Abseits der Trekking-Pfade

 auf neuen Wegen
 zwischen Kathmandu-Tal und Annapurna

  • Kulturwanderung Nagarkot - Namobuddha

  • Tihar-Fest und Newar New Year

  • Rafting auf dem Seti-River

  • Besuch der Gurung-Dörfer im Annapurna

Sonnenuntergang Nargakot, Nepal Bauernhaus im Kathmandu-Tal Mandala zum Tihar-Lichterfest in Kathmandu, Nepal
Newar New Year in Kirtipur, Nepal Umzug in Kirtipur zum Newar New Year Rafting auf dem Seti, Nepal
Sonnenuntergang über dem Annapurna - Gurung Trek Gurung Dorf im Annapurna, Nepal Terrassenfelder im Annapurna - Gurung-Trek

 

Reisebericht 14.10.06 – 03.11.06

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK
Gelsenkirchen, Mai 2007

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1. Tag - 14.10.2006

 

Heute ist eigentlich schon der 2. Reisetag. Obwohl gestern Nachmittag, am Freitag den 13. vom Gelsenkirchener Hbf gestartet, bin ich mit der DB pünktlich in Frankfurt angekommen. Vor dem Schalter der QATAR hatte sich bereits 2 ½ Stunden vor Abflug eine lange Schlange Reisender gebildet. Da ich einen sehr günstigen Business Class Tarif buchen konnte, ist ruck, zuck mein Gepäck aufgegeben und einige Zeit später, kann ich es mir in den modernen Liegesesseln des A 340 bequem machen. Nach einem umfassenden Menü, einen guten Rotwein ist die Uhr bereits auf 1 Uhr des heutigen Tages vorgerückt und ich genieße in paar Stunden Schlaf.

 

Kurz von der Landung in Doha, wird ein riesiges Frühstück serviert. Da haben einige Passagiere richtig entschieden, darauf zu verzichten, denn während des 3-stündigen „Stopp over“ in Doha stehen Speis und Trank in der Lounge zu genüge bereit.

 

Die Sonne ist bereits aufgegangen und nun sitze ich sogar in der 1. Reihe auf Platz 1 A. Wie schon der Flug von Frankfurt nach Doha, ist auch dieser vollständig ausgebucht.  Das „Take off“ erfolgt und wir fliegen Kathmandu entgegen. Während der folgenden 4 Stunden Flugzeit, lass ich mich mit weiteren Köstlichkeiten der Bordküche verwöhnen. Die Zeit vergeht mit Essen, Schlafen, Lesen bis ich mich kurz vor der Landung daran mache, den Visa-Antrag auszufüllen.

 

Welch eine Überraschung. Fast alle Mitglieder unsere nepalischen Familie nehmen mich am Flughafen in Empfang. Govinda, seine Frau Radhika, die älteste Tochter Showa, der inzwischen 4-jähringe Sohn Surja  sowie Radhika Bruder Prasanta heißen mich auf herzlichste willkommen. Wie wir später genau recherchieren, ist dies meine 13. Reise nach Nepal. Nach ca. 30 Minuten Fahrt im Hotel Manang eingetroffen, beziehe ich das Zimmer 301. Eine Etage höher als noch im Frühjahr dieses Jahres. In kaum einen Meter Abstand wird auf der Rückseite des Hotels ein Neubau hochgezogen, der die Aussicht von meinem letztjährigen Zimmer 201 bereits versperrt. Falls es in Nepal überhaupt eine Bauvorschrift gibt, so regelt diese den minimalen Lüftungsschlitz zwischen zwei Bauwerken.

 

2. Tag - 15.10.2006

 

In der Nacht hat es geregnet. Ausgeschlafen nehme ich bereits um 7 Uhr eine wohltuende Dusche. Vor dem Frühstück inspiziere ich noch die mir gestern übergebene Tasche mit meinen hier deponierten Trekking-Utensilien, wie Schlafsack, Stecken, Wanderschuhe usw.. All die Dinge, die ich halt nur hier benötige sind sauber und vollständig vorhanden. Nach dem Frühstück vom Buffet und Besorgung einiger Kleinigkeiten im nahe gelegenen Supermarkt begebe ich mich ins Büro. Der Arbeitstag wird zu Mittag mit dem Nationalgericht „Dhaal Bhaat“ (Reis und Linsen), wohlschmeckend zubereitet von unseren Trekking-Guides Dav und Rudra, unterbrochen.

 

Familie Klaas, von denen wir uns gestern Abend noch verabschiedeten, sind nach ihrer erlebnisreichen Reise durch Bhutan bereits auf dem Heimflug. Auf unsere Kundin, Frau Nuss, müssen wir noch warten, da die Maschine aus Doha kommend wegen zu dichter Wolken heute Morgen in Kathmandu nicht landen konnte. Inzwischen hat die Sonne die Wolkendecke weitestgehend aufgelöst, so dass Prasanta unsere Kundin am Nachmittag vom Flughafen abholen wird.

 

Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu, als Govinda und ich uns auf den Weg machen, einen dringend notwendigen neuen PC für unser Büro zu besorgen. Nach dem Friedensabkommen zwischen der 7-Partei-Allianz und den Maoisten, ist nun Ruhe in Kathmandu eingekehrt. Die Polizei geht wieder ihrer eigentlichen Funktion nach, zumindest dem Versuch, den teilweise chaotischen Verkehr in Kathmandu zu regeln. Des weiteren gleicht Kathmandu einer Großbaustelle. Umfangreiche Straßensanierungen, der Abbruch baufälliger Häuser und das Hochziehen neuer Gebäude wurde allerorts in Angriff genommen. Unangenehm ist jedoch der üble Geruch des sich seit 3 Tagen in den engen Gassen und Straßen angesammelten Abfalls, da die Müllabfuhr streikt, um höhere Löhne durchzusetzen. Am Abend, auf der Dachterrasse eines Restaurants mit Blick hinunter auf den Durbar Square, sichten Govinda und ich die gesammelten PC-Angebote und treffen die Auswahl.
 

3. Tag - 16.10.2006

 

Gestern haben wir u. a. neue Trekking-Routen, so genannte „Homestay Treks“, dies sind Wanderungen von Dorf zu Dorf mit Übernachtung bei ausgewählten nepalischen Familien, diskutiert und ausgearbeitet. Heute Nachmittag werden wir zur ersten Testwanderung von Nagarkot über Dhulikhel nach Namobuddha aufbrechen. Während der zurückliegenden Jahre war diese Gegend  Grenzgebiet  zwischen Maoisten und königlichem Militär. Jetzt wieder problemlos für Touristen zugänglich, gilt es die optimalen Wege neu zu erkunden. Insbesondere für Kulturreisende ist das östliche von Kathmandu liegende Gebiet, welches durch Bauernlandschaft, kleine malerische Siedlungen (meist ehemalige Handelsplätze auf dem Weg von Tibet nach Kathmandu) führt, als Abrundung bzw. Ergänzungsprogramm interessant. Es besteht die Möglichkeit in guten Hotels zu übernachten.

