4 Wochen Khumbu

 

Von Jiri zum Kala Pattar
mit Ama Dablam- und Island Peak BC

 

Reisebericht 01.04. - 02.05.2012

 

 

Solo Khumbu - Weg nach Kinja Lamyura La (3.530 m), Solo Khumbu Kharikhola (2.060 m), Solo Khumbu
Namche Bazar, Khumbu Everest, Lhotse und Ama Dablam Ama Dablam BC
Imja Tsho am Island Peak BC Sonnenauf gang am Everest Kala Pattar (5.550 m)

 

 

Vorwort

 

Die Tour durch das Terai und in das Mardi Himal sind erfolgreich beendet. Die Woche bis zum geplanten Trekking ins Khumbu (Everest- Gebiet) gehen rasant vorüber. Am 28.03. war der Geburtstag meiner Frau Dorlis, den wir wie immer im Delima Garden mit Govinda, Radhika und Kindern feierten. Leider eine Pleite, ein neuer unfähiger Koch ist das Übel.

 

Der 31.03.: Müssen denn alle Kunden, Freunde und Bekannte gleichzeitig eintreffen? Trotzdem es wird ein lustiger feucht-fröhlicher langer Abend im Hotel Manang. Nun wird es endlich Zeit nach Lukla zu fliegen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

 

Es ist mein 41. Reisetag. Passt doch perfekt mit dem 01.04. überein. Kein Aprilscherz, der Beginn der Tour und damit des  Berichtes ist der erste Tag dieses Unternehmen.

 

 

 

© Klaus Töpfer

HIMATREK

Gelsenkirchen, Mai 2012

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1. Tag - 01.04.2012

 

Endlich, es geht los. 5:45 Uhr, raus aus den Federn, frühstücken und Bärbel abholen, die wir den Tag zuvor ins Hotel Samsara umquartiert haben. Das Manang war ausgebucht. Bärbel setzt in Nepal ihre in Indien begonnene Reise fort. Mit Phuspa, er beginnt die Ausbildung zum Guide, sind wir die ersten am Schalter der Tara Air. Anschließend, mit Bordkarte durch sie Sicherheitskontrolle, ist Geduld unbedingt von Nöten. Aus 30 Minuten werden 60 Minuten. Flüge mit Yeti Air sind bereits abgefertigt. Auf den Anzeigetafeln mehren sich jedoch die „DELAIED“. Hier in Kathmandu ist das Wetter gut und so sollten wir eigentlich noch heute Lukla erreichen.

 

Die Zeit verrinnt. Gegen Mittag wird der erste Flug „CANCELED“. Eine Gruppe Touristen verlässt betrübt die Wartehalle. Bis um 14 Uhr sind es 2 weitere Flüge, die den Versuch noch heute Lukla zu erreichen, aufgeben. Nur die Airlines Tara und Agni sind optimistisch. In 30-minütigen Takt erscheint auf den Bildschirmen eine neue Abflugzeit. Plötzlich ist diese Information verschwunden. Die Aussichten, jetzt am Nachmittag noch nach Lukla fliegen zu können, sind so gering wie 6 Richtige im Lotto. Trotzdem werden wir weithin vertröstet. Diese Verarschung, anders kann man es nicht nennen, findet ihren Höhepunkt als kurz vor 17 Uhr die Passagiere der Agni Air zum Abflug aufgerufen werden. Direkt anschließend erfolgt der Aufruf unseres Fluges mit Tara Air. Die Fluggäste von Agni schaffen es noch bis in den Bus, wir nur bis zum Schalter. Sorry, Wolken, in 45 Minuten wird gestartet. Diesen Spruch hat die Dame wohl auswendig gelernt. Schwachsinnig, denn dann wäre es bei einer Ankunft in Lukla schon finster und eine Landung unmöglich. Bereits zur Mittagszeit hätte ich jede Wette darauf abgeschlossen, dass heute keine Flüge nach Lukla möglich sind. Erst um 17:25 werden diese beiden Flüge offiziell annulliert.

 

Das aufgegebene Gepäck einsammeln und zurück zum Büro. Mit Govinda entwickle ich Plan B. Im „worst case“ spätestens übermorgen von Jiri mit dem Umweg über den Zatrwa La (4.610 m) aufzubrechen. Dies ist ein Teil der Tour zum Mera Peak, die von Kharikhola bis Lukla, die inzwischen mit Ausnahme der Gipfelbesteigung als Lodge-/Gasthaus-Trekking möglich sein soll. Ursprünglich hatte ich diese Strecke in umgekehrter Richtung ins Auge gefasst.

 

2. Tag - 02.04.2012

 

9 Uhr, der Flughafen ist rappelvoll. Verständlich, denn da sind auch all die Touristen, die gestern nach Lukla fliegen wollten. Die Airlines versprechen alles. Govinda hatte die Zusage, dass wir auf den Flug um 09:30 fest gebucht sind. Gemäß Anzeigetafel verspricht Tara Air ab 10 Uhr 3 Flüge nach Lukla innerhalb einer halben Stunde. Während Phuspa am Schalter zum Check-in wartet, holen Bärbel und ich das Frühstück im Restaurant des Inland-Airports nach.

 

Nun steht Phuspa nicht mehr am Schalter der Tara, sondern bei Agni. Was ist los? Wie ein paar weitere Trekker verstehen wir nur Bahnhof. Irgendwie sind wir wegen Überbuchung auf eine andere Airline verschoben worden. Verschoben ist wohl der richtige Ausdruck. Ich habe ein sehr ungutes Gefühl im Bauch. Auch heute wird es nichts mit Lukla. Anruf von Govinda. Die Maschine, die um 11 Uhr in Lukla landen sollte, ist wegen zu tief hängender Wolken auf dem Rückweg. Wir starten sofort mit Plan B.

 

Zurück ins Büro. Dort wartet der Fahrer im Auto. Um 12:30 fahren wir ab. Welch eine Überraschung, Sanje wird abermals mit dabei sein. Auf der Straße nach Bhagtapur gabeln wir ihn auf. Nun bin ich bereits zum 5. Male mit ihm auf Tour. Nach Dhorpatan, Manaslu, Nar Phu und Mardi Himal geht es mit ihm, z.Z. bei uns noch als Koch oder Träger tätig, erstmals ins Khumbu. Da er bereits etwas Englisch spricht, werde ich mich für seine Fortbildung zum Guide einsetzen.

Das etwas verspätete Mittagessen gönnen wir uns in Dhulikhel. Bis Khadichaur, der Gabelung nach Kodari (Grenze zu Tibet), ist die Straße gut ausgebaut. Nun wird die Piste durch die Berge nach Jiri schmal und sehr kurvenreich. Der vor Jahren aufgebrachte Asphalt ist beidseitig durch Wetter und Belastung angefressen und teilweise gar nicht mehr vorhanden. Nach 7 Stunden ist Jiri erreicht. Wir haben es geschafft, vor 11 Jahren, sogar mit dem lokalen Bus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in der gleichen Lodge Quartier beziehen, in welche ich damals mit Dorlis und Govinda übernachtete.

 

3. Tag - 03.04.2012

 

Beim Frühstück wartet der Fahrer, der uns mit seinem Jeep nach Bhandar (2.190 m) bringen soll, bereits auf uns. Nach seiner Schätzung wird die Fahrt 4-5 Stunden dauern. Wenn alles klappt, könnten wir noch heute Chaulakharka erreichen. Bis Shivalaya geht es recht zügig voran. Hier endet der Fahrweg mit einigen Baustellen. Mehrere Kolonnen sind in verschiedenen Abschnitten mit dem Ausbau beschäftigt. Nun wird die Trasse abenteuerlich: Ein holpriger Feldweg mit tiefen Spurrillen und engen Kehren. Einige Kurven sind nur mit Rangieren zu bewältigen. Durchgerüttelt ist der Pass erreicht, wie üblich mit dem Namen Deurali, was in nepalisch Pass heißt.

