gelandet. Die
Inlandabfertigung verläuft zügig und ohne jegliche Formalitäten. Unser
Guide Danny erwartet uns bereits. Vom Flughafen Gonggar verläuft die
Fahrt über eine Stunde entlang des größten Flusses Tibets, dem Yarlung
Zangbo. Beeindruckend ist die
Landschaft mit ihren kargen braunen Bergen und dem grünen Tälern. Bäume
und Felder haben bereits goldgelbe Herbstfarben angenommen.
Wieder sind wir im Herzen Lhasas
in Barkhor untergebracht. Unser Hotel liegt nur einen Straßenzug vom
letztjährigem entfernt. Nach einem kurzen Spaziergang fallen wir am Abend
todmüde ins Bett. Die fehlende Akklimatisierung macht sich bemerkbar. Ich
versuche in einem Internet-Cafe noch ein paar Emails zu verschicken. Doch
mangels „hotmail“ ohne Erfolg |
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12.
Tag – 19.09.02
Der im 7. Jahrhundert vom Tubo-König
Songsan Gampo erbaute und im 17. Jahrhundert von den
Dalai Lamas übernommene und erweiterte Potala Palast ist am
Vormittag unser Ziel. Dieses Mal möchten wir nicht hinein und durch 14 Räume
der Dalai Lamas steigen, sondern das Umfeld erkunden. So umrunden wir den
Palast gegen den Urzeigersinn. Gläubige Tibeter würden dies niemals tun.
Unzählige fromme Buddhisten, Gebetmühlen drehend, ihre Mantras murmelnd
strömen uns zwischen den in der Mauer eingelassenen Gebetsmühlen und auf
der Gegenseite stehenden Verkaufsständen, wo Waren aller Art feil geboten
werden, entgegen. Auf der Rückseite des Palastes entdecken wir eine
Gartenanlage mit See und Stupa. Die Brücke über den See ist voll mit
bunten im Wind wehenden Gebetsfahnen geschmückt.
Wieder zurück auf dem großen
Platz vor dem Potala Palast gönnen wir uns erst einmal eine
Verschnaufpause und lassen uns mit der Rikscha zum Hotel zurück fahren.
Ein Restaurant mit Terrasse im 1. Stock hatten wir bereits gestern
ausgekundschaftet. Die internationale Speisekarte verspricht
tibetische, nepalesische, chinesische, indische
.... Küche. Uns reicht ein normales Sandwich.
Anruf bei Danny, um mit ihm
unseren morgigen Ausflug zum Kloster Ganden zu besprechen und um Unterstützung
beim Versenden einiger Emails zu bitten. Ein paar Minuten später holt er
mich ab und führt mich durch ein paar Gassen in seine im tibetischen
Stiel eingerichtete Wohnung. Der PC befindet sich im Schlafzimmer und
schnell wird die notwendige Korrespondenz erledigt. Wäre ich doch dann
bloß auf sein Angebot, mich mit dem Motorrad zum Hotel zurück zu
bringen, eingegangen. Die Folge, ich verlaufe mich prompt im Gewirr der
Gassen. Die Orientierung verliere ich vollständig, als ich wieder auf
eine Hauptstraße gelange und schließlich an einer Kreuzung stehe. Alles
sieht so gleich aus. Welche Richtung muss ich nehmen? Dummerweise ist die
Karte vom Hotel bei Dorlis prima aufgehoben. Die Sonne knallt vom
Firmament. Es ist heiß als ich den Potala Palast in der Ferne entdecke.
Also zurück zum bekannten Punkt und von
dort neu orientieren. So dauert es mehr als eine Stunde, bis ich
endlich schweißgebadet wieder im Hotel bin, wo Dorlis schon beunruhigt
auf mich wartet.
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 Wir starten zum Jokhang-Tempel
inmitten der Altstadt. Auf dem Platz vor dem Tempel stellen wir den
weiteren Rundgang wegen der großen Hitze erst einmal zurück und flüchten
auf eine Dachterrasse unter einen Sonnenschirm. Bei Tee und Wasser genießen
wir den Rundblick über die Altstadt bis hinüber zum Potala und zu den
umliegenden Bergen.
Es ist bereits später Nachmittag,
als wir unseren Streifzug durch Barkhor fortsetzen. Ein lebhaftes buntes
Treiben zwischen den Basarständen, wo es wahrlich alles zu kaufen gibt.
Dazwischen drängen sich buddhistische Pilger und Mönche, die ihre Einkäufe
erledigen.Vor dem Eingang des Jokhang-Tempel
verrichten Tibeter ihr Gebet. Fallen auf die Knie, strecken sich aus und
erheben sich wieder. Eine gelungene Kombination aus Gebet und gleichzeitig
Gymnastik.
Bis zum Sonnenuntergang verweilen
wir hier bis die Verkaufsstände abgebaut werden. Da China keine Zeitzonen
kennt, sind die Abende im Vergleich zu Peking bereits um ca. 2 ½ Stunden
länger. |
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13.
Tag – 20.09.02
Noch ein Höhensprung auf 4.300 m
zum Kloster Ganden, erbaut von den Gelbmützen im Jahre 1409. Beim
Rundgang durch die Klosteranlage geht uns teilweise die Luft aus,
keuch, langsam, langsam. Gelbmützen-Mönche treffen wir jedoch
nicht an. Dafür aber später in Lhasa: Kinder, die auf dem Heimweg von
der Schule sind.
 Die Fahrt hin- und zurück entschädigt
für die sehr dünne Luft dort oben. Unterwegs halten wir des öfteren an,
um die herbstliche Natur mit bereits sich verfärbenden goldgelben Laub
vor dem Hintergrund der kargen Berge zu bewundern. Die Bauern sind fleißig
bei der letzten Ernte dieses Jahres. Der Rest des Tages wird vertrödelt.
Lassen uns einfach durch Barkhor treiben. Morgen früh um 6:30 Uhr müssen
wir zum Flughafen, um nach Kathmandu zu fliegen.
Auf Wiedersehen China, Peking,
Datong, Xi’an und Lhasa. Viele der Eindrücke und Erlebnisse werden wir
wohl erst zu Hause verarbeiten können.
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... und dies war sicher nicht
unsere letzte Reise in das „Reich der Mitte“.
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