Auf neuen Wegen 2. Teil
Ganesh Himal Eine Panoramawanderung
Reisebericht 31.10. - 16.11.08
Vorwort:
Auf dieser Tour geht es wirklich ins Unbekannte. Govinda antwortet immer, wenn ich ihm nach einer neuen, möglichst noch touristisch unbekannten Tour frage: „Papa, wir gehen in ein Gebiet, wo ich auch noch nicht war.“
Dieser zweite Teil könnte vom Verlauf her vor dem ersten Teil meiner diesjährigen Reise liegen. So fahren wir wieder in Richtung Trisuli und den Langtang Nationalpark. ... und die Tour endet dort wo die erste begann, in Syabru Beshi. ---> 1. Teil
© Klaus Töpfer HIMATREK Gelsenkirchen, Dezember 2008
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31. Tag - 31.10.2008
Govinda und Prasanta sind den ganzen Tag mit der Vorbereitung unseres Camping Treks in das Ganesh Himal beschäftigt. Kaum einer kann sich vorstellen, welch logistischer Aufwand zu bewältigen ist. 10 Träger werden für Küche und Proviant benötigt. Davon sind 2 dabei, die die geplante Tour kennen. Ein Guide mit den gewünschten Erfahrungen lässt sich nicht finden. Ebenso werfen wir den gesamten ursprünglichen Tourverlauf via Tipling über den Haufen. Wir möchten nicht zu lange durch tiefe Täler wandern, bevorzugen Lager an Punkten mit möglichst weitreichender Fernsicht, soweit sich dies realisieren lässt.
Seit 3 Tagen haben wir keine Verbindung mehr zum Internet. Angeblich hat ein Bagger ganz Kathmandu vom Internet getrennt. Das hatten wir hier in Gelsenkirchen auch schon und nicht nur ein Mal. Während der Feiertage passiert in solch einer Situation in Nepal meist gar nichts! Gerade habe ich mit Dorlis telefoniert, um mich für die kommenden Tage zu verabschieden, da steht die Verbindung zur Welt wieder. Am Abend verlangen die Taxi-Fahrer 200 Rupien (Nachtzuschlag?) für die Fahrt von Thamel bzw. von unserem Büro zu meinen Hotel Vajra. Üblich sind 100 Rupien. Für 100 Rupien lasse ich mich dann lieber mit der Muskel-Rikscha zum Hotel bringen. Der Junge hat sich den Lohn redlich verdient.
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Unser Team besteht aus 14 Leuten, dem Koch Kaji, 3 Küchenjungen und 10 Trägern. Mit Petra und Govinda sind wir also 17 Personen. Govinda hat deshalb einen Bus gechartert. Nachdem die gesamte Ausrüstung und das Proviant für 2 Wochen verstaut sind, verlassen wir das Kathmandutal in nördlicher Richtung. Nach der Mittagspause in Trisuli endet die Fahrt dieses Mal nach weiteren 45 Minuten in Sole (660 m) am Sholkankhu Khola.
Am Abend lernen wir dann die Kochkünste Kajis und seinen Boys Beg, Gyan und Khadka kennen. Der deftigen Gemüsesuppe folgen mit Spinat gefüllte Momos. Auch können wir uns über Besuch nicht beklagen. Kleine und große Kinder des Dorfes sind neugierig.
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33. Tag - 02.11.2008
Kurz vor 6 Uhr beginnt es zu dämmern. Noch vor dem Frühstück blinzelt die Sonne über den Bergkamm. Es wird ein heißer Sonnentag. Warum ist meist der erste Teil einer Tour, so wie heute, immer der steilste? Petra muss notgedrungen nach einer Stunde aufgeben, denn sie hat sich den Magen verdorben. Glück im Unglück, zum nächsten Ort, an welchen wir campieren werden, fährt gegen Mittag ein Bus hinauf. Govinda wird mit Petra, die sich nun erst einmal im Schatten ausruht, nachkommen.
Ich folge unseren Trägern durch schattenspendenden Mischwald aufwärts. Tauschen möchte ich mit den Jungs nicht, die ca. 30 kg geschultert haben. Etwa jede halbe Stunde ist kurze Rast. Mangail, Leiter der Träger und Kenner des Gebietes, sorgt dafür, dass alle zusammen bleiben und niemand verloren geht. Obwohl wir uns untereinander nicht verständigen können, geht es unterwegs immer recht lustig zu.