 

 

Schwere Gewitterwolken sind aufgezogen. Nun geht es in steilen Kehren hinunter nach Bhandar. Dicke Hagelkörner prasseln herab. Gerade rechzeitig finden wir Unterschlupf in einem kleinen lokalen Gasthaus, als der sintflutartiger Regen einsetzt. Gemeinsam mit einigen Einheimischen vertreiben wir uns die Zeit des Dauerregens. Sanje hilft der Wirtin bei der Zubereitung der Suppe. Als Koch muss er in jeder Küche irgendwie helfend mitzuwirken. Ich schließe die kleinen Lautsprecher an meinen MP3-Player an. Das bekannte Resam Firiri ertönt. Alle singen mit und die Wirtin fordert zum Tanzen auf.

 

Endlich lässt der Niederschlag nach. Wir wandern, mehr auf durchweichten lehmigen Boden rutschend, zum Gasthaus nach Bamti, welches Sanje kennt. Bei dieser Wetterlage hätten wir auch heute nicht nach Lukla fliegen können.

 

4. Tag - 04.04.2012

 

In den frühen Morgenstunden reißt mich Donnergrollen aus den Träumen. Regentropfen trommeln unerlässlich auf das Wellblechdach. Sind wir beim Wettergott in Ungnade gefallen? Düstere Wolken hängen am Himmel. Doch da, ein bekanntes Brummen. Es ist gerade 7 Uhr. Ein Flugzeug dreht über uns in Richtung Lukla ab. Innerhalb von 10 Minuten folgen zwei weitere Maschinen. Ein Wetterumschwung zum besseren scheint stattgefunden zu haben. Auch die Sonne durchbricht die Wolken. Als wir gegen 8 Uhr starten, sind mindestens 5 weitere Flieger über uns hinweg nach Lukla. Dann noch eine gute Nachricht. Es gibt einen neuen Weg direkt nach Kinja. Der Umweg über Chaulakharka entfällt. Entlang landestypischer Gehöfte und kleinen Siedlungen führt der gut ausgebaute Weg den Hang entlang. Schließlich hinunter zum Kinja Khola, wo wir in Karem (1.500 m) auf den Weg von Chaulakharka treffen. In Kinja ist der erste Polizei-Checkpoint.

 

Nun geht es wieder bergauf. Tausend Höhenmeter bis nach Sete (2.500 m) bringen uns auf schier nie enden zu wollenden Kehren und Stufen gehörig ins schwitzen. Die Sonne tut ihr übriges dazu. Unterwegs treffen wir die ersten schwer beladenen Träger. 80 - 90 kg auf dem Buckel sind auf speziellen Tragegestellen verstaut. Auf diese Art werden die nächsten Orte bis nach Junibesi, teilweise weiter nach Ringmu mit dem Nötigsten versorgt. Von den sonst üblichen Mulikarawanen keine Spur.

 

Zur Übernachtung entscheiden wir uns für die neu erweiterte Sherpa Guide Lodge. Leider ist es nicht möglich den Tag auf der Terrasse mit Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. Das herannahende Gewitter hat uns eingeholt. Zum Abend hin füllt sich der gemütliche Gastraum. Darunter auch eine Gruppe, welche die gegenüber liegenden Doppelgipfel Kikey Peak I und II (knapp über 4.000 m) zum Ziel haben.

 

5. Tag - 05.04.2012

 

Good morning Sunschine! Sofort geht es steil zum Bergsattel hinauf. Die gefühlte Temperatur liegt über 30 °C. In Goyam (3.230 m) wird es Zeit für eine längere Teepause. Zwangsläufig ein Treffpunkt mit einigen Wanderern, die ebenfalls privat mit Guide und Träger unterwegs sind. John der Maler mit Freundin aus Canada, Tom, in Thailand lebender Schriftsteller aus Deutschland.

 

 

Das Anstrengende ist geschafft. Auf moderatem Weg erreichen wir pünktlich zur Mittagszeit ein typisch buddhistisch geführtes Gasthaus, vor dem Lamyura La (3.530 m) gelegen. In dieser herzlichen Atmosphäre fühlen wir uns pudelwohl. Zudem sind wir die einzigen Gäste und es ist selbstverständlich das Sanje sofort gemeinsam mit der Wirtin, die Küche ich Beschlag nimmt. Zum Nachtisch wird noch ein herzhafter Käse vom Yak aufgetischt, der wenige Meter hinter uns steht. Einmal nicht aufgepasst, hat die Mieze, die seit geraumer Zeit um mich herum schnurrt, doch die letzten Stücke vom Teller geklaut.

 

Bis zum Pass sind es noch 30 Minuten. Zur Info, Pass heißt tibetisch La, nepalisch = Deurali, daher sollte mach niemals schreiben: Ich habe den Pass Deurali La überquert. Übersetzt, ich habe den Pass Pass Pass überquert.

 

Hier oben bläst uns ein kalter Wind um die Ohren. Schnell das Band mit Gebetfahnen knüpfen, Fotos schießen und dann nichts wie hinunter. Nach wenigen Metern nimmt uns ein urwäldlicher Rhododendron Wald gefangen. Am Himmel zucken, durch das dichte Dach kaum sichtbar, am laufenden Band Blitze, denen jeweils ein gewaltiges Donnergetöse folgt. Hagel durchbricht das dichte Laubwerk. Nepali Gore-Tex, der bewährte aufgeschnittene Plastiksack, kommt zum Einsatz. Das Regenkep wird schnellstens aus dem unterem Fach des Rucksacks hervor geholt.

 

Nach einer Stunde hat der Spuk ein Ende. Bis Junibesi (2.700 m) zieht sich der Weg dahin. Endlich die Namaste Lodge oberhalb der Ortschaft. Zimmer beziehen und in frische Sachen schlüpfen. Gerade betrete ich den Gastraum und es beginnt abermals zu schütten. Hagel und Regen trommeln abwechselnd auf das Dach. Ein perfektes Timing, oder?. Mit uns im Gastraum ist lediglich noch ein junges Paar, welches sich extrem der Meditation und dem Joga widmet. Bislang ist nicht viel Betrieb auf dieser Strecke.

 

6. Tag - 06.04.2012

 

Die Himmelsschleusen haben sich über Nacht entleert. Nur ein paar Wolken hängen am Himmel. Schnell führt der Weg hinunter ins Dorf. Im Hintergrund erhebt sich der vergletscherte 6.530 m hohe Karelung. Die umliegenden Anhöhen sind noch vom gestrigen Gewitter wie mit Puderzucker bestreut. Dorfein- und -ausgang haben hier im Land der Sherpa i.d.R. Stupa, Durchgangs-Chörten und mindestens eine Manimauer. Übrigens, Sherpa ist eine im Solo Khumbu und Helambu lebende ethnische Gruppe. Der oft verwendete Begriff „Sherpa“ für Träger oder Guide ist vollkommen falsch. Der Erstbesteiger des Everest, Edmund Hillary hatte Helfer zu seiner Expedition bereits in Kathmandu angeheuert. Nur wenige stammten aus der Heimat der Sherpa. Jedoch war Tenzing Norgay Sherpa, derjenige, der mit ihm den Gipfel 1953 erreichte. Daher diese weit verbreitete falsche Interpretation.

Nach kurzem Anstieg führt der Höhenweg nach Phurteng (3.040 m), dem Everest View Point auf dieser Route. Dicke Wolken verhindern den Ausblick. Das Panorama von Everest bis zum Mera Peak können wir nur auf einem Foto bewundern, welches uns der Wirt zeigt.

