Kulturen im Himalaya

 

Nachtrag und Neues

 

Nepal: Chitwan Hills

Bhutan: Land des Donnerdrachen

 

Reisebericht 08.02.07 - 02.03.07

 

Vorwort

 

In meinen letzten Reiseberichten, habe ich auf eine Einleitung verzichtet. Ich hielt es für überflüssig. Doch zu dieser Reise bedarf es vielleicht einiger Anmerkungen bzw. Hinweisen. Ursprünglich war diese Reise nur nach Nepal geplant. Kurzfristig ergab sich dann die Möglichkeit, an der ausgeschriebenen Reise unseres Partner LAYA TOURS & TREKS teilzunehmen. 

 

Somit konnte ich in Nepal mit meiner HIMATREK-Familie den Homestay Trail „Chitwan Hills“ in Ergänzung zur Tour im Oktober 2006 ins Annapurna zu den Gurung testen. Anschließend ging es dann gen Osten in das mystische Königreich Bhutan, um gemeinsam mit Beate und Dorji tief in das Land des Donnerdrachen bis nach Bumthang vorzudringen.

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Juni 2007

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1. Tag - 08./09.2.2007

 

... aber zuerst einige kalte Duschen. Nachdem mein reservierter Platz  an Bord der QATAR patsch nass war und ich mir fast einen feuchten Hintern geholt hatte, bekomme ich von der Stewardess einen trockenen Sitz in der letzten Reihe, wie gewünscht am Gang, zugewiesen. Jetzt ergießt sich ein Glas kaltes Wasser in meinen Nacken. Man entschuldigt sich und mit einigen Tüchern werde ich getrocknet und darf mein Wunschgericht vorab ordern. Alles halb so schlimm, denn in der vollen Maschine ist mein Platz einer der wenigen, dessen Fenstersitz frei bleibt. Nici, das Krokodil, ein Geschenk von meiner Tochter Tanja, die Mitte März meinen Enkel Nick erwartet, habe ich mit auf diese Reise genommen. Neugierig schaut er aus der Brusttasche meines Hemdes. Draußen regnet es in Strömen und nach dem Stress der letzten Wochen ist es die richtige Zeit in das Land der Yeti, dem Himalaya, zu flüchten.

 

Es dämmert bereits als wir in Doha aufsetzen. Die Wartezeit bis zum Weiterflug nach Kathmandu verschlafe ich weitestgehend bei Musik aus meinem MP3-Player in der nun endlich fertig gestellten Wartehalle. Um 8:15 geht’s es an Board des A300, der bis zum letzten Platz ausgebucht ist. Obwohl noch keine Saison ist, sind die Gepäckfächer bis zum Bersten gefüllt. Die meisten Passagiere sind Nepali, die in den Emiraten arbeiten. Ich bin froh nur ein kleines Handgepäck dabei zu haben, da QATAR für Trekker, die nach Kathmandu fliegen, 30 kg Freigepäck erlaubt.

 

Als auch ich an der Reihe bin, mit Speis und Trank versorgt zu werden, geraten wir in heftige Turbulenzen. Ich muss mich weiter gedulden. Schließlich scheint auch das servierte Essen durchgerüttelt worden zu sein. Halb Frühstück mit Butter und Marmelade, aber ohne Brot. Stattdessen ein undefinierbares heißes arabisches Etwas. Nur keine Panik. Heute Abend schlemmen wir wie immer im City Heaven in Kathmandu. Wie gedacht, so auch getan: Gemeinsam mit Govinda meinem Freund und Partner, seinem Sohn Surja und Govinda 2 lassen wir uns am Abend unsere beliebten nepalischen Snacks schmecken. Prasanta ist leider nicht mit dabei. Nach dem tragischen Verkehrsunfall und dem Tod seiner Frau muss er noch ein paar Wochen mit gebrochenem Schien- und Wadenbein sowie Knöcheln das Bett hüten. Er ist im Gästezimmer unseres Büros untergebracht, somit nicht allein und wird jederzeit von einem der im Büro Anwesenden betreut.

 

2. Tag - 10.2.2007

 

Ich habe herrlich geschlafen. Zur rechten Zeit gegen 7 Uhr wache ich auf. Zum Frühstück gelingt es mir hier im Hotel Durbar nur ein gekochtes Ei zu bestellen. Üblicherweise erhält man in Nepal grundsätzlich 2 Eier, wenn man eins bestellt hat. Draußen ist es noch frisch. Eine dünne Jacke reicht aber für den etwa 20-minütigen Fußmarsch zum Büro. Govinda empfängt mich im schicken Anzug mit Krawatte. Er ist zur Hochzeitsfeier eingeladen und hat heute, na was wohl? Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch, vergesse ich doch immer Geburtstage, wie auch all die eigenen Hochzeitstage. Wir stürzen uns in die Vorbereitung der morgigen Testtour durch die Chitwan Hills bis wir zum Lunch in den Delima Garden aufbrechen. Von dort zurück, empfangen uns Prasanta und Surja im königsblauen Schalke 04 Trikot, mein diesjähriges Gastgeschenk an meine nepalischen Söhne und Enkelsohn.

 

Den Nachmittag trödle ich allein durch Thamel und stelle fest, dass gegenüber meinem Besuch im Herbst 2006 einige bauliche Fortschritte stattgefunden haben. So sind inzwischen die Straße und die Bürgersteige,  die entlang des Königpalastes von Touristenzentrum Thamel zum Durbar Hotel führen, fertig gestellt.

 

3. Tag - 11.2.2007

 

Nach 2 1/2-stündiger Fahrt mit dem Taxi unseres Freundes Shayam erreichen wir Hagdi Bazar (309 m), dem Ausgangpunkt zum Chitwan Hill Homestay Trail. Eine neue Route, auf der wir wie im Herbst beim getesteten Gurung Trek im Annapurna bei Einheimischen übernachten werden. Mit dabei ist Govinda 2, der ein paar Tage Zeit hat. Ursprünglich war es geplant, diese Tour mit all unseren Guides durchzuführen. Doch einerseits braucht Prasanta Unterstützung in Kathmandu, andererseits sind z.B. Rudra und Dav in Pokhara zur Hochzeitfeier eingeladen. Der Februar ist in Nepal einer der beliebtesten Monate zur Heirat.

 

Es beginnt zu regnen. Govinda 2 besorgt „Nepali Gore Tex“ (bei uns daheim die blauen Abfallbeutel). Es ist bereits 13:30 Uhr, da wir heute morgen erst die Tickets im Büro der Druk Air für die Flüge nach Bhutan abholen mussten. Govinda 2 und ich treten den steilen Aufstieg an.  Govinda kümmert sich noch um die Beschaffung von Proviant. Zum Glück endet der Regen nach etwa einer Stunde.