Das Küchenteam hingegen ist bereits weit voraus, weiß noch nicht, das Petra und Govinda zu Mittag nicht anwesend sind. In Satdobato (1.240 m) ist das Essen vorbereitet. Ich bin der einzige Gast. Trotzdem lasse ich mir den zubereiteten Salat mit Kartoffeln und Tibetan Bread gut schmecken. Nachdem auch die Träger gut versorgt sind, werden Töpfe, Kessel, Teller und Geschirr blitzblank geputzt und in die Tragekörbe verstaut. Die zerbrechlichen Eier, gut geschützt zwischen mehreren Lagen Karton, übernimmt Koch Kaji persönlich.
Gut 2 Stunden benötigen wir bis Kipsang (1.758 m). Die Träger treffen nach und nach ein. Als erstes wird die Küche in Betrieb genommen. Nun sitze ich hier im Campingstuhl am Esstisch und warte auf Petra und Govinda und da treffen sie auch schon ein.
Der Dorfälteste kommt zu Besuch und heißt uns herzlichst in seiner Gemeinde willkommen. Mit seinem entwurzeltem Bambusstab heftig gestulierend, erläutert er Govinda mehrmals, dass wir ja auf unsere Sachen aufpassen sollen. Sein Dorf habe eine guten Ruf bei Gästen, den er keinesfalls durch irgendeine Unachtsamkeit verlieren möchte. Nach Sonnenuntergang wird das Lagerfeuer aus genügend vorhandenem Bruchholz entfacht. Govinda kommt wie immer bei Gesang und Musik in Hochform. Über uns wölbt sich das Dach der Sterne und der Milchstraßen. Nur im Süden blendet etwas der Lichtschein des Kathmandutals. Erst als zu später Stunde Petra und ich in unsere Zelte verschwinden, klingt auch der schier unendliche Trekker-Song „Resam Firiri“ aus.
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Laut Govinda liegt heute nur eine kurze Etappe vor uns und die Zelte werden irgendwo in der Wildnis stehen. Nun denn, lassen wir uns überraschen was der Tag bringen wird.
In Balche (1.914 m) angekommen, nehmen wir die Gelegenheit wahr, die Dorfschule zu besuchen. Heute sind nur wenige Kinder anwesend. Nach dem Tihar-Fest kehren Schüler und Schülerinnen erst im Laufe dieser Woche vom oft fernen Besuch ihrer Verwandten zurück. In der Nähe steht noch eine Schaukel, ein Relikt der zurückliegenden Feste und/oder des noch bevorstehenden Haribodhine Ekadashi zu Ehren Wishnus. Wer wagt es, sich auf den dicken handgeflochtenen Tauen in die Lüfte zu schwingen?
Oberhalb des Dortes haben sich viele Leute versammelt. Ist heute der besagte oder ein anderer lokaler Festtag? Wir steigen hinauf. Leider handelt es sich um eine Beerdigung. Die Mönche der umliegenden Dörfer sind eingetroffen und zelebrieren das Totenritual.
Ist der heutige Campingplatz erreicht? Doch wo ist das Küchenteam? Sollte nicht hier am rauschendem Bach, das Lager aufgebaut werden? Die Träger treffen ebenfalls nach und nach ein. Diese sind verständlicher Weise hungriger als wir. Govinda jagt der Küche hinterher; diese kann ja nur voraus sein. Wir warten, warten und hoffen. Endlich, nach gut einer Stunde taucht Beg, einer unserer Küchenjungs auf. Das heutige Camp liegt nur etwa 1 Stunde Gehzeit von hier entfernt. Nun denn, ein paar Kekse, etwas trinken und auf geht’s bis in die Nähe von Langdawa (2.223 m).
Klar, als erstes werden die Träger versorgt. Es wird ein mächtiger Brei aus Hafer, Mais, ... gekocht, dazu ein Gemüse Allerlei um deren Hunger zu stillen. Man, eine Portion würde mir für mindestens 3 Tage reichen. Noch steht die Sonne am Firmament und somit ist die Gelegenheit günstig, ein kleines Bad zu nehmen. Die Zelte stehen alsbald verteilt auf den verschiedenen Ebenen der Terrassenfelder, Meines hat Vorder- und Hintereingang. Ein Weg zum Küchenzelt, der andere zur Toilette.