 

Bis Ringsmu (2.720 m) verläuft der Weg zunächst weiterhin fast gerade aus. Unten im Tal kann man Phablu mit seiner kleinen Landepiste erkennen. Von dort startete ich Herbst 2010 mit Govindas Bruder Krishna nach Gokyo (siehe Reisebericht: http://www.himatrek.de/berichte/Phablu-Gokyo_2010/Phablu-Gokyo.htm)

 

 

Wie in den Bergen üblich, geht es bergab und bergan. Also hinunter zum Bach. Die dortige Wassermühle ist nicht in Betrieb. Trotzdem wagen wir einen Blick hinein. An eine Inbetriebnahme wagen wir uns nicht. Nachdem 2 weitere Flussläufe im Tal überquert sind, sind es nur wenige Minuten bis Ringsmu, der Weggabelung Phablu/Jiri. Es darf doch nicht wahr sein. Abermals drohen die Himmelsschleusen sich zu öffnen. Bevor die ersten Tropfen fallen, sind wir in der Lodge. Eine organisierte Gruppe aus Frankreich muss im Regen weiter. Wir haben Zeit. Die Sonne blinzelt plötzlich durch die Wolken. Hinauf zum Taksindu La (3.070 m), ein Blick auf den Karelung (6.530 m) ist uns abermals gegönnt.

 

Durch den großen Torbogen, einen typisch mit Gebetsfahnen geschmückten Durchschreitungs-Chören folgen wir dem Abstieg nach Nunthala. Bis dort hin ist es noch ein langer und durch den Regen sehr rutschiger Weg. Ich erinnere mich an 2010. Genug für heute. Wir übernachten in Taksindu (2.950 m). Die etwas tiefer gelegene, von außen besser aussehende Lodge, machte einen schmuddeligen Eindruck. Die recht unfreundliche Wirtin veranlasste uns sofort ein paar Höhenmeter zurück zu kehren.

 

Hier sitzen wir gemeinsam mit der Familie in der Küche. Auf dem Ofen dampft das Abendessen. Unter dem Tisch wärmt ein Kasten mit Holzkohlen die kalten Füße.

 

7. Tag - 07.04.2012

 

Als ich aufwache und aus dem Fenster blicke sind wir von Nebel umhüllt. Von unten dringt Gemurmel an meine Ohren. Der Lama des Taksindu Klosters ist mit 5 Mönchen zu Gast. Zwei mal im Jahr wird er von buddhistischen Familien eingeladen, um für Glück und Gesundheit zu beten. In der Küche bereitet einer der Mönche das Frühstück vor, Tsampa (Wasser und geröstetes Getreide, meist Gerste), das er zu kleinen Kugeln formt. Ich koste es, schmeckt gar nicht schlecht. Dazu gehört selbstverständlich ein Glas Buttertee. Zur Puja sind wir herzlich willkommen und nehmen die Gelegenheit war, Gesang und Gemurmel der Mantras zu folgen. Anschließend führt uns der Lama durch die Räume des über 600 Jahre alten Kloster mit all seinen antiken Kostbarkeiten.

 

 

Als wir uns verabschieden, hat die Sonne den Nebel weitgehend aufgelöst. Der Abstieg nach Nunthala (2.330 m) ist rutschig und auf den rollenden Steinen unangenehm. Heute kommen uns die ersten Mulikarawanen unbeladen auf dem Rückweg von Lukla entgegen. Zur Mittagzeit kehren wir in die Shangri La Lodge ein, wo ich bereits mit Krishna, damals von Phablu kommend, übernachtete. Heute ist hier Endstation. Duschen, Wäsche waschen und den Nachmittag einfach mal vertrödeln. Der Wirt zeigt mir stolz sein Modellfugzeug, welches er mit handwerklichen Geschick aus Holz und einfachen verfügbaren Materialien bastelt.

 

8. Tag - 08.04.2012

 

Frohe Ostern. Auf gleichen Wege wie im Herbst 2010 wandern wir nach Kharikhola (2.060 m). Zunächst geht es hinunter nach Jubhing (1.600 m) am rauschenden Dudh Koshi, nach überqueren des Milchflusses wieder aufwärts. In Jubhing (1.680 m) lädt das Gasthaus weiterhin zu kalten Getränken ein. Die damalige Schrift COLDRIK ist inzwischen überpinselt und in COLD DRINK korrigiert. Hier holen wir all unsere Weggefährten ein, die uns gestern überholt hatten. Neben John und Tom sitzen hier auch das Yoga-Pärchen und die 3 Schwaben beisammen. Die Gruppe aus Frankreich scheint schon weit voraus zu sein. Man muss ja die Termine einhalten.

 

Die Trinkwasserstation in Chokhu existiert nicht mehr. Am Wasser in Plastikflaschen lässt sich, wie damals schon festgestellt, mehr Geld verdienen. Warum funktioniert es im Annapurna mit der Wasseraufbereitung, die eine Menge Müll zu vermeidet?

Kharikhola, ab 17 Uhr sind Strom und Internet verfügbar. Die Verbindung ist per Telefon äußerst lahm. Ein Email nach Hause und eine Kurznotiz im Facebook und eine halbe Stunde ist um.

 

Morgen werden wir den Hauptweg verlassen und eine Route in Richtung Mera Peak ausprobieren Von Thuli Kharka soll es dann über den Zatrwa La (4.610 m) nach Lukla gehen. Hoffen wir, dass sich das Wetter etwas bessert. Gerade geht wieder ein heftiger Gewitterschauer hinunter.

 

9. Tag - 09.04.2012

 

Fünf Tage sind für den Umweg geplant. Ein schmaler Weg führt durch Terrassenfelder hinauf nach Panggom (2.850 m). In diesem Ort laden einige Lodges zur Rast ein. Wie fast in all den Tagen zuvor, bezieht sich der Himmel zur Mittagszeit. Roter Rhododendron blüht im Wald zum Panggom La (3.174 m). Der Abstieg zur Namaste Lodge in Sibuje (2.800 m) ist schnell bewältigt. Es ist gerade 15 Uhr. Was können wir noch unternehmen? Von hier gibt es einen neuen Weg nach Mingso (ca. 2.900 m) der den eintägigen Umweg über Cherem erspart. Es sind max. 2 Stunden. Dort gibt es zwar keine Lodge, sondern nur eine einfache Unterkunftshütte. Bleiben wir hier und morgen über Mingso direkt nach Tashing Ongmar (3.580 m)? Nach mehrmaligen Nachfragen beim Wirt und Phuspa, klärt sich, das die Strecke von hier bis Tashing Ongmar an einem Tag nicht zu bewältigen ist. Außer in Mingso gibt es auf dem ganzen Weg keine weitere Unterkunftsmöglichkeit. Also würden wir morgen sowieso nur bis Mingso kommen. Von dort wären es übermorgen rund 8 Stunden bis nach Tashing Ongmar. Keine weitere Diskussion, wir machen uns schleunigst nach Mingso auf.

 

Unterwegs überholt uns der Wirt der Namaste Lodge mit Decke unter dem Arm und Bratpfanne in der Hand. Lachend teilt er uns mit, dass er heute Abend für das leibliche Wohl und morgen ein Lunchpaket nach unseren Wünschen vorbereiten wird. Na, da gab es vorhin eine Menge Missverständnisse. Unterwegs kommen uns 2 Wanderer mit Guide und Träger entgegen. Oben am Pass hinüber nach Lukla liegt noch eine Menge Schnee. Hoffen wir, dass es in den kommenden Tagen taut.

 

Gut 1 ½ Stunden später machen wir es uns in der Hütte gemütlich. In der durch eine Holzwand vom einzigen Raum abgetrennten Küchenecke lodert das Feuer. Im Regal an der Wand stehen Cola, Fanta, Bier und weitere Süßigkeiten im Angebot. Zu meinem Leidwesen nur das fast geschmacklose Wasserbier „San Miguel“.