 

Zunächst gilt es Frau Nuss zu begrüßen, die heute mit unserem deutsch sprechenden City-Guide Anup  auf Tour gehen wird. Schließlich warten wir noch auf Herrn Baab. Er ist der erste Kunde, der bei der Abholung heute Morgen durch Prasanta das HIMATREK-Schild übersehen hat. Ein cleverer Taxifahrer kennt selbstverständlich HIMATREK und hat ihn zu einem Hotel in Thamel gefahren. Dort wird er schließlich von Rudra abgeholt  und zum Hotel Durbar gebracht, wo die meisten unserer Kunden untergebracht sind. Ende gut, alles gut. Niemand geht bei uns verloren.

 

Zurück im Büro sind im Hof einige unserer Leute dabei, die Camping-Ausrüstung für die bevorstehenden Hochtouren zu überprüfen. Bei dieser Gelegenheit lerne ich unseren neu eingestellten Climbing-Guide Galde Sherpa kennen. Heute bereitet Rudra zu Mittag eine Gemüse-Reis-Pfanne für uns zu. Da nach der Mittagspause die Stromversorgung immer noch unterbrochen ist, begebe ich mich, wie bei jedem Aufenthalt in Kathmandu, zum lokalen Barbier um die Ecke. Hier gönne ich mir die perfekte Rasur mit  Gesichtspflege und Massage. Ehrlich, die besten Barbiere der Welt sind Nepali.

 

Zum zweiten Mal an diesem Tage drängen und schieben wir uns durch die überfüllten Gassen der lokalen Märkte, denn das Tihar-Festival steht bevor und jede Familie hat noch jede Menge Einkäufe zu tätigen. Schließlich erreichen wir den Computer-Laden, um den neuen PC abzuholen, den wir am Vormittag hier in der gewünschten Konfiguration bestellt hatten. Aufbau und Erprobung mit den von mir mitgebrachten TFT-Monitor stellen wir zurück. Es ist bereits 17 Uhr und Zeit nach Nagarkot aufzubrechen. Dort eingetroffen, klärt mich Govinda über Einzelheiten der nepalischen Trekking-Organisationen und den damit verbundenen Management von Trägern und Guides auf. Mittlerweile hat HIMATREK neben Govinda und Prasanta als Manager 9 fest angestellte Mitarbeiter. Darunter auch 2 Träger, die bei uns mit der Ausbildung zum Guide-Assistenten begonnen haben
 

4. Tag - 17.10.2006

 

Um 6 Uhr in der Früh stehen wir bereits auf der Dachterrasse. Noch ist es finster und das Himalaya nur als schwarze Silhouette erkennbar. Im Osten färbt sich der Himmel leicht rosa. Dann, plötzlich und unerwartet, erreichen die ersten Strahlen der noch nicht sichtbaren Sonne die Spitzen der Gipfel. Von dort setzt sich der helle weiße Lichterglanz beschaulich abwärts. Immer mehr Gipfel erstrahlen bis schließlich die rote Kugel der aufgehenden Sonne im Osten erscheint und die Welt in eine malerische morgendliche Dämmerung taucht. Ein Erlebnis, welches nur schwer zu beschreiben ist und selbst das beste Foto nicht wiedergeben kann, halt eine Atmosphäre, die man selbst erlebt haben muss.

 

Zur heutigen Wanderung bitten wir einen des Weges kundigen Mitarbeiter der Lodge uns bis Bagabati zu begleiten. Es ist bereits einige Jahre her, seit Govinda zum letzten mal diese Strecke gelaufen ist. Wir möchten dort, wo möglich, von der Hauptroute abweichen. Der Weg führt zunächst über eine asphaltierte Straße hinauf zu einem Militärcamp, von wo wir noch einmal einen herrlichen Blick auf das gewaltige, im morgendlichen Licht erstrahlende Gipfelpanorama, genießen können. Nun geht es auf und ab, abwechselnd durch kleine Siedlungen und durch dichte Wälder, mal auf schmalem Pfade, mal auf typischen Dorfwegen. Von den Einwohnern werden wir freundlich begrüßt und sitzen alsbald in einem kleinen Dorfladen beim Tee zusammen. Kinder und Erwachsene freuen sich jedes Mal nach aufgenommenen Fotos sich im Display der Kamera wieder zu erkennen. Klar, versprochen: Ein paar Abzüge wird Govinda in Kathmandu machen lassen und per Post zusenden. Schließlich führt  der Weg hinunter nach Nala mit seinem sehenswerten Heiligtum, der zweiten in Nepal erbauten vierstufigen Pagode, die Bhagvati geweiht ist. Insgesamt ein reizvolles Dörfchen, unweit von Banepa gelegen einen historischen Handelsplatz zwischen Tibet und den östlichen Landesteilen Nepals. Hier in Banepa kehren wir zu Mittag ein. Inmitten des Zentrums thront noch eine Statue des inzwischen abgesetzten Königs Nepals, bunt plakatiert mit Propaganda-Plakaten.

 


 

Wir verabschieden uns von unserem netten Begleiter, der leider nur mit Govinda nepalisch kommunizieren konnte und machen uns auf der den Weg entlang der Ausfallstraße nach Dhulikhel. Knapp 5 km Asphalt zur Mittagshitze machen keinen Spaß. Einen Bus zu nehmen scheitert daran, dass heute die Busfahrer streiken. Jede Berufs- und Bevölkerungsgruppe versucht in diesem im Umbruch befindlichen Land sein Einkommen zu verbessern bzw. seine Rechte zu stärken. 3 km vor Dhulikhel erinnere ich mich des ausgestreckten Daumens als Tramper in jungen Jahren. Schon haben wir Erfolg und stehen auf der Stoßstange eines mit Kartoffeln, Kindern und Einheimischen voll beladenen Kleintransporters. Mit etwas weichen Knien erreichen wir unser Ziel. In unserem Standardhotel, wo wir im Frühjahr dieses Jahres aus Tibet von der Kailash-Tour kommend, einkehrten, ist kein Zimmer reserviert worden.  Notgedrungen machen wir uns auf die Suche nach einer neuen Unterkunft. Über eine kleine Seitenstraße entdecken wir das Hotel „Mirahel Ressort“, eine stil- und geschmackvolle Anlage, die vom Zimmer aus einen Blick auf das nahe Himalaya gewährt, welches jetzt am Nachmittag hinter dicken Quellwolken verborgen bleibt.