 

Schwitzend hat uns Govinda eingeholt und entledigt sich seiner Regenjacke. Mit einem lauten „Schalkeeeee“ präsentiert er stolz sein Trikot. Der dazu passende Schal fehlt selbstverständlich auch nicht. Ich bin übrigens zum Banana Man degradiert worden und schleppe ein paar Kilo Bananen mit mir im Rucksack, die kleinen schmackhaften Gelben, die wir auf der Hinfahrt am Wegesrand kauften. Weiterhin umhüllen uns dichte, klamme  Wolkenschleier. Wir lassen uns die gute Laune nicht verderben und reden die unsichtbaren Gipfel des Himalaya sichtbar. Während der Visite einer Dorfschule (4 Lehrerinnen unterrichten hier 120 Kinder) treffen wir nur 3 Lehrkräfte an. Die Kinder haben heute regenfrei. Da es zu kalt ist und den Kindern genügend warme Sachen zum Anziehen fehlen, bleibt an solchen Tagen die Schule geschlossen.

 

Aufgrund der dicken Wolkendecke wird es bereits am Nachmittag dämmerig. Bis nach Hatibang liegen noch mindestens 2 Stunden Fußmarsch vor uns, so dass wir beschließen, in Jarapuri zu übernachten.  Mein Zimmer liegt direkt hinter dem kleinen Dorfladen und hat einen separaten Ausgang zum Toilettenhäuschen. Beide Govindas werden im Haupthaus über der Küche ihr Lager aufschlagen. Nach einem aufwärmenden nepalischen Milchtee beginnt die junge Mutter des Hauses auf der Feuerstelle, die sich draußen auf der Veranda des Hauses befindet, mit der Vorbereitung des Abendessens. Das mehrgängige Menü startet mit Pellkartoffeln, die wie üblich mit Salz und Chilly gewürzt werden. Danach folgt das Nationalgericht der Nepali: Dhaal Bhaat (Reis und Linsen) mit allen nur erdenklichen Beilagen.

 

Ach ja, da war heute morgen noch etwas. Schalke hat 2:0 gegen Herta BSC gewonnen und bleibt somit Spitzenreiter der Bundesliga.

 

4. Tag - 12.2.2007

 

Vielleicht werden Träume wahr. Gerald Asamoah erzielt bei seiner Einwechslung im Spiel gegen Nürnberg (32. Spieltag) den Siegestreffer und Schalke ist „Deutscher Meister“. Good morning Papa. Der Traum ist zu Ende (und wird ein Traum bleiben). Die Sonne scheint und endlich sind sie sichtbar: Annapurna 2, Manaslu und Ganesh Himal. Zum Frühstück wird knuspriges, frisch gebratenes Maisbrot mit Honig gereicht. Dazu noch ein Frühstücksei mit dessen Nestwärme man fast das Wasser hätte zum Kochen bringen können. Wir brechen nach Hatibang (1.410 m) auf. Während der 2-stündigigen Wanderung erleben wir ein Wechselbad aus Bewölkung und Temperatur. Mal ist es heiß und dann gleich wieder kühl, wenn die Sonne von den Nebelschwaden verdeckt wird.

 

Zur Teatime am Morgen ziehen wir in das Haus „Homestay No. 1“ ein. Die 1 ist nur die Durchnummerierung der einzelnen Privatunterkünfte und sagt nichts über die Qualität aus. Mit unserem Hauswirt und dem Bürgermeister, seinem Nachbarn, starten wir zu einer ausgiebigen Besichtigungstour durch die weitläufige Gemeinde der hier im Mittelgebirge lebenden Chepangs. Die einzelnen Häuser liegen weit verstreut zwischen Äckern und Gärten. Hatibang heißt übrigens Elefantenstein (Hati = Elenfant, Bang = Stein). Diese riesigen, klobigen Granitbrocken entdecken wir unweit des Dorfzentrums. Hier befindet sich die Schule für etwa 320 Kinder mit 10 Lehrkräften. Daneben steht die Krankenstation, bestehend aus Arztzimmer, Behandlungsraum und einem Krankenzimmer. Mit den Einwohnern diskutieren wir über notwendige Hilfsprojekte und touristische Verbessungsmaßnahmen. So fehlen für die Erstklässler passende Schulbänke. Die Kinder hocken während des Unterrichts auf dem Boden. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass den Leuten hier eine kleine Portion Eigeninitiative fehlt. Kann man die Bänke nicht selbst zimmern, statt auf Spenden zu warten, um diese dann teuer zu kaufen?  Bis zum Nachmittag führt uns der Bürgermeister durch sein Dorf. Neben den Bauern, die die kargen, kleinen und oft steinigen Felder mühselig bestellen, treffen wir auch einige Handwerker. Wir besuchen den Schneider, den Imker, den Seilmacher und natürlich auch die lokalen Schnapsbrennereien. Anregungen zur notwendigen Abfallentsorgung und -vermeidung versuchen wir zu übermitteln.  Insgesamt liegt hier doch noch einiges, im Vergleich zum letzt jährigen Homestay-Trek im Annapurna, im Argen. So fehlt in unserem Zimmer ein Fenster und die Betten sind spartanisch. Auf Brettern ist nur eine dünne Decke aufgezogen. Um den Tourismus voran zu bringen, damit die recht arme Bevölkerung etwas zusätzliches Geld verdienen kann, gibt es hier noch vieles zu tun.

 

 

Am Abend freut sich die Gemeinde auf die Abwechslung, uns eine folkloristische Darbietung geben zu können. Obwohl es nach Einbruch der Dunkelheit recht kühl wird, nutzt man diese Gelegenheit des Beisammenseins bis in die Nacht hinein.