 

 

Da wir morgen spätestens um 7 Uhr aufbrechen wollen, verkriechen wir uns gleich nach dem schmackhaft zubereitetem Dhaal Bhaat in die Notkojen, d.h. auf die sogar recht gut gepolsterten Bänke um den Tischen im Gemeinschaftsraum. So kann es jedem passieren, falls die Zimmer einer Lodges zur Hochsaison ausgebucht sind. Nur dürfte es dann wesentlich enger werden. Wir haben genug Platz, um uns im großen Raum zu verteilen. Bärbel schlüpft dick und warm eingepackt, gleich einer streng gläubigen Moslem zusätzlich unter ihre Vereinsfahne des FC Mainz 05. Mir genügt der Schalker Trainingsanzug. Mein S04-Schal schmückt darauf hin das vorgenannte Regal mit den Angeboten. Spaßeshalber werden wir uns in den nächsten Tagen auch mit 04 und 05 anreden.

 

Gerade eingeschlummert, kracht in heftiger Regenguss herunter. Einige Spritzer erwischen mich durch das offene Fenster. Zum Glück ist und bleibt das Dach dicht auf welchem die ganze Nacht die dicken Tropfen unermüdlich trommeln.

 

10. Tag - 10.04.2012

 

Es schüttet weiterhin aus den tief hängenden dunkelgrauen Wolken. Weiter oben wird es schneien. Der Zatrwa La dürfte inzwischen unpassierbar sein. Mit einer Wetterbesserung ist kaum zu rechnen. Einen Tag hier abwarten? Das Risiko morgen oder später auf dem weiteren Weg umkehren zu müssen, ist zu hoch. Also treten wir einen geordneten Rückzug an.

 

Wieder in der Namaste Lodge in Sibuje hat zumindest der Dauerregen aufgehört. Die Regenkeps können im Rucksack verschwinden. Nach einer kleinen Teepause überqueren wir abermals den Panggom La und erreichen den gleichnamigen Ort. Von dort führt angeblich ein 2-stündiger Weg direkt nach Karte. Zunächst scheint es so, doch dann zieht sich die Strecke endlos dahin. Kurvenreich, auf und ab, sehr anstrengend, nach 3 Stunden stehen wir endlich auf einem Höhensattel. Bis Bupsa hinunter sind es etwa 15 Minuten. Nach Karte mindestens eine weitere Stunde auf sehr schwierig zu findenden Weg. Unterwegs kamen uns lediglich 3 Bergsteiger entgegen, die mit ihrem nepalischen Team den Mera Peak erklimmen wollen. Wir wünschen Erfolg und endliche besseres Wetter zu dieser Tour.

 

In Bupsa eingetroffen erkenne ich sofort die Kongde View Lodge wieder. Klar das wir dort Quartier beziehen. Scheint, dass wir heute die einzigen Gäste in diesem Dorf sind. Zum Abend hin lichtet sich erstmals an diesem Tage die Wolkendecke. In der Nacht zeigt sich ein wunderbarer Sternenhimmel, na endlich die lang erwartete Wetterbesserung.

 

11. Tag - 11.04.2012

 

Von wegen Sonnenschein, Landregen, wie wir in Deutschland sagen. Zum Glück zeigt sich Petrus gnädig und schließt nach dem Frühstück die Schleusen. Hinauf über Karte zum Kari La (ca. 2.800 m). Von der Landschaft ist nichts zu sehen, bleibt verborgen hinter dichten Wolken. Ich versuche mir die Bilder von 2010 vor Augen zu führen. Aufgrund des Dauerregens der zurückliegenden Tage ist der Weg stellenweise schlammig und rutschig. Touristen sind so gut wie keine unterwegs. Dafür um so mehr schwer beladene Träger auf dem Weg nach Lukla. Entgegen kommen uns einige Mulikarawanen, beladen mit leeren Kanistern. Unverschlossen riecht man die Reste des verdunstenden Kerosins schon hunderte Meter im voraus. Es stinkt zum Himmel, an welchem heute das Dröhnen der Motoren ausbleibt. Nur vereinzelt hört man das Geräusch der Rotoren der Hubschrauber, die den Flug nach oder von Lukla wagen.

Endlich in Paiya (2.730 m). In welches Gasthaus kehren wir zum Mittagzeit ein? Sanje kennt die eine, ich die andere. Schließlich wird, wie vor 2 Jahren, in der „Bee Hive Lodge“ gespeist. Noch einmal über einen Pass, den Chutok La und den schier endlos erscheinenden Weg hinunter nach Surke (2.290 m). Aufgrund der wetterbedingt recht schlechten Wegverhältnisse, benötigen wir für diese Etappe mehr Zeit als üblich. Erst gegen 16:30 Uhr beziehen wir die gemütlichen Zimmer in der Lodge „Yak & Yeti“

 

12. Tag - 12.04.2012

 

Über uns brummen die Motoren der nach Lukla fliegenden Maschinen im 5-Minuten-Takt. Ein Wetterbericht mit sehr guter Voraussage. Als wir gegen 8 Uhr aufbrechen, treffen auch die ersten Sonnenstrahlen in das tiefe Tal von Surke. Das Charpate Himal mit Zatrwa La, den wir zu überqueren gedachten, liegt unter einer dicken Schneedecke. Dieser sonst unscheinbare Höhenkamm ist mir früher nie aufgefallen. Die Abbruchentscheidung vor ein paar Tagen war also vollkommen richtig.

Nach 2 Stunden treffen wir auf den Hauptweg von Lukla nach Namche Bazar. Sofort sind wir nicht mehr allein unterwegs. Die Gruppen der großen Veranstalter fallen sofort auf. Mit EXODUS sind 30 Personen aus England in Richtung Namche unterwegs. Entgegen kommt uns eine WIKINGER-Gruppe. Neben Menschen nimmt auch die Zahl der Muli- und Jokpas-Karawanen zu. Während die Mulis mit leeren und offenen Kanistern die Luft verpesten, sind und bleiben die Jokpas (eine Kreuzung aus Yak und Kuh) mit ihren spitzen Hörnern unberechenbar.

 

In Phakding (2.610) unterbrechen wir wie geplant die Wanderung zur Mittagspause. Tschüss Sonnenschein, willkommen Wolken und Regen. Auf dem weiteren Weg nach Bengkar (2.630 m) tröpfelt es ein wenig. Trockenen Fußes erreichen wir trotzdem das Himalayan Guest House.

Bereits vor 2 Jahren waren einige Neubauaktivitäten zu beobachten. Doch nun scheint der Bauboom ausgebrochen zu sein. War der Auslöser „Nepal 2011“ mit der Euphorie, jetzt kommen noch mehr zahlungskräftige Gäste? Ungeklärt bleibt die Frage, wie man all die zusätzlichen Touristen über Lukla heranschaffen möchte. Eine weitere Landebahn??? Engpass bleibt darüber hinaus auch der internationale Flughafen KTM. Positiv sei zu bemerken, die Qualität der Unterkünfte hat sich entscheidend verbessert.

 

13. Tag - 13.04.2012

 

Happy New Year 2069 und Sonnenschein! Auch am nepalischen Neujahrstag dauert es etwas, bis die ersten Sonnenstrahlen den Talgrund erreichen. Es ist noch recht kühl. Erst am Eingang zum Sagarmatha Nationalpark verschwindet die Jacke im Rucksack. Viele Touristen kommen uns entgegen. Die Ostersaison endet am kommenden Wochenende. Erfolgte der Transport von Waren in den zurückliegenden Jahren von Lukla nach Namche Bazar und weiter überwiegend mit Mulis, so sind jetzt unzählige mit Lebensmitteln schwer beladene Träger unterwegs. Bis an die 90 kg werden mühselig auf dem Buckel hoch geschleppt. Den Grund für diesen Wechsel kann ich nicht in Erfahrung bringen. Ist der Transport mit Menschen billiger als mit Tieren oder handelt es sich hier um Beschäftigungspolitik?