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Wäre da nicht der Hund, der mitten in der Nacht auf sich aufmerksam machen musste, so hätte ich 10 Stunden durchgeschlafen.
Heute ist es erstmals schon am Morgen stark bewölkt. Tief dringen wir in den subtropischen Wald ein, durch den sich der Pfad beständig aufwärts schlängelt. In einem leeren Unterstand auf einer typischen Sommerweide wird zum zweiten Frühstück die Küche hergerichtet. Nach kurzer Rast mit Nudelsuppe machen Petra, Govinda und ich uns mit Mangail auf den Weiterweg, um den nächsten Campingplatz zu erkunden. Dort müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Platz für die Zelte und eine Wasserstelle in der Nähe. Während der Monsunzeit sprudelt auf den jetzt verlassenen Hochweiden genügend Wasser.
Ein kurzer Spaziergang den Sattel hinunter führt zu einem der weit verstreuten Bauernhäuser. Wir können dort ein paar Kilo frische Kartoffeln für 40 Rupien (ca. 40 Cent) kaufen.
Was macht man bei Nebel, Wind und Regen in fast 3.000 m Höhe? Man verkriecht sich in den Schlafsack und hält ein verspätetes Mittagschläfchen. Gesagt, getan. Erst zum Abendessen krieche ich gut eingepackt in Pullover, Schal und Pudelmütze aus dem molligen Nest. Es gibt köstliche Pellkartoffeln. Die ersten sind gekocht zu später Stunde werden die restlichen Kartoffeln in der Glut des Lagerfeuers geröstet. Etwas Einmaliges zumal der Schmaus mit einer von Govinda selbst gemixten Chili-Butter abgerundet wird. Inzwischen hat es aufgehört zu regen und es ist windstill geworden. So verbringen wir einen gemütlichen Abend in gemeinsamer Runde.
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Es dämmert. Ich schaue aus dem vereisten Zelt nach draußen. Gerade rechtzeitig. Zum Sonnenaufgang begrüßt uns der Langtang Lirung. Tief unten im Tal hängen noch die dicken Wolken, über uns ein strahlend blauer Himmel.
Wo werden wir heute Abend übernachten? Irgendwo vor dem Singla Pass zwischen 3.600 und 3.800 m. Mehr konnte Govinda nicht in Erfahrung bringen. Der dichte Urwald, gleich einem Zauberwald nimmt uns gefangen. Dick mit Moos bewachsen sind Stämme und Äste, in welchen inzwischen verblühte Orchideen und anderes Grün wuchert. Eine kleine Quelle am Wegesrand lädt zur Rast. Da es wahrscheinlich die letzte Wasserstelle vor dem Singla Pass ist, wird für die Versorgung der nachfolgenden Träger eine Kochstelle hergerichtet. Für unser Mittagsessen werden 2 Wasserkessel gefüllt, ausreichend für eine leckere Nudel-Gemüsesuppe, die mit Knoblauch und Chili kräftig nachgewürzt wird.
Der Wald lichtet sich. Siehe da, zwischen braunem Gras und anderen inzwischen verwelkten Pflänzchen blüht tatsächlich der Enzian. Zwar nicht so dunkelblau wie wir ihn aus der Alpen kennen, sondern hellblau, teilweise in Kombination mit weiß.
Rings herum wabbert der Nebel, zum Glück kein Regen. Nachdem die Zelte aufgebaut sind, ziehe ich es vor, mich bis zum Abendessen zu verkriechen. Gerade im Schlafsack eingemümmelt, ruft Govinda: Schnell, auf, klare Sicht! Ich blinzle hinaus. Falscher Alarm? Schon wieder ist alles verhangen, oder? Geschwind in die warmen Sachen schlüpfen und zum Kamm hinauf und dann: Ein überwältigendes Panorama zum Sonnenuntergang. Die Wolken liegen tief unter uns. Im fernen Westen das Annapurna. Manaslu und Langtang liegen im goldenem Schein der untergehenden Sonne. Nur das Ganesh Himal bleibt hinter den steil aufragenden Felsen des Singla Passes verborgen.