 

5. Tag - 13.2.2007

 

Um 4 Uhr in der Frühe weckt uns Govinda. Ein klarer Sternenhimmel wölbt sich über uns. Es lohnt die harten Bretterbetten zu verlassen und zum Sonnenaufgang nach Siraichuli (1.946 m) aufzubrechen. Unser Gastwirt reicht uns einen dampfenden „Good Morning“-Tee, der die letzten Spuren der Müdigkeit vertreibt. Im Schein von Taschen- und Stirnlampen ist konzentriertes Gehen angesagt. Mit Verlassen Hatibangs wird der Pfad schmaler und steiler. Govinda 2 hat die Führung übernommen und erkundet so gut wie möglich den nicht immer sichtbaren Verlauf. Obwohl beide Govindas diesen Weg schon einmal gegangen sind, verlaufen wie uns 2 mal. Der Horizont im Osten färbt sich bereits blutrot, als wir uns abseits des Weges durch niedriges Gehölz des dichten Waldes aufwärts kämpfen. Dann ist plötzlich der Bergsattel erreicht. Nach ein paar Metern stehen wir auf dem höchsten Punkt. Der gewaltige Kamm des Himalayas erleuchtet zartrot von den ersten Strahlen der gerade aufgegangenen Sonne. In diese Richtung geht es hinauf in die eisige Welt der Achttausender. Drehen wir uns um, so blicken wir tief hinunter in das Terai, dem nur 50 m hoch gelegenem Grenzland zu Indien, welches noch unter einer dicken Wolkendecke schlummert.

 

 

Verabredungsgemäß hat unser Wirt aus Hatibang am nahe gelegenem Shiva-Tempel das Frühstück für uns zubereitet. Wie er dies pünktlich mit Helfer geschafft hat, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben. Wir erfreuen uns am heißem Tee, Hirsebrot und Kartoffelsalat mit Ei. Hirsebrot, knusprig, schwarz, rund und platt wie ein kleiner Kuhfladen aussehend, schmeckt mit Honig hervorragend.

 

Abseits jeglicher Zivilisation wandern wir auf dem Bergrücken nach Chisapanitar (1.695 m) der nächsten Siedlung. Vorsorglich begleitet uns nun der vom Wirt mitgebrachte Helfer, der diesen Weg bestens kennt. Bis zu Mittag befinden wir uns auf einem einmaligen Panoramaweg. Je nach Standpunkt, mal südlich, mal nördlich des Bergsattels, haben wir eine phantastische Sicht auf die asiatische Kontinentalplatte mit dem sich auftürmenden Himalaya oder tief hinunter auf die vor Millionen Jahren von Afrika abgedriftete indische Platte auf deren Knautschzone wir uns gerade befinden. Zu Mittag ziehen vom Süden her Wolken auf, die uns schon bald die herrliche Sicht nehmen. Steil und steinig führt schließlich der Weg hinunter nach Upgardang Ghadi (1.275 m). Ein mühsamer, kräftezehrender Pfad, mit lockerem Geröll, den wir „Rolling Stones“ taufen.

 

Grau in grau erscheinen Himmel und Landschaft als wir die Ansammlung einiger Bauernhöfe erreichen über denen ein 300 Jahre altes Fort thront. So trist wie das Wetter inzwischen ist, ist auch die uns angebotene Unterkunft: Ein zusammen gezimmerter Taubenschlag. Zum Nachtlager führt  ein mit Kerben versehender Baumstamm hinauf, wo wir es uns auf ein paar Decken bequem machen  könnten. Durch die Ritzen im Boden und den Wänden pfeift der Wind des heran nahenden Unwetters. Dieses, der bei Dunkelheit lebensgefährliche Zugang zum Nachtlager und die dürftige gebotene Rara-Suppe (Fertigsuppe) erleichtern uns die Entscheidung, noch heute nach Shaktikhor (335 m) abzusteigen. Govinda versucht dem Besitzer auf freundliche Art zu erläutern, was dringend zu verbessern wäre, um ein Minimum Qualität und Sicherheit für Touristen zu schaffen. Seine Worte scheinen auf taube Ohren zu stoßen. Seitens des NTB besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung. Werbung allein reicht nicht und die bereit gestellten Gelder scheinen irgendwo versandet zu sein. Govinda bestätigt mir dann auch, dass seit seinem Besuch vor 2 Jahren, als dieses touristische Projekt geboren wurde, sich nichts getan hat. Landschaftlich sind die Chitwan Hills reizvoll und kulturell interessant. Die touristische Infrastruktur weist hingegen gewaltige Mängel auf. Wir empfehlen, diese Tour derzeitig nur als Camping-Trek anzugehen.

 

Ein Gewaltmarsch steht bevor, den Nebel, Nieselregen und ein paar kräftige Schauer begleiten werden. Bevor wir die Fahrstraße nach Shaktikhor erreichen, wird von uns noch etwas Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad auf matschigem und rutschigem Grund eines Behelfsweges abverlangt. Der ursprüngliche Weg ist einem Bagger und einer Raupe zum Opfer gefallen, mit denen ein neuer Weg gebaut wird. Von hier sind es etwa eine Stunde bis zur Lodge, die wir unter ständigem Grollen des herannahenden Gewitter doch noch trockenen Fußes erreichen. Gerade eingekehrt öffnen sich die Himmelsschleusen.  Gut 15 Stunden waren wir heute unterwegs. Todmüde und mit schmerzenden Fußsohlen fallen wir in die Kojen und nehmen das draußen tobende Unwetter kaum wahr. Übrigens, unser Guide aus Hatibang hat diese ganze Tour in Badelatschen bewältigt.

 

6. Tag - 14.2.2007

 

Land unter! Nicht nur vor der Haustür, sondern auch im Zimmer haben sich einige Pfützen gebildet. Petrus und die Wettergötter gießen weiterhin mit vereinten Kräften. Ist der Monsun bereits ausgebrochen? Normalerweise ist der Februar einer der trockensten Monate in Nepal. Kurz nach 9 Uhr besteigen wir den lokalen Bus, der uns bis kurz vor Sauraha im Chitwan Nationalpark bringen wird. Hier werden wir von Mitarbeitern des „Tiger Camp“ abgeholt. Dieses Ressort liegt direkt am Ufer des Rapti, wo zur Mittagszeit die Elefantenführer ihre Tiere zum Baden bringen.  Zu dieser Zeit endet schlagartig auch der Dauerregen. Kurz darauf reißt die Wolkendecke auf und wir genießen die wärmenden Sonnenstrahlen.

 

Ist man in Chitwan, so ist es die Pflicht eines jeden Besuchers, die Elefanten-Zuchtstation zu besuchen. Die meist im Herbst geborenen Babys (siehe meine Reiseberichte aus den Jahren 2003 und 2005), sind nun schon Kleinkinder. Das Jüngste ist 3 Monate alt und sucht noch Schutz bei Mama. Die größeren trollen munter herum und erwarten von uns die mitgebrachten Kekse.  Im nachmittäglichem Sonnenschein unternehmen wir einen kleinen Rundgang durch sattgrüne Wiesen und dichtes Elefantengras bis wir das Ufer eines kleinen Seitenarms des Rapti Rivers erreichen. Ein malerischer Sonnenuntergang steht bevor. Die fernen Gipfel des Himalaya zeichnen sich klar und deutlich am Horizont ab. Die untergehende Sonne färbt das gewaltige Panorama in wenigen Minuten  vom blassen rosa in dunkles rot. Wir müssen uns sputen, um noch vor Anbruch der Dunkelheit mit dem Boot den Flusslauf zu überqueren an dessen anderem Ufer unser Jeep steht.  Bis in die Nacht hinein genießen wir den lauen Abend am Strand unseres Quartiers.