 

Die mit tausenden Gebetsfahnen geschmückt Hillary Brücke führt letztmalig über den tosenden Dudh Koshi. Nun geht es im Serpentinen steil bergan. Da der Weg ausgebaut wurde, geht es recht zügig hinauf zum Everest View Point. Ja, da erhebt er sich gemeinsam mit dem Lhotse in den Himmel. Es überrascht mich, dass hier noch kein Gasthaus mit Biergarten steht. Der Gerstensaft findet sich zu Hauf in Dosen auf fast jedem Tragegestell. Fast ausschließlich dieses Wassergesöff namens San Miguel, gesponsert oder zu Dumpingpreisen von gleichnamiger Brauerei. Ein paar Frauen bieten Mandarinen und Äpfel zu Apothekerpreisen an und machen ein sehr gutes Geschäft. Auch ich kann nicht widerstehen und kaufe die wohl teuerste Mandarine meines Lebens für 80 Rupien (0,80 EUR). Eine Stunde weiter aufwärts macht eine Trinkhalle wenige Gehminuten vor den Toren von Namche Bazar ordentliche Gewinne.

 

 

Zur Mittagszeit haben wir bereits im komfortablen „Zamling Guest House“, direkt neben dem Kloster gelegen, Quartier bezogen. Hier werden wir 2 Tage bleiben. Am Nachmittag lass ich mir beim Barbier das längst lästig gewordene Gesichtskraut fachmännisch entfernen. Im Hotel haben Bärbel und ich uns bis morgen ein Notebook mit schnellen Internetzugang für umgerechnet 15 EUR gemietet und die Kosten geteilt.

 

14. Tag - 14.04.2012

 

Ruhetag. Beim Rundgang in und um Namche wechseln Sonne und Wolken. Namche Bazar kann man mit seinen Geschäften und Lokalitäten auch „Klein Thamel“ nennen. In der City treffen wir einige bekannte Gesichter wieder, von denen wir uns vor ein paar Tagen verabschiedet hatten. Möglicherweise sind es Symptome der Höhenkrankheit, dass ich mich nachmittags zu Kaffee und Kuchen in eine Bäckerei verleiten lasse. Draußen rinnt der Regen. Die derzeitige Wetterlange ist manchmal schon etwas frustrierend.

 

15. Tag - 15.04.2012

 

Ein Traumwetter, wer hätte gestern daran gedacht. Die umliegenden Gipfel grüßen beim Sonnenaufgang. Ausgeruht und gut gelaunt brechen wir auf. Schnell ist der obere Rand der Talmulde von Namche erreicht. Noch eine Biegung. Everest, Lhotse und die Königin des Himalaya, die Ama Dablam erheben sich majestätisch vor unseren Augen. Der gut ausgebaute Panoramaweg führt von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Allerorts bieten sich wunderbare Fotomotive mit dieser einmaligen vergletscherten Gebirgswelt. Mit uns genießen Wanderer aus der ganzen Welt diese unvergesslichen Eindrücke.

 

Nach etwa zwei Stunden gabelt sich in Sanasa der Weg. Man kann hier eine Rundwanderung über Khumjung zurück nach Namche unternehmen. Bedeutend sind die Abzweigungen für den Trekker nach Gokyo und nach Tengboche, von dort weiter in Richtung EBC oder Island Peak. Wir steigen hinunter in das Tal des Imja Khola und gönnen uns in Phunki Tanga eine Teepause. Nachdem wir über eine lange Hängebrücke auf die andere Seite gewechselt sind, verläuft der Weg erst recht gemächlich am Ufer entlang. Der neue, ebenfalls breit ausgebaute Weg führt schließlich in langen Serpentinen zum Kloster Tengboche (3.860 m). Einige größere Touristengruppen kommen uns entgegen. Im Aufstieg sind nur wenige Leute unterwegs. Noch lacht die Sonne vom Firmament, doch im Süden ziehen bedrohliche Wolken auf. Als die ersten Tropfen fallen, sind wir bereits im neu erbautem Hotel Himalayan zur Mittagsrast eingekehrt.

Nun heißt es Abschied nehmen. Da Bärbel in 4 Tagen wieder nach Kathmandu zurück fliegen muss, wird sie mit Phuspa hier übernachten und sich Zeit für den Besuch des Klosters nehmen. Morgen werden die Beiden zur 2-tägigen Rundtour zurück nach Namche aufbrechen und von dort nach Lukla wandern. Sanje und ich starten nach Pangboche (3.930 m), um von dort morgen in einer Tagestour das Ama Dablam BC besuchen zu können. Regenkep und Plastik schützen vor Schnee und wenig später vor prasselnden Regen, der nach einer Stunde schlagartig endet. Abermals ist der tosende Imja Khola zu überqueren. Wie üblich folgt nach Abstieg der Aufstieg. Nach insgesamt 2 Stunden sitzen wir in der warmen Gaststube der Ama Dablam Lodge. Mitten im Raum steht der Ofen, befeuert mit Dung. Die Wirtin hat würzigen Yak-Käse aufgeschnitten, den wir uns mit Kräckern schmecken lassen. Wir sind die einzigen Gäste im Haus. Unterwegs trafen wir gar keinen Touristen, der ganze Ort scheint ausgestorben zu sein.

 

Zum Abendessen schließe ich mich dem familiären Dhaal Bhaat an. Sanje versorgt mich zusätzlich mit Pickels, scharf eingelegten Rettich und/oder Karottenstückchen. Aus den Lautsprechern meines MP3-Players ertönen seit gut einer Stunde die buddhistischen Mantras „Chants of Tibet“. Die Wirtin lauscht dem „Om Mani Padme Hum“ und dem „Avalokiteshvara“ zum x-ten male. Irgendwann muss der gemütliche Abend enden. Morgen wollen wir frühzeitig starten. Ab ins Bett. Jedoch das Schloss zu meinem Zimmer ist defekt. Mit vereinten Kräften gelingt es, den Riegel zu entfernen und ich kann mich in meinen Schlafsack, verkriechen. Die besorgte Wirtin bietet mit noch ein paar Decken an, damit ich in der Nacht nicht friere.

 

16. Tag - 16.04.2012

 

Ein wolkenloser Himmel. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Die Temperatur liegt deutlich unter dem Gefrierpunkt. Handschuhe, Schal und Pudelmütze sind unabdingbar. Sanje trägt meinen Tagesrucksack mit Verpflegung, Tee in der Thermoskanne und dem Nötigsten für diesen Ausflug. Ich fühle mich frei, ohne jegliches Gepäck. Nur den Fotoapparat umgehängt und Stecken in beiden Händen.

 

Hinunter zum Imja Khola, über die Brücke, dann beginnt der Aufstieg. Ein Zeltcamp liegt auf einer ausgedehnten Sommerweide vor uns. Von dort starten zwei Familien aus Australien mit Kindern im Alter von 8, 10 und 12 Jahren sowie deren Guide und Helfern. Ansonsten ist niemand auf diesem Weg auszumachen. Je höher wir kommen, desto phantastischer öffnet sich die vergletscherte Gebirgskulisse. All die Gipfel hier aufzählen zu wollen, wäre zu viel des Guten. Im Mittelpunkt steht die Ama Dablam (6.814 m), der wir uns beständig nähern. Der Weg führt durch schier endlose Gerölllandschaft, aufgetürmt durch die Gletscher der Eiszeiten. In dieser kargen Gesteinswüste öffnet sich plötzlich ein weites Tal, das Ama Dablam BC (4.530 m). Eine schweizerische Expedition bereitet sich auf die Erstürmung der Königin vor. Der überhängende Gipfelgletscher ist zum Greifen nahe. Um uns herum eine traumhafte Gebirgswelt. Wir sind von vereisten Riesen eingekesselt. Das vom dunkelblauem Himmel brennende Sonnenlicht läst die kristallene Welt glitzern.

 

 

Sanje führt mich zum steinernen Küchentisch, an welchem er bereits als Koch tätig war. Unser Lunch ist schnell und einfach zubereitet. Die von daheim mitgebrachte Dose Schweinefleisch wird geöffnet. Der Inhalt auf die Chapati verteilt und wir lasses es uns schmecken. Wir kosten diesen herrlichen Tag richtig aus.