 

5. Tag - 18.10.2006

 

Nachdem wir gestern den wunderbaren Sonnenaufgang erleben konnten, ist es heute recht dunstig und auch während des ganzen Tages bleiben die Gipfel verborgen. Wie ausgehungert müssen die armen Teufel des hier im Hotel stattfindenden christlichen „Good News“-Seminars sein. Selbst Govinda dreht sich beim Anblick der voll gepappten Teller  beim Frühstück der Magen um. Auf und um einige dicke Toastscheiben gesellen sich Butter, Marmelade und Honig bis zum Tellerrand. Als dann die Kursteilnehmer auch noch Bohnengemüse und Reis dazu auf den Teller schaufeln, würg, bleibt der Bissen im Hals stecken.

 

Durch die alte Innenstadt aus dem 19. Jahrhundert mit einigen sehenswerten Tempeln und Pagoden verlassen wir diesen Ort gen Norden. Über unzählige Stufen, eines neuen, in Bau befindlichen Weges, geht es steil hinauf auf den Bergsattel. Normalerweise hat man von hier eine großartige Aussicht rund um Kathmandu, vom Himalchuli im Westen, bis zum Mount Everest und Makalu im Osten. Doch heute bleibt uns dieses Aussicht versagt. Der landschaftlich reizvolle Panoramaweges führt entlang von Kiefernwälder, Feldern und Wiesen. Doch die Sonne knallt erbarmungslos auf uns hinunter. Ein dichter Kiefernwald spendet eine Zeit lang Schatten, bis wir vom Hauptweg nach Namobuddha abzweigen und zu einem kleinen Kali-Tempel aufsteigen, der zur Rast lädt. Im ständigen leichten auf und  ab durch Wiesen und Felder stehen wir plötzlich im einem malerischen Wiesengrund vor einer neu erbauten Stupa. Von hier windet sich der Höhenweg um kleinere Anhöhen, bis wir zwangsläufig auf den Hauptweg stoßen. Einige Minuten später erreichen wir das auf einem bewaldeten Bergrücken gelegene buddhistische Heiligtum Namobuddha, dessen friedliche Stimmung zwischen weiß leuchtenden Stupas und Skulpturen zum längeren Verweilen einlädt.

 

Ein kurzer, steiler Abstieg führt hinunter nach Khopasi. Dort vertrauen wir uns dem lokalen Bus an, der uns über Panauti zurück nach Kathmandu bringt. Für jeden, der noch etwas mehr Zeit hat, lohnt eine Besichtigung von Panauti.  Eine Übernachtung im nahe gelegenen Balthali ist ebenfalls empfehlenswert.

 

6. Tag - 19.10.2006

 

Außer Trouble am Morgen gibt es heute nicht viel zu berichten. 3 Gruppen, davon eine mit 8 Personen, sind heute vom Flughafen abzuholen. Aufregung als 2 Wattenscheider nicht eintreffen, bis sich herausstellt, dass diese erst am Nachmittag ankommen. Da seit kurzem für das Permit ins Annapurnagebiet Passkopien und Passfotos erforderlich sind, gibt es viel zu tun. Beim Versuch die aufgenommenen Bilder von unserer Tour von der Speicherkarte auf den Laptop herunter zu laden, meldet das System Fehler. Mist, was könnte passiert sein. Zumindest kann ich feststellen, dass die Dateien noch vorhanden sind. Keine weiteren Experimente. Die Karte wird so wie sie ist mit nach Hause genommen und dort „repariert“, was zumindest zum Teil gelingen wird. Leider sind die Bilder von Namobuddha verloren.

 

7. Tag - 20.10.2006

 

Pünktlich treffen Heike und Gregor quasi zum 2. Frühstück im Hotel Manang ein. Unserem gemeinsam ausgetüftelten Programm mit etwas Rafting, Tihar-Fest mit Newar New Year bis zum gemeinsamen Start ins Annapurna steht nun nichts mehr im Wege, nachdem wir im Laufe des Tages die Einzelheiten abstimmen.

 

Am Nachmittag bleibt endlich Zeit, Strom ist auch verfügbar, mit der Konfiguration des neuen PCs zu beginnen. Den Abend lassen wir gemeinsam, wie so oft im „City Heaven“ mit diversen nepalischen Snacks ausklingen.

 

8. Tag - 21.10.2006

 

Früh am Morgen holt uns unser bewährter Taxifahrer Shayam mit seinem Van vom Hotel ab. Unterwegs steigt Govinda zu und ab geht es in Richtung Pokhara zum Mardi River, wo uns am Nachmittag die Rafting Crew erwartet. Der Tag beginnt mit Regenwetter. Gerade haben wir das Kathmandutal verlassen, ein Knacks und schon stehen wir. Das Gaszugseil ist gerissen. Hier hilft nur nepalische Improvisation und Gelassenheit. Ein paar Minuten später fahren wir bereits weiter. Das Ende des Zugseiles mit einem Lappen umwickelt in der rechten Hand, in der linken das Handy und den Lenker zwischen den Knien fährt uns Shayam weiter. Auf der kurvenreichen Strecke wird mir doch gewaltig mulmig. Was ist wenn nun die Bremsseile reißen? Blödsinn, gibt es da nicht ein hydraulisches  2-Kreissystem? Hab ich doch vor vielen, vielen Jahren in der Fahrschule gelernt, oder? Beruhigend ist es dann doch, dass an der nächsten Raststätte der Schaden behoben wird und wir nach Einkauf von frischen Obst, Bananen, Papaya und Mango, die Reise zügig fortsetzen können.

 

Hinter Mugling, der Abzweigung nach Chitwan, treffen wir auf die erste Straßenblockade. Sind die Maoisten aktiv und verlangen ihren Wegezoll? Im ersten Moment sind wir etwas verunsichert, bis sich herausstellt, dass hier jede Siedlung am Wegesrand zu den bevorstehenden Feierlichkeiten des Tihar, teilweise mit Musik und Tanz um kleine Spenden bittet. Bis wir schließlich die große Brücke über den Mardi Kola erreichen, hat sich eine muntere Anzahl bunter Spenden-Quittungen angesammelt.