7. Tag - 15.2.2007

 

Die Mitarbeiter des Tiger Camps haben ein neues Programm entwickelt. Eine halbtägige Jeep-Safari führt durch weite Teile des Nationalparks mit seiner recht vielseitigen Vegetation und Tierwelt. Nebelschwaden wabern noch entlang des Ufers, als wir gemeinsam mit einem weiteren Gast aus China, den Rapti im landestypischen Einbaum überqueren. Dort wartet bereits unser Fahrer im Geländewagen. Unser Guide und Govinda haben sich auf dem Dach der Fahrerkabine nieder gelassen, während ich die hintere Trittfläche über der Stoßstange bevorzuge. Es geht hinein in die Wildnis. Steppenlandschaft mit mannshohem Gras, tropischer Urwald, Lagunen und Wälder wechseln untereinander ab. Pfauen und Rotwild kreuzen unseren Weg. In den Lüften gleiten Störche und Adler. Gibbon-Affen blicken auf uns hinunter und schwingen von Ast zu Ast. Wir haben das Glück auch ein Nasshorn zu entdecken, welches nahe des Fahrweges grast. Im sumpfigen Lagunengebiet können wir die Krokodile kaum noch zählen. Mein Maskottchen Nici, welches auf der Fahrt immer mit dabei ist, kann nun seine Verwandten begrüßen.

 

Zurück zum Camp müssen wir wieder den Fluss überqueren. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes kann das Boot nicht am Ufer anlegen. So waten wir barfuss im seichten und warmen Wasser zur Flussmitte. Dort nimmt uns der Bootführer in seinen schwankenden Kahn auf und bringt uns die letzten Meter zum Strand hinüber, wo gerade einige Elefanten ihr Bad nehmen. Mit einem lokalen Kleinbus starten wir zur Rückfahrt nach Kathmandu, das wir gegen 19 Uhr erreichen.

 

8. Tag - 16.2.2007

 

Bis zum Nachmittag ist dieser Tag mit Büroarbeit verflossen. Gratulation an Govinda 2. Er ist letzte Nacht Vater eines Sohnes geworden, 6 Wochen zu früh und 2.000 g schwer. Mutter und Kind sind wohlauf. Die Namensgebung des Kindes wird in etwa 14 Tagen durch einen Astrologen und einen Priester erfolgen. Den hinduistischen Geboten folgend, wird sich die gesamte Familie, dazu zählen alle Anverwandten, wie bei Todesfällen, in den kommenden 10 Tagen zu Gebeten zurück ziehen und an keinem Fest aktiv teilnehmen.

 

Govinda begleitet mich heute nach Pashupatinath zum Shivarati, dem Fest zur Hochzeit von Shiva mit Pavati, hält sich aber streng an die o.g. Regel: Zuschauen erlaubt, feiern verboten. Tausende Hindus, viele aus Indien kommend, haben sich hier seit ein paar Tagen versammelt, um am heutigem Tag eines der höchsten Heiligtümer, den Shiva-Tempel, zu besuchen. Die Luft ist von Marihuana- und Haschgeruch geschwängert, denn an diesem hohen Feiertag sind Drogen legitimiert. Nicht nur die vielen hier meditierenden Saddhus (heilige indische Pilger) sondern auch einige Touristen machen von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch. Mit Einbruch der Dunkelheit werden unzählige Kerzen entzündet, die den Tempelbezirk in ein warmes, mystisches Licht tauchen.

 

9. Tag - 17.2.2007

 

Heute scheint endlich einmal die Sonne. Nach getaner Büroarbeit sitze ich nun auf der höchsten Dachterrasse Kathmandus und lasse mir ein Garlic-Steak schmecken. Heute Nachmittag müssen wir noch zum Flughafen um unsere Kundin Sylvia aus der Schweiz abzuholen, die mit mir am kommenden Montag nach Bhutan reisen wird.

 

10. Tag - 18.2.2007

 

Zum Losar-Fest, dem buddhistischen Neujahr, begibt man sich in das tibetische Zentrum von Kathmandu nach Bodnath mit seiner großen Stupa.  Rudra, Bruder Prasantas, der Sylvia heute morgen bereits durch Thamel, die Basarstraßen und zum Durbar Square geführte, begleitet uns hierher. Mit seiner Unterstützung nehmen wir das Erlebnis,  mit lokalen Buslinien nach Bodnath zu gelangen, wahr. Mit Pilgern und tibetischen Einheimischen umrunden wir die Stupa im Uhrzeigersinn drei mal, steigen hinauf zu den von der Spitze bis zur Basis mit bunten Gebetswimpeln geschmückten Halbkugel, die die Erde darstellt. Von hier oben blicken Buddhas Augen von einem viereckigen Kubus eindringlich in alle 4 Himmelsrichtungen. Die Spitze bildet ein Pyramidenaufbau aus 13 viereckigen Stufen, die in einem Spitzentürmchen enden und den Weg ins Nirwana symbolisieren. Bei sonnigem Wetter kehren wir in eines der umliegenden Restaurants mit Dachterrasse ein, um von hier oben den Ausblick über das gesamte Bauwerk zu genießen, welches mit der umlaufenden Mauer ein Mandala (kosmisches Diagramm) formt.

 

Die Stimme in meinem Rücken kommt mir irgendwie bekannt vor. Das bärtige Gesicht am Nebentisch lässt mich zweifeln. Ist es Andrees (www.nepal-dia.de) oder nicht? Er ist es. Vor ein paar Wochen hatten wir uns per Email ausgetauscht, dass wir uns möglicherweise hier treffen könnten.

 

Nach Sonnenuntergang begeben wir uns auf den Rückweg. Sylvia setzen wir im Hotel ab und ich schwinge mich mutig auf den Rücksitz von Rudras Moped. Durch den dichten abendlichen Verkehr erreichen wir ungeschoren das Büro. Nur hätte ich wenigstens einen Pullover überziehen sollen und hoffe, dass ich mir im kühlen Fahrtwind keine Erkältung zugezogen habe.