 

 

Als gegen 12 Uhr ein böiger, kalter Wind einsetzt, entscheiden wir, den Rückmarsch anzutreten. Der Koch des Expeditionsteams ist so nett und füllt unsere Trinkflaschen auf. Der Wind wird heftiger. Eine größere Gruppe kommt uns entgegen. Zu spät gestartet, dass die Wolkenbildung im Laufe des Tages mehr und mehr zunimmt, sollte bekannt sein. Pech gehabt, alle Gipfel sind inzwischen von Wolken umhüllt. In 2 Stunden sind wir zurück in Pangboche. Bis in den Nachmittag hinein genießen wir die letzten Sonnenstrahlen auf ein der Terrassen im Ort. Dann verschwindet sie hinter den Bergen und es wir sehr schnell kühl. Schräg gegenüber befindet sich die Ama Dablam Lodge. Ruckzuck sind wir in der gemütlichen warmen Stube.

 

17. Tag - 17.04.2012

 

Wenn ich richtig rechne, beginnt die 3. Woche der Khumbu-Tour mit Start von Jiri aus betrachtet. Wir setzen unseren Weg wie geplant fort. Bis zur Gabelung (Richtung EBC, Kala Pattar) und Dingboche herrscht recht viel Betrieb. In Shomare (4.010 m) kommen uns unverhofft Bärbel und Phuspa entgegen. Was ist passiert? Bärbel hat sich den Magen verdorben, eine Käsevergiftung wie sie sagt. Somit auf den kürzesten Weg zurück, heute noch bis Tengboche. Solch ein Pech, da kann man nur gute Besserung wünschen.

 

Sobald wir nach Dingboche abzweigen, sind wir fast wieder allein unterwegs. Weiter hinauf nach Chhukhung (4.730 m) wird es noch einsamer in Bezug auf Touristen. Die Ama Dablam zeigt nun ihre Rückseite. Vor uns liegen Chhukhung Ri ( 5.550 m) und Island Peak/Imja Tse (6.184 m) einer der beliebtesten Climbing-Gipfel.

 

Wie fast immer sind wir nachmittags zu Kaffee und Kuchen (Apple Pie und Kakao) im Chhukhung Resort. Für alle, die unverständlich den Kopf schütteln, Klaus schon wieder Kuchen und sogar Kakao? Ja es ist so, der Höhenvirus hat mich befallen.

 

18. Tag - 18.04.2012

 

Durch Gletschermoränen, zieht sich der Weg dahin. Auf der Karte sieht es recht kurz aus. Doch das Zickzack führt nicht nur nach rechts und links sonder auch auf- und abwärts. Das Tal wird enger. Fast senkrecht hängen die Gletscher des Amphulapche herab. Vor uns eine unüberwindbare Eiswand, die Grenze zu Tibet. Ohne es zu wissen, durchschreiten wir den „Dried Tsho“ (5.012 m). Wo ist der Imja Tsho? Dummerweise haben wir die Karte nicht dabei. Sanje fragt einen Einheimischen. Gleich hinter dem Moränenwall liegt er. Also kurzerhand etwa 25 Meter hinauf und dahinter erstreckt sich der noch zugefrorene See.

 

 

Heute hat Sanje seinen schlechten Tag mit Kopfschmerzen. Obwohl das Island Peak BC (5.080 m) maximal 30 Minuten entfernt ist, entscheiden wir umzukehren. Bereits um 14 Uhr sind wir zurück. Sanje verschwindet ins Bett. Derweil ist eine Klettegruppe mit dem Ziel den Island Peak zu besteigen, eingetroffen. Der Climbing-Guide übernimmt das Kommando. Die komplette Ausrüstung bis hin zu steigeisenfesten Schuhen kann hier ausgeliehen werden. Alle Einzelheiten werden geübt. Morgen ist plant die Gruppe zur Akklimatisierung eine Tagestour zum Chhukhung Ri.

 

19. Tag - 19.04.2012

 

Wir wandern hinab nach Dingboche. Außer einer Gruppe indischer Händler mit Haushaltswaren kommt uns niemand entgegen. Dann eine freudige Überraschung. Dendi Sherpa, unser Climbing Guide ist unterwegs zum Island Peak. Da in Dingboche Internet (30 Minuten ca. 5 EUR) verfügbar ist, melde ich mich in der Heimat. Eine 30-köpfige Gruppe aus Korea zieht in einheitlicher Bekleidung im Gänsemarsch vorüber. Woran erkennt man Koreaner und Japaner sonst noch? Trotz Sonnenhitze, von Kopf bis Fuß dick eingepackt in Hightech-Bekleidung. Die Mittagspause ziehen wir vor, da es auf der Etappe bis nach Thokla (4.620 m), auch Dughla genannt, kein Gasthaus gibt. Nach kurzem Aufstieg ist der Höhensattel mit Stupa erreicht. Vor 7 Jahren stand ich mit Gregor und Govinda schon einmal hier oben. Dieser phantastische Aussichtspunkt bietet einen wunderbaren Rundblick und tolle Fotomotive.

 

Auf gemütlichem, leicht ansteigendem Weg trifft man nach knapp 1 ½ Stunden auf den von Pheriche kommenden Weg. Nun ist es nicht mehr weit. Unterhalb der gewaltigen Endmoräne des Khumbu- Gletscher befindet sich die Yak Lodge. Thokla besteht nur aus dieser einzigen Lodge. Wen treffen wir hier? Die drei Schwaben, die ebenfalls von Jiri starteten und gleich noch bis Lobuche aufsteigen. Wir bleiben, denn die Lodges in Lobuche sind meist überfüllt. Morgen ist es eine ideale Etappe hinauf nach Gorak Shep (5.140 m) zu wandern.

Im warmen Sonnenschein nutze ich die Gelegenheit zur Körperpflege unter kaltem Wasser auf der Terrasse. Hier genießen wir den Rest des Tages bis die Sonne hinter den Bergen versinkt. Heute zeigt sich gleich zwei mal, wie unvorsichtig manche Leute sind und oft aus Zeitmangel oder Selbstüberschätzung zu schnell aufsteigen. Einer wird per Muli hinunter nach Pheriche geführt. Einen weiteren hat es schwer erwischt. Vier Nepali eilen mit ihm auf der Trage abwärts.

 

20. Tag - 20.04.2012

 

Der gut ausgebaute Weg führt den steilen abfallenden Moränenhang hinauf. Dort oben befindet sich ein weitläufiger Gedenkplatz für alle am Everest tödlich verunglückter Bergsteiger. Es ist Wahnsinn, in welcher Form die Besteigung des höchsten Gipfel der Welt kommerziell vermarktet wird. Anfang Mai beginnt die Hochsaison. Hunderte werden an Gutwettertagen versuchen, den Gipfel zu erstürmen und nicht nur sich sondern auch ihre Guides in Lebensgefahr bringen. Uns genügt schon der Ausblick von hier. Eindrucksvoll erhebt sich die Gebirgskette über dem Tal des Imja Khola.

 

Bis Lobuche (4.910 m) verläuft der Weg nun relativ flach. Gleich einer vereisten steinernen Mauer ragen die Gipfel mit Pumo Ri (7.165 m) am Talende in den Himmel. In der neu gebauten Alpine Lodge kehren wir ein und reservieren für Übermorgen vorsorglich ein Zimmer.