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37. Tag - 06.11.2008
Nach 2 Tagen mit nicht gerade bestem Wetter, beginnt heute tatsächlich eine Panorama-Wanderung, selbst wenn wir morgen noch einmal tief ins Tal nach Somdang (3.270 m) absteigen müssen. Aber erst einmal hinauf zum Singla Pass (4.045 m). Dort treffen wir auf ein junges Paar aus Polen. Beide sind allein unterwegs und haben sich auf Umwegen an den Kontrollposten (Permit) vorbeigeschlichen. Nachdem sie sich bereits verlaufen hatten, sind beide froh, dass wir ihnen den Rückweg erklären können. Es fehlt inzwischen, wie sie selbst zugeben, nicht nur an Proviant sondern auch an Wasser, unserem eigenen aber bisher bewältigtem Problem. Seit dem Aufbruch von Gonkar haben wir unterwegs niemanden mehr getroffen.
Selbst wir haben uns auf dem weiteren Weg gewaltig verkalkuliert. Zur Mittagzeit sind wir planmäßig zu einer namenlosen Sommeralm auf etwa 3.800 m abgestiegen. Im Schutz einer verfallenen Hütte brutzelt bereits das Mittagessen. Es bleibt noch so viel Zeit. Der erste Panoramapass ist nicht mehr weit, höchstens 1 ½ Stunden. So kann Govinda noch die Rasur meiner inzwischen recht stark gewachsenen Bartstoppeln übernehmen. Auf meine Frage hin „Sollen wir unsere Trinkflaschen auffüllen?“ lautet die Antwort der Küche: „Nicht notwendig, wir sind ja gleich da“. So stiefeln wir los. Erst über Wiese, danach folgen niedere Büsche, Dornengeflechte und wieder einige zu dieser Jahreszeit üppig blühenden Pflanzen. Neben den bereits genannten Enzian finden wir immer mehr ganze Kolonien Edelweiß. Nummer eins der Panoramapässe ist erreicht. Nur gibt es hier nicht das erhoffte Wasser. Was bleibt uns übrig? Weiter, letzt endlich über 3 weitere Pässe, die zum Glück recht eng beieinander liegen.
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Alle Anstrengungen des gestrigen Tages sind vergessen. Ein super Panoramablick beim Sonnenaufgang entschädigt für alle gestrigen Mühen: Annapurna, Lamjung, Manaslu, Ganesh, Tibetan Range, Langtang. Dies ist ein einmaliger Lagerplatz! Den Verlauf der Tour werden wir zukünftig so gestalten, das hier auf jeden Fall übernachtet wird.
Nun geht es bergab, hinunter nach Somdang (3.270 m). Enzian und Edelweiß säumen den Weg. Aus Unkenntnis werden die Wiesenhänge, wie früher bei uns, noch abgefackelt. Unerwartet stecken wir im Verkehrsstau. 11 Amerikaner, verteilt über die gesamte Kolonne mit über 80 Trägern, Guides und Küchenteam nicht mitgezählt, kommt uns entgegen. Angeblich eine Care Medical Hilfe für diese Region. Sie sind von Syabru Beshi nach Gatlang, von dort weiter nach Somdang gewandert (gefahren worden?) und wollen heute noch Tipling erreichen.
In Somdang eingetroffen, sind die Zelte auf dem Campingplatz hinter dem kleinen Dorfladen schnell aufgestellt. Hier können wir noch den Restbestand, von 3 Flaschen Bier kaufen, die die Amerikaner wohl freundlicherweise zurück gelassen haben. Da Somdang tief im Tal liegt, verabschiedet sich die Sonne bereits gegen 15 Uhr. Es wird ungemütlich kalt. Hinzu gesellt sich ein frischer Wind. Selbst die im Dorf gekauften Holzscheite, mit denen zum Abend ein Feuer entzündet wird, bringt nicht viel Wärme. Trotzdem ist unser Team in der Lage mindestens 1 Stunde lang nur einen einzigen Wasser-(Pani-)Song zum Besten zu geben. Bei jeder Strophe dichtet abwechselnd irgendeiner etwas, wozu Wasser benötigt wird.