 

11. Tag - 19.2.2007

 

Nach knapp einer Stunde Flugzeit schwebt der kleine Airbus A319 auf Paro zu. Die Landeklappen und das Fahrwerk sind bereits ausgefahren, doch der Pilot muss die Maschine noch eine Weile durch die engen Täler manövrieren, bevor wir auf der kurzen Piste im längsten Tal Bhutans aufsetzen. Nach den üblichen Einreiseformalitäten nehmen uns Beate und Dorji von LAYA TOURS & TREKS, unserem HIMATREK-Partner, herzlichst in Empfang. Wir warten noch auf ein Ehepaar (Ingrid und Peter), die über den Veranstalter REISEFIEBER diese Reise „Auf den Spuren des Donnerdrachen“ gebucht haben. Bei strahlendem Sonnenschein und verschneiter Bergkulisse lohnt es sich, die Aufnahmen, die ich beim ersten Besuch Bhutans im Jahre 2005 geschossen hatte, zu wiederholen. Das Hotel, in welchem wir untergebracht werden, liegt am Berghang oberhalb Paros und bietet einen umfassenden Blick über das ganze Tal.

 

Der Nachmittag gilt dem Besuch eines alten landestypischen Bauernhauses, das einen der ältesten und schönsten Haustempel beherbergt. Der Haustempel, Bestandteil eines jeden Hauses in Bhutan, ist der wichtigste Raum und erstreckt sich meist über die ganze Etage. Von hier führt der Weg weiter zur sich am Ortsrand erhebenden Paro Dzong (Klosterfestung), die über eine urige schindelgedeckte Holzbrücke, welche über den brausenden Paro Chu führt, erreicht wird. Wir betreten die im Jahre 1646 eingeweihte, 1907 abgebrannte und nach alten Plänen wieder aufgebaute Festung von der Hangseite her. Über eine steile Treppe und durch ein gewaltiges Tor betreten wir den Innenhof. Wie üblich sind hier die örtliche Stadtverwaltung und das Kloster untergebracht. Beeindruckend sind die großartigen Schnitzereien am Turm der Dzong, die klassischen Gemälde. Z. B. der Mongole, der einen angeketteten Tiger spazieren führt und die 4 Freunde (Elefant, Affe, Hase und Vogel). Letztere erinnern stark an unsere Bremer Stadtmusikanten. Diese Gemälde, gleichsam Symbole, werden wir in den kommenden Tagen immer wieder vorfinden. Nicht zu vergessen die typischen tibetisch-buddhistischen Mandalas und Gemälde. Das Rad des Lebens stellt das buddhistische Glaubensbekenntnis dar. Die vier furchterregenden Wächter der Himmelsrichtungen, ehemalige Dämonen der alttibetischen Bönreligion, zieren die Zugänge zu fast jedem Kloster.

 

 

Heute am 3. Tag des buddhistischen Neujahr-Festes treffen wir einige Einheimische bei fröhlichem Tanz und Gesang an. Nichts läuft an diesem Tage ohne der Volksdroge Doma, ein Symbol für Geselligkeit. Hergestellt aus einem Stückchen Betel-Nuss und Kalkpaste, eingerollt in ein Blatt Betelpfeffer, steckt man sich dieses in den Mund und erfährt eine anregend-berauschende Wirkung.

 

12. Tag - 20.2.2007

 

Die Fahrt von Paro nach Timphu wird auf der schmalen Straße durch unzählige Baustellen behindert. Man rüstet zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Königreiches und der im kommenden Jahr geplanten offiziellen Krönung des jungen Königs. Zeitweise sind Straßenabschnitte nur in eine Richtung freigegeben. Bevor wir lange im Stau stehen, nutzen wir die Möglichkeit, einen kleinen Dzong am Wegesrand zu besichtigen. Der Paro Chu wird über eine schwankende Hängebrücke überquert und ein schmaler Pfad führt hinauf zum Eingang. Dieses Kloster ist unbewohnt und daher verschlossen. Trotzdem treffen wir einen Jungen, der seine Oma bedächtig zum Kloster hinauf führt. Von hier oben erkennen wir, dass sich der Verkehr langsam wieder in Bewegung setzt. Wir sputen hinunter. In Chhuzom angekommen, der Gabelung nach Indien, sind wir bereits zu spät. Die Durchfahrt nach Timphu ist für die nächsten 2 Stunden gesperrt.

 

Am Verkaufsstand decken wir uns mit ein paar Orangen und Knabbereien ein und fahren gen Süden zur Dobji Dzong, die bis vor kurzem noch als Gefängnis diente. Einsam gelegen, erhebt sich dieses Bauwerk auf einem Bergrücken, zu dessen Eingang ein schmaler Pfad führt. Vorbei an einer Manimauer mit wunderschönen alten Bildnissen, erreichen wir die Eingangspforte.  Ein junger, hier allein lebender Mönch, heißt uns willkommen. Im Innenraum des Tempels weist er uns in die hohe Kunst des Faltens von Geldnoten ein. Ähnlich wie wir eine Schwalbe falten, entsteht unter seiner Anleitung ein winziges Mandala. Hinüber geht es in den Turm der Festung, dem ehemaligen Gefängnis, mit seinen düsteren Räumen hinter dicken Mauern und schweren Türen.

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir Timphu. In einem Restaurant direkt neben der Kreuzung, auf welcher ein Polizist mit gekonnten Handzeichen den Verkehr regelt, holen wir das verspätete Mittagessen nach. Während meine Mitreisenden, Sylvia, Ingrid und Peter mit Dorji die Hauptstadt Bhutans erkunden, begeben Beate und ich uns ins Büro. Noch ist dies in der Wohnung. Der Umzug in ein neues Bürozentrum, direkt über dem Office der Druk Air, ist in Kürze geplant.

 

13. Tag - 21.2.2007

 

Passend zum Geburtstag des Königs begrüßt uns ein herrlicher Sonnentag. Wir verlassen Timphu nach Norden und zweigen in ein wild romantisches Seitental ab, das am Fuße des Cheri-Bergs endet. Auf diesem thront das Cheri-Kloster aus dem Jahre 1619.  Vor der zum Kloster führenden, in traditioneller Bauweise mit Türmen und Schindeldach erstellten Brücke, zweigen wir ab. An einem Bauernhof vorbei beginnen wir unsere Rundwanderung zum hoch gelegenem Kloster Tango. Seine Geschichte geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Durch dichten Wald erreichen wir nach knapp einer Stunde Gehzeit die Anlage. Das Hauptgebäude besticht durch seine lieblichen Malereien, Schnitzereien  und natürlich mit Blick auf die Gipfel und Schluchten des Lingshi Himal, dessen Trekkingroute von Paro kommend hier endet.  Inmitten unzähliger im Winde flatternder Gebetsfahnen genießen wir das Gebirgspanorama. Zurück führt der Weg an einigen in die steilen Felswände gebauten Unterkünfte der Mönche vorbei, die an das berühmte Kloster „Tigernest“ nördlich von Paro in eine steil aufragende Felswand gebaut, erinnern.