 

Zwischenzeitlich hat die Sonne Regen und Wolken vertrieben. Unser „Gummiboot“ steht schon zum Ablegen bereit. Zunächst sind aber all unsere Sachen fest und ordnungsgemäß zu verstauen. Die Sicherheitsausrüstung, bestehend aus Schutzhelm und Schwimmweste ist anzulegen. Anschließend erfolgt die theoretische Unterweisung durch unseren Rafting-Guide Kamal.  Erst dann legen wir im ruhigen und seichten Gewässer des Mardi ab, auf dem wir den Seti River zutreiben. In den folgenden 2 Stunden bewältigen wir die ersten, noch recht leichten Stromschnellen, lassen uns durch ruhiges Wasser dahin treiben, genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit der Landschaft.

 

 

 

Den idealen Campingplatz finden wir auf einer ausgedehnten Sandbank am linken Ufer. Mit vereinten Kräften wird das Boot an Land gehievt. Die Zelte sind zügig aufgebaut und unser Team beginnt mit Unterstützung durch Govinda die Vorbereitung des Abendessen. Hier, abseits der Zivilisation, sind nur  einige  Affen, die sich am gegenüber liegenden Ufer tollen, unsere nächsten Nachbarn. Der Abend vergeht mit Lagerfeuerromantik und einem mehrgängigen nepalischen Menü unserer Küche.

 

9. Tag - 22.10.2006

 

Das Sand so hart wie Beton ist, habe ich in der Nacht gemerkt. Trotz Liegematte und dickem Schafsack war das Nachlager nicht sehr angenehm. Eine einfache Luftmatratze wäre sicherlich optimaler als Unterlage gewesen. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind die Zelte abzubauen. Die ersten Sonnenstrahlen werden bereits von der Wasseroberfläche des sich hier im tiefen Tal schlängelnden Flusses reflektiert, als wir unser Boot voll bepackt zu Wasser lassen.

 

Abwechslungsreich verläuft die Fahrt. Im ruhigen Wasser lassen wir uns ins erfrischende Nass plumpsen und treiben neben oder hinter dem Boot flussabwärts. Es ist nicht einfach, schwimmend das voran treibende Boot zu erreichen. So ist es hilfreich, sich durch unseren Sicherheitsbegleiter im Kanu zum Boot schleppen zu lassen, wo es dann einiger Kräfte bedarf, die dicke Wulst der Bordwand zu überwinden. Aus der Ferne kündigen sich rauschend die nächsten Stromschnellen an. Auf Kommando zu den Paddeln greifen und ab durch die Mitte der reißenden Fluten. Über eine Woge und hinunter ins Tal des gegenläufigen Wasserstromes. Eine riesige Welle platscht ins Boot, gleich folgt die nächste. So überstehen wir mit viel Spaß mehrere wilde Wasser und jedes Mal heißt es dann: Zu den Eimern greifen und das Boot entleeren!

 

Dichte Wälder und kleine Siedlungen säumen abwechselnd das Ufer. Hin und wieder wird der Seti von einer schwankenden Hängebrücke überspannt, welche die einzige Verbindung zwischen abseits gelegenen Dörfern ist. Unterwegs nehmen wir eine junge Familie mit 2 Kindern an Bord um sie ein paar hundert Meter weiter am gegenüber liegenden Ufer abzusetzen. Damit blieb ihnen ein langer Umweg zum Besuch ihrer Bekannten erspart. Wir rasten zu Mittag nahe einer Siedlung und bekommen umgehend Besuch einiger neugieriger Kinder.

 

 

In Mugling mündet der Seti in den Trisuli und fließt von hier gen Süden nach Chitwan. Kurz darauf endet unsere erlebnisreiche Rafting-Tour. Shayam wartet bereits mit seinem Taxi auf uns. Wir nehmen Abschied von unserem Rafting-Team und fahren zurück in Richtung Kathmandu.

 

Am Nachmittag fegt ein heftiges Gewitter über uns hinweg, bevor wir in Kirtipur im Hotel Hill Side Quartier beziehen. Die Hausherrin vollendet gerade ein Mandela vor der Haustür von wo die Glückgöttin Lakshmi ihren Weg zum Hausaltar finden soll. Morgen ist der 4. Tag es Tihar-Festes und auch das Neujahrfest der hier im Kathmandutal beheimateten Newar. Dieses wird in Kirtipur noch auf traditionelle Art gefeiert. Oben von der Dachterrasse, wo Govinda ein indisches Menü zusammen gestellt hat, genießen wir die Aussicht auf das tief unter uns gelegene Kathmandu, welches im bunten Lichterglanz erstrahlt.

 

10. Tag - 23.10.2006

 

Gegen 6 Uhr erwacht der Tag. Den über dem Kathmandutal liegenden Dunst und Nebelschwaden entsteigt langsam die Morgensonne. Die Gipfel des Langtang Himals bis hinüber zum Manaslu begrüßen nicht nur den neuen Tag sondern auch das neue Jahr 1129. Happy New Year der Newar. Die Newars sind eine der bedeutendsten Kulturträger in Nepal und haben entscheidend die Stadtarchitektur im Kathmandutal geprägt. Charakteristisch für diese ethnische Gruppe ist, dass sie religiös Hinduismus mit Buddhismus aufs Engste vermischen und jeden Anlass zum Feiern nutzen.

 

Wir schließen uns der farbenprächtigen Prozession durch Kirtipur an, die bis in die Abendstunden hinein dauern wird. Der Klang der Trommeln, Flöten und Zimbeln weist den Weg zum Umzug.  Die Wege durch die Stadt sind bunt geschmückt. Blumen und Malereien zieren den Boden. Auf allen größeren Plätzen befinden sich prächtige Mandalas, an denen Opfergaben gereicht werden. Wir folgen dem Umzug bzw. lassen die traditionell gekleideten Musikanten- und Frauengruppen vorbei ziehen. So nähern wir uns zwangsläufig auch einigen Sehenswürdigkeiten, wie dem Bhagbhairava-Tempel, der sowohl Hindus als auch Buddhisten heilig ist. Das dreistöckige Dach ist mit Schwertern und Schildern der durch die Gorkhas im Jahre 1770 besiegten Newars geschmückt. Bis dahin war Kirtipur ein eigenständiges Königreich. Durch eines von ehemals 12 existierenden Stadttoren suchen wir die buddhistische Klosteranlage auf, bevor wir zur höchsten Stelle der Stadt, mit wunderbarem Rundblick, aufsteigen. Dort befindet sich eine Shiva und Parvati geweihte Pagode.