 

Der weitere Weg verläuft recht bequem durch das enge Tal aufwärts. Rechter Hand schiebt sich der Nuptse (7.864 m) ins Blickfeld. Nun folgt der Aufstieg zum Lobuche Pass (5.110 m). Eine Herde schwer mit Expeditionsausrüstung beladener Yaks quält sich den gerölligen Abhang hinauf. Es wird anstrengend. Hinter dem Pass geht es durch unregelmäßige Felsbrocken im ständigen auf und ab weiter. Man findet keinen Gehrhythmus, jeder Schritt und Tritt ist anders und somit recht ermüdend. Unten zieht sich der Khumbu-Gletscher unter einer dicken Geröllschicht dahin aus der gewaltige Eisbrüche zu Tage treten. Endlich, noch ein paar Meter abwärts und Gorak Shep (5.140 m) ist erreicht. In der Himalaya Lodge finden wir Unterkunft. Drei weitere Lodges, die in den letzen Jahren neu gebaut wurden, stehen in unmittelbarer Nachbarschaft. Zum Abend hin ist die Lodge ausgebucht, der Gastraum überfüllt. Der Restaurantbetrieb wird professionell geführt. Die Preise für Essen und Trinken unverhältnismäßig hoch. Zudem sind die angebotenen Speisen miserabel, fad und geschmacklos.

 

21. Tag - 21.04.2012

 

In dünner Luft. Der Aussichtspunkt Kala Pattar (5.550 m) ist bezwungen, mein neuer Höhenrekord. Mit uns sind einige Dutzend Touristen auf dem Gipfel. Zum Glück sind keine Heerscharen (große Gruppen) dabei, dann wäre es hier oben eng geworden.

 

Während die meisten Wanderer schon gegen 6 Uhr aufbrachen, hatte ich mit Sanje verabredet, eine Stunde später zu starten. Eine richtige Entscheidung. Nach etwa einer halben Stunde erscheint das Sonnenlicht gleich einem Scheinwerfer am Massiv des Everest. Wenige Minuten später taucht die gleißende Morgensonne auf. Die letzten Höhenmeter ziehen sich beschwerlich durch Felsgestein dahin. Nun genießen wir das unbeschreibliche Bergpanorama und Gletscherwelt fast aus der Vogelsperspektive. Drunten am Ende des Khumbu-Gletscher leuchten die gelben Zelte der Everest-Expeditionen im Basecamp.

 

 

Nach 4 ½ Stunden für Aufstieg, ausgiebiger Gipfelrast und Abstieg sind wir zurück in Gorak Shep. Zur Feier des Tages wird der mitgebrachte Schinken vertilgt. Sanje und ich lassen es uns mit jeweils einem Chapati munden.

 

Mit Beginn des Rückmarsches nach Lobuche bricht das sonnige Wetter rasant zusammen. Wind und Wolken folgt ein Schneesturm, der uns eine halbe Stunde vor Erreichen der Lodge noch erwischt. Nun sitzen wir im warmen Gastraum. Draußen rieselt weiterhin der Schnee. Was unternehmen wir in den kommenden Tagen? Wir haben noch eine Woche Zeit. Am 29.05. geht unser Flug von Lukla zurück nach Kathmandu. Die Überschreitung des Cho La nach Gokyo ist uns aufgrund des heutigen Schneefalls und der unsicheren Wetterlage zu riskant. Zudem wären wir beide auf der sehr langen Etappe möglicherweise alleine unterwegs. Die Entscheidung heißt, morgen geht es hinunter nach Pheriche (4.250 m). Dort haben wir uns nach 3 Wochen auf Tour redlich einen Ruhetag verdient.

 

22. Tag - 22.04.2012

 

Der Gastraum, der gestern Abend noch bis zum bersten voll war, ist verwaist, als wir zu später Morgenstunde aufbrechen. Der Schnee schmilzt in der Sonne schnell dahin. Während des Abstiegs und kurzer Rast in Thokla begegnen uns einige Touristen und eine größere Gruppe aus Australien auf dem Weg nach Lobuche. Pheriche hat sich in 7 Jahren vollständig erneuert. Überall stehen neue, modern ausgestattete Herbergen. Internet mit WiFi ist Standard, so auch im Himalayan Hotel. Endlich eine „warme“ Dusche. Die Temperatur lässt sich mit dem Durchlauferhitzer auf nicht mehr als 20 °C erhitzen. Trotzdem eine wohltuende Erfrischung.

 

Eine Gruppe von 30 Amerikanern füllt am Abend den Gastraum. Ansonsten herrscht in Pheriche kaum Betrieb.

 

23. Tag - 23.04.2012

Ein sonniger, aber eiskalter Ruhetag. Unermüdlich pfeift der Wind das Tal hinauf. Ich bleibe in der „Hütte“ und schmökre im warmen und windgeschützten Wintergarten. Auf dem Acker vor dem Hotel setzen 2 Frauen Kartoffeln. Ein hackt das Loch in die bereits gelockerte Erde. Die andere, auf dem Boden sitzend, wirft exakt die Saatkartoffel ins Ziel. Erwähnenswert ist noch der Hinweis auf die örtliche Krankenstation mit dem Informationscenter über Höhenkrankheit. Lobenswert, der freiwillige Einsatz der beiden Ärzte, die hilfreiche Aufklärungsarbeit und medizinische Hilfe leisten.

 

24. Tag - 24.04.2012

 

Ein eisiger Wind bläst uns ins Gesicht. Die langen, engen Täler wirken wie ein Kamin und man muss bedanken das wir uns in über 4.000 m Höhe befinden. Kurz vor Pangboche zweigt der Weg nach Phortse (3.810 m) ab und führt in das ursprüngliche Pangboche, das oberhalb des Neubaugebiet mit den Gasthäusern liegt. Inmitten der alten Siedlung befindet sich ein kleine sehenswerte Gompa. Dieser Tempel ist mit der älteste im Khumbu und wurde vermutlich von 300 Jahren von Lama Sange Dorje nach seiner Rückkehr aus Rongbuk (Tibet) errichtet.

 

Ein Mönch hat sich zur Meditation in den oberen kleinen Gebetsraum zurück gezogen. Das monotone Trommeln lockt uns zwangsläufig hinauf. Da trampelt doch tatsächlich eine Gruppe von irgendwoher mit Bergstiefel durch das Heiligtum. Fotografiert wird auf Teufel komm raus. Zum Glück verschwindet die Bande recht schnell. Sanje und ich verweilen noch einige Zeit und nehmen u.a. die antiken Masken und Malereien näher in Augenschein

 

 

Eine kleine Lodge lädt zur Rast ein. Dann geht es auf sehr gut ausgebautem Weg weiter. Vor 7 Jahren mussten wir diese Strecke durch dichten Nebel zurück legen. Heute zeigt sich die Landschaft auf diesem Höhenweg in voller Pracht. Auf der gegenüber liegenden Talseite befindet sich das Kloster Tengboche. Bevor der Weg in das Tal nach Gokyo abbiegt, führen einige Treppen steil bergab.

 

Auch Pfortse hat sich gewandelt. Neue Lodges wurden zwischen den mit Steinmauern umgebenen Äckern gebaut. Es ist sehr staubig. Der heftige Wind wirbelt die trockene Erde ununterbrochen durch die Gegend. Unten im Tal am Dudh Koshi liegt Pfortse Tanga (3.680 m). Ein Reh lässt sich am Wegesrand durch unsere Anwesenheit nicht stören. Seit Pangboche ist uns kein einziger Tourist begegnet. Eine halbe Stunde später erreichen wir die River Site Lodge, in der ich vor 1 ½ Jahren mit Krishna von Gokyo kommend übernachtete. Dort treffen wir 4 Gäste mit ihren Guides an. Ein Ehepaar aus Österreich, einen Australier und eine Asiatin.

 

Am Abend bullert der Kanonenofen und bringt den Gastraum auf Saunatemperatur. Ich schließe mich dem Gemeinschaftsessen der Wirtsleute und den Guides an. Dhaal Bhaat und Sanje sorgt wie immer für die Erfüllung meiner Sonderwünsche, Pickles. Mein Hunger steigt von Tag zu Tag. Es scheint dass die letzten Fettreserven auf dieser langen Tour aufgezehrt sind. Ich fühle mich erst richtig satt und zufrieden, als ich das gute Essen noch mit Cola nachspüle und einen Schokoriegel nachschiebe.