 

 

Zurück auf dem Weg nach Timphu verlassen wir unser Fahrzeug und gehen ein weinig zu Fuß. Nach Überquerung des Timphu Cho über eine Hängebrücke kehren wir in der Schule für traditionelle Kunst ein. Dort werden Kinder in den überlieferten Mal- und Zeichentechniken unterrichtet.  Leider sind derzeit Schulferien. So müssen wir uns mit den theoretischen Erläuterungen der Lehrerin begnügen.

 

Es dunkelt bereits, als wir in den Königpalast eingelassen werden. Möglicherweise bekommt Sylvia eine Audienz bei einer der 4 Königinnen des Königs. Sie hat einige Nachrichten und Geschenke aus der Schweiz, verschiedene Hilfsprojekte betreffend, zu übergeben. In Anbetracht der heutigen königlichen Geburtstagsfeier, bleibt Sylvias Gesuch erfolglos. Zumindest findet später in unserem Hotel ein Treffen mit einem königlichen Gesandten statt. Ich habe mehr Erfolg indem ich mir mit Dorjis Unterstützung beim lokalem Barbier die inzwischen 5 Tage langen Stoppeln abrasieren lasse.

 

14. Tag - 22.2.2007

Auf mir bekannten Wege (2005)  geht es durch dichte Rhododendron-Wälder hinauf zum Dochula Pass mit seinen 108 + 1 = 109 Chörten. In 3.050 m Höhe ist dieser Ort, wie vor 2 Jahren, noch mit Schneeresten bedeckt. Wir haben Glück, dass das Wolkenband vor dem Himalaya zeitweise aufreißt  und die gewaltigen schneebedeckten Gipfel des östlichen Himalaya, darunter der 7.194 m hohe Masang Gang, sichtbar sind.

 

Über den Zusammenfluss des Dang Chu und Phu Chu in den Puna Tsang Chu erhebt sich die Festung von Wangdue Phodrang. Der passende Ort zur Mittagspause, der zu einen Spaziergang durch die schmale Dorfstraße entlang kleiner Läden mit vielfältigem Angebot, vom billigen Plastik bis zu allerlei Lebensmittel, einlädt. Am steilem Berghang der Straße hingegen wuchern Kakteen. Neugierig wie ich nun einmal bin, pflücke ich einige der noch nicht ganz reifen Früchte (?). Vorsichtig bin ich bei den großen Stacheln. Gerade in die Hand genommen, stelle ich fest, das diese mit hunderten mikroskopisch kleiner Stacheln übersäht sind, die sich sofort mit ihren Widerhaken in meiner Hand verankern. Oh Schreck, verstaue ich wenigstens ein Ding in meine Hosentasche, um es Dorji zu zeigen. Noch ein Fehler! Schon dringen die Biester durch das Futter der Hosentasche und der Unterhose in meinen Oberschenkel. Jetzt fängt es auch an, dort zu zwicken. Hilfe! Einige Dorfbewohner und Dorji eilen herbei. Die Einheimischen haben Erfahrung und beginnen hilfsbereit Stachel für Stachel, bzw. gleich ganze Bündel der Winzlinge aus meiner dargereichten Hand zu entfernen. Zurück im Auto bleibt nichts anderes übrig: Hose und Unterhose wechseln. Die Hartnäckigsten haben es dann doch noch bis nach Hause überlebt. Also Vorsicht: Finger weg von allen unbekannten Gewächsen.

 

Weiter verläuft die Fahrt durch steile Täler. Die Straße windet sich in engen Kehren. Verfolgt werden wir einige Zeit durch einen mit getrocknetem Fisch beladenen Lastwagen. Entweder, oder. Kündigt sich der Gestank hinter uns an, sofort abfahren oder vorbei lassen und noch mindestens eine halbe Stunde warten. Nach Überquerung des 3.390 m hohen Pele La, geschmückt wie alle Pässe im Himalaya, geht es nun hinab nach Trongsa. Nach etwa 8 Stunden reiner Fahrtzeit erreichen wir das prächtige Angkhil Ressort, in welchem wir Quartier beziehen. Unter der Dusche versuche ich mich von den letzten nun kratzenden Überbleibseln des Kaktusses zu befreien.

 

15. Tag - 23.2.2007

 

Am Berghang oberhalb des Mangde Flusses, direkt gegenüber unserem Hotel, liegt majestätisch die größte Dzong Bhutans. Ein architektonisches Meisterwerk in 2.200 m Höhe. In früheren Zeiten konnte einem dort stationieren Posten nichts entgehen. Noch heute ist jeder Reisende zu Lande gezwungen, diesen zu passieren. Zu unserer allgemeinen Überraschung findet heute sogar ein Klosterfest statt. In Trongsa und Umgebung ist somit Feiertag. Festlich gekleidet strömen die Anwohner zur Burg.  Hinter den steil aufragenden Mauern verbirgt sich ein Labyrinth von Innenhöfen, Korridoren und 23 Tempeln. Auch wir wagen uns hinein und erleben die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten. Bürger und Mönche nehmen gemeinsam an der morgendlichen Andacht teil. Dumpf dröhnen Hörner und im Takt geschlagene Trommeln zum monotonen Murmeln der Mantras.

Ein Mönch präsentiert uns stolz eines der bereitliegenden Kostüme mit grausig aussehenden Göttermasken.  Dann geht die Prozession weiter zum nächsten Gebäude. Mit knallender Peitsche treibt der Meister der Disziplin die Mönche zur nächsten Gebetshalle.  Da der genaue Beginn der Tanzdarbietungen nicht fest steht, bleibt nichts anderes übrig als aufzubrechen, denn unsere Zeit ist etwas knapp. 2 Stunden Fahrt über den 3.400 m hohen Yotang La nach Bumthang stehen uns noch bevor.

 

Unterwegs nutzen wir die Möglichkeit zum Besuch einer Schule. Schüchtern, aber neugierig verhalten sich die Kinder. Touristen sind hier die Ausnahme, Massentourismus ist zum Glück noch unbekannt. Die nächste Station ist eine kleine Teppich-Weberei.