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39. Tag - 08.11.2008
Wieder verlassen wir die Zivilisation. Parallel zur Straße, die zur vor 13 Jahren geschlossenen Kupfer- und Zinkmine führt, steigen wir langsam durch schattigen Wald auf. Dort oben, in etwa 4.000 m Höhe, befindet sich ein kleines Kraftwerk, welches sowohl die Mine als auch die umliegenden Dörfer mit Strom versorgt hat. Das Wasserkraftwerk ist außer Betrieb, nachdem die Maoisten sehr gewissenhaft auch die Leitungen von Mast zu Mast kappten. Die abgeschnittenen Kabel liegen auf dem Boden herum. Warum das Kraftwerk noch nicht wieder in Betrieb genommen und die Überlandleitungen repariert wurden, um den latenten Energiemangel Nepals zumindest zu reduzieren, wissen wohl nur die Götter des Himalaya.
Unterhalb eines gewaltigen Wasserfalls, zweigen wir auf einen schmalen Pfad ab. Als wir den Wald verlassen haben, finden wir den idealen Campingplatz für diese Tour. Bereits am Osthang gelegen, bietet dieser längeren Sonnenschein und verkürzt den heutigen Aufstieg um mindestens 1 Stunde.
Im unwegsamen Gelände stapfen wir bergan. Jeder Schritt und Tritt erfordert Konzentration, ist anders als der vorherige. Perfekt hingegen ist das Timing unseres Küchenteams. Zur rechten Zeit am richtigen Ort. Der Zitronentee ist zubereitet und auf dem Kerosinkocher brodelt schon die uns inzwischen wohl bekannte und immer wieder von Petra und mir erneut gewünschte Nudel-Gemüse-Suppe. Gut gestärkt nehmen wir nach einer Stunde Rast beginnt die zweite Etappe des Aufstiegs. Der Rhododendren-Wald bleibt zurück. In der herbstlich gefärbten Landschaft führt der stellenweise nur schwerlich zu findende Pfad im Zickzack durch niedriges dorniges Gewächs mit roten Blättern und Beeren. Dazwischen blühen hier und da ein paar Enzian und andere Hochgebirgsblumen. Das Landschaftsbild ist mit dem des Verwalls in den Alpen vergleichbar: Mächtiges Urgestein, steile Geröllhänge und urzeitliche Gletschermoränen. Die hohen eisglitzernden sieben Gipfel des Ganesh Himal sowie der einzige Trekking-Gipfel dieser Region, der Paldor (5.896 m) bleiben dahinter verborgen.
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Wie gestern verabredet, findet das Wecken eine Stunde später statt. Zudem ist heute Sonntag. Wie an all den Tagen zuvor, beginnt der Tag mit dem Rauschen des Kerosin-Kochers. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Warten bis einer der Küchenjungen den „Good Morning“-Tee zum Zelt bringt oder man selbst zum Küchenzelt hinüber geht. Dort ist es warm und kann den typischen Nepali Tea gemeinsam mit dem Team genießen.
Petra und Govinda brechen zu einer „kleinen“ Rundwanderung auf. Ich verspüre keine Lust, mehr als das Notwendige zu tun. Ist das herrlich hier in der Sonne zu relaxen. Die Gedanken über die zurückliegenden Tage schweifen lassen und zu Papier zu bringen. Nebenan zocken die Träger. Erst als diese zu Mittag versorgt sind (ich verzichte) und das Küchenteam aufbricht, folge ich.
Im Laufe des Nachmittags erkundet Govinda mit Gyan, einem unserer Küchenjungen, noch einen nahe gelegenen Aussichtspunkt (ca. 4.600 m). Für jeden, der Lust und Laune hat, ist dieser Ausflug bei guten Wetter lohnenswert. Ein Blick hinab in das Hochtal, wo unsere Zelte stehen, bis hinüber zu den Gipfeln des Langtang.
Die untergehende Sonne taucht die Felswand über dem See in ein blutrotes Licht. Gleich darauf wird es bitterkalt.