 

25. Tag - 25.04.2012

 

Serpentinen führen hinauf nach Mundara (4.000 m), dem Geburtsort von Sange Dorje. Es lohnt an diesem Ort mit herrlicher Aussicht auf die Ama Dablam und den umliegenden Gipfeln zu verweilen. Heute bilden sich jedoch schon im Laufe des vormittags erste Wolkenbänke. Beständig verläuft der Panoramaweg abwärts nach Sanasa zu den Gabelungen in Richtung Namche Bazar, Khumjung und Tengboche. Wir zweigen nach Khumjung (3.780 m) ab. Mit Profilblechen und Bauhölzern sind mehrere Träger schwer beladen, die das Material vom Mini-Flughafen Syangboche oder gar von weiter her mühsam zu irgendeiner Baustelle schleppen. Mittags in Khumjung angekommen, schlägt Sanje die Übernachtung in der Sherpa Lodge vor. Ich überrede ihn, dass ich abermals in der Ama Dablam Lodge übernachten möchte. Den Abend verbringen wir gemeinsam mit der Familie und einem Ehepaar aus Frankreich um Ofen im Gasraum sitzend. Heute erklingt dazu meine Musik aus den 80ern. Ansonsten ist auch dieser Ort touristisch so gut wie ausgestorben.

 

26. Tag - 26.04.2012

 

Das Finale dieser Tour wird eingeleitet. Seit Phortse Tanga gehe ich den Weg in Vergleich zu 2010 in umgekehrter Richtung. Damals startete ich mit Krishna von Namche nach Thame, von dort über Khumjung nach Phortse Tanga und weiter nach Gokyo. Heute ist das Kloster Thame unser Ziel. Morgen werden wir uns über Namche Bazar auf den Rückweg nach Lukla machen.

 

Am Pass oberhalb Syangboche ragen Everest, Lhotse und Ama Dablam in den klaren Himmel, vormittags jedoch im vollem Gegenlicht der gerade aufgegangenen Sonne. Ein kurzes Stück bis zur Landepiste, schließlich hinunter und wir erreichen den von Namche kommenden Hauptweg. Dieser ehemalige Handelsweg bis nach Tibet verläuft gemächlich am Hang entlang. Auf der gegenüber liegenden Seite erbebt sich die Gebirgskette einiger Sechstausender mit Kongde, Tengkang Poche, und Bigphera Go Shar, mit 6.729 m dem höchsten in dieser Reihe. In Thamo kehren wir zur Rast ein. Vorbei an religiösen Felsbildern erreicht man den Talgrund des Bhote Khosi, der tosend durch eine enge Schlucht donnert. Hinüber zur anderen Seite, noch einmal hinauf und Thame ist erreicht.

 

Aufgrund gestriger Empfehlung suchen wir die neu erbaute Everest Summiter Lodge auf. Eigentümer ist Apa Sherpa, der im Mai 2011 zum 21. Male den Everest bestieg. Momentan unternimmt er den 22. Anlauf. Seine Urkunden des Guinness Buch der Rekorde schmücken eine Wand im Gastraum.

 

Das Kloster liegt etwa 200 Höhenmeter oberhalb der Ortschaft. Es wurde ebenfalls auf Geheiß des Lama Sange Dorje errichtet, die fünfte Wiedergeburt des Rongbuk Lamas aus Tibet. Gemächlich steigen wir hinauf. Sanje in Nepali Boots (Badelatschen), ich vertraue weiterhin meinen Trekking-Schuhen. Chörten und Manimauern führen hinauf zu den kleinen Wohnhäusern der Mönche, die eng am aufragendem Fels gebaut sind und schließlich in den Innenhof des Klosters. Wir sind allein hier oben. Ein freundlicher Mönch gewährt uns Eintritt in die Gebetshalle.

 

Wieder zurück in der Lodge stellen wir fest, dass wir die einzigen Gäste sind. Der kleine Sohn es Wirtes (4 oder 5 Jahre alt) ergötzt sich an m.E. sehr brutalen (Kinder-)Zeichentrickfilmen auf der ständig laufenden Flimmerkiste. Eine weitere Sorte Dünnbier, das Lhasa Bier, steht im Angebot. Die Grenze nach Tibet ist zwar nicht weit, trotzdem wundert es schon, wie die Dosen hier gelangen. Da gibt es sicherlich einige offizielle Schmuggelwege, obwohl die Grenzübergänge geschlossen sind.

 

27. Tag - 27.04.2012

 

Zum Abschied zeigt sich die Gebirgswelt im morgendlichen Sonnenschein. Auf gleichen Weg geht es zurück, bis wir nach Namche Bazar abzweigen. So wie unsere Tour, endet auch die Frühjahr-Saison. Es kommen uns kaum Touristen entgegen. Beim Abstieg von Namche und anschließend weiter bis nach Lukla begegnen uns jedoch meist schwer beladene Trägern mit riesigen Sauerstoffflaschen und Expeditionsausrüstung auf dem Weg zum EBC. Dort beginnt der kommerzialisierte Wahnsinns, der in den folgenden Wochen einige Opfer fordern wird.

 

Ja, den Biergarten in Phakding habe ich in Erinnerung. War doch dort auf dem Hinweg der HIMATREK-Sticker an der Fensterfront der neu erbauten Unterkunft. So sitzen wir jetzt im üblichen Gastraum und gönnen uns das Bier. Unsere Werbung ist schnell aufgeklärt. Govinda kennt den Inhaber und war mit einer Gruppe aus Australien vor einem Jahr hier. Erst im Laufe des späten Nachmittag treffen noch 3 weitere Gäste ein.

 

28. Tag - 28.04.2012

 

Lukla, übernachtet wird wie immer im Khumbu Ressort. Wenn das Wetter keinen bösen Streich spielt, fliegen wir morgen um 08:30 Uhr mit Tara Air nach Kathmandu. Nun gilt es nur noch auf diese erfolgreiche und meine bislang längsten Tour zu feiern. Happy Hour ist angesagt. Na dann Prosit! Vorher unterwerfe ich mich noch der dringend notwendigen Gesichtspflege des Barbiers.

 

29. Tag - 29.04.2012

Irgendwie werden wir verschaukelt. Die Flugtickets hat der Wirt, der alles bestens für uns und einer Familie mit 2 Kindern organisiert. Wir hätten Zeit und er bringt uns rechtzeitig zum Flughafen. Irgend etwas ist da aber faul. Wozu hat er unsere Flugtickets? Ich blicke nicht durch. Wie mir Govinda später erläutert, wird kräftig gemauschelt. Für ein paar USD bekommt der eine einen früheren Termin. Derjenige, der nicht erbost auf seinen bestätigten Flug pocht, wird auf später verschoben. Wie auch immer, jedenfalls starten wir mit 2 Stunden Verspätung und landen sicher in Kathmandu. Govinda holt uns ab und kurz darauf bin ich daheim in Sitapaila.

 

30. - 31. Tag - 30.04. - 01.05.2012

 

Noch 2 Tage zum regenerieren in Kathmandu. Etwas Büroarbeit und die letzten Einkäufe tätigen. Die Wäsche zur Reinigung und zum Friseur. Dieses mal in einem neuen Restaurant in Sitapaila gegenüber dem Buddha Park. Dann heißt es nur noch Koffer packen.

 

32. - 33. Tag - 02. - 03.05.2012

 

Eigentlich sind es nach meiner Rechnung der 72. und 73. Reisetag. Nach fast 2 ½ Monaten in Nepal, freue ich mich auf die Rückkehr. Pünktlich startet die Gulf Air am Abend des 2. Mai nach Bahrain. Am 3. Mai betrete ich in Frankfurt wieder Heimatland, gegen 10 Uhr bereits Gelsenkirchen (Schalke City), wo mich Dorlis und Enkel Nick freudig erwarten.

 

Wie immer ist der Tisch zum 2. Frühstück fürstlich gedeckt.

 Schön mal wieder zu Hause bei der Familie zu sein,

aber der Flug am 14. September nach Nepal ist schon gebucht.