Am Nachmittag richten wir uns für 2 Nächte in das rustikal und gemütlich eingerichtete Hotel in Jakar ein.  Von der Terrasse haben wir einen wunderbaren Blick über das weite Tal. Wir nutzen die Zeit zu einen kleinen Bummel bis zu einen kleinen Laden, in welchem wir nicht nur örtliche Köstlichkeiten wie Pfirsichschnaps probieren können, sondern auch Schweizer Käse einkaufen. Der große Speisesaal ist für uns ganz allein hergerichtet, denn heute sind wir die einzigen Gäste. Morgen wird eine große Reisegruppe aus Polen erwartet, die Bhutan im „Schnelldurchlauf“ erlebt.

 

16. Tag - 24.2.2007

 

Dieser Tag ist ausschließlich Bumthang gewidmet. Im Choskhor Tal stehen die Besichtigungen der herrlichen Klöster Kurjey, Jambey und Tamshing sowie der Dzong von Jakar an. Einzelheiten über diese Sehenswürdigkeiten bitte ich Reiseführern zu entnehmen.  Somit hier nur persönliche Erlebnisse.

 

 

Wir steigen in das ehemalige Verlies der Dzong von Jakar hinab, in welchem sich die spartanischen Schlafräume der Mönche befinden. Aus einem Raum dröhnt TV-Lärm. Und siehe da, hier tummeln sich einige Jugendliche vor dem Fernseher und gucken einen Film. Action mit Arnold Schwarzenegger! Erst als der Abt, bereits recht ungeduldig, mit seinem Stab auf den hölzernen Boden klopft, begeben sich die Jugendlichen zum Gebetsraum. Die letzen schaffen es gerade noch im „Hechtsprung“.  Hier wäre der Meister der Disziplin am richtigem Platze.

 

Im Tamshing Kloster haben wir das Glück, die nachmittägliche Zeremonie der Gelbmützen miterleben zu dürfen. Eindrücke und Gefühle kann man einfach nicht beschreiben. Man muss dies selbst erlebt haben. Zum Abschluss des Tages begeben wir uns in das Tang-Tal. Dort wo der gleichnamige Fluss eine Hügelkette durchschneidet, befindet sich eine der bedeutendsten Pilgerstätten Bhutans, Mebartho oder der „flammende See“. Über Felsen hinweg müssen wir uns durch unzählige Gebetsfahnen zwängen, bevor wir einen Blick in die tiefe Schlucht mit einem Wasserloch werfen können, von dessen  fast schwarzer Oberfläche die Strahlen der untergehenden Sonne reflektiert werden.  Hier fand im Jahre 1475 Pema Lingpa, der berühmte Nyingmapa-Heilige Bhutans, die von Guru Rinpoche versteckten Schätze und wurde  somit zum Teron, dem „Entdecker der  religiösen Schätze“. Um zu beweisen, dass er der geistige Sohn Rinpoches ist, sprang er vor einer großen Menschenmenge mit einer brennenden Butterlampe in den See, die während seines Tauchgangs nicht erlosch und brachte eine Buddhastatue und weitere religiöse Dinge mit an die Oberfläche.

 

17. Tag - 25.2.2007

 

Wir verlassen die Ebene Bumthangs, die wie kaum ein anderer Ort in Bhutan so viele Klöster und Tempel auf engstem Raum vereint. Zurück an Trongsa vorbei, zweigen wir in das malerische Phobjika Tal ab. Die Straße hierhin windet sich durch dichte Wälder hinauf bis man schließlich die weite 3000 m hohe Ebene erreicht. Es ist eines der wenigen Gletschertäler Bhutans und recht sumpfig. Dieses Naturschutzgebiet ist die Heimat der seltenen Schwarzkraniche, die aus der tibetischen Hochebene kommend von Ende Oktober bis Ende März hier überwintern.

 

Heute ist tatsächlich der Winter zurück gekehrt. Es ist kalt und trübe. Am Rande der Hochebene, auf der wir die ersten Kraniche beobachten können, beziehen wir Quartier in einem neu erbauten komfortablen Hotel. Im Gastraum mit weitem Panoramafenster knistern die Holzscheite im Ofen, an dem wir uns gleich aufwärmen. Auf Wunsch werden auch die Zimmer, die sich in 2 Anbauten erstrecken auf gleiche Weise beheizt. Zum Schlafen verzichte ich, wie auch in den Unterkünften zuvor, auf zu gut gemeinte Wärme. Persönlich mag ich die Kälte und ein kuscheliges Bett. Das hölzerne Ambiente des Zimmers vom Boden bis zur Decke, das neben dem Ofen gestapelte Holz verbreitet einen wohligen Geruch. Am Abend wird ab 10 Uhr die Abschaltung der Stromversorgung angekündigt. Zur Warnung erlischt das Licht eine Minute um dann gerade noch 5 Minuten zu brennen. Zeit genug, um unter die Bettdecke zu huschen. Und da ist es so angenehm warm, denn dort befindet sich eine Wärmeflasche, wie zu Uromas Zeiten.

 

18. Tag - 26.2.2007

 

In der Nacht hat es geschneit. Weiß präsentiert sich die Landschaft. Die Morgensonne lässt den Schnee alsbald dahin schmelzen. Im Kranich-Informationszentrum haben wir die Möglichkeit die Tiere mit den dort aufgebauten Fernrohren ausgiebig zu beobachten. In der Nähe befindet sich das Gantey-Kloster. Regen und Schnee haben den Weg durch das Dorf in eine Schlammpiste verwandelt. Trotzdem erreichen wir das größte Nyingma-Kloster des Landes. Im Jahre 1613 legte ein Enkel von Pema Lingpa  den Grundstein für das Kloster. Zur Zeit wird es vollständig renoviert. So bleibt nur die Möglichkeit, eine kleinere Kapelle und den Gebetsraum in der das Kloster umgebenen alten, recht baufälligen Befestigung zu besuchen. Zum letzten führt eine steile Treppe hinauf, über die ein paar Einheimische die ausgeliehenen schweren Schriften zurück bringen. Es ist üblich, zu Feierlichkeiten Teile der dicken Bände der Lehre Buddhas mit nach Hause zu nehmen.