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41. Tag - 10.11.2008
Mit dem Aufgang der Sonne, beginnt die gefrorene Seele zu tauen. Sobald die ersten Strahlen den eisglitzernden Boden erreichen, nimmt der Körper die wohltuende Wärme auf. Hierzu reicht Kaji einen Pott mit einen speziell zubereiteten aufgeschäumten Kaffee. Sein spezielles Heißgetränk an sehr kalten Tagen.
Heute weiß keiner so recht, wie der Weg verlaufen wird. In der sehr ungenauen Karte (Shangri-La Maps) ist er gestrichelt eingezeichnet und mit Kausing Danda bezeichnet. Über eine weglose Böschung steigen wir zum gut sichtbaren Hauptweg auf etwa 4.000 m hinunter. Bis zum nächsten Pass geht es recht zügig voran. Die Gipfel des Ganesh Himals tauchen wieder auf und die Sonne lacht vom wolkenlosen, tiefblauem Himmel. Der Pfad verläuft mal über den Kamm oder rechts oder links an kleinen Gipfelchen vorbei. Da einige dieser 4.000er zu überschreiten sind, habe wir bis zum Mittag mehrere Gipfel bestiegen. In einer Senke, nahe einer der überlebensnotwendigen Quelle ist die Küche eingerichtet. Essen und Trinken ist für alle bereits vorbereitet. Die verfügbaren Trinkflaschen werden bis zum Rand gefüllt. Sicher ist sicher.
Probeliegen im Zelt. Oh wie wohlig warm ist es hier im Vergleich zu draußen. Ich schlafe ein. Da hilft auch kein Wecken zum Abendessen. Ich bin einfach zu faul zum Aufstehen und schlafe rund um die Uhr.
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Noch bevor die ersten vereinzelten Sonnenstrahlen die schattige Waldlichtung durchdringen, vertreibt die letzte Müdigkeit wieder Kajis Spezialkaffee. Statt der Sonne erwärmt uns heute das zum Frühstück erneut entzündete Lagerfeuer.
Wir dringen in den tiefen dichten Wald ein. Beständig führt der Pfad bergab. Oberhalb eines Militärcamps treffen wir wieder auf die Straße. Zur Mittagzeit liegt Gatlang zu unseren Füßen. Die malerische Tamang Siedlung, dort wo ich vor etwa 5 Wochen war. Heute ist dort im Kulturhaus mehr Betrieb. Eine größere Gruppe Engländer hat hier Quartier bezogen.
Im geräumigen Kulturraum ist unser Küchenteam eingezogen. Nach dem Abendessen startet die übliche Abschiedsfeier unser hier endenden Trekking-Tour. Der Kuchen wird angeschnitten, es wird getanzt und gesungen und die Trinkgelder werden verteilt. Gegen 20 Uhr kommen die übrigen Gäste hinzu. Wir erfreuen uns an den kulturellen Darbietungen der Tamang. Bis zu später Stunde wird gemeinsam gefeiert an dessen Ende ich einer jungen Tamang den Krug abkaufe, aus welchen sie uns über den Abend hinweg mit Rakshi versorgt hat.
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Bereits um 7 Uhr ist Govinda 2 aus Syabru Beshi eingetroffen. Er wird mit Petra noch ein paar Tage weiter wandern, den gleichen Weg über Tatopani nach Thuman, welchen Gregor und ich gegangen sind. Govinda und ich werden zusammen mit unserer Mannschaft auf den Rückweg nach Kathmandu antreten. Da keiner mehr große Lust verspürt den Weg, insbes. den steilen Hang hinunter nach Syabru Beshi zu laufen, nutzen wir die Gelegenheit auf einem LKW mitzufahren.
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bis zum 47. Tag - 17.11.08
Diese Tage in Kathmandu verstreichen schnell. Die letzten Einkäufe sind zu tätigen. Auch mein Büro ist aufzuräumen. Wie in allen zurückliegenden Jahren findet das familiäre Abschiedessen im Delima Garden statt.
Am 16.11. starte ich pünktlich von Kathmandu mit der GULF via Bahrain nach Hause. Tags darauf bin ich um 10 Uhr schon wieder in Gelsenkirchen. Nach langer Zeit schmeckt das „deutsche“ Führstück ganz besonders im Kreis der Familie, und
... die Flüge für das Frühjahr 2009 sind bereits gebucht, Abflug am 20.03.
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