 

Bislang haben wir hier noch keinen Touristen gesehen. Zurück zur Prozession treffen wir Anup mit unserer Kundin. Nun sind wir schon 4 Fremde, besser Gäste, unter den Einheimischen.  An der Verpflegungsstelle für die Prozessionsteilnehmer -  die Zubereitung und Ausgabe des Essens übernimmt jedes Jahr eine andere Familie - probieren wir zur Feier des Tages den angebotenen Reisschnaps und erhalten zum Abschied noch ein Tika auf die Stirn.

 

 

11. Tag - 24.10.2006

 

Der Astrologe hat die Zeit für die heutigen familiären Tihar-Feierlichkeiten mit Segnung, Glückwünschen und gegenseitigen Beschenkungen zwischen 11 und 14 Uhr bestimmt. Gegen 10 Uhr hole ich Govinda und Prasanta vom Hotel Durbar ab, um bei dieser Gelegenheit unsere gestern angekommenen Gäste Weinert begrüßen zu können. Prasanta muss anschließend wieder zum Flughafen, um die nächsten Kunden in Empfang zu nehmen. Govinda und ich begeben uns ins Büro, wo ich nach langer Zeit, 2 Jahre ist es wohl her, Govinda 2 endlich wieder einmal begrüßen kann. Während meiner letzten Besuche war er immer „on tour“.

 

Die Zeiger der Uhr nähern sich bereits 13 Uhr, höchste Zeit zu Govinda nach Hause zu eilen, wo bereits die Familie beisammen ist und auf uns wartet. Heike und Gregor sind ebenfalls eingeladen. Es ist Tradition, dass der älteste Sohn Familie und Verwandtschaft zu sich nach Hause einlädt. Die feierliche Zeremonie nimmt nun ihren Lauf: Segnung, Tika, Festessen bis hin zum Kartenspiel und abschließenden Tanz.

 

 

Mit Anbruch der Dämmerung geht es zurück zum Hotel. Die Sachen für die morgen beginnende Trekking-Tour sind noch zu packen. Morgen früh um 7 Uhr fahren wir wieder in Richtung Annapurna. Gregor und Heike werden von Beshi Sahar mit Govinda 2 zur Umrundung der Annapurna aufbrechen, während Govinda und ich den neuen „Gurung-Trail“ von dort nach Pokhara testen wollen.

 

12. Tag - 25.10.2006

 

Seit etwa 2 Stunden sitzen wir hier im Busbahnhof und warten auf die Abfahrt. Da es gestern Ärger zwischen den Maoisten und Abgeordneten der 7-Parteien-Allianz gegeben hat, haben die Maoisten halt zum Generalstreik bis um 10 Uhr aufgerufen. Der Verkehr ist durch brennende Reifen auf den zentralen Kreuzungen und Demonstranten lahm gelegt. Auch wir mussten auf dem Weg dorthin einige Umwege in Kauf nehmen.

 

Pünktlich um 10 Uhr hat der Spuk dann ein schnelles Ende. Die Busse starten. Auf den Kreuzungen wird der Ruß der verbrannten Reifen zusammen gekehrt. Als wir die Anhöhe am Rande des Kathmandutals erreichen überrascht uns ein sehr seltener Ausblick. Aufgrund des sehr klaren Wetters können wir bis hinüber ins Annapurna blicken. Auf gleicher Strecke, wie zum Rafting, geht es weiter in Richtung Pokhara. Trotz der verspäteten Abfahrt wird pünktlich um 11 Uhr strickt die „Dhaal Bhaat“-Pause eingelegt. Wir nutzen die Zeit, um uns mit Bananen und Mandarinen zu versorgen. Dies war tatsächlich notwendig, denn nun geht die Fahrt ohne Unterbrechung weiter. Nach der Abzweigung vom nach Pokhara verlaufenem Highway gen Norden, hält der lokale Bus in jedem Dorf, wo Einheimische zu und aussteigen. Der nun überfüllte Bus windet sich mühsam die schmale Straße, entlang steiler Terrassenfelder, hinauf. Endlich in Beshi Sahar angekommen, ist es schon zu spät, um noch bis nach Khudi zu fahren. Somit übernachten wir hier. Govinda und ich nutzen die Zeit zur Rasur beim nächsten Barbier.

 

13. Tag - 26.10.2006

In der Nacht versucht ein Autofahrer durch ständiges Hupen, das ganze Dorf zu wecken, vielleicht nur seine Freundin. Wer weiß? Jedenfalls beginnt kurz darauf ein Hund mit seinem Gebell, bis er, wohl heiser geworden, aufgibt.

 

Zu Fuß folgen wir der Schotterpiste nach Khudi mit ständigem Blick auf das gewaltige vergletscherte Massiv des Lamjung Himal. Drunten im Talgrund rauscht der Marsyandi, dessen Stromschnellen für Rafting-Freunde  wohl im Bereich der höchsten Schwierigkeitsstufen angesiedelt sind. Nach ein paar Kilometern öffnet sich der Blick auf den Manaslu im Westen, dessen schneeweiße, steil aufragenden Gipfel, im Sonnenschein glitzern. Leere Muli-Karawanen  kommen uns entgegen während schwer bepackte Muli mit uns unterwegs sind, um die Versorgung hungriger und durstiger Trekker auf der Tour über den Thorong La sicher zu stellen.

 

 

In Khudi angekommen, trennen sich wie vereinbart unsere Wege. Heike und Gregor nehmen nun mit Govinda 2 die Umrundung der Annapurna in Angriff. Govinda, unserer in Ausbildung zum Guide-Assistenten befindliche Träger Pasang und meine Wenigkeit,  steht ein steiler Aufstieg von 1.200 m nach Ghalegaun bevor. Jetzt gegen 10 Uhr brennt die Sonne vom Firmament und wir sind froh, die ersten Höhenmeter durch schattigen Wald bewältigen zu dürfen. Dieser lichtet sich jedoch mehr und mehr. Bald säumen Reis und Hirsefelder den treppenartigen angelegten Weg und der Schweiß rinnt in Strömen. Stufe um Stufe wird erklommen und so können wir gegen Mittag in das kleine Dorf Bhalam Chaun abzweigen. Im Schatten des Hauses lassen wir uns von der Hausherrin verwöhnen. Mit Hilfe Pasangs kreiert sie aus frisch aus dem Garten geernteten Gemüse und Kräutern einen gebratenen Gemüsereis der mit Ingwer abgerundet wird. Ebenfalls aus Ingwer und  Minze wird dazu ein erfrischender, würziger Tee aufgebrüht. Zum Nachtisch folgt ein leckerer Brei, der sich aus Tomaten, Minze, Chilly, Salz und Öl zusammen setzt. 2 süßsaure Mandarinen beenden den wahrlichen Festschmaus.