 

Gegen Mittag erreichen wir Wangdue Phodrang. Beate ist mit Sylvia, die in Timphu zurückgeblieben ist, bereits eingetroffen. Am Nachmittag steigen wir zu einem alten Kloster, welches oberhalb der Stadt einsam auf einem Hügel steht, hinauf. Während des Aufstieges über einen kleinen, steilen Pfad genießen wir den Blick hinunter auf die Stadt mit ihrer gewaltigen Dzong. Etwas schwitzend oben angekommen, werden wir vom Lama des Klosters herzlichst begrüßt und zum Tee eingeladen. Mit ihm leben hier 6 Schüler im Alter von etwa 10 Jahren, die er unterrichtet. Er gibt uns die Erlaubnis im Innern des Klosters zu fotografieren. Die Abenddämmerung setzt bereits ein, als wir uns von diesem ruhigen, anmutigen Ort verabschieden. Den Abend verbringen wir schließlich in einer kleinen Bar im Zentrum Wangdues.

 

 

19. Tag - 27.2.2007

 

Bevor wir zum Klosterfest in das nahe gelegene Punakha aufbrechen, besichtigen wir noch die rustikale, schindelgedeckte Dzong. Der riesige Innenhof ist wie üblich von Verwaltungsgebäuden umgeben. In allen größeren Dzongs Bhutans sind die lokale Verwaltung und das Kloster untergebracht. So treffen am frühen Morgen die Angestellten der Verwaltung ein, während ein paar Meter weiter, die Mönche des Klosters sich bereits zum morgendlichen Gebet  in der Versammlungshalle getroffen haben, aus der abwechselnd der Klang von Trommel, Zimbeln und Trompeten erschallt.

 

So wie in den Dzongs normale Bürger und Mönche beisammen sind, werden in diesen auch die Klosterfeste gemeinsam veranstaltet. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Punakha, gelegen auf einer Halbinsel am Zusammenfluss von Pho und Mo, die ich bereits 2005 gemeinsam mit Govinda besichtigte. Gegründet im Jahre 1637 durch Shabdrung, wurde dieser Ort die Hauptstadt Bhutans. Der mächtige Dzong ist heute noch Sitz der regionalen Verwaltung und die Winterresidenz des größten Mönchordens Bhutans. Jahrmarktstimmung herrscht bereits auf dem Platz vor der Dzong, wo Händler ihre Waren feilbieten. Dorji hilft mir, einen alten Seidenschal von einer alten Bhutanesin günstig zu erhandeln. Dann geht es mit den Festteilnehmern über die Brücke, die steile Treppe hinauf und durch das Tor in den Innenhof. Die Festlichkeiten haben bereits vor 2 Tagen begonnen und der Innenhof ist mit hunderten Bürgern gefüllt, die den Festplatz diszipliniert säumen. Die eine Etage höher gelegene Balustrade ist für die Mönche reserviert. Als Gäste macht man uns gerne Platz und so finde ich einen gemütlichen, schattigen Sitzplatz mit bestem Überblick. Die tänzerischen Darbietungen und Gesangeinlagen wechseln zwischen Bürgern und Mönchen.

 

 

Entsprechend dem hohen Rang, den die Religion im Leben der Bhutanesen einnimmt,  kommt diesen Festen größte Bedeutung zu.  Hier in Punakha und anderen bedeutenden Klöstern finden jährlich 2 Feste statt. Ein Tschechu, das der Verehrung Guru Rinpoches gilt und ein Dromchoe, welches Tänze beinhaltet und Yeshe Gompo oder Palden  Lhamo, den beiden Hauptschutzgottheiten gewidmet ist. Die Tänzer tragen prächtige Kostüme und geschnitzte Masken, die sowohl Tiere als auch zornige, düstere Gottheiten in Form von Totenschädeln darstellen. Während der lang andauernden religiösen Tänze der Mönche erheitern Arsaras (Spaßmacher) mit eindruckvollen Masken das Publikum. Imposant ist die tänzerische Darstellung, die eine Episode aus dem Krieg gegen die Tibeter im 17. Jahrhundert wiedergibt. Zwischendurch lauscht man dem harmonischen Gesang eines Chores junger Mädchen und der wehleidigen Unterhaltung zwischen Jäger und Hirsch.

 

 

Die Zeit verrinnt wie im Fluge. Am Nachmittag sind wir zum zünftigen bhutanesischen Essen bei Freunden von Beate und Dorji in einem nahegelegenen Bauernhaus eingeladen. Der Abschied schmerzt, aber wir müssen heute noch nach Timphu zurück. Ein Abstecher führt uns auf der Rückfahrt noch an einem alten, einsam gelegenen Kloster vorbei. Viel Spaß haben wir mit einer Gruppe Jungen, als wir es versuchen, mit  deren selbst gezimmerten Seifenkisten (die Räder sind ausgediente Kugellager) die Serpentinen der schmalen Straße im wahrsten Sinne des Wortes hinunter zu brettern.

 

Spät abends erreichen wir unser Hotel, wo wir, wie an den meisten Tagen unserer Reise, die einzigen Gäste sind. Während Sylvia, Ingrid und Peter morgen noch Timphu besichtigen, dann nach Paro fahren und von dort aus am nächsten Tag das Tigernest besuchen werden, muss ich mich leider verabschieden, denn mein Flug geht bereits morgen zurück nach Kathmandu.

 

20. Tag - 28.2.2007

 

Um 6 Uhr steht Beate mit Taxi vor dem Hotel und wir fahren gemeinsam zum Flughafen nach Paro. Nun ist  diese erlebnisreiche Reise durch Bhutan beendet. Im Oktober dieses Jahres bin ich aber bereits wieder hier. Wenn alles klappt mit einer kleinen Gruppe, um weitere Teile des lieblichen Bhutans zu erkunden, wozu auch meine erste Trekking-Tour durch Bhutan, der neue Nabji Korphu-Trek, zählen wird.

 

Mit einigen Wenden und Kehren gewinnt der kleine Airbus in den engen Tälern an Höhe und dreht schließlich auf Westen zu. Vorbei an Kanchanjunga, Everest und weiteren 8.000ern, die sich leider hinter dicken Wolken verstecken, lande ich pünktlich in Kathmandu. Check in im Hotel Durbar und man ist bereits wieder beim Tagesgeschäft.

 

21. Tag - 01.3.2007

 

Es gibt nichts Besonderes zu berichten. Klar, wir haben ein paar Hotels innerhalb von Thamel begutachtet. Alternativen, insbes. zum Manang mit inzwischen zugebauter Rückfront (siehe Reisebericht Oktober 2006).

 

22. Tag - 02.3.2007

 

Wie jede Reise, geht auch diese einmal zu Ende.  Am Abend starte ich von Kathmandu und bin pünktlich zum Geburtstag meiner Tochter Tanja am 03.3.2007 wieder zu Hause.

 

Jetzt warten wir alle auf Nick,

der am 16.03.2007 das Licht der Welt erblicken wird