 

 

Nachdem die Sonne den Zenit überschritten hat, hoffen wir, dass es bald etwas kühler wird. Weiter geht es Tritt für Tritt bergan. Die Terrassenfelder bleiben zurück und wir tauchen in dichten Urwald ein. Endlich Schatten und jeder kühle Luftzug hier oben, ist eine Wohltat. Der Pfad ist nun nicht mehr ganz so steil, wird dafür aber holpriger. Schließlich stehen wir auf dem Höhensattel. Die vor Lamjung und Manaslu aufgetürmten Wolken beginnen sich in der einsetzenden Abendsonne aufzulösen. Wir haben Ghalegaun in 2.100 m Höhe erreicht. Hier wurden Unterkünfte für Touristen bei 15 verschiedenen Familien ausgesucht. Bei welcher Familie wir heute übernachten werden, legt der Leiter der örtlichen NTB-Kommission fest. Bevor wir unser Nachtquartier beziehen können, genießen wir den zum Empfang gereichten gesüßten und gesalzten Kaffee und unternehmen einen Abstecher zum nahe gelegenen Aussichtpunkt um den bilderbuchartigen Sonnenuntergang zu erleben.

 

Auf das Herzlichste werden wir von unserer Gastfamilie empfangen. Man bemüht sich, uns alles recht und bequem zu machen. Die gemütlichen, sauberen weiß getünchten Zimmerchen, die sogar mit einem kleinen Schreibtisch ausgestattet sind, befinden sich über dem Kuhstall. Etwas Vorsicht ist beim Aufstieg zu den Zimmern über die schmale Treppe geboten: Achtung ,Kopf einziehen. Unsere Körpergröße entspricht nicht der nepalischen Norm.

 

Zum Abendessen werden wir in die heimische Küche gebeten. Mit den Familienangehörigen nehmen wir um der offenen Feuerstelle Platz. Da hier ein Kamin unbekannt ist, ist die Luft rauchgeschwängert. Nachdem der Milchtee gemeinsam zur Begrüßung getrunken ist, tränen meine Augen so sehr, dass ich mich auf die Veranda vor dem Haus zurückziehen muss. Mich wundert es, wie die Leute, auch Govinda, das aushalten. Wahrscheinlich Gewohnheit. Zuvorkommend nimmt der Hausherr mein Problem mit den Augen als auch das mit meinen ungelenken langen Beinen zur Kenntnis. So sitze ich kurz darauf im bequemen Gartenstuhl und lasse mich von der Küche verwöhnen. Einer nepalischen Suppe aus Trockengemüse folgen etwas andersartig schmeckende Pellkartoffeln, eine spezielle, nur hier angebaute Sorte, mit Chili und Salz.

 

14. Tag - 27.10.2006

 

Auf dem Lande beginnt der Tag mit dem Krähen der Hähne. Genau die richtige Zeit kurz vor Sonnenaufgang zum Aussichtpunkt aufzubrechen. Wie bereits vor ein paar Tagen in Nagarkot erlebt, wiederholt sich das Schauspiel der plötzlich erstrahlenden Berggipfel. Nur ist man dem gewaltigen Massiv des Himalaya hier wesentlich näher. Der Manaslu, von unserem Standort im Osten gelegen, steht bald im grellen Gegenlicht der aufgehenden Sonne. Nach diesem Naturschauspiel und anschließender Katzenwäsche freuen wir uns auf das Frühstück mit Tapati und hausgemachtem Honig. Von unseren Gastgebern werden wir mit besten Wünschen verabschiedet. Neben dem Tika auf der Stirn geht auch eine Blumengirlande mit auf dem Weg nach Bhujung.

 

Auf gemütlichem Höhenweg erreichen wir das größte Gurung Dorf Nepals bereits zur Mittagzeit. Govinda übernimmt es ein passendes Quartier ausfindig zu machen. Mit Pasang mache ich es mir nahe einem der vielen Dorfbrunnen gemütlich und wir schauen der geschäftigen Treiben der Frauen mit ihren kleinen Kindern beim Wäsche waschen zu. Unsere Unterkunft  befindet sich schließlich etwas oberhalb des Hauses unserer Gastgeber. Der zur Küche angrenzende Raum verfügt über einen Tisch und Sitzbänke.  Diese Gelegenheit nutze ich gerne, um die gestrigen und heutigen Erlebnisse zu Papier zu bringen.

 

 

Die Volksgruppe der Gurung sind im wesentlichen Bauern, die die unzähligen, um ihre Dörfer angelegten Terrassenfelder mit Reis (in den Tälern), Hirse und Mais bestellen. Andere sind  Schafzüchter. Während die Dörfer hoch oben auf den Bergrücken liegen, reichen die Felder bis zu 1000 Höhenmeter tief hinunter in die Täler. Dort wo ein Bach rauscht, befindet sich in der Regel auch ein kleines Wasserkraftwerk, welches das Dorf mit spärlicher Energie versorgt. Die Gurungs sind vermutlich mongolischen Ursprungs und über Tibet nach Nepal eingewandert. Die Religion ist eine Mischung aus Hinduismus, Buddhismus und Schamanentum, wobei die buddhistischen Elemente zu überwiegen scheinen. Nach einer kräftigen Nudelsuppe zu Mittag, streifen wir durch diesen malerischen Ort. Auf und ab winden sich die engen meist treppenartig angelegten Wege zwischen den Begrenzungsmauern der einzelnen Gehöfte. Die Häuser, meist noch mit Holzschindeln bedeckt, verfügen sämtlich über eine Veranda und einem befestigten Hof, auf der sich der größte Teil des täglichen Lebens abspielt. Reis liegt hier zum trocknen aus. Handwerker gehen ihrer Arbeit nach. Die Dorfgemeinschaft versorgt sich mit allen notwendigen Dingen selbst. Bei unserem Streifzug entdecken wir nur 2 kleinere Geschäfte, in denen es ein paar weitere Sachen, wie Glühbirnen, Zigaretten und Süßigkeiten für die Kinder zu kaufen gibt.  Ein monotones bumm, bumm, bumm weist uns den Weg zu einer Gewürzmühle, besser als Stampfvorrichtung zu bezeichnen. Zwei Frauen bereiten eine Currymischung zu. Während eine die Gewürze in ein steinernes Loch nachfüllt, lässt die andere mit ihrem Fuß den Balken in die Höhe schwingen an dessen Ende sich der hölzerne Stampfer befindet, der mit voller Wucht in das gefüllte Loch donnert. Govinda und ich versuchen es auch einmal, staunen über die aufzuwendende Kraft und dem nötigen Geschick, welches uns fehlt.

 

Den späten Nachmittag vertreiben wir uns mit den Kindern auf dem Hof unserer Gastgeber. Die Kleinste beweist uns ihr ausgeprägtes Talent als zukünftige Folklore-Tänzerin. Zum Abendessen wird uns Tee aus der eigenen Plantage gereicht. Ein Aufguss mit einem besonderen sehr aromatisch ausgeprägten Geschmack.

15. Tag - 28.10.2006

 

Nachdem uns die Sonne über dem Lamjung Himal begrüßt hat, beschließen wir zeitig aufzubrechen. Nach etwa 600 m Abstieg hinunter zum Midim Kola stehen 900 m Aufstieg bevor, den wir möglichst vor Beginn der Mittagshitze hinter uns bringen möchten. Zum Frühstück munden die knusprig goldbraun gebackenen Tapatis aus Mais und dazu der schon gestern Abend probierte aromatische Tee. Auch hier werden wir besten Wünschen und Segen verabschiedet.

 

Es ist bereits 7:30 Uhr als wir aufbrechen. Steile Steinstufen führen hinunter in den Talgrund, dessen leicht zu bewässernde Felder in Nähe des Baches mit Reis, ansonsten mit Getreide bestellt werden. Jetzt im Herbst zur Erntezeit leuchten die Felder goldgelb bis hoch hinauf zu den Siedlungen.  Vorbei an einen kleinem Wasserkraftwerk geht es wieder steil bergauf. Wie vor 2 Tagen führt der Weg zunächst zwischen den Feldern hindurch, bis uns der Urwald aufnimmt. Die dichten, hohen und verfilzten Bäume spenden Schatten vor den unermüdlichen Strahlen der Herbstsonne. Auf dem Bergsattel angekommen, bleibt uns heute der Panoramablick auf den Manaslu verwehrt. Dicke Kumuluswolken treiben entlang des Massives und machen nur kurzzeitig einen kleinen Ausblick auf die vergletscherten Wände und Gipfel frei. Trotz alledem ist dies ein gemütlicher Platz zur Mittagsrast. Wir sind mit den mitgenommenen Ost und Studentenfutter bestens versorgt.

 

 

Am Nachmittag in Pasgaun eingetroffen, werden wir mit einem Glas Tee herzlichst willkommen geheißen. Unaufgefordert stellt man uns Stühle zur Verfügung. Vor dem hier noch im ursprünglich ovalen Stil erbrauten Haus, an dessen Dach ein Bienenstock in Form eines Fasses befestigt ist, machen wir es uns auf dem Hof gemütlich. Zum Sonnenuntergang treffen sich einige Männer des Dorfes, um gemeinsam das Dach über der Stallung zu reparieren.

 

 

16. Tag - 29.10.2006

 

Zum Frühstück wird heute die schon einmal probierte Paste aus Minze, Tomaten, Ingwer und Chili gereicht. Es schmeckt sehr gut, ist aber doch etwas scharf. Aber halt mal etwas anderes, als Eier in allen Variationen. Die Verabschiedung von den Gastgebern verläuft wie in den Tagen zuvor. Am Dorfausgang besuchen wir noch die kleine buddhistische Ghompa in welchem ein Mönch rezitiert und uns seinen Segen mit auf den Weg gibt.

 

Nun stehen uns 1.000 m Abstieg zum Rudi Kola bevor. Dann folgt der Gegenanstieg. Zu Mittag kehren wir in einem Bauernhaus ein und werden dort auf das Beste versorgt.  Zuerst aber muss Pasang in den Mandarinenbaum klettern, um einen Korb mit grüngelben, süßsauer schmeckenden Früchte zu ernten. Während dessen stellt uns die Hausherrin Sitzgelegenheiten und auch Seife zum Waschen zur Verfügung. Da alle Speisen frisch geerntet und zubereitet werden, verbringen wir dort über 2 Stunden im Schatten während der Mittagshitze.

 

Durch Reis und Hirsefelder führt der Weg noch etwas weiter aufwärts. Vorbei an einem keinen Shiva-Tempel überqueren wir den Bergsattel. Am Wegesrand liegt eine kleine Dorfschule, in der auch heute am Sonntag  Kinder der umliegenden Dörfer von 2 Lehrerinnen unterrichtet werden. Stolz zeigt man uns  die Klassenräume und das große von UNICEF gespendete Radio. Da Mädchen meist immer noch auf ihre kleinen Geschwister aufpassen müssen, dürfen sie diese mit zur Schule bringen. Für ein Baby ist daher eine Babyschaukel im Klassenzimmer vorhanden.

 

Im ständigen auf und ab verläuft der schmale Pfad durch schattige, urwäldliche Vegetation. Kleine Wasserfälle und Bäche plätschern am Wegesrand. Plötzlich befinden wir uns am Eingang des Dorfes Parkhuri Kot. Nach einigen Metern den Dorfweg aufwärts, erreichen wir unsere heutiger Unterkunft, wo Gartentisch und Gartenstühle schon bereit stehen. Zum Sonnenuntergang steigen wir zur nahe liegenden Ghompa hinauf und erleben inmitten unzähliger bunter Gebetsfahnen den Manaslu im Abendschein.

 

Nach dem Abendessen folgt eine Überraschung. Fast das gesamte Dorf versammelt sich hier, um uns ein kulturelles Ständchen mit Musik, Tanz und Gesang zu geben. Bis zur ungewöhnlich späten Zeit nach 22 Uhr wird gemeinsam gefeiert. Zum Abschluss muss ich dann noch ein großes Glas Reiswein leeren, das mich kurz darauf wohlig und tief einschlafen lässt.

 

17. Tag - 30.10.2006

 

... und dann doch noch: Ein Maoist besucht uns zum Frühstück. Fragt höflich wie es uns geht und wie lange wir hier im Annapurna unterwegs sind. Da es 5 Tage sind verlangt er von mir eine „Spende“ in Höhe von 500 Rupien (ca. 5,50 EUR). Selbstverständlich erhalte ich eine handschriftliche Quittung, die aber nur ein Nepali lesen kann. Man wünscht eine erfolgreiche weitere Wanderung hinunter nach Thumsikot wo heute unsere Tour enden wird. Da eine Brücke auf dem direkten Weg zerstört ist, müssen wir einen Umweg über ein Nachbardorf in Kauf nehmen. Dies bedeutet einen großen Bogen durch schier unendliche Hirsefelder zu machen. Entschädigt werden wir durch ein tolles Panorama. Nachdem das Lamjung Himal wieder sichtbar wurde, tauchen nach und nach Machhapuchre, Annapurna 2 und schließlich Annapurna South am Horizont auf. Dann führt der Weg stetig und nicht so steil wie in den zurückliegenden Tagen hinunter. Wir durchqueren noch ein kleines Dorf, wo die Metzger bereits fleißig waren und ein Rind geschlachtet haben. Ob dies vorher geopfert wurde, wissen wir nicht. Hier verabschieden wir uns von unserem Führer, der uns freundlicherweise begleitet hat, damit wir den richtigen Weg nicht verfehlen.

 

Auf den letzten Metern hinunter zum Mardi Kola müssen wir noch einmal über steile Steinstufen. Der Weg verläuft entlang des Wildbaches zu dessen beiden Seiten Reisfelder angelegt sind, die über ein geschickt angelegtes Kanalsystem bewässert werden.  Innerhalb dieses Systems steht alle paar hundert Meter eine mit Wasserkraft angetriebene Getreidemühle.

 

In Thumsikot wartet bereits der lokale Bus. Für Govinda und Pasang reichen 10 Minuten bis zur Abfahrt im Dhaal Bhaat-Schnellimbiss ihr 11 Uhr-Frühstück einzunehmen. Der voll besetzte Bus quält sich in engen Kehren und durch tiefe Spurrillen. Es schaukelt, hoppelt, das Getriebe ächzt und die Räder drehen oftmals wild durch, wenn die Spurrillen matschig oder tief mit Wasser gefüllt sind. Es ist Schwerstarbeit für den Fahrer. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir endlich die befestigte Straße auf der wir in ca. 30 Minuten den Busbahnhof in Pokhara erreichen. Wie bei jedem Aufenthalt in Pokhara beziehen wir die Zimmer im Lake View Ressort. Ich freue mich schon auf die warme Dusche, aber es steht nur siedend heißes Wasser vom Kollektor-System zur Verfügung. Die Kaltwasser-Versorgung ist defekt. Das Problem wird kurzerhand dergestalt gelöst, indem ein paar Eimer kaltes Wasser vom Brunnen des Gartens, in die Badewanne gegossen werden, und dann das Badewasser mit dem zu heißen Wasser auf angenehme Badetemperatur gebracht wird. Danach geht es in eines der am Ufer des Phewa-Sees liegenden Restaurant und Cafes zu Kaffee und Kuchen.

 

Voll bepackt mit neu eingekauften Hosen und Hemden, m. E. gibt es in Pokhara die größte und preiswerteste Auswahl an Textilien, kehren wir zum Hotel zurück und verbringen den Abend bei der hier täglich stattfindenden  Folkloreveranstaltung.

 

 

18. Tag - 31.10.2006

 

Nach Auflösung des Morgendunstes, der über dem Phewa-See liegt, begrüßt uns das Annapurna Range von Annapurna South bis hinüber zum Lamjung Himal im klaren Sonnenschein. Nur der Dhaulagiri versteckt sich hinter dicken Wolken.

 

Mit dem lokalen Bus fahren wir nach Pokhara zum Busbahnhof, um die Tickets für den Nachtbus nach Kathmandu zu erwerben. Bei einen Fahrpreis von umgerechnet nur 3 EUR kaufe ich gleich 2 Plätze in der ersten Reihe, fahre heute Nacht sozusagen Business Class. Pasang fuhr bereits gestern zurück nach Kathmandu, da er dort für die nächste Trekkingtour ins Khumbu benötigt wird. Den Weg zurück zum See gehen wir zu Fuß. Pünktlich um 11 Uhr, zu Govindas Frühstückszeit mit „Nepali Pizza“, eine alternative Bezeichnung für Dhaal Bhaat, erreichen wir die Uferpromenade. Den Tag vertrödeln wir mit einer Bootfahrt und weiteren kleinen Einkäufen.

 

Das im Abendrot erstrahlende Annapurna verabschiedet sich von uns. Pünktlich um 18:30 beginnt die Busfahrt nach Kathmandu. Ich mache es mir auf 2 Sitzen bequem und lausche meiner Musik aus dem von zu Hause mitgebrachten MP3-Player, soweit diese nicht durch laute Nepalmusik aus den Lautsprechern des Busses übertönt wird. Gegen Mitternacht erreichen wir Mugling. Hier wird eine längere Pause eingelegt. Auch zu dieser späten Stunde ist hier in den Restaurants und Geschäften Hochbetrieb. Nach weiterer Fahrt folgt alsbald am Straßenrand, mit den kleinen Teeshops; die Nachtruhe für den Fahrer. Ich genieße den besten Tee Nepals und döse schließlich auch ein. Um 5 Uhr treffen wir in Kathmandu ein. Wieder daheim im Büro, gönnen ich mir noch gut 3 Stunden Schlaf im Gästezimmer.
 

19. Tag - 01.11.2006

 

Eine Nachricht meiner Tochter Tanja ist eingetroffen: Es wird ein Junge und er wird in etwa 4 Monaten das Licht der Welt erblicken. Ob er wohl in Opas Fußstapfen treten wird? Nach erfolgreichem Abschluss dieser Pilotprojekte beziehe ich nun ein Zimmer im Hotel Durbar, welches in der Nähe des *****Hotels Yak & Yeti liegt. Obwohl nur 2 Sterne, bin ich von der Ausstattung der Zimmer überrascht. Neben Klimaanlage, den obligatorischen, noch nie in Nepal genutzten Fernseher ist jedes Zimmer mit einem Kühlschrank ausgestattet.

 

20. Tag - 02.11.2006

 

Der letzte Tag in Kathmandu ist Büro-Alltag.  Ein paar kleinere Einkäufe sind noch zu erledigen und am Abend sitzen wir zum Abschied noch mal im City Heaven zu nepalischen Snacks beieinander.

 

21. Tag - 03.11.2006

 

Mit der QATAR starte ich am Abend den Rückflug nach Hause, wo ich morgen früh kurz vor 7:00 in Frankfurt landen und zum 2. Frühstück wieder bei Dorlis zu Hause sein werde.

 

Die Flüge für die nächste Reise Anfang Februar sind schon gebucht.

In 3 Monaten werde ich schon wieder in Nepal